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Grippe überstanden? So kommen Sie schnell wieder zu Kräften

von Inga-Maria Riechberg

„Das Bett zehrt“, sagten unsere Großmütter und kochten eine ordentliche Fleischbrühe, wenn Familienmitglieder nach einer fieberhaften Erkältung erst mal ziemlich klapprig waren. In der Tat ist die richtige Ernährung nach Infekten oder einer Operation ausschlaggebend dafür, wie schnell Sie wieder auf die Beine kommen. Im Folgenden erfahren Sie, welche Nährstoffe Sie jetzt besonders brauchen und welche Speisen als Aufbaunahrung am bekömmlichsten sind.

Richtige Ernährung nach Infekten: Eiweiß stärkt Ihre Muskulatur

Schon nach wenigen Tagen eingeschränkter Nahrungsaufnahme lässt die Muskelkraft nach. Denn der Körper holt sich das fehlende Eiweiß aus der Muskulatur. Außerdem verbraucht das Immunsystem während einer Infektion mehr Eiweiß als sonst, um neue Abwehrzellen und Antikörper herzustellen. Ähnlich ist es nach einer Operation, einem Unfall oder einer Verletzung.

Deshalb brauchen Sie jetzt besonders viel leicht verdauliches Eiweiß. Diese Anforderung erfüllt v. a. tierisches Eiweiß. Pflanzliches Eiweiß, z. B. aus Hülsenfrüchten, ist dagegen – mit Ausnahme von Tofu – wegen der Zellulosebestandteile der Pflanzen noch zu schwer verdaulich. Als Faustregel für den täglichen Eiweißbedarf während der Genesung gilt: pro Kilogramm Körpergewicht 1 bis 1,5 g Eiweiß. Bei einem Körpergewicht von 70 kg sind das mindestens 70 g Eiweiß!

Unser Rat: Um möglichst hochwertiges Eiweiß zu erhalten, sollten Sie sich jetzt Bio-Produkte, v. a. Biofleisch, gönnen! Am bekömmlichsten sind gedünstetes Fleisch bzw. gedünsteter Fisch.

Fett: Am besten extra zugeben!

Fettreiche Lebensmittel liegen stundenlang im Magen und belasten auch Bauchspeicheldrüse, Leber und Galle, die die entsprechenden Verdauungssäfte liefern müssen. Als Genesender brauchen Sie jedoch auch Fett – besonders wenn Sie viel an Gewicht verloren haben. Auch hier lagen unsere Großmütter schon richtig, wenn sie auf den Kartoffelbrei noch ein Flöckchen Butter extra gaben. Denn Fett ist am besten verdaulich, wenn es nicht im Essen, sondern zum Essen gegeben wird. Verwenden Sie v. a. kalt gepresste Pflanzenöle, z. B. Leinöl zum Quark, Olivenöl zu Nudeln etc. Diese hochwertigen Öle liefern Ihnen neben den lebenswichtigen Fettsäuren reichlich Vitamine. Als Streichfett ist Butter zu empfehlen.

Dünsten Sie Gemüse, Obst und Getreide

Die an sich sehr wichtigen Faserstoffe in Gemüse und Obst sind jetzt für Sie nicht hilfreich, denn sie verursachen leicht Blähungen, v. a. wenn Ihre Darmflora geschwächt ist. Dünsten Sie diese Nahrungsmittel daher zunächst. Als Rohkost eignen sich anfangs nur geriebene Äpfel und gequetschte Bananen. Auch grünen Salat sollten Sie – in kleinen Portionen – erst nach einigen Tagen probieren. Frisches Brot und grobes Körnerbrot belasten Ihre Verdauung zu stark. Wählen Sie besser leichte Brotsorten, die Sie kurz toasten. Diesen selbst gemachten „Zwieback“ können Sie in Ihre Suppe oder Ihren Tee tunken. Rohes Müsligetreide bläht ebenfalls. Außerdem binden seine Phytinsäuren wertvolle Mineralstoffe wie Zink, Magnesium und Kalzium, die Sie jetzt besonders nötig haben. Kochen Sie besser einen Hafer- oder Dinkelbrei, dem Sie neben einer Prise Salz auch ein Extra-Flöckchen Butter zusetzen.

Bei Gewürzen sollten Sie milde Kräuter wie Petersilie bevorzugen. Auch Safran, Zimt und Vanille sind wohlschmeckende Beigaben zu Milchgerichten, z. B. Milchreis. Auf scharfe Gewürze wie Pfeffer, Senf und Curry verzichten Sie bitte noch eine Weile, bis Ihre Verdauung wieder auf vollen Touren läuft.

Unser Tipp: Nehmen Sie anfangs Ihre Aufbaunahrung möglichst als Suppe, Pudding, Brei oder Püree zu sich. So erleichtern Sie Ihrem Darm die schnelle Nährstoffaufnahme und nehmen gleichzeitig auch noch Flüssigkeit auf. Beginnen Sie mit vielen kleinen Portionen und steigern Sie deren Größe langsam – so kommen Sie am schnellsten wieder zu Kräften.

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