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Bestellungen beim Universum

Seit gestern Abend bin ich ein ausgesprochener Bestell-Fan. Ich habe ein sehr bequemes Versandhaus gefunden. Es stellt keine Rechnungen aus und liefert prompt. Meistens wenigstens.

Entdeckt habe ich dieses Versandhaus schon im Jahr 2000. Aber irgendwie habe ich vergessen, dort zu bestellen. Bis ich kürzlich Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ in die Finger bekommen habe. Und darin erzählt er von der Begegnung mit einer Pilgerin, die frohgemut durch’s Leben geht, weil sie immer dann, wenn sie auf mögliche Schwierigkeiten stößt, eine Bestellung an das Universum abschickt – und prompt beliefert wird. Hape Kerkeling hat es dann auch ausprobiert – und siehe da: es klappte auch bei ihm. Wenn ich mich recht erinnere, wünschte er sich in einem total überfüllten Pilgerstädtchen ein nettes Hotelzimmer und bekam es.

Während ich das las, erinnerte ich mich dunkel daran, vor Jahren das Büchlein „Bestellungen beim Universum“ gelesen zu haben – und machte mich auf die Suche danach. Nach langem Wühlen fand ich es im Keller in einer der Bücherkisten. Und schlug es gleich auf.

In diesem Büchlein beschreibt die Autorin spannende Dinge. Zum Beispiel, wie Sie sich einmal ein Schloss als Arbeits- und Wohnstätte gewünscht hat und es prompt bekam. Sogar zweimal, weil das erste Schloss nicht das richtige war. Und wie sie sich ihren ersten Traummann beim Universum bestellt hat. Hat wohl auch geklappt, was nicht ganz einfach gewesen sein kann, weil ihre Wunschliste immerhin 25 Punkte umfasste.

Bestellen beim Universum ist nach Auskunft des Büchleins auch ganz einfach: Einfach positiv denken und bestellen. Ja, und das habe ich gestern Abend ausprobiert. In Köln bei der Parkplatzsuche.

Meine Holde und ich waren mit einem Freund zum Abendessen in einem netten Restaurant verabredet. Es gibt viele nette Restaurants in Köln. Mehr als Parkplätze. Und damit fangen die Schwierigkeiten an. In Köln ist es fast unmöglich, einen Parkplatz zu finden. Zumal die, die einen ergattert haben, nicht mal mehr im Traum daran denken, ihn aufzugeben, und lieber mit der Straßenbahn fahren. Das musste auch meine Holde feststellen, nachdem Sie fünfmal um den Block gefahren war, ohne einen Parkplatz zu finden – und entsprechend entnervt war.

„Fahr zum Restaurant“, sagte ich ihr schließlich. „Da steigst aus, gehst schon mal rein und ich suche dann einen Parkplatz. Das kann nicht lange dauern.“ Skeptisch sah mich meine Fahrerin an. „Wenn ich keinen Parkplatz finde, wirst du auch keinen finden“, meinte sie schnippisch. Doch das konnte mich nicht aus der Ruhe bringen, denn längst hatte ich einen Parkplatz bestellt.

Meine Holde fuhr also zum Restaurant und stieg aus. Ich wechselte auf den Fahrersitz und brauste los. Die Lieferung erfolgte prompt. Kaum 100 Meter vor dem Restaurant blinkte eines der parkenden Autos. Der Fahrer rangierte aus und machte mir meinen beim Universum bestellten Parkplatz frei. Eine Minute später war ich im Restaurant und erntete neugierige Blicke. „Wie hast du so schnell einen Parkplatz gefunden?“, fragte meine Holde. „Habe ich bestellt und geliefert bekommen“, erzählte ich strahlend. „Und wo?“, wollte sie wissen. „Beim Universum“, antwortete ich.

Gut, ich möchte das nachfolgende Gespräch der beiden, das sich im Wesentlichen um meinen geistigen Gesundheitszustand drehte, nicht wiedergeben. Außerdem war es mir egal, was da über mich geredet wurde. Ich hatte den Parkplatz und meine erste Lieferung erhalten. Doch die beiden fanden das Thema und mich offensichtlich lustig und hörten nicht auf. Irgendwann war es genug. „Ich werde dir beweisen, dass es wieder klappt“, sagte ich schließlich zu meiner Holden. „Ich wünsche mir jetzt, dass ich morgen im Bett bleiben kann.“

Tja, was soll ich sagen. So ist es dann auch gekommen. „Magen-Darm-Virus“ hat mir mein Arzt ins Attest geschrieben. Und jetzt weiß ich auch wieder, warum ich damals mit dem Bestellen aufgehört habe. Das mit dem Bestellen muss man irgendwie üben.

Apropos Üben:

Von Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage (Motto: Bewegung ist nicht alles – aber ohne Bewegung ist alles nichts) habe ich einen wunderbaren Tipp bekommen, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

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Alte Kommentare
  • Monika Tachernegg schrieb am 20.02.2015, 17:12 Uhr

    Das ist ein wunderbarer Artikel. Ich habe mich nicht nur amüsiert dabei, sonder auch vorgenommen, von nun an nur noch per Universum zu bestellen. Danke

  • Eckehard Hilf schrieb am 21.02.2015, 15:42 Uhr

    Dass man diese Methode "beim Universum bestellen" nennt, ist neu für mich. Aber dass der Glaube Berge versetzt, gehört doch schon seit Jahrtausenden zum auch christlichen Alltag.