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Hilfe für den Darm: Was tun gegen Candidapilze?

Pilze im Darm wie die Hefe Candida albicans müssen keine Krankheitssymptome verursachen. Dies gilt vor allem dann, wenn die Keimzahl nur gering ist. Bei starkem Befall des Darmes sind jedoch Beschwerden wahrscheinlich, z. B. Blähungen, auch Durchfall und/oder Verstopfung sowie wiederholte Windelausschläge.

Pilze vermehren sich insbesondere dann,wenn die Abwehr Ihres Kindes unzureichend funktioniert oder geschwächt ist (z. B. bei Abwehrschwäche, Krebsbehandlung, Einnahme von Kortison, bei Früh- und Neugeborenen) und/oder die Darmflora gestört ist (z. B. durch Behandlung mit Antibiotika, bei Allergikern).

Welche Antibiotika schaden der Darmflora am meisten?

Natürlich können alle Antibiotika die Darmflora beeinträchtigen und damit zu Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Durchfall führen sowie einer Vermehrung der Pilze im Darm Vorschub leisten. Es gibt jedoch einige Wirkstoffe, die die „guten“ Darmbakterien besonders stark dezimieren.

Hierzu gehört beispielsweise das in der Kinderheilkunde gerne eingesetzte Erythromycin, das oft zu Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere aber zu Durchfall führt.“Darmfloraverträglicher“ sind Penicilline, jedoch ist Erythromycin ein wichtiges Ausweichpräparat gerade bei Penicillinallergie.

Stuhluntersuchung: Was ist zu beachten?

Vermuten Sie bei Ihrem Kind Pilze im Darm, ist eine Stuhluntersuchung erforderlich. Eine einfache Untersuchung des Stuhls auf Hefepilze (Ausstreichen auf Kulturplatten mit Nährmedium) wird nach ärztlicher Anforderung von der Krankenkasse bezahlt.

Leider ist dieses Verfahren wenig empfindlich, da es im Stuhl Hemmstoffe gibt, die das Pilzwachstum in Kultur unterdrücken können. Empfindlicher ist der Nachweis, wenn vom Stuhl vor Ausbringen der Probe auf die Kulturplatte eine so genannte Verdünnungsreihe (unterschiedliche Konzentrationen des Stuhls in Trägerlösung) angelegt wurde.

Dadurch lässt sich auch angeben, wie ausgeprägt die Pilzbesiedelung ist. Diese Untersuchung muss jedoch wie die Bestimmung der Stuhlflora in aller Regel selbst bezahlt werden!

Bei der Stuhlflora-Untersuchung, die nur in Speziallabors durchgeführt wird,werden die im Dickdarm vorhandenen Bakterien und Pilze bestimmt sowie auch deren Menge in koloniebildenden Einheiten angegeben. Diese Untersuchung gibt Aufschluss über den Zustand der Darmflora und damit auch über deren Barrierefunktion gegenüber krank machenden Keimen.

Der Nachweis von Hefepilzen ist schwierig, da die Pilze nicht über den ganzen Darm verteilt wachsen, sondern in „Pilznestern“. Werden keine Hefen im Stuhl nachgewiesen, ist deren Wachstum im Darm damit nicht ausgeschlossen.

Und trotz des Nachweises von Hefen müssen diese weder Beschwerden verursachen noch tatsächlich im Darm wachsen. Vielmehr sind auch Fruchtsäfte oder Milchprodukte mit Candidapilzen verunreinigt und können zu einem vorübergehenden, harmlosen Vorkommen im Darm führen.

Wie gefährlich sind Candidapilze im Darm wirklich?

Da Pilze ständig mit der Nahrung aufgenommen werden, wird der Mensch täglich mit ihnen konfrontiert. Erst wenn aufgrund einer geschädigten Darmflora und/oder bei Verdauungsstörungen gute Bedingungen für das Pilzwachstum im Darm herrschen, können diese den Darm besiedeln und sich vermehren.

Dann jedoch schaden Hefepilze dem Körper auf unterschiedliche Art und Weise. Unter anderem können sie Enzyme bilden, die die Darmschleimhaut schädigen und in der Lage sind, nicht unerhebliche Mengen Fuselalkohol zu produzieren, was zu Leberschäden führen kann.

Sie begünstigen die Entstehung von Allergien und spielen oft auch bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte eine Rolle.

Wie wird Ihr Kind Candidapilze im Darm wieder los?

Ob beim Nachweis von Hefepilzen im Stuhl eine Behandlung erforderlich ist,muss individuell vom Arzt entschieden werden. Bestehen Beschwerden und wurden Pilze in hoher Keimzahl und/oder eine gestörte Darmflora nachgewiesen, ist eine pilzabtötende medikamentöse Therapie zu empfehlen.

Mittel der Wahl ist Nystatin. Dieser Wirkstoff hat den Vorteil, dass er bei Einnahme nicht aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird und ausschließlich dort gegen die Hefepilze wirkt. Nebenwirkungen (wie Übelkeit/Erbrechen oder Durchfall bei hoher Dosierung, Unverträglichkeitsreaktionen) treten daher kaum auf.

Auch die Bakterienflora des Darmes wird nicht beeinträchtigt, da das Mittel nur Pilze abtötet. Obwohl Nystatin bereits lange verwendet wird, sind Candidapilze, die nicht auf eine Nystatin-Behandlung ansprechen, die absolute Ausnahme.

Das gut erprobte und sichere Nystatin gibt es rezeptfrei als Dragees (sofern Ihr Kind diese bereits schlucken kann) sowie als Suspension in Apotheken (siehe Bezugsquellen). Die Dosierung legt der Arzt fest (Suspension meist 4-mal 1 bis 2 ml, Dragees 3-mal 1 Dragee). Die Behandlung sollte mindestens zwei Wochen lang durchgeführt werden.

Eine natürliche Alternative ist das Präparat Myrrhinil-Intest®, das Myrrhe, Kaffeekohle und Kamillenblüten enthält.

Es muss in einer Dosierung von 3-mal 3 Dragees mindestens 3 Wochen lang genommen werden. Da es nur in Form von Dragees erhältlich ist, kommt es frühestens ab dem Kindergartenalter in Frage. Auflösen oder Zerkauen sind nicht möglich, da die enthaltene Myrrhe außerordentlich bitter schmeckt. Die Wirksamkeit wurde bislang nicht in klinischen Studien nachgewiesen, doch zeigen Beobachtungen, dass mit dem Präparat gute Therapieerfolge erzielt werden.

Mein Tipp: Pilze gedeihen gut auf Zahnbürsten. Wechseln Sie zu Beginn der Pilzbehandlung daher die Zahnbürste Ihres Kindes aus.

Übergießen Sie während der Nystatin-Behandlung die Zahnbürste einmal täglich mit kochendem Wasser und stellen Sie den Bürstenkopf über Nacht in Obstessig – morgens bitte gut ausspülen!

Die Antipilzdiät

Die Wirksamkeit von Antipilzdiäten wurde bisher nicht wissenschaftlich bewiesen. Die Vermeidung rasch verfügbarer Kohlenhydrate wie Süßigkeiten oder Weißmehlprodukte, die auch den Hefen als Nahrung dienen, ist jedoch während der Nystatin-Behandlung und auch darüber hinaus zur Verhinderung eines erneuten Pilzbefalls sinnvoll.

Ein „Aushungern“ der Pilze allein durch diätetische Maßnahmen (streng kohlenhydratarme Diät) gelingt nicht.

Eine derartige Diät allein ist keinesfalls empfehlenswert, da wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass der Mangel an Nahrung im Darm die Candidapilze dazu bringt, in der gefährlicheren Fadenform zu wachsen und dann auch in die Darmwand einzudringen

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