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Ernährung: Die Grundlage eines gesunden Lebens

In Amerika gibt es einmal im Jahr den „Eat-what-you-want-day“, also den „Essen-Sie-was-Sie-wollen-Tag“. Auf den ersten Blick scheint dies paradox. Denn gerade Amerika ist doch bekannt für seine ungesunden Lebensmittel, für enormen Kalorienverbrauch durch zu süßes und zu fettes Essen, für viel zu viele Menschen, die schon in jungen Jahren an Übergewicht leiden. Und dennoch ist das Ganze eine gute Idee. Denn es muss nicht unbedingt heißen, dass Sie sich quer durchs Süßigkeitenregal futtern. Vielmehr könnte uns allen solch ein Tag helfen, genauer auf unseren Körper zu hören und diesen mehr in den Mittelpunkt zu rücken.

Fragen Sie sich, worauf Sie wirklich Hunger haben. Was möchten Sie essen? Horchen Sie in sich hinein. Sie werden erstaunt sein. In den wenigsten Fällen werden das ungesunde Lebensmittel sein. Häufig nämlich signalisiert Ihr Körper Appetit auf Salat, bestimmte Obstsorten oder Fisch. All das sind Lebensmittel, die unter die gesunde Ernährung fallen. Ihr Körper ist nämlich in der Lage, Ihnen zu sagen, was er braucht. Leider verlernen die meisten Menschen im Laufe der Zeit, auf diese innere Stimme zu hören. Aber wenn wir dies neu lernen, brauchen wir uns über ungesunde Ernährungsweise eigentlich keine Gedanken mehr zu machen.

Inhaltsverzeichnis:

  1. 5 Schritte zur gesunden Ernährung
  2. Die „schöne“ neue Welt der Lebensmittel

Gesunde Ernährung© Adobe Stock – Daniel Vincek

5 Schritte zur gesunden Ernährung

Sie möchten gesünder essen und auf diese Weise gleich noch ein paar überflüssige Kilos verlieren? Falls es am Anfang noch nicht so gut funktioniert, auf Ihren Körper zu hören, finden Sie im Folgenden die fünf wichtigsten Schritte auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung.

Schritt 1: Überprüfen Sie Ihre Motivation

Warum möchten Sie gesünder essen? Haben Außenstehende Ihnen eingeredet, Sie seien zu dick? Hat vielleicht eine Bekannte sehr viel abgenommen, Sie sind neidisch und wollen es ihr gleich tun? Ehrlich gesagt: Das sind keine guten Gründe! Wahrscheinlich halten Sie eine bewusste Ernährung nur wenige Tage durch und dann ist alles wieder beim Alten.

Die Motivation sollte vielmehr aus Ihrem Innersten kommen. Machen Sie sich bewusst, dass es für Ihre Gesundheit nur Vorteile hat, wenn Sie reichlich Obst und Gemüse verzehren. Überschüssige Kilos verlieren Sie einzig zu Ihrem Vorteil, denn sie entlasten Ihren Körper. Drückt weniger Masse auf die Gelenke, dann sinkt beispielsweise Ihr Arthroserisiko.

Weniger Gesundheitsrisiken durch den Abbau von Übergewicht:

Bringen Sie weniger Kilos auf die Waage, dann sind Sie zudem viel beweglicher und aktiver und Ihre Lebensqualität nimmt zu. Nur wenn Sie diese eigenen gesundheitlichen Vorteile erkannt haben, halten Sie eine gesunde Ernährung langfristig durch.

Schritt 2: Achten Sie auf den richtigen Zeitpunkt

Haben Sie sich bislang häufig von Fertiggerichten ernährt, dann bedeutet es für Ihren Alltag eine erhebliche Veränderung, wenn Sie Ihre Speisen plötzlich frisch zubereiten wollen: Sie brauchen Zeit und auch ein gewisses Organisationstalent. Ist in Ihrem Leben momentan ohnehin viel los, weil Sie vielleicht einen kranken Angehörigen pflegen, eine berufliche Veränderung erfahren oder ein Umzug ansteht, dann fragen Sie sich, ob genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, den Speiseplan komplett auf den Kopf zu stellen.

Vielleicht warten Sie noch ein halbes Jahr und haben dann Zeit, Muße und auch Spaß daran, viele gesunde, selbst gemachte Rezepte auszuprobieren. Beginnen Sie jetzt erst einmal mit kleinen Dingen: Achten Sie darauf, dass Sie zumindest fünfmal täglich zu einem Apfel, Trauben, Bananen oder auch ungesüßten Fruchtsaftschorlen greifen. Und versuchen Sie insgesamt, weniger Süßspeisen und tierisches Fett zu konsumieren.

Schritt 3: Sorgen Sie für eine positive Lebenseinstellung

Überprüfen Sie außerdem Ihre Denkmuster. Streichen Sie negativ behaftete Aussagen aus Ihrem Bewusstsein, also etwa „Ich will nicht mehr dick sein“ oder „ich will nicht mehr unattraktiv sein“. Denken Sie positiv, etwa „Ich will gesund leben“ oder „Ich will abnehmen“. So signalisieren Sie Ihrem Unterbewusstsein: „Ich mag mich selbst“. Und wer sich selbst mag, dem fällt es leichter, etwas Positives für die eigene Gesundheit zu tun.

Schritt 4: Setzen Sie sich realistische Ziele

Seien Sie realistisch: Sie können nicht erwarten, innerhalb kürzester Zeit massenhaft Kilos zu verlieren. Wollen Sie abnehmen, dann erfreuen Sie sich auch an kleinen Erfolgen. Selbst wenn Sie nur ein bis zwei Kilos in einem Monat verloren haben, belohnen Sie sich dafür. Kaufen Sie sich einen neuen Pullover, vielleicht eine Kleidergröße kleiner.

Schritt 5: Vertrauen Sie auf Unterstützung

Vieles im Leben gelingt besser, wenn man nicht alleine ist. Wollen Sie Übergewicht abbauen, dann holen Sie sich beispielsweise Rat bei einem Ernährungsberater. Oder schließen Sie sich einer Gruppe an (z. B. Weight Watchers). Hier tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten aus. Sie lernen Leute kennen, schließen vielleicht neue Freundschaften.

Die „schöne“ neue Welt der Lebensmittel

In den meisten Haushalten kochen die Menschen heute kaum noch frisch. Vorgefertigte Lebensmittel ermöglichen dies. Sie sind preiswert, schmecken immer gleich, sind leicht zuzubereiten und kosten kaum Zeit. Doch sie sind ohne Hightech, aufwändige Bearbeitung und eine Menge Zusatzstoffe nicht herzustellen. Wissen Sie, was Sie bei Tisch alles schlucken? Im Durchschnitt verputzt jeder Bundesbürger acht Kilo Konservierungsstoffe im Jahr. Von Farb- und Aromastoffen, Geschmacksverstärkern, Trennmitteln, Packgasen und Füllstoffen ganz abgesehen.

Fertignahrung: Hauptsache schnell und bequem!

Nicht nur junge Leute essen immer mehr Vorgefertigtes aus Tüte, Dose, Aluminiumpackung oder Tiefkühltruhe. In etlichen Haushalten quer durch die Generationen kocht man nicht mehr frisch; stattdessen kommt Industrie-Food auf den Tisch. Hauptsache schnell und bequem. Chemiefabriken nehmen uns das Kochen ab. Hier wird nicht mehr gekocht, gerührt oder gebacken, sondern isoliert, optimiert oder modifiziert.

Ihr Output scheint immer gewaltiger: Rund 80 bis 90 Prozent der hierzulande erzeugten Lebensmittel kommen industriell be- oder verarbeitet auf den Tisch. Dabei ist am Ende nicht mehr viel von den wertvollen Anfangszutaten übrig. Bei vielen Nahrungsmitteln wird erst der natürliche Geschmack herausextrahiert, dann werden sie bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet, wieder zusammengefügt, mit meist chemischen Zusatzstoffen bestückt und mit künstlichem Geschmack versehen. Jährlich wirft der Markt in Deutschland 25.000 bis 30.000 neue Lebensmittelprodukte auf. Umso interessanter ist es daher, dass sich mittlerweile Trends wie die Paleo-Ernährung bewusst gegen industriell verarbeitete Lebensmittel stellen.

Die Chemieküche

Wüssten Sie, wie der Geschmack in Ihr Essen kommt, verginge Ihnen wahrscheinlich der Appetit. Für ein „naturidentisches“ Erdbeeraroma beispielsweise setzt die Industrie 40 bis 60 Stoffe ein, die Ihnen in einer anderen Zusammensetzung als Käsegeruch in die Nase steigen. Um Vanille zu gewinnen, verwenden die Lebensmittelchemiker Abfallstoffe: Sulfitlaugen aus der Papierherstellung.

Statt mühsam das Originalaroma teuer aus echten Früchten zu extrahieren, überlässt man es Bakterien und Pilzen, ähnlich schmeckende Substanzen in Fermentern zu erzeugen. „Produzent“ des Pfirsicharomas ist der hefeähnliche Pilz Sporobolomyces odorus. Der Bodenpilz Trichoderma viride macht Kokosnussaroma, der Baumpilz Trametes odorate sorgt für Anis- und Honigduft. Sägespäne und Klärschlamm dienen zudem als Rohmaterial für „natürliche“ Aromastoffe.

Vorgaukeln des natürlichen Geschmacks

Nach deutschem Lebensmittelrecht muss natürliches Aroma in der Natur vorkommen, kann jedoch anders erzeugt werden. Naturidentische Aromastoffe bedeuten nichts anderes als künstliche Aromen, welche die Aromen der Natur nachahmen. So werden sie billig und in Massen verfügbar und tragen zur Appetit- und damit Umsatzsteigerung bei. Allerdings tragen wir Verbraucher zu dieser Entwicklung unser Scherflein bei: Die meisten sind nicht bereit, für gute Ware mehr Geld auszugeben.

Die Nahrungsmittelindustrie erklärt, durch die gezielte Zugabe von einzelnen isolierten Inhaltsstoffen die Lebensmittel geschmacklich und gesundheitlich verbessern zu wollen. Doch wirken diese unter Umständen anders als Bestandteile in natürlichen Lebensmitteln. Bekanntestes Beispiel ist Beta Carotin: Aufgrund von epidemiologischen Studien in Europa ging man lange Zeit davon aus, das Provitamin schütze vor Lungenkrebs. Deshalb mischten es die Lebensmittelhersteller als „gute Vitamine besonders für Raucher“ unter alle möglichen Speisen und Getränke. Die böse Überraschung folgte auf dem Fuße: Raucher, die hoch dosiertes Beta Carotin zu sich nahmen, erkrankten häufiger an Lungenkrebs.

Lebensmittelherstellung heute: Sicher, aber undurchschaubar

Noch nie waren Lebensmittel so sicher, gesund und wurden so engmaschig kontrolliert, sagt die Lebensmittelindustrie. In der Tat erzielte sie wesentliche Fortschritte. Um einige Beispiele zu nennen: Vor einigen Jahrzehnten gab es das gefährliche Mutterkorn im Getreide. Lebensmittel-Technologen eliminierten dieses Problem nachhaltig.

Mit dem Pasteurisieren gelang es, Milch frei von Tuberkulose-Erregern zu bekommen, ohne den Vitamingehalt zu mindern. Konservierungsstoffe schützen die Lebensmittel vor schnellem Verderb und Pilzbefall. Konservieren, Pasteurisieren und Tiefkühlen ermöglichten die Massenherstellung von Nahrungsmitteln, sodass heute alle Menschen für relativ wenig Geld satt werden. Die längere Haltbarkeit ermöglicht es, dass man Lebensmittel weiter denn je transportiert.

Veredelung von Rohstoffen?

Die Herstellung von Lebensmitteln entfernte sich jedoch so weit vom herkömmlichen Kochen, dass der Konsument sich immer weniger vorstellen kann, wie seine Speisen zustande kommen. Die klassischen Zutaten werden in kleine Einheiten zerlegt (modifiziert), bearbeitet, haltbar gemacht und neu zusammengefügt. Statt Milch verwendet man zum Beispiel „Milcheiweiß“ und „Süßmolkenpulver“, statt Sahne im Eis „Butterreinfett“ oder pflanzliche Fette. Anstelle des Mehls verwendet man eine maßgeschneiderte Mischung aus Weizen- und Sojamehl, Emulgatoren und anderen Zutaten. Der Bauer ist damit ein Lieferant von Rohstoffen, die in der Nahrungsmittelindustrie „veredelt“ werden.

Die ganze und unendliche Fülle natürlicher Stoffe verwendet man in modifizierter oder nachgebauter Form als Zutaten für die schöne neue Welt der Lebensmittel. Die Rezepturen erscheinen immer komplizierter, die Herstellungsprozesse immer hochtechnisierter. Sie entfernen sich weiter von der Natur. Deshalb überrascht es wenig, dass industriell hergestellte Lebensmittel ihre frische Farbe nicht mehr der Natur, sondern Farbstoffen und Farbzusätzen verdanken.

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