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Probleme mit After und Enddarm: Schämen Sie sich nicht, ärztlichen Rat einzuholen

„Irgendwelche gesundheitlichen Beschwerden?“ So oder ähnlich fällt die Eingangsfrage beim Arztbesuch häufig aus. Die Antwort fällt Ihnen schwer. Wie sollen Sie nur den Anfang finden, ihm zu erzählen, dass Sie Ihre Darmentleerung nicht kontrollieren können? Es ist sogar schon verschiedentlich zu einem Malheur gekommen.

Über den Verlust der Kontrolle der Darmentleerung zu reden, ist sicher nicht leicht. Aber dieses Problem ist nur eine Möglichkeit aus einer Reihe von Störungen, die den letzten Abschnitt des Verdauungstraktes betreffen – den Mastdarm und den After (Anorektalregion).

Auch wenn es Ihnen peinlich ist, sie anzusprechen, derartige Probleme sind meist behandelbar. Reden Sie offen mit Ihrem Arzt. Das ist ein wichtiger Schritt, um das Problem näher einzukreisen und vor allem, um damit zurecht zu kommen.

Was im Inneren des Bauches passiert

Der Mastdarm (Rektum) ist ein muskulöser Schlauch – in der Regel 15 bis 20 cm lang – mit Falten, Drüsen und Nervenfasern. Er ist der unterste Teilabschnitt des Dickdarms. Zwei ringförmige Schließmuskeln, die beiden Sphinkter, kontrollieren die After-Öffnung, indem sie sich zusammenziehen oder ausdehnen.

Der innere Schließmuskel kann nicht willkürlich beeinflusst werden, wohingegen der äußere dem Willen unterliegt. Die Stuhlentleerung hängt von der Zusammenarbeit beider Muskeln ab. Wenn das Zusammenspiel der Muskeln im untersten Darmabschnitt nicht zeitgleich funktioniert, merken Sie das in der Regel. Gängige Symptome sind Schmerzen, Jucken und Blutungen. Die meisten anorektalen Symptome werden durch gutartige, behandelbare Störungen verursacht.

So bald Sie Darmblutungen oder eine Veränderung bei der Stuhlentleerung bemerken, sollten Sie in jedem Fall zum Arzt gehen. Er wird Sie untersuchen und eine Diagnose stellen, zu der auch bösartige Erkrankungen oder ihre Vorstadien gehören können, die dringend einer Behandlung bedürfen.

Zu den weiter verbreiteten Enddarm-Problemen zählen:

  • Juckreiz am After (Pruritus ani) – Er kann am besten mit starkem Jucken im Inneren und außen um die After-Öffnung herum beschrieben werden. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Dazu können trockene Haut, Infektionen, Hautabschürfungen durch Bekleidung oder zu starkes oder zu häufiges Verwenden von Toilettenpapier nach der Stuhlentleerung gehören sowie erhöhte Feuchtigkeit durch Schwitzen, klebrige Stuhlgänge, häufige Durchfälle, Stuhlinkontinenz oder Fadenwürmer. Was können Sie dagegen tun? – Zur Linderung des Juckreizes können Sie 2-mal täglich ein Sitzbad nehmen. Setzen Sie sich dazu einige Minuten in etwa 8 cm tiefes, warmes Wasser. Benutzen Sie zum Abputzen unparfümiertes Toilettenpapier oder – noch besser – Öltücher. Wann sollten Sie zum Arzt gehen? – Normalerweise reicht die Selbstbehandlung vollkommen aus. Ist das Problem allerdings schwerwiegend oder länger anhaltend, könnten Sie ein Hautproblem haben oder eine andere Störung, die ärztlicher Behandlung bedarf.
  • Hämorrhoiden und Analrisse (Fissuren) – Hämorrhoiden sind krampfadern-ähnliche Ausweitungen der Gefäße des perianalen Venengeflechts. Wenn sie durch eine mühsame Stuhlentleerung oder harte Stühle gereizt werden, können sie aus ihrer normalen Position nahe der Afteröffnung in den Enddarm oder gar nach außen hervortreten. Dann können Sie schwache bis starke Schmerzen, Juckreiz oder Blutungen verursachen. Eine Fissur ist ein kleiner Riss in der After-Haut, der zu starken Schmerzen bei der Stuhlentleerung und möglicherweise auch zu Blutungen führt. Was können Sie dagegen tun? – Erhöhen Sie den Faseranteil in Ihrer Ernährung und trinken Sie viel, um den Stuhl weicher zu machen (eventuell 1 EL Olivenöl zum Essen). Regelmäßige warme Sitzbäder oder frei verkäufliche Cremes und Zäpfchen können Ihre Beschwerden lindern. Wann sollten Sie zum Arzt gehen? – Wenn die Schmerzen anhalten oder Sie Blut im Stuhl haben, sollten Sie zum Arzt gehen. Hämorrhoiden, die Blutgerinnsel gebildet haben, kann er entfernen, um die Schmerzen zu lindern. Innere Hämorrhoiden können mithilfe eines Gummibandes abgebunden werden. Sie schrumpfen dann. Bei schwerwiegenderen Hämorrhoiden ist eine operative Entfernung notwendig. Wenn Sie eine Analfissur haben, könnte Ihnen Ihr Arzt eine geeignete Salbe oder ein Gel verordnen, die einen Kalziumkanalblocker oder den Arzneistoff Nitroglyzerin enthalten. Fissuren, die nach 3 oder 4 Wochen häuslicher Behandlung und medikamentöser Therapie immer noch da sind, müssen unter Umständen operiert werden, damit sie abheilen.
  • Stuhlinkontinenz – Gemeint ist der Kontrollverlust über die normale Darmentleerung, der unerwartete Stuhlabgang oder die Tatsache, dass Sie es nicht mehr rechtzeitig schaffen, die Toilette zu erreichen. Eine ausgeprägte Stuhlinkontinenz ist keine normale Folge des Alterungsprozesses. Sie betrifft häufiger Frauen als Männer, denn bei der Geburt eines Kindes, können Muskeln und Nerven verletzt werden. Was können Sie dagegen tun? – Gehen Sie zum Arzt und besprechen Sie mit ihm Ihr Problem. Er kann die Ursache der Beschwerden herausfinden, sie behandeln oder Ihnen helfen, damit fertig zu werden. Den meisten Betroffenen hilft es, die oft damit verbundenen Durchfälle in den Griff zu bekommen, wenn sie ihre Ernährung umstellen oder bestimmte Medikamente einnehmen. Auch eine Biofeedback-Therapie kann hilfreich sein, genau so wie Beckenbodentraining. Wenn die Inkontinenz durch eine Verletzung des Beckenbodens oder der Schließmuskeln verursacht wurde, muss eventuell operiert werden.
  • Aussackung der Mastdarmvorderwand (Rektozele) – Diese Störung ist bei älteren Frauen weit verbreitet. Ihre Beckenbodenmuskeln sind häufig so geschwächt, dass sich ein Teil des Enddarms in die Vagina vorschieben kann. Nicht jede Rektozele verursacht auch Symptome. Einige Frauen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Verstopfung, ein Schweregefühl in der Scheide und manchmal tritt der Darm auch aus der Vagina nach außen. Was können Sie dagegen tun? – Gehen Sie zum Arzt und besprechen Sie mit ihm, welche Behandlung angemessen ist. Eine Biofeedback-Therapie, mit der die Beckenbodenmuskulatur wieder aufgebaut werden kann, ist eine mögliche Therapieoption ebenso wie ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Muskeln und Bänder im Becken befestigt werden, um die Organe in der richtigen Position zu halten.
  • Analabszess oder Analfistel – Ein Abszess ist eine eitergefüllte Höhle oder Tasche. Eine Fistel ähnelt einem Tunnel, der die Drüse, von der ein Abszess ausgeht, mit der Haut, die den After umgibt, verbindet. Sie können sich mit einem Abszess oder einer Fistel allgemein schlecht fühlen, Schüttelfrost und Fieber haben und andauernde Schmerzen verspüren. Was können Sie dagegen tun? – Gehen Sie sofort zum Arzt, um den Abszess behandeln zu lassen. Eine Fistel kann meist nur operativ behandelt werden. Zu der häuslichen Pflege nach der OP gehören täglich mehrere warme Sitzbäder sowie die Einnahme von Medikamenten, die den Stuhl weich machen, bis die Haut um den After wieder verheilt ist.
  • Entzündung der Mastdarm-Wand (Proktitis) – Damit verbunden ist eine Entzündung der Darmschleimhaut, die zu einem regelmäßigen oder dauerhaftem Gefühl des Stuhldrangs führt. Eine Proktitis kann durch eine Darmentzündung, eine Strahlentherapie oder die Einnahme von Antibiotika hervorgerufen werden. Was können Sie dagegen tun? – Lassen Sie sich von einem Arzt behandeln. Je nachdem was die Ursache der Entzündung ist, kann der Arzt Ihnen Antibiotika oder manchmal auch Cortison verordnen.

Neuer Test vereinfacht Suche nach Reizdarm-Auslösern

Reizdarmpatienten leiden ständig unter einer gestörten Verdauung. Doch was ist der Auslöser für die Probleme? Das wissen die Betroffenen häufig selbst nicht. Helfen kann hierbei ein neuer Test.

Es handelt sich um eine Methode, bei der die Darmschleimhaut mit reizenden Substanzen beträufelt wird. Mit Hilfe eines Lasers werden anschließend Veränderungen innerhalb des Darmgewebes betrachtet. Forscher des Universitätsklinikums haben diese Methode an 36 Reizdarm-Patienten getestet.

Per Endoskop bekamen die Studienteilnehmer unterschiedliche Lösungen direkt in den Darm: Sie enthielten entweder Soja, Hefe, Weizen oder Kuhmilch. All dies sind Lebensmittel, die von Reizdarmpatienten schlecht vertragen werden. Dann erfassten die Forscher die Reaktionen auf diese Lösungsmittel. Innerhalb von einigen Minuten kam es bei 22 der teilnehmenden 36 Patienten zu Beschwerden. Diesen Patienten wurde dann geraten, auf die Nahrungsmittel, auf die sie reagiert hatten, zu verzichten.

Und das zeigte Wirkung: Schon nach vier Wochen hatten 19 von ihnen nur noch halb sooft oder sogar noch seltener Reizdarm-Beschwerden. Insgesamt kam es bei sechs Patienten sogar zu gar keinen Problemen mehr. Dauerhaft reduzierten sich die Beschwerden durchschnittlich um drei Viertel.

So halten Sie Ihren Reizdarm gesund

Hier sind noch einige Tipps für Reizdarm-Geplagte:

  • Reduzieren Sie unbedingt als Erstes Ihre beruflichen und privaten Belastungen.
  • Suchen Sie sich in schwierigen Situationen professionelle Hilfe.
  • Essen Sie mit Ruhe und Genuss. Nehmen Sie Ihre Mahlzeiten in möglichst entspannter Atmosphäre ein und kauen Sie die Speisen gründlich.
  • Verzehren Sie viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Die darin enthaltenen Ballaststoffe unterstützen Ihren Darm bei seiner Arbeit.
  • Ein ausgewogenes Frühstück und morgendliche Gymnastik bringen Ihren Darm auf Trab.
  • Trinken Sie ausreichend. Der Körper benötigt mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag. Gut geeignete Getränke sind Mineralwasser, Saftschorlen sowie in Maßen Kräuter- und Früchtetees.
  • Meiden Sie Tabak, Kaffee und Alkohol.
  • Trinken Sie täglich drei Tassen Melissentee, um Ihren Verdauungsapparat zu beruhigen und Entzündungen entgegen zu wirken.
  • Bewegen Sie sich ausreichend an der frischen Luft. Denn Ihr Darm braucht diese Bewegung, damit er besser durchblutet wird und mehr Sauerstoff bekommt.
  • Nehmen Sie sich Zeit für die morgendliche Toilette.
  • Gehen Sie bei der kleinsten Regung auf’s Toilette, denn wenn der Stuhldrang unterdrückt wird, verlernt Ihr Darm dieses Signal schnell.
  • Geben Sie Ihrem Tagesablauf eine regelmäßige Struktur, denn auch Ihr Darm braucht „seine“ festen Zeiten. Gewöhnen Sie Ihren Organismus an feste Toilettenzeiten. Setzen Sie sich dann auch ohne Drang einfach hin.
  • Seien Sie auf der Toilette geduldig und vermeiden Sie unbedingt unnötiges Pressen.
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