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Lungenhochdruck: Mit Training zu mehr Luft

Obwohl die Erkrankung sehr selten vorkommt, darf man sie nicht unterschätzen: Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie).

Diese Krankheit betrifft ausschließlich die Gefäße des Lungenkreislaufes, was gefährliche Folgen nach sich zieht. Inzwischen fanden Spezialisten gute Möglichkeiten, den Patienten zu helfen, beispielsweise mit einem speziellen Trainingsprogramm.

In vielen Fällen gelten chronische Erkrankungen des Herzens und der Lunge, Lungenembolien, rheumatische Erkrankungen, angeborene Herzfehler oder Herzschwäche als Ursachen des Lungenhochdrucks.

Zu Beginn der Erkrankung sagen die Symptome wenig aus. Erst zu einem späteren Zeitpunkt treten die Beschwerden zunehmend deutlich auf.

Die Patienten sind nicht mehr leistungsfähig, sie fühlen sich abgeschlagen und müde.

Der Schwachpunkt liegt zwischen Herz und Lunge

Der Lungenkreislauf verläuft zwischen Lunge und Herzen und wieder zurück. Wenn in diesen Gefäßen der Druck zu hoch ist, spricht man von einem Lungenhochdruck. Er entsteht, wenn die Gefäße beispielsweise verengt sind.

Die kleinen Blutgefäße der Lunge verengen sich (beispielsweise durch eine Embolie) und wuchern zum Teil zu. Nun steht nicht mehr die volle Leistungskapazität der Gefäße zur Verfügung.

Das Herz wendet viel Kraft auf, um sauerstoffarmes Blut in die Lunge zu pumpen. Das ist anstrengend und der Muskel ermüdet. Als Folge lässt die Pumpleistung nach. Bindegewebserkrankungen der Lunge oder chronische Herz-Erkrankungen gelten als Auslöser.

Ein idiopatischer Lungenhochdruck, also ein Lungenhochdruck ohne Auslöser, ist sehr selten.

Da besonders der rechte Vorhof und die rechte Kammer des Herzens unter Belastung stehen, fühlt sich die Erkrankung für die Patienten wie eine Herzschwäche an.

Sie spüren in manchen Fällen Herzrasen oder Herzstolpern, darüber hinaus leiden die Patienten bei Belastung unter Atemnot. Schreitet die Krankheit voran, tritt die Atemnot unter Umständen im Ruhezustand auf.

Die Diagnose ist nicht leicht. In manchen Fällen dauert es Monate, bis die Mediziner die Ursache finden. Bei Verdacht bestätigen sie den Lungenhochdruck mittels Röntgenaufnahme der Lunge, einem Lungenfunktionstest, einer Blutgasanalyse und einem EKG.

Darüber hinaus ordnen sie eine Ultraschalluntersuchung des Herzens an. Mit einem Herzkatheter messen die Ärzte direkt den Druck im Lungenkreislauf.

Keine Heilung, doch Besserung

Pulmonaler Hypertonie kann man nicht heilen, aber ihr Fortschreiten verlangsamen. Mit Hilfe der Medizin kann man die Symptome lindern und den Allgemeinzustand des Patienten verbessern.

Die Therapie hängt stark von der Art des Lungenhochdrucks ab.

Bei Patienten, die unter einem Lungenhochdruck in Verbindung mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung leiden, führen die Ärzte Sauerstoff mittels Maske zu. Zusätzlich erhalten diese Patienten eine medikamentöse Therapie.

Wie eine Behandlung letztendlich aussieht, entscheidet der Arzt nach Beurteilung des Schweregrads der Erkrankung. Schlägt eine medikamentöse Therapie nicht an, besteht als letzte Option eine Transplantation.

Pulmonaler Hochdruck: Therapie

Wahrscheinlich erhalten Sie Sauerstoff, um dem pulmonalen Hochdruck entgegenzuwirken.

Das gilt besonders, wenn der Sauerstoffgehalt Ihres Blut während Ruhe oder Anstrengung zu niedrig ist, Sie hoch in den Bergen leben oder wenn sie unter Atemstörungen während des Schlafes (Apnoe) leiden.

Ein Kalzium-Kanal-Blocker, – wie Amlodipin, Diltiazem oder Nifedipin – kann verordnet werden, um die glatten Muskelzellen in Ihren Gefäßen zu entspannen. Diuretika eignen sich, um einen Flüssigkeitsstau in Ihrer Lunge zu verhindern.

Aber zu der häufigsten Behandlung gehört die Medikamentenklasse der Vasodilatatoren.

Der einzige Wirkstoff aus dieser Gruppe, der von den amerikanischen Gesundheitsbehörden für Pulmonalen Hochdruck zu gelassen wurde, ist Epoprostenol (Flolan).

Epoprostenol kann die Symptome lindern, wie Kurzatmigkeit und Brustschmerzen. Außerdem kann es die Schwindelanfälle beenden und Ihre Vitalität verbessern.

Man nimmt an, dass es:

  • Verengte Blutgefäße entspannt
  • Die Bildung von Blutgerinnseln verhindert
  • Die Funktion der Lungengefäße verbessert

Epoprostenol kann außerhalb des Krankenhauses kontinuierlich verabreicht werden, indem eine intravenöse Nadel mit einer kleinen Pumpe verbunden wird, die der Patient wie eine Geldbörse oder eine Gürteltasche trägt.

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Kieferschmerzen, Übelkeit und Durchfall, Beinkrämpfe und Schmerzen sowie Infektionen an der Eintrittsstelle der Nadel.

Zwar bekämpft Epoprostenol die Symptome besser und verlängert das Leben länger als andere Therapien, aber es ist auch teurer.

In Ausnahmefällen kann eine Herz-Lungen- oder Lungen-Transplantation eine Behandlungsalternative bieten. Das gilt besonders für junge Patienten mit primärem pulmonalen Hochdruck.

Spezielles Training: effektiv, aber nur bei Spezialisten

Um das Wohlbefinden zu seigern, erarbeitete Professor Dr. Ekkehard Grünig mit seinen Mitarbeitern ein spezielles Trainingsprogramm für Patienten mit Lungenhochdruck.

Dr. Grüning ist Leiter des Zentrums für Pulmonale Hypertonie Thoraxklinik in Heidelberg. Das Bewegungsprogramm gilt als sehr erfolgreich.

Es umfasst Fahrradfahren auf einem Hometrainer, Gehen und Hanteltraining sowie Atem- und mentales Training.

Dies geschieht zusätzlich zu einer optimal eingestellten medikamentösen Therapie. Aus Sicherheitsgründen dosiert man das Training niedrig und beginnt in einer auf Lungenhochdruck spezialisierten Klinik unter Anleitung von Ärzten und Physiotherapeuten.

Neue Behandlungen in der Entwicklung

Einige neue Behandlungen für den pulmonalen Hochdruck befinden sich bereits in der Entwicklung:

  • Entdothelin-Rezeptor-Antagonisten: Diese Medikamente, die in Pillenform erhältlich sind, wirken dem Endothelin entgegen, einer Substanz in den Blutgefäßen, die zu einer Verengung der kleinen Blutgefäße führt. Eines dieser Medikamente ist Bosetan (Tracleer®) und wurde vor kurzem von den amerikanischen Gesundheitsbehörden zugelassen. In klinischen Untersuchungen erfuhren Patienten mit pulmonalem Hochdruck eine Linderung Ihrer Symptome und eine verbesserte Vitalität.
  • Neue pulmonale Vasodilatatoren: Damit sollen die Effekte von Epoprostenol nachgeahmt werden, jedoch in einer einfach zu handhabenden Form. Es gibt eine subkutane Version (Beraprost®) und eine Version zum Inhalieren (Iloprost®). Beide zeigten vielversprechende Ergebnisse in klinischen Studien und werden derzeit von den amerikanischen Gesundheitsbehörden geprüft.
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