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Erhöhtes Herzinfarktrisiko durch Vitamin E?

Jahrzehntelang galt Vitamin E als das Herzschutz-Vitamin schlechthin. Dann platzte scheinbar die Bombe: Vitamin E fördert Herzinfarkte! Das ergab angeblich eine amerikanische Studie. Viele verunsicherte Patienten fragen sich seitdem, ob sie jahrelang auf das falsche Pferd setzten.

Das wirksamste natürliche Antioxidans

Die wichtigste Aufgabe von Vitamin E im Körper ist der Schutz vor freien Radikalen. Das sind aggressive Sauerstoffverbindungen, die empfindliche Zellstrukturen angreifen und zerstören. Freie Radikale sind bei der Entstehung vieler Alterserkrankungen wie Herz- und Gefäßschäden (Arteriosklerose), Augenleiden (Grauer Star) oder Demenzerkrankungen beteiligt.

Vitamin E schützt Sie daher als Antioxidans vor solchen und vielen anderen Erkrankungen schützen. Da das Vitamin fettlöslich ist, reichert es sich vor allem in den fetthaltigen Hüllen (Membranen) der Körperzellen an und macht die freien Radikale unschädlich. Es gilt als das wirksamste fettlösliche Antioxidans aus der Natur.

Pflanzen enthalten ausreichende Mengen des Radikalfängers

Ausschließlich Pflanzen bilden Vitamin E. Aus diesem Grund gelten pflanzliche Öle, Samen und Nüsse als die besten Lieferanten für das wichtige Antioxidans. In der Natur kommt es als Gemisch von insgesamt acht chemisch leicht unterschiedlichen Substanzen vor (jeweils vier verschiedene Tocopherole bzw. Tocotrienole). Die wirksamste Substanz des Gemisches nennt sich alpha-Tocopherol. Der tägliche Bedarf an Vitamin E liegt bei 15 mg (bzw. 22 Internationale Einheiten/I. E.). Diese Mengen erreicht man in der Regel gut durch Nahrungsmittel und ein Mangel an Vitamin E tritt selten auf.

Einen erhöhten Bedarf weisen Sie auf, wenn Sie große Mengen an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z. B. in Fisch, Fischölkapseln, Walnussöl, Sojaöl) zu sich nehmen. Diese reagieren leicht mit Sauerstoff-Radikalen und benötigen viel Vitamin E zum Schutz (pro Gramm ungesättigte Fettsäure etwa 0,5 g Vitamin E). Die Mindestmenge von 15 mg Vitamin E täglich reicht aus, um den absoluten Mindestbedarf zu decken und kurzfristige Mangelerscheinungen zu vermeiden. Um sich langfristig vor Krankheiten zu schützen, benötigen Sie deutlich größere Mengen im Bereich von 50 bis 400 I. E. Das zeigten zahlreiche Studien.

Vorbeugung folgender Krankheiten mit Vitamin E

  • Schlaganfall und Herzinfarkt
  • Schaufensterkrankheit (arterielle Verschlusskrankheit, AVK)
  • Alzheimer-Demenz
  • Grauer Star, Makula-Degeneration
  • Krebs
  • Rheuma, Arthrose, Arthritis
  • häufige Infektionen (z. B. Schnupfen)

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Vitamin E die Insulinwirkung verstärkt (wichtig für Diabetiker) und die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel (wichtig bei Thrombosen und Embolien) hemmt. Allerdings verunsicherten eine Studie und entsprechende Medienberichte viele Patienten und Therapeuten, die bisher von den positiven Wirkungen des Vitamins überzeugt waren.

Umstrittene Studie stiftet Verwirrung

Im Jahr 2004 kam eine zusammenfassende Literaturanalyse der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore/USA zu dem Ergebnis, dass Tagesdosen von über 400 I. E. Vitamin E unter Umständen Herzinfarkte begünstigen. Es kursierten reißerische Überschriften wie „Vitamin E ist lebensgefährlich“. Unter Vitamin-E-Experten ist diese Studie umstritten und bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich als der berühmte Sturm im Wasserglas.

Unter anderem berücksichtigen die Studienautoren nicht, dass gerade Patienten mit schweren Herzkrankheiten genau deshalb hohe Dosen einnahmen. Damit vertauschten sie Ursache und Wirkung genau. Eine weitere Merkwürdigkeit: Von den 19 Studien der Auswertung beobachtete man bei 18 keinen Anstieg der Todesraten unter Vitamin E. Ausgerechnet in den beiden mit den höchsten Vitamin-E-Tagesdosen (2.000 I. E.) sank die Todesrate durch die Einnahme der Vitamin E-Präparate.

Halten Sie mittlere Dosierungen ein

Der Vitalstoff-Experte und Vorsitzende des Forums Orthomolekulare Medizin in Deutschland, Dr. Udo Böhm, kommt zu der Einschätzung: „Bei objektiver Betrachtung finden sich in der Analyse etliche Ungereimtheiten und Denkfehler.“ Sie sollten sich durch diese fragwürdige Studie nicht verunsichern lassen und weiterhin auf die Heilkraft von Vitamin E vertrauen.

Bis endgültig Klarheit herrscht, sollten Sie auf eigene Faust zur Sicherheit täglich nicht mehr als 400 I. E. Vitamin E zu sich nehmen. Diese Dosierungen reichten ohnehin in den meisten Studien aus. Übrigens kommt selbst die Vitamin-E-kritische Untersuchung zu dem Schluss, dass solche mittleren Dosierungen tatsächlich vor Herzkrankheiten schützen. In Abstimmung mit einem Therapeuten können durchaus höhere Dosierungen sinnvoll und verträglich sein, um Ihre Gefäße vor Arteriosklerose zu schützen.

Vitamin E schützt Ihre Gefäße

  • verhindert die Bildung des schädlichen oxidierten LDL-Cholesterins
  • verhindert gefährliche Blutgerinnsel
  • hält die Gefäßwände elastisch und schützt sie vor Verletzungen

Im Jahr 2000 bewies u.a. die Universität Helsinki den Gefäßschutzeffekt durch Vitamin E in Kombination mit Vitamin C. Über 500 Patienten mit Arteriosklerose erhielten sechs Jahre lang täglich eine Kombination aus 270 I. E. Vitamin E und 500 mg Vitamin C. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit einem Scheinpräparat (Placebo) schritt die Arteriosklerose in der Vitamingruppe halb so schnell voran. Insgesamt gibt es viele Studien, die diese Befunde bestätigen. Darüber hinaus finden sich einige, die bisher keinen Gefäßschutz durch Vitamin E in Form von Präparaten nachwiesen. Die Erklärung für die widersprüchlichen Befunde könnte sein, dass viele Studien nicht das vollständige Vitamin-E-Gemisch, sondern nur eine Komponente (das alpha-Tocopherol) verwendeten.

Amerikanische Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen der Vitamin-E-Einnahme und dem Alzheimer-Risiko bei 4.000 Versuchspersonen. Das höchste Risiko wiesen diejenigen mit einem Vitamin-E-Konsum von täglich weniger als 7 I. E. auf (dies entspricht dem Risikofaktor 1). Bei Aufnahme von 300 I. E. täglich sank dieses Risiko auf ein Drittel (Risikofaktor 0,3) ab.

Extraportion Vitamin E für Augen, Gelenke und Immunsystem

Ebenfalls gut in Studien belegt ist die Wirksamkeit von Vitamin E gegen Augenerkrankungen wie Grauer Star und Makula-Degeneration. Hier bewährten sich Tagesdosierungen von 400 bis 800 I. E. Gleich zweifach profitieren Patienten mit Arthrose, Arthritis und anderen rheumatischen Erkrankungen von Vitamin-E-Präparaten.

Zum einen fängt es in den Gelenken die gefährlichen Sauerstoffradikale ab, die die schmerzhaften Entzündungen aufrechterhalten. Zum anderen bewirkt Vitamin E einen schmerzhemmenden Effekt. Das ergab etwa eine Studie des Rheumazentrums des Ruhrgebietes in Herne im Jahr 1998. Dort behandelte man mehr als 80 Patienten entweder mit Vitamin E (3-mal täglich 400 I. E.) oder mit dem Schmerzmittel Diclofenac. Nach drei Wochen waren die Schmerzen und die für Arthritis typische Morgensteifigkeit in beiden Gruppen gleich gut zurückgegangen.

Bleiben Sie auf Ihrem Weg!

Gegen Erkältungen sollten Sie im Winter nicht nur auf Vitamin C vertrauen, sondern ebenfalls auf Vitamin E. Es ist gegen Erkältungen und zur Immunstärkung mindestens genauso wichtig. Forscher der Tufts Universität in Boston/USA behandelten im Jahr 2004 über 600 Personen mit 200 I. E. Vitamin E täglich. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit einem Scheinmedikament (Placebo) ging die Erkältungshäufigkeit innerhalb eines Jahres um fast 30 Prozent zurück.

Diese und viele andere Studien zeigen, dass Sie Vitamin E weiterhin vertrauen können. Negative und emotional gefärbte Berichte von Medien, die mehr oder weniger alle voneinander abschreiben und sich nicht die Mühe machen, Studien wirklich detailliert zu prüfen, sollten Sie nicht abschrecken, diesen wichtigen Vitalstoff für Ihre Gesundheit zu nutzen.

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