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Es muss nur selten eine OP sein

Kaum eine Operation wird heutzutage in Deutschland so häufig ausgeführt wie die an den Schultergelenken. Und kaum eine ist in vielen Fällen so übereilt und unnötig wie diese. Denn es gibt genügend alternative Methoden, mit denen Sie Schulterprobleme lindern oder die Schmerzen sogar ganz beseitigen können. Einige davon stelle ich Ihnen im folgenden Beitrag vor.

Älterer Mann hat Schmerzen in der Schulter© Klaus Eppele - Fotolia

Rund 5 Prozent aller Deutschen erkranken jedes Jahr an Schulterbeschwerden. Ihnen macht der Alltag Mühe, da einige Bewegungen einfach nicht mehr möglich sind. Nachts kommen dann oft Schmerzen hinzu, die den Schlaf rauben. Doch mit der einfachen Diagnose „Schulterbeschwerden“ ist es nicht getan. Denn es gibt rund 30 verschiedene Auslöser, die zu diesen Problemen führen können. Dementsprechend viel Zeit sollte sich Ihr behandelnder Arzt nehmen, um die eigentlichen Ursachen Ihrer Schmerzen herauszufinden. Aus seinen Erkenntnissen ergibt sich dann die richtige und erfolgreiche Behandlung.Leider aber haben viele Ärzte häufig Scheuklappen auf, wenn es darum geht, den Grund für die Schmerzen herauszufinden. Statt Sie zu fragen, unter welchen Beschwerden Sie wann leiden, und die Schulter manuell zu untersuchen, wird häufig sofort geröngt. In der Regel schließen sich dann Kortisonspritzen und oft auch eine Operation an.

Diese Ursachen können Schulterbeschwerden ­zugrunde liegen

Dabei können hinter Ihren Schulterproblemen ganz unterschied­liche Erkrankungen oder Verletzungen stecken. Dazu gehören unter anderem:

  • Arthrose
  • Engpass-Syndrom
  • Kalkablagerungen
  • Muskelentzündungen
  • Schleimbeutelentzündungen
  • Schultersteife
  • Sehnenentzündungen
  • Verletzungen
  • Verspannungen

Engpass-Syndrom: Die häufigste Schulter­erkrankung

Besonders oft kommt es zum Engpass-Syndrom, das von Medizinern und Wissenschaftlern auch als Impingement-Syndrom bezeichnet wird. Seinen deutschen Namen hat es daher, dass zwischen Schulterdach und oberem Ende des Oberarmknochens eine Verengung entsteht. So werden Sehnen, Blutgefäße und Nerven, die durch diese Lücke laufen, eingequetscht. Auslöser dieser Verengung können zum Beispiel Verletzungen durch Unfälle, aber auch Kalkblagerungen sein.Wenn Sie unter einem Engpass an dieser Stelle leiden, bemerken Sie das vor allem an den Schmerzen, die in der Regel nachts im Liegen auftreten. Dabei ist es bei vielen Betroffenen unerheblich, ob sie auf der betroffenen Seite liegen oder nicht.Daneben ist auch die Schultersteife weit verbreitet. Ursache ist hierbei eine Verklebung an der Gelenkkapsel. Ausgelöst wird sie durch Entzündungen, die zu Narben oder Gewebewucherungen führen. Diese sorgen dafür, dass der Eindruck entsteht, die Schulter könne nicht bewegt werden, weil sie eingefroren ist. Besonders schwierig sind bei diesen Beschwerden Armbewegungen nach oben oder nach hinten.

Es muss nicht immer Kortison sein

Gerade bei letzteren Beschwerden sind die Heilungschancen sehr gut. In der Regel verschwinden sie sogar nach einigen Monaten von selbst wieder. Dennoch kann es sinnvoll sein, dass Ihr Arzt Ihnen für diese Zeit eine Behandlung mit Kortison oder mit Schmerzmitteln verordnet. So können Sie eventuelle durch die Schultersteife auftretende Schmerzen besser überstehen, bis es zur Abheilung kommt.Leider aber werden Kortisonspritzen heute viel zu schnell eingesetzt und von vielen Ärzten für das Alleinheilmittel bei Schulterbeschwerden gehalten. Andere Methoden dagegen werden erst gar nicht angewandt. Wie falsch das ist, zeigt eine Studie aus Leeds/Großbritannien. Hier wurde über 200 Patienten mit Engpass-Syndrom Krankengymnastik verordnet. Die Hälfte der Betroffenen erhielt zusätzlich noch eine ­Behandlung mit Kortison. Das ­Ergebnis: Nach drei Monaten ging es 85 Prozent aller Patienten deutlich besser, teilweise waren die Beschwerden sogar verschwunden. Dabei spielte es keine Rolle, ob nur Krankengymnastik praktiziert worden war oder zusätzlich Kortison gespritzt wurde.

Alternative Methoden, die Ihnen helfen

Ebenfalls viel zu schnell wird in Deutschland zum Messer gegriffen, wenn es um Schulterbeschwerden geht. Häufig operieren Ärzte viel zu früh bei Erkrankungen des Schultergelenks. Dabei sollte ein solcher Eingriff immer nur die letzte Option sein – so manche OP lässt sich auch durchaus vermeiden, wenn Sie alternative Verfahren konsequent nutzen. Dazu gehören zum Beispiel …

  1. Akupunktur. Bei dieser aus der Traditionellen Chinesischen Medizin stammenden Methode werden Nadeln direkt in bestimmte Punkte im Schulterbereich gesetzt. So werden nicht nur akute, sondern auch chronische Schmerzen gelindert. Alternativ wird heute auch häufig Taping verwendet. Dazu nutzt man bestimmte Klebebänder. Diese beeinflussen ebenfalls die Akupunkturpunkte, zudem stützen sie die Schulter und geben ihr so deutlich mehr Halt.
  2. Nervenblockade. Diese Methode stammt ursprünglich aus der Neuraltherapie und wird oft angewandt, wenn eine Schulter­steife vorliegt. Dabei wird ein bestimmtes Schmerzmittel, das aber nur lokal seine Wirkung entfaltet, in den Nerv gespritzt, der zum Schulterblatt führt. So verringern sich die Schmerzen mehrere Wochen lang deutlich, zudem verbessert sich die Beweglichkeit der Schulter wieder.
  3. Stoßwellentherapie. Hierbei werden energiereiche Wellen eingesetzt – zur Anwendung kommt das Verfahren vor allem bei der Kalkschulter. Allerdings werden die Kalkablagerungen hierbei nicht direkt zertrümmert. Vielmehr wird der Körper angeregt, sie aufzulösen. Eine Alternative  zur Stoßwellentherapie ist der sogenannte therapeutische Ultraschall. Er reduziert Entzündungen, wie sie zum Beispiel beim Engpass-Syndrom vorkommen.
  4. Wickel. Hierbei handelt es sich um die klassische Art, Entzündungen zu bekämpfen. Dementsprechend helfen zum Beispiel Quarkwickel bei allen Schulterbeschwerden, denen eine Entzündung zugrunde liegt, wie beim Engpass-Syndrom. Schmieren Sie einfach Quark direkt aus dem Kühlschrank auf ein Leinentuch z. B. ein Küchentuch. Das legen Sie dann auf die betroffene Schulter. Wenn der Quark warm und bröckelig wird, gegen frischen austauschen.

So vermeiden Sie Schulterbeschwerden

Am besten ist es natürlich, wenn Sie dafür sorgen, dass Schulterbeschwerden gar nicht erst auftreten. Dementsprechend sollten Sie sich im Alltag verhalten:

  • Vermeiden Sie eine unnatürliche Haltung Ihrer Arme. Sie sollten sie nicht lange nach vorn ausstrecken, sondern dann eher die Unterarme aufstützen. Das trägt zur Entspannung der Arme bei. Müssen Sie über Kopf arbeiten, verschaffen Sie sich durch Hilfswerkzeuge Erleichterung.
  • Heben Sie richtig. Lasten sollten Sie so nah wie möglich am Körper hochheben. Tragen Sie schwere Dinge, nehmen Sie sie nicht in eine Hand. Verteilen Sie das ­Gewicht der Last auf beide Arme.
  • Kräftigen Sie Ihre Muskeln. Ihre Schultermuskeln können Sie täglich quasi nebenbei trainieren, zum Beispiel durch einfaches Zusammenziehen der Schulterblätter.
  • Vorsicht bei diesen Sportarten! Überkopf-Sportarten können Gift für Ihre Schultern sein. Besonders kritisch sehe ich dabei Basketball, Volleyball, Tennis und Badminton, vor allem dann, wenn Ihre Schultern schon vorbelastet sind. Auch – oder gerade – bei Schulterschmerzen sind Ausdauersportarten wie Jogging, Walking oder Radfahren auf jeden Fall vorzuziehen.

Weitere Natur­heil­verfahren bei ­Schulterproblemen

Die Naturheilkunde hält weitere Verfahren bereit, mit denen Sie eine schmerzende, erkrankte Schulter behandeln (lassen) können. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • Bewegungstherapien (z. B. Aquasport)
  • Einreibungen
  • Elektrotherapien
  • Kältetherapie
  • Magnetfeldtherapie
  • manuelle Therapien (z. B. Massagen)
  • Pflanzenpräparate zur Hemmung von Entzündungen (unter anderem Teufelskralle oder Brennnessel)
  • Physiotherapien wie spezielle gymnastische Übungen
  • Ultraschalltherapie
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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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