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Motilitätsstörungen: Wenn Ihr Darm unkontrolliert verrückt spielt

Sie sind zurück – Sodbrennen, Magenkrämpfe und Durchfall. Und sie scheinen immer im ungünstigsten Moment zu kommen. Schon müssen Sie Ihre Verabredung zum Abendessen absagen, weil Sie eine neue Attacke befürchten. In letzter Zeit kommt das häufig vor. Ihr Arzt diagnostiziert einen Reizdarm und nennt es auch Motilitätsstörung.

Was verbirgt sich hinter Motilitätsstörungen?

Gastrointestinale Motilitätsstörungen beinhalten abnorme Muskelkontraktionen in Ihrem Verdauungstrakt, der mit der Speiseröhre beginnt und mit dem Enddarm endet. Einige Motilitätsstörungen wie Reizdarm sind verbreitet und in der Regel harmlos, das heißt sie können stören, sind aber im Allgemeinen nicht lebensbedrohlich. Andere können ernstere – sogar tödliche – Folgen haben, wenn sie nicht behandelt werden. Glücklicherweise lassen sich die meisten Motilitätsstörungen durch Änderungen der Lebensgewohnheiten, Medikamente – oder selten – Operationen in den Griff bekommen.

Motilität des Verdauungstraktes bezieht sich auf spontane Bewegungen – sie unterliegen nicht Ihrer willkürlichen Kontrolle. Der Nahrungsbrei wird in Speiseröhre, Magen oder Darm transportiert, indem sich Muskelschichten in der Eingeweidewand kontrahieren.

Normalerweise kontrahieren und entspannen sich diese Muskeln in rhythmischer Art und Weise und schieben so den Nahrungsbrei weiter. Wenn Sie an einer Motilitätsstörung leiden, arbeitet die Muskulatur Ihrer Eingeweide nicht koordiniert. Der Grund dafür kann ein Problem innerhalb der Muskeln selber oder ihrer Ansteuerung durch Hormone oder Nerven sein. Bei Motilitätsstörungen kann der Transport des Nahrungsbreis gestört sein. So kann es zu Schluckbeschwerden, Sodbrennen, Rülpsen, Übelkeit, Brechreiz, Blähungen, Darmkrämpfen sowie Verstopfung oder Durchfall kommen.

Motilitätsstörungen werden in zwei Kategorien eingeteilt: strukturelle und funktionelle Formen.

Was hinter strukturellen Störungen steckt

Strukturelle Störungen beruhen auf einem körperlichen Problem. Dazu gehört die Gastroösophageale Refluxkrankheit (englisch GERD). Diese häufige Störung tritt auf, wenn das Ventil zwischen Speiseröhre und Magen, der untere Ösophagusschließmuskel, nicht richtig arbeitet, sodass Magensäure in die Speiseröhre aufsteigen kann und zu Sodbrennen führt. GERD ist meist nicht bedrohlich und kann durch Selbstbehandlung versorgt werden.

Andere Störungen sind selten und meist ernster. Sie können Schmerzen verursachen und das Essen oder Verdauen erschweren. Zu diesen Störungen gehören Achalasie (Magenverschluss), Spasmen der Speiseröhre, Sklerodermal in der Speiseröhre, Gastroparese (Magenlähmung) und die Hirschsprung’sche Krankheit (vererbte Darmverengung).

Funktionelle Störungen geben Rätsel auf

Bei funktionellen Störungen lässt sich keine körperliche Ursache finden. Da die Ursachen meist nicht bekannt sind, ist diese Kategorie von Motilitätsstörungen umstritten. Einige Experten glauben, dass funktionelle Störungen auf eine Überempfindlichkeit des Verdauungstraktes (z. B. bei Milchzucker) zurückgehen. Trotzdem werden sie oft den Motilitätsstörungen zugeordnet, weil sie durch einen deutlich beschleunigten oder gebremsten Nahrungstransport im Verdauungstrakt gekennzeichnet sind. Zu den funktionellen Störungen gehören:

  • Reizdarm – Diese Störung tritt auf, wenn sich Ihr Darm nicht mehr rhythmisch kontrahiert. In Deutschland erkrankt jeder Fünfte an Reizdarm. Frauen sind zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer.
  • Geschwürfreie Dyspepsie – Diese häufige Erkrankung kann Schmerzen oder Unwohlsein im Oberbauch verursachen. Magengeschwüre lassen sich nicht nachweisen.

Die häufigsten Motilitätsstörungen lassen sich meist durch Änderungen der Lebensgewohnheiten behandeln oder verhindern. Dazu zählen eine gesunde Ernährung, Stressreduzierung, Tabakabstinenz und der vorsichtige Gebrauch von rezeptfreien Medikamenten und Abführmitteln.

Antibiotika: Darmerkrankungen und Allergien als Folgen des Verschreibungswahns

Antibiotika sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Bevor im Jahr 1944 mit dem Penicillin der erste antibakterielle Wirkstoff zur Verfügung stand, waren durch Bakterien ausgelöste Krankheiten wie Tuberkulose, Typhus, Diphtherie oder Wundinfektionen nur schwer zu behandeln. Infektionskrankheiten waren die Todesursache Nr. 1. Mit Fug und Recht lässt sich also behaupten, dass Antibiotika ein echter Segen für die Menschheit sind.

Doch leider werden die Mittel von vielen Ärzten und Patienten heute oft zu unkritisch eingesetzt. Pro 1.000 Krankenversicherte werden in Deutschland jährlich mehr als 500 Packungen Antibiotika verschrieben! Die Folgen: Immer mehr Bakterien werden resistent gegen die Wirkstoffe, zu viele Patienten haben mit den Nebenwirkungen zu kämpfen, und es gibt sogar erste Hinweise darauf, dass der breit gestreute Antibiotika-Einsatz mitverantwortlich für die Ausbreitung von Allergien ist. E

Es ist an der Zeit, umzudenken. In diesem Beitrag erfahren Sie, in welchen Situationen Antibiotika wirklich sinnvoll sind und wann eher nicht. Außerdem sagen wir Ihnen, was Sie tun können, um Nebenwirkungen abzumildern, wenn der Antibiotika-Einsatz wirklich unumgänglich ist.

Jedes 5. Bakterium ist bereits resistent

Der Begriff Antibiotikum kommt aus dem Griechischen und bedeutet „gegen etwas Lebendes“. Es sind Wirkstoffe, die sich gegen bakterielle Krankheitserreger richten. Doch Bakterien gehören nicht umsonst zu den ältesten und anpassungsfähigsten Lebewesen auf der Erde. Schon kurze Zeit nachdem ein neues Antibiotikum auf dem Markt ist, tauchen auch die ersten resistenten Stämme auf. Waren beispielsweise 1990 noch etwa 2 % der Bakterien eines bestimmten Stammes gegen ein Antibiotikum resistent, sind es heute durchschnittlich 20 %. Bakterien, die gegen alle verfügbaren Antibiotika resistent sind, kommen bisher ausschließlich in Krankenhäusern vor (z. B. Staphylococcus aureus), weil hier die meisten Antibiotika verabreicht werden.

Besonders gefährdet sind alte Patienten, Kleinkinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Infizieren sie sich mit einem „superresistenten“ Keim, kann z. B. eine Lungenentzündung tödlich verlaufen. Allerdings sind weltweit bisher maximal etwa ein Dutzend solcher Fälle gemeldet worden.

Antibiotika sind bei einfachen Erkältungen meist wirkungslos

Die Resistenzen nehmen vor allem deshalb zu, weil Antibiotika viel zu häufig eingesetzt werden. Die „Antibiotika-Gläubigkeit“ geht bei manchen Patienten so weit, dass sie bei jedem kleinen Infekt von ihrem Arzt ein entsprechendes Rezept verlangen. Dabei wirken Antibiotika nur gegen Bakterien. Gegen Viren, die in der Regel hinter Erkältungen stecken. sind sie vollkommen wirkungslos. Kommt es jedoch infolge dieses Infekts zu einer bakteriellen Bronchitis oder Lungenentzündung, sind Antibiotika durchaus sinnvoll. Als Faustregel können Sie sich merken: Weißlicher Husten-Auswurf deutet auf eine Virus-Infektion hin, grünlich-gelblicher eher auf Bakterien.

Ursachen der Resistenzentwicklung sind:

  • „vorbeugende“ Anwendung in Krankenhäusern (z. B. bei Operationen)
  • zu häufige Verordnung bei banalen Infekten (z. B. Erkältungen, Mittelohrentzündungen)
  • zu schnelles Absetzen der Medikation
  • Anwendung in nichtmedizinischen Bereichen (Tiermast, Tiermedizin)

Ebenso unsinnig wie bei Erkältungen ist der in Deutschland übliche flächendeckende Einsatz von Antibiotika bei Mittelohrentzündungen.

Nebenwirkungen: Durchfälle und erhöhtes Allergierisiko

Antibiotika töten nicht nur bakterielle Krankheitserreger ab, sondern leider auch die für eine gute Verdauung wichtigen Darmbakterien. Daher können Ballaststoffe und Fruchtzucker im Darm nicht mehr vollständig abgebaut werden. Die unverdauten Reste binden große Mengen Wasser und der Stuhl wird flüssiger. Die Folge sind Durchfälle (manchmal jedoch auch Verstopfung). Sie sollten daher während einer Antibiotika-Therapie u. a. auf ballaststoffreiche Lebensmittel kurzfristig verzichten.

Diese Nahrungsmittel sollten Sie während einer Antibiotika-Therapie meiden:

  • Vollkornprodukte
  • Samen, Nüsse und Mandeln
  • Kohl und Hülsenfrüchte
  • Süßstoffe (Fruchtzucker, Sorbitol)

Doch Antibiotika lösen möglicherweise nicht nur Durchfall aus. Wissenschaftler der Universität von Michigan in Ann Arbor/USA haben im Mai 2004 in Tierversuchen erste Hinweise darauf gefunden, dass die dauerhafte Anwendung auch die Anfälligkeit für Allergien erhöhen könnte. Die Forscher glauben, dass die starke Zunahme von Allergien in der westlichen Welt direkt mit dem hohen Antibiotika-Verbrauch zusammenhängt.

Mit Joghurt und Bakterien-Präparaten bauen Sie Ihre Darmflora wieder auf

Nach dem Absetzen des Antibiotikums sollten Sie auf jeden Fall Ihre gesunde Darmflora beim Neuaufbau aktiv unterstützen. Ein probates Mittel dazu ist z. B. Joghurt. Die enthaltene Milchsäure schafft ideale Wachstumsbedingungen für die gewünschten Bakterien.

Das Geld für teure „probiotische“ Produkte können Sie sich sparen: Sie wirken nicht besser als normale, nicht pasteurisierte Naturjoghurts. Als hilfreich haben sich auch naturmedizinische Präparate erwiesen, die lebende Darm-Bakterien oder Hefen enthalten (z. B. Rephalysin®, Hylak® forte, Omniflora®, Symbioflor ®, Perenterol®). Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass diese Mittel die Häufigkeit von Antibiotika-Durchfällen um etwa 60 % senken.

Setzen Sie sie jedoch nur in Absprache mit Ihrem Therapeuten ein. Die beste Vorbeugung gegen die Nebenwirkungen von Antibiotika ist jedoch, wenn Sie die Mittel wirklich nur dann anwenden, wenn es absolut notwendig ist. Der übertriebene Einsatz schadet nicht nur Ihrer Gesundheit, sondern macht diese Waffen gegen Krankheitserreger auf lange Sicht auch unbrauchbar für den Ernstfall.

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