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Riss der Achillessehne – Was, wenn's reißt?

Zu den Aufgaben der Sehnen gehört es, die Muskeln mit den Knochen zu verbinden. Mit einer Länge von ca. 10 bis 12 cm handelt es sich bei der Achillessehne um die längste Sehne des menschlichen Körper, die sich auf der Rückseite des Unterschenkels knapp über der Ferse befindet.

Dieser starke Strang aus Bindegewebe verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein (Calcaneus) und trägt wesentlich dazu bei, dass wir gehen und laufen können. Sie brauchen diese Sehne also, um Ihren Fuß in seiner normalen Stellung zu halten oder ihn zu strecken; eigentlich brauchen Sie die Achillessehne fast jedesmal, wenn sie Ihren Fuß bewegen.

Ein Achillessehnenriss (auch Achillessehnen-Ruptur genannt) ist eine relativ häufige Sportverletzung. Insgesamt betrachtet sind Sehnenrisse jedoch eher selten; in Deutschland kommt es zu etwa 16.000 Achillessehnen-Rupturen pro Jahr. Meist treten sie bei überlasteten oder vorgeschädigten Achillessehnen auf. Oft kommt es dabei an der schmalsten Stelle der Sehne zum Riss.

Ursachen: Was zu einem Riss der Achillessehne führen kann

Sehnen sind faserige Bündel, mit denen die Muskeln an den Knochen ansetzen. Aufgrund der eingeschränkten Durchblutung sind sie anfälliger für wiederholte Verletzungen und winzige Risse, die mit der Zeit zu vollständigen Rissen oder großflächigen Teilrissen führen können.

Wenn Sie Ihre Achillessehne überdehnen, kann sie teilweise oder vollständig reißen. Meistens liegt der Riss (Ruptur) unmittelbar oberhalb der Ferse, aber das muss nicht so sein. Ist die Sehne nur eingerissen, schmerzt das häufig nur wenig und Sie können Ihren Fuß eventuell noch bewegen; ansonsten können Sie meist nicht einmal mehr die Zehen des betroffenen Fußes anheben.

Ein Achillessehnenriss geschieht häufig bei ungeübten Bewegungsabläufen, bei denen Sie plötzlich abstoppen oder lossprinten müssen. Manche Sportarten erhöhen das Risiko dieser Verletzung besonders. Dazu gehören z. B. Ballsportarten, bei denen es zu abrupten Richtungswechseln kommt: etwa Fußball, Tennis, Badminton, Squash, Basket- und Volleyball. Die Verletzungsgefahr ist besonders hoch, wenn Sie diese Sportarten zum ersten Mal nach einer längeren Pause wieder ausüben.

Manchmal kann ein Achillessehnenriss auch einfach durch eine Überdehnung der Sehne verursacht werden, wenn Sie z. B. im Garten arbeiten oder sich nach einem Gegenstand ausstrecken. Selbst bei durchtrainierten Athleten kann die Achillessehne bei wiederholter Überbeanspruchung reißen.

Die Gefahr, dass es zu einem Riss der Sehne kommt, steigt außerdem mit dem Alter und bei einem untrainierten Zustand des Körpers. Und auch ein Sturz bzw. ein Sprung aus größerer Höhe mit einem harten Aufprall sowie verkrampfte oder schwache Wadenmuskeln können die Achillessehne reißen lassen.

Darüber hinaus können auch bestimmte Störungen den Sehnenriss begünstigen, darunter:

  • eine chronische Entzündung der Sehnen (Tendonitis),
  • Gicht
  • oder eine Überproduktion von Parathormon (Hyperparathyroidismus).

Spezielle Antibiotika aus der Klasse der Fluorochinoline können die Sehne zusätzlich gefährden:

  • Ciprofloxacin (Ciprobay® u. a.),
  • Levofloxacin (Tavanic®),
  • Moxifloxaczin (Avalox®, Actimax®),
  • Gatifloxacin (Tequin®)
  • und andere.

Diese Nebenwirkungen werden besonders bei älteren Menschen beobachtet, die gleichzeitig Kortikosteroide einnehmen.

Tipp zur Vorbeugung:

Einem Riss der Achillessehne vorbeugen kann man, indem man sich vor dem Sport ausreichendaufwärmt und das Trainingspensum nicht zu schnell sondern allmählich steigert.

Riss der Achillessehne: Die Symptome

Wenn Sie Schmerzen in der Fersengegend verspüren oder Ihren Fuß nicht mehr nach unten beugen und normal gehen (und die Zehen des betroffenen Fußes nicht mehr anheben) können, dann können das Anzeichen für einen Achillessehnenriss sein. Einige Patienten verspüren dabei sehr starke Schmerzen.

Beim Reißen der Sehne kommt es ohne Vorwarnung zu einem hörbaren, knallartigen Geräusch; einem „Schnappen” oder „Reißen“, wie es viele beschreiben. Die betroffene Person empfindet einen stechenden Schmerz an der Rückseite des Sprunggelenks und hat das Gefühl, als wäre sie in die Ferse getreten worden. Meist treten  dabei auch Blutergüsse und Schwellungen an der Ferse auf.

Vorgehen bei einer Achillessehnen-Ruptur

Wenn Sie einen Riss vermuten, legen Sie das Bein hoch und belasten Sie es nicht. Kühlen Sie die betroffene Stelle mit einem Eisbeutel und suchen Sie sobald wie möglich einen Arzt auf (nur dann sind die Sehnenenden noch nahe beieinander). Mit einer Behandlung sollte also schnellstmöglich begonnen werden.

Die Diagnose wird meist aufgrund der Vorgeschichte und einer Untersuchung des Beines gestellt. Ob die Sehne durch- oder angerissen ist, kann der Arzt u. a. mittels folgender Tests bzw. Untersuchungen erkennen:

  • Wadenkneiftest
  • Abtasten der Sehne (Beim Riss ist eine Delle über der Ferse zu ertasten.)
  • Test des Steh- und Gehvermögens
  • Ultraschall-Untersuchung, Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder andere bildgebende Verfahren

Die richtige Behandlung reicht von Physiotherapie bis zur Operation.

Die meisten Teilrisse lassen sich durch eine Entlastung des Gelenkes erfolgreich behandeln: Krücken, spezielle Stiefel oder Spezialabsätze können zum Einsatz kommen. Die Heilung kann einige Wochen oder Monate dauern.

Die Operation

Eine Operation wird typischerweise bei kompletten Achillessehnen-Abrissen oder bei größeren Einrissen, bei jüngeren oder sehr aktiven älteren Menschen empfohlen, wenn keine nennenswerten Risikofaktoren bestehen.

Hierbei ist im Allgemeinen nur ein kleiner Schnitt hinten am Bein nötig, um die gerissene Sehne wieder zusammenzunähen. Durch die OP kann die vorherige Funktionalität und Belastbarkeit der Sehne i. d. R. wiederhergestellt werden. Die Abheilungszeit mit einem Gehgips, einerSchiene oder einer ähnlichen Vorrichtung nimmt danach mindestens 6 Wochen in Anspruch. Meistens schließt sich eine Rehabilitation an.

Nicht-operative Behandlung

Als Alternative gibt es die konservative Methode, bei der auf eine Operation verzichtete wird. Eine solche nicht-operative Behandlung eignet sich eher für ältere, wenig aktive Menschen oder wenn mehrere Risikofaktoren gegen eine OP sprechen.

Diese Therapieform beruht im Wesentlichen auf einer zeitweiligen Ruhigstellung des Gelenks  durch einen  Spezialschuh oder Gipsverband, welcher der Sehne die Zeit zum Zusammenwachsen gibt. Mit Hilfe einer Ultraschall-Untersuchung wird zunächst abgeklärt, ob die Sehnenenden gut aneinander kommen und die Sehne nicht hochgeschlagen ist, dann wird der Gips angelegt. Dieser bleibt zwischen 6 und 12 Wochen. Nach dessen Abnahme erfolgt i. d. R. ebenfalls eine Rehabilitation.

Fazit

Im Vergleich zur nicht-operativen Behandlung ist das Auftreten eines erneuten Abrisses nach einer OP seltener, die Abheilung geht im Allgemeinen – aber nicht immer – schneller und der Wadenmuskel schrumpft weniger, da er schneller wieder beansprucht werden kann. Andererseits vermeidet die nicht-operative Behandlung mögliche Komplikationen bei der Wundheilung.

Unabhängig davon, ob operativ oder nicht operativ behandelt wurde, kann das Gelenk nach 1 Jahr wieder die ursprüngliche Kraft haben. Grundsätzlich muss jedoch von Fall zu Fall individuell entschieden werden, welche Therapieform in Betracht gezogen wird.

Wann Sie wieder Sport treiben können

Abhängig vom Befund und vom operativen Vorgehen ist also mindestens 6, oft aber auch 10 – 12 Wochen lang oder noch länger Geduld gefordert, bis zumindest die normalen Alltags-Bewegungen wieder reibungslos gelingen. Dann erst sollte man wieder an Sport denken. Je explosiver und heftiger die Bewegungen dabei sind, desto länger ist die Zeit des Aufbau-Trainings und der Vorbereitung.

Beispiel:

  • Walken: bald (z. B. nach 8 Wochen)
  • Joggen: später (nach 10 bis 12 Wochen)
  • Squash: ganz spät (nach 4 bis 6 Monaten)
Riss der Achillessehne Helmut Erb Wenn die Achillessehne nervt, rechtzeitig gegensteuern

Melden sich Ihre Achillessehnen mit Verdickungen und Schmerzen, ignorieren Sie diese Warnung vor Überlastung nicht! Sonst droht der Riss.