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Alles über Histamin-Unverträglichkeit

3 Millionen Deutsche leiden an einer Histamin-Unverträglichkeit aus der Nahrung: Der Darm spielt verrückt, die Nase läuft. Die Symptome ähneln einer Allergie, da auch hier Histamin beteiligt ist. Allerdings stammt es in dem Falle aus körpereigener Produktion.

Diese wichtige Unterscheidung fällt vielen Ärzten schwer und sie greifen zur falschen Therapie. Dabei kann man die Beschwerden durch die richtigen Lebensmittel und Vitalstoffe gut zurückdrängen.

Histamin ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Histidin. Damit stellt es einen natürlichen Stoff dar, den der Körper selbst produziert (z. B. bei Allergien), aber auch Nahrungsmittel enthalten. Das Abbauprodukt Histamin findet sich in leicht verderblichen tierischen Lebensmitteln (vor allem Fisch) oder in solchen, bei deren Reifung Hefen, Schimmelpilze oder Bakterien eine Rolle spielen.

Dazu gehören beispielsweise Wein, Sauerkraut oder Käse. Histamin können Sie weder schmecken noch riechen. Aus diesem Grund ist es meist schwer vorauszusagen, auf welches Lebensmittel Sie empfindlich reagieren.

Histaminreiche Lebensmittel

  • bestimmte Käsesorten (z. B. Emmentaler, Bergkäse, Parmesan, Greyerzer)
  • Rohwurst wie Salami, Cervelat- und Mettwurst
  • Rohschinken wie Parmaschinken und westfälischer Schinken
  • frischer Fisch mit dunklem Fleisch
  • Fischkonserven (z. B. Thunfisch, Makrele, Sardinen, Hering)
  • Sauerkraut
  • Rotwein, Dessertwein, Bier, Sekt

Im Normalfall baut das in der Darmschleimhaut vorhandene Enzym Diaminoxidase das Histamin aus der Nahrung ab. Zu einer Histamin-Unverträglichkeit (Intoleranz) kommt es, wenn der Körper zu wenig Enzym produziert oder dessen Aktivität eingeschränkt ist. In dem Fall baut er das Histamin nicht oder unvollständig ab. Allerdings machen sich die ersten Symptome erst Stunden nach der Mahlzeit bemerkbar.

Anzeichen einer Histamin-Unverträglichkeit (-Intoleranz)

  • Hautrötungen, Quaddeln
  • Juckreiz, Ekzeme
  • Kopfschmerz bis hin zu Migräne
  • Übelkeit, Durchfall
  • laufende Nase
  • Schwellung von Augenlidern und Fingern
  • prämenstruelles Syndrom

Im schlimmsten Fall treten schockähnliche Zustände ein. Dies geschieht vor allem bei hoher Histaminbelastung wie bei verdorbenem Fisch.

Histamin-Unverträglichkeit (-Intoleranz) oder Allergie?

Es liegt auf der Hand, dass Sie bei solchen Symptomen als erstes auf eine Allergie tippen. Das tun auch die meisten Ärzte, denn das Krankheitsbild der Histaminintoleranz tritt in ihrem universitären Lehrplan nicht auf. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich die Symptome einer Allergie und einer Histaminintoleranz gleichen.

Auch bei einer Allergie schüttet der Körper Histamin aus. Dieser Botenstoff löst Juckreiz aus, verengt die Atemwege oder bringt die Nase zum Laufen. Er gilt als Schlüsselmolekül, das für die Beschwerden bei einer Allergie verantwortlich ist.

Der große Unterschied: Bei der Histaminintoleranz ist körperfremdes Histamin der Auslöser und das Immunsystem spielt bei diesem Prozess keine Rolle. Aus diesem Grund rechnet man diese Unverträglichkeit zu den so genannten pseudoallergischen Reaktionen. Hierzu zählen unter anderem Lebensmittelunverträglichkeiten.

Fischkonserven als Histamin-Bombe

Täglich nehmen Sie mit der Nahrung etwa 4 mg Histamin zu sich. Bei Personen mit einer schweren Histaminintoleranz genügen bereits 15 µg (das sind 0,015 mg, also weniger als 2 Hundertstel der normalen Tagesmenge), um Beschwerden auszulösen.

Übrigens: Kochen zerstört Histamin nicht. Besonders hohe Histamingehalte weisen Lebensmittel auf, die „reifen“ oder einen Gärungsprozess überstehen. Dazu gehören Käse, geräucherte und gepökelte Wurstwaren, Wein, Sekt oder Sauerkraut.

Darüber hinaus treibt eine unsachgemäße Lagerung den Histamingehalt in die Höhe. Besonders anfällig sind beispielsweise Fischkonserven, in besonderem Maße Thunfisch. Das Veterinärinstitut in Cuxhaven entdeckte im Jahr 2004 Spitzenwerte von 6.300 mg pro kg Thunfisch. In einer Thunfischpizza waren es immerhin noch fast 4.000 mg Histamin pro kg.

Weitere Auslöser: Medikamente und reife Bananen

Leiden Sie an einer Histaminintoleranz, lösen auch Lebensmittel die Beschwerden aus, die selbst kein Histamin enthalten. Die Diaminoxidase ist des Weiteren für den Abbau anderer so genannter „biogener Amine“ verantwortlich.

Dazu zählen unter anderem Tyramin oder Serotonin (z. B. aus reifen Bananen, Zitrusfrüchten oder Erdnüssen). Ist das Enzym mit dem Abbau dieser Stoffe beschäftigt, steigt kurzfristig der Histamingehalt im Körper.

Symptomverstärkende Medikamente

  • Hustenmittel (Acetylcystein, Ambroxol)
  • Antibiotika (z. B. Cycloserin)
  • Antidepressiva (Amitryptilin)
  • Narkosemittel (Propanidid)
  • Asthmamittel (Theophyllin)
  • Rheumamittel (Chloroquin)

Die Beschwerden bei einer Histaminintoleranz lösen darüber hinaus Lebensmittel aus, die als „Nebenwirkung“ für die Freisetzung des körpereigenen Histamins aus den Mastzellen sorgen. Zu diesen „Histaminliberatoren“ gehören Fisch, Erdbeeren oder Alkohol.

Mangel an Kupfer und Vitamin B6

Um einer Histaminintoleranz auf die Spur zu kommen, sollten Sie die Aktivität der Diaminoxidase im Serum bestimmen. Am schwierigsten ist es, zunächst die Auslöser Ihrer Symptome zu finden. Das erfordert Geduld und in manchen Fällen ein detektivisches Gespür.

Führen Sie am besten ein Ernährungstagebuch. Hilfreich ist des Weiteren eine so genannte Eliminationsdiät. Hierbei meiden Sie vier Wochen lang histaminreiche Speisen und Getränke. Als weitere Ursache der Histaminintoleranz kommt ein Vitalstoffmangel in Betracht.

Diesen Aspekt übersehen auch viele naturheilkundlich erfahrene Therapeuten leider noch oft. Die Diaminoxidase ist für einen reibungslosen Abbau von Histamin auf das Spurenelement Kupfer und das Vitamin B6 (Pyridoxin) angewiesen.

Um einen Mangel auszuschließen, sollten Sie zwei bis drei Wochen lang etwa 30 bis 50 mg Vitamin B6 und 2 bis 5 mg Kupfer täglich einnehmen. Beides erhalten Sie in der Apotheke (z. B. B6-ratiopharm® und Kupferpos® , Tagestherapiekosten insgesamt etwa 0,50 €).

Leider lässt sich Histamin nicht zu 100 % aus dem Speiseplan verbannen. In geringen Mengen kommt es in fast allen Lebensmitteln vor. Dennoch reicht bei der Hälfte der Betroffenen der Verzicht auf „Histaminbomben“ aus. Vor allem sollten Sie meiden: Fischkonserven, Hartkäse (Emmentaler, Cheddar), Dauerwürste, Sauerkraut, Ketchup, Rotwein und Erdbeeren.

Notfallplan

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, greifen Sie im Notfall auf ein Antihistaminikum zurück. Achten Sie darauf, dass Ihnen Ihr Arzt einen so genannten „Typ-H1-Rezeptorenblocker“ verschreibt (z. B. Levocetirizin oder Desloratadin). Diese Wirkstoffe sind bei Histaminintoleranz am effektivsten. Versuchen Sie, möglichst ohne Medikamente auszukommen.

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