Verdauungsprobleme: Alternative Hilfen für den gereizten Darm
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Verdauungsbeschwerden waren früher ein Tabuthema. Heute holen jedoch immer mehr Frauen wegen Verstopfung, Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall ärztlichen Rat ein. Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema aus naturheilkundlicher Sicht und warum die Mayr-Kur wie Urlaub für Ihren Darm ist. Sie haben sich untersuchen lassen, und die Blutuntersuchungen, Ultraschalldarstellung der Bauchorgane, sogar Magen- und Darmspiegelung haben normale Befunde ergeben. Eine Erkrankung im Verdauungssystem konnte medizinisch nicht festgestellt werden. So lautet am Ende oft die Diagnose „Reizdarm” oder „funktionelle Darmbeschwerden”, und Sie gehen mit dem Rat nach Hause: „Ihr Darm ist halt Ihre Schwachstelle. Fressen Sie nicht alles in sich hinein und sehen Sie die Dinge etwas lockerer, dann kommt die Verdauung schon wieder in Gang.” Für die meisten Frauen ist das keine befriedigende Lösung. Was kann ihnen in diesem Fall die Naturheilkunde bieten?
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Gönnen Sie Ihrem Darm bei Verdauungsproblemen doch einfach Urlaub – die Mayr-Kur
Stellen Sie sich einen großen See vor. Jahrelang leitet ein ortsansässiges Industrieunternehmen Chemikalien ein. Die Selbstreinigungsmechanismen des Sees laufen auf Hochtouren und halten lange durch. Die Fische vermehren sich noch, die Pflanzen wachsen. Doch irgendwann reicht der sprichwörtliche Tropfen aus, das System zum Kippen zu bringen. Seien wir ehrlich: Wie oft benutzen wir unseren Darm als Müllkippe! Fast Food, Fertigmahlzeiten mit Konservierungsmitteln, zuviel Fett und Zucker, Alkohol, aber auch Medikamente – der Darm hält lange durch, und wir fühlen uns nicht krank. Doch dann beginnen Unpässlichkeiten und wachsen sich zu echten Beschwerden aus. Wir stellen die Ernährung um, leben bewusster, doch nichts hilft so recht. Die Verdauung stockt, Sie fühlen sich voll und ständig müde. Auch dieses System ist gekippt und bedarf einer grundlegenden Sanierung.
Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr (1875 bis 1965) entwickelte die bekannte Milch-Semmel-Diät. Sie dient der Regeneration des Darms und der Entschlackung des ganzen Körpers. Viele Frauen mit Reizdarm sind danach lange Zeit beschwerdefrei oder erfahren eine deutliche Linderung.
Eine Mayr-Kur wird am sinnvollsten unter Anleitung und Aufsicht eines ausgebildeten Mayr-Therapeuten ambulant oder in speziellen Sanatorien oder Kurheimen durchgeführt. Eine stationäre Mayr-Kur dauert 2 bis 3 Wochen und kostet ungefähr, je nach Kategorie des Kurheims ab ca DM 1.000 pro Woche.
Die Mayr-Kur fußt auf drei Säulen – den 3 S: (Darm-)Schonung, Säuberung und (Patienten-)Schulung. Zur Schonung und Schulung dient die Kursemmel, ein Brötchen, welches in daumendicke Scheiben geschnitten und 1 bis 2 Tage an der Luft getrocknet wird, bis es eine gummiartige Beschaffenheit bekommt. Zwei- bis dreimal täglich wird eine Semmel gegessen. Dabei wird jeder Bissen 30 – 50mal gekaut und erreicht so bereits vorverdaut den Darm. Die Fastende lernt so, sich wieder auf das Essen und Kauen zu konzentrieren, sich Zeit zu nehmen und nicht durch Gespräche oder womöglich Arbeiten während der Mahlzeit abzulenken.
Morgens werden Bittersalze eingenommen, hohe Einläufe (mit hochgehängten Waserbehältern und 1 L Flüssigkeit – nur durch Therapeuten durchzuführen) oder Darmspülungen vorgenommen. So wird der Darm von alten Kotresten gereinigt. Drei Liter Wasser und Tee unterstützen den Entgiftungsprozess. Tägliche Bauchmassagen regen den Lymphfluss im Bauchraum an, Schlackestoffe werden abtransportiert. Heute ergänzt oft ein viertes S die Kur: die Entsäuerung. Basenpulver fangen die überschüssigen Säuren, die beim Fasten aus den Geweben freigesetzt werden, ab.
Ebenso entscheidend für den Kurerfolg wie das Fasten selbst ist der anschließende Kostaufbau als Übergang zur alltäglichen Ernährung. Für diese erhalten Sie Anregungen während der Kur und bei der Entlassung nach Hause.
Was bringt die Homöopathie Ihrem Darm?
Einen ganz anderen Ansatz bietet die Homöopathie, deren Domäne u.a. Erkrankungen unklarer Ursache sind. Denn sie fragt nicht nach schulmedizinischen Diagnosen, sondern orientiert sich an Symptomen und deren Modalitäten, d. h. den Umständen, die ein Symptom bessern oder verschlechtern. So wird Ihnen ein homöopathischer Therapeut oder eine Therapeutin möglicherweise eines der großen „Darmmittel” wie z. B. Lycopodium, Nux vomica, Carbo vegetabilis verordnen – je nach Ihren persönlichen Beschwerden und Ihrer gesamten Befindlichkeit.
Homöopathische Therapeuten erfragen detailliert die Besonderheiten der Darmbeschwerden, das tageszeitliche Auftreten, Einflüsse verschiedener Nahrungsmittel, Reaktionen auf Wärme oder Kälte und vieles mehr. Mit diesen Informationen suchen sie aus einer Fülle homöopathischer Mittel dasjenige aus, welches die Mehrheit dieser Charakteristika beschreibt.
Die klassische Homöopathie, die sich streng an ihrem Begründer Samuel Hahnemann (1755 bis 1843) ausrichtet, verfolgt eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen, die auch die Psyche einbezieht. Ihr Ziel ist Heilung und nicht nur Linderung von Symptomen. Deshalb ist gerade bei chronischem Reizdarm zu einer so genannten Konstitutionsbehandlung zu raten, vor allem wenn psychische Faktoren die Beschwerden stark mit beeinflussen.
Eine umfangreiche, oft mehrstündige Befragung (Anamnese) nach akuten und früheren Krankheiten, aber auch Vorlieben, Abneigungen, Träumen und Charaktereigenschaften liefern die Mosaiksteinchen, aus denen sich für den Homöopathen/die Homöopathin das Gesamtbild der Patientin zusammensetzt. Aufgrund dieses Gesamtbildes der Persönlichkeit wird das auf die Patientin und ihre Beschwerden passende Mittel ausgesucht. Die Psyche reagiert oft zuerst. Dann sind zunächst die Beschwerden noch vorhanden, aber sie werden gelassener erlebt.
Im zweiten Schritt bessern sich dann die körperlichen Symptome, so dass beim Nachgespräch nach 4 bis 6 Wochen bereits eine deutliche Besserung zu verzeichnen ist. Der Therapeut/die Therapeutin entscheidet dann, ob das Mittel wiederholt, die Dosis geändert oder ein Folgemittel, angepasst an die neuen Gegebenheiten, in Frage kommt oder ob die erste Gabe in ihrer Wirkung noch anhält und es besser ist, noch etwas abzuwarten.
Der Ansatz der Traditionellen Chinesische Medizin bei Verdauungsproblemen
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) fußt auf der Lehre von den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Seit über 2000 Jahren wird im Fernen Osten nahezu jede Krankheit mit Akupunkturnadeln und chinesischen Arzneikräutern behandelt. Auch heute hat dort die TCM neben der modernen Medizin einen hohen Stellenwert. Sie ist eng gekoppelt mit der chinesischen Ernährungslehre – insbesondere in der Therapie von Magen-Darmbeschwerden.
Die Verdauung wird nach fernöstlicher Vorstellung von mehreren Elementen gesteuert und kontrolliert, allen voran durch die „Erde”, auch als die Mitte bezeichnet. Die Chinesen haben eine sehr bildhafte Vorstellung von der Funktion der „Mitte”: Dort brennt ein Verdauungsfeuer, sagen sie, welches nicht zu hoch lodern, aber auch nicht schwach glimmen darf.
Die Kosten der drei vorgestellten Verfahren werden nicht automatisch von den Krankenkassen getragen. Erkundigen Sie sich vor der Behandlung oder einer stationären Kur bei Ihrer Kasse, welche Kosten sie übernimmt.
Belasten wir den Magen-Darmtrakt zu sehr mit fetten, mächtigen Speisen (z. B. Sahne, schleimige Nahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte), zu kalter Nahrung oder aber Medikamenten, muss das Feuer zu stark brennen und verbraucht sich. Die „Mitte” läuft nur noch auf Sparflamme. Die Nahrung wird nicht mehr ausreichend verwertet. Der Darm wird träge, der Bauch bläht sich, die Patientin fühlt sich voll, müde, schwerfällig. Durchfälle können auftreten als Versuch, den „Bodensatz” auszuscheiden. Oft kommt es zu einer Gewichtszunahme; der Körper deponiert die „Schlacke” im Fettgewebe.
Dem Holzelement ist das Organpaar Leber/Gallenblase zugeordnet. In alten Schriften heißt es sinngemäß, das Holz kontrolliere die Erde. Wird das Holz aber übermächtig, z. B. durch zuviel Stress, Anspannung, Alkohol oder fette, heiße Speisen, wird die Dynamik zu stark und attackiert die Mitte. Das Verhältnis von Yin und Yang wird gestört – Krämpfe, Spannungen im Oberbauch, Aufstoßen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfälle können auftreten.
Zur Unterscheidung, ob z. B. nur eine Schwäche oder bereits eine Überlastung im Erdelement vorliegt oder ob die angespannte Leber die eigentliche Ursache ist, wird auch in der TCM die Patientin ausführlich befragt, vor allem aber betrachtet und betastet. Die Pulsund Zungendiagnostik sowie die Bauchuntersuchung geben die entscheidenden Hinweise.
Die Nadelung oder Erwärmung (Moxibustion) bestimmter Akupunkturpunkte stärkt die Organe, leitet aus oder entspannt gestaute Energien. Die Kombination mit chinesischen Arzneimitteltees führt oft zu einer raschen und eindrucksvollen Besserung der Verdauungsprobleme, aber auch zu einer allgemeinen Entspannung. Die Patientinfühlt sich bald wieder voller Energie. Allerdings müssen Sie als Patientin Ihren Teil dazu beitragen – „passives Geheiltwerden” kennt die chinesische Medizin nicht. Aktive Änderung der Lebensgewohnheiten und Umstellung der Ernährung entscheiden mit über den Heilungsverlauf. Ihr TCM-Therapeut hilft Ihnen auf den Weg, beschreiten müssen Sie diesen dann selber.