MenüMenü

Gicht: Ursachen für und Mittel gegen die Schmerzen in Ihren Gelenken

In der Umgangssprache wird Gicht immer auch als „Wohlstands-Krankheit“ bezeichnet.

Und wenn man sich den Verlauf der Erkrankungen anschaut, scheint das auch zu stimmen: In den „schlechten Zeiten“, also nach dem 2. Weltkrieg, gab es kaum Gichtkranke – heute sind knapp 5% aller Männer und knapp 1% der Frauen von dieser Erkrankung betroffen.

Ursachen und Auslöser von Gicht

Die überwiegende Ursache ist eine falsche Ernährung: zu viel Fleisch, zu viel Alkohol.

Ein weiterer Auslöser der Krankheit ist ein genetisch bedingter Fehler im Harn-Stoffwechsel, der aber sehr selten auftritt.

Exkurs: Harnsäure-Spiegel

Gicht entsteht durch einen zu hohen Harnsäure-Spiegel im Blut. Dieser setzt sich aus 2 Teilen zusammen:

  1. Endogene Harnsäure: Diese entsteht im Körper selbst, wenn Zellen erneuert werden.
  2. Exogene Harnsäure: Sie ist das Abbauprodukt von Nahrungsmitteln.

Während der Pubertät steigt der Harnsäure-Spiegel kontinuierlich an, bis er bei Männern – nüchtern gemessen – bei 7,7 mg/dl Blut liegt, und bei Frauen bei  5,5 mg/dl. Diese Werte gelten als normal, in diesem Rahmen haben Sie keine gesundheitlichen Risiken zu befürchten.

Erst wenn Ihr Harnsäure-Spiegel im Blut weiter steigt (bei Männern auf über 9 mg/dl und bei Frauen auf 8,5 mg/dl) müssen Sie mit einem Gicht-Anfall rechnen.

Vorwiegend Betroffene

Betroffen von einem erhöhten Harnsäure-Spiegel sind v. a. Menschen mit:

  • Diabetes,
  • Bluthochdruck,
  • Übergewicht,
  • Fettstoffwechsel-Erkrankungen,
  • Nieren-Insuffizienz
  • und als Nebenwirkung von Diuretika.

Nierensteine können ein 1. Warnsignal sein

Die Harnsäure ist ein Abbau-Produkt der Purine. Diese wiederum sind ein Bestandteil aller Zellen, v. a. der Zellkerne. Normalerweise wird die aus ihnen entstehende Harnsäure über die Nieren ausgeschieden.

Ist diese Ausscheidungs-Möglichkeit aber gestört oder befindet sich zu viel Harnsäure im Blut, bleibt sie im Körper und lagert sich an verschiedenen Stellen als kristallförmiger Rückstand an: v. a. in den Gelenk-Kapseln, aber auch in der Haut und anderen Körper-Geweben.

Die Folgen

  • Es bilden sich Harnsäure-Depots.
  • Es kommt zu Schwellungen und Hautrötungen an den Gelenken.
  • Zusätzlich können Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen auftreten.
  • Die Gelenk-Umgebung ist heiß und schmerzt bei Druck – Sie erleiden einen Gicht-Anfall.

Dieser tritt meist nachts auf und  dauert bis in den frühen Morgen hinein. Oft wiederholt er sich in den nächsten Nächten.

Langfristig können die Harnsäure-Kristalle Ihre Knochen zerstören und die Gelenke stark  verändern. Zudem können die Ablagerungen Ihre Nieren schädigen und zu Nierensteinen führen.

Gichtbedingte Nierensteine können auch auftreten, wenn Sie noch nie Schmerzen an den Gelenken hatten. Ignorieren Sie deshalb Nierensteine als Warnsignal für eine mögliche Gicht nicht!

Mit der richtigen Ernährung können Sie Gicht gut in den Griff bekommen

Lassen Sie Ihren Harnsäure-Spiegel am besten gar nicht erst soweit ansteigen!

Zur Vorbeugung, aber auch zur Behandlung von Gicht ist eine gesunde Ernährung der Grundstein. Wenn Sie ausgewogene Mahlzeiten zu sich nehmen, können Sie dadurch sogar Ihre medikamentöse Behandlung verringern.

Wichtig sind folgende Grundsätze:

  • Essen Sie nicht zu viel. Übergewicht ist einer der Hauptauslöser für Gicht. Senken Sie Ihr Gewicht, haben Sie automatisch weniger Harnsäure im Blut. Trotzdem dürfen Sie nicht zu radikal abnehmen. Bei jeder Diät werden nämlich auch Körperzellen abgebaut und dadurch Purine ins Blut freigesetzt, die dann wieder in Harnsäure umgewandelt werden. Wenn Sie unter Gicht leiden und abnehmen möchten, sprechen Sie Ihren Arzt an. Er kann Ihnen einen geeigneten Diätplan zusammenstellen.
  • Essen Sie ausreichend Eiweiß. Sehr gut geeignet sind fettarme Milch, Jogurt und Käse. Auch mit Eiern können Sie Ihre Ernährung gelegentlich ergänzen. Dagegen sollten Sie nur 1x am Tag zu Fleisch, Wurst und Fisch greifen, da sie sehr purinreich sind. Die Menge an Fleisch sollte 100 g pro Tag nicht überschreiten. Innereien, Heringe, Sardinen und Fleisch-Extrakt sind so purinhaltig, dass Sie diese als Gichtpatient auf jeden Fall meiden sollten. Sonderfall Geflügel: Dieses Fleisch dürfen Sie essen, wenn Sie vorher die Haut entfernen, die ebenfalls zu purinhaltig ist.
  • Greifen Sie zu viel Gemüse und Obst. Hier sollten Sie die Regel „5 am Tag“ beherzigen: 5 große Portionen Obst und Gemüse am Tag sind sehr gesund, versorgen Ihren Körper mit allen Vitaminen und Mineralstoffen, die Sie brauchen. Rund 250 g pro Portion dürfen es schon sein. Eine Ausnahme bilden Hülsenfrüchte (Erbsen, weiße Bohnen, Linsen) und Spinat aufgrund des hohen Purin-Gehalts. Fett sollten Sie grundsätzlich auf ein Minimum von 25 – 30 g pro Tag reduzieren.
  • Vermeiden Sie Zucker. Auch künstliche Fruktose (Zucker-Austauschstoff ) und Süßigkeiten lassen den Harnsäure-Spiegel steigen. Wenn Sie etwas süßen möchten, greifen Sie lieber zu Honig!
  • Trinken Sie ausreichend. So spülen Sie die Harnsäure aus dem Körper. Tee – egal, ob schwarz, Kräuter- oder Früchtetee – ist genauso erlaubt wie saure Fruchtsäfte. Auch Kaffee dürfen Sie trinken. Dann sollten Sie es aber machen wie die Südländer: zu jeder Tasse Kaffee 1 großes Glas Wasser trinken. Generell sollten Sie mehr als 2 l Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. Tipp: Wenn Sie damit Schwierigkeiten haben, nehmen Sie einfach ein größeres Trinkglas. So können Sie Ihr Unterbewusstsein austricksen, das 1 Glas immer auch als 1 Glas wahrnimmt; egal, ob es 0,2 oder 0,3 l fasst.

Nutzen Sie zur Unterstützung die Heilwirkung der Pflanzen

Bei Gicht bieten sich verschiedene Pflanzen-Tees an, die alle eine harntreibende Wirkung haben. Die verschiedenen Pflanzen bekommen Sie in der Apotheke oder im Naturladen.

Bis auf den Wachholder-Tee können Sie alle Tees ohne Bedenken so lange trinken, wie Sie Ihnen schmecken. Suchen Sie sich Ihre persönliche Geschmacksrichtung aus:

  • Birkenblätter-Tee: Geben Sie 2 EL grob zerschnittener Birkenblätter auf 1 Tasse kochendes Wasser. Lassen Sie den Tee rund 10 Min. ziehen und seihen Sie ihn dann ab. Hiervon sollten Sie täglich 1 Tasse trinken.
  • Bohnen-Tee: Geben Sie 1 EL getrocknete Bohnenschalen und -hülsen in 1 Tasse mit kaltem Wasser und lassen Sie sie 8 Std. lang ziehen. Danach kochen Sie das Gemisch kurz auf. Seihen Sie es ab und trinken Sie die Mischung über den Tag verteilt in kleinen Schlucken.
  • Katzenpfötchen-Tee: Kochen Sie 1 EL Tee auf 1 Tasse Wasser auf. Seihen Sie ihn ab und trinken Sie den Tee morgens früh ungesüßt.
  • Knöterich-Tee: Überbrühen Sie 1 EL mit 1 Tasse Wasser und trinken Sie die Mischung kalt am Morgen auf nüchternen Magen.
  • Rosmarin-Tee: Brühen Sie 1 TL voll Rosmarin-Blätter mit 1 Tasse Wasser auf. Lassen Sie die Mischung 5 Min. ziehen. Seihen Sie dann ab und trinken Sie vor jeder Mahlzeit 1 Tasse in kleinen Schlucken.
  • Wachholderbeeren-Tee: Brühen Sie 1 TL angedrückte Wachholderbeeren mit 1 Tasse Wasser auf. Lassen Sie die Mischung 5 Min. zugedeckt ziehen, seihen Sie ihn dann ab. Trinken Sie 3x täglich 1 Tasse. Vorsicht: Bei längerer Anwendung von Wachholderbeeren kann es zu Nieren-Schädigungen kommen. Daher sollten Sie diesen Tee nicht länger als 6 Wochen am Stück trinken und nur unter ärztlicher Kontrolle. Bei entzündlichen Nieren-Erkrankungen und wenn Sie schwanger sind, sollten Sie auf eine Wachholderbeeren-Anwendung verzichten.
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten