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Nahrungsmittelunverträglichkeit - was fällt darunter und was kann man tun?

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (auch Lebensmittelunverträglichkeit) reagiert der Körper auf bestimmte Bestandteile in der Nahrung mit unterschiedlichen Symptomen. Ein Betroffener kann nach dem Verzehr eines bestimmten Nahrungsmittels u.a. ein starkes Völlegefühl verspüren, aber auch mit Durchfall oder Hautausschlägen reagieren.

 

Oft können Patienten die an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, das Getreideeiweiß Gluten, den Fruchtzucker Fruktose, den Milchzucker Laktose oder das Hormon Histamin nicht richtig verdauen.

Inhaltsangabe:

Nahrungsmittelunverträglichkeit basiert auf unterschiedlichen Ursachen

Die Intoleranz gegenüber Gluten, Fruktose, Laktose und Histamin hat unterschiedliche Ursachen und äußert sich durch verschiedene Symptome:

Glutenunverträglichkeit

Das in Getreide enthaltene „Klebereiweiß“ Gluten kann in einzelnen Fällen den Dünndarm schädigen. Es bewirkt, dass sich Ausstülpungen in der Darminnenwand, die sog. Darmzotten zurückbilden. Mediziner bezeichnen dieses Krankheitsbild als Zöliakie. Bilden sich die Darmzotten zurück, können sie bestimmte Enzyme nicht mehr bilden.

Diese Enzyme verwerten den Nahrungsbrei im Dünndarm und sind für die Verdauung vieler wichtiger Nährstoffe unverzichtbar. Aus diesem Grund ist Enzymmangel problematisch. Zu den üblichen Zöliakie-Symptomen zählen Durchfall, Verstopfung und eine Vielzahl von Mangelerscheinungen.

Milchzuckerunverträglichkeit

Bei einer Michzuckerunverträglichkeit kann der Körper das Enzym Laktase entweder nicht, oder nur unzureichend bilden. Entsprechend kann der Körper den in Molkereiprodukten enthaltenen Milchzucker, die Laktose, nur bedingt verwerten. Es kommt zu den typischen Symptome einer Nahrungsmittelunverträglichkeit wie Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen, bis hin zu Bauchkrämpfen.

Fruchtzuckerunverträglichkeit

Etwa 30 Prozent aller Deutschen leiden an einer Störung der Fruchtzuckerverwertung. Dabei handelt es sich um eine eigentlich harmlose Transportschwäche.

Die Zellen Ihrer Dünndarmschleimhaut produzieren ein Transporteiweiß (GLUT5), das für den Transport von Fruchtzucker (Fruktose) durch Ihre Dünndarmschleimhaut ins Blut zuständig ist. Ist dieses Transportsystem gestört, kann die Fruktose aus der Nahrung nicht oder nur begrenzt von den Zellen der Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden.

Sie wandert dann in den Dickdarm, wo sich Bakterien über die unerwartete Nahrungsquelle freuen: Sie bauen den Zucker ab, wobei Fettsäuren und Darmgase entstehen, die dann bei Ihnen die typischen Darmbeschwerden wie Blähungen und Durchfälle auslösen. Das können die Folgen der gestörten Zuckeraufnahme sein:

  • Bauchkrämpfe
  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Bauchgeräusche
  • Durchfälle
  • plötzlicher Stuhldrang

So vertragen Sie Fruchtzucker gleich viel besser:

  1. Meiden Sie fruchtzuckerreiches Obst, deren Säfte und Trockenobst (Rosinen im Müsli) und besonders industriell zugesetzten Fruchtzucker.
  2. Führen Sie dazu ein Ernährungstagebuch. Schreiben Sie einfach auf, was Sie zu welcher Zeit gegessen haben und wann sich die Beschwerden bei Ihnen gemeldet haben. So kommen Sie den Übeltätern auf die Spur.
  3. Kleinere Mengen Fruchtzucker über den Tag verteilt vertragen Sie viel besser als eine üppige Portion Obst.
  4. Essen Sie Obst nicht auf nüchternen Mage.
  5. Durch den gleichzeitigen Verzehr von Eiweiß und Fett vertragen Sie Fruchtzucker besser. Das führt zu einer langsameren Entleerung Ihres Magens. So hat Ihr Transportssystem dann mehr Zeit für seine Arbeit und kann mehr Fruchtzucker in Ihr Blut bringen. Essen Sie Obst also lieber in einer Quarkspeise oder einem Joghurt als pur.
  6. Mischen Sie Ihr Müsli selbst. Produkte aus dem Handel enthalten oft größere Mengen an Trockenobst, das reich an Fruchtzucker ist.
  7. Meiden Sie Sorbit. Der Zuckeralkohol nutzt in Ihrem Dünndarm das gleiche Transportsystem wie Fruktose. Dadurch blockiert Sorbit bei Ihnen den Abtransport von Fruktose in das Blut und kann so Ihre Beschwerden verstärken. Sorbit ist in einigen Früchten enthalten, insbesondere in Birnen, Kirschen und Pflaumen und besonders konzentriert in deren Saft und Trockenobst. Sorbit ist aber auch in der Lebensmittelindustrie als Zuckeraustauschstoff (E 420) sehr beliebt. Zuckerreduzierte Süßigkeiten, Kaugummis, Getränke oder Light-Produkte sind oft reich an Sorbit.

Verzichten Sie aber nicht auf Obst, das Ihren Körper mit vielen lebenswichtigen Vitalstoffen versorgt. Die Mengen, in denen Fruchtzucker Ihrem Körper schadet, schafft nur die Industrie. Verzichten Sie aber auf stark gesüßte Getränke.

Hinter diesen Begriffen versteckt die Industrie gerne Fruktose

Gerade die beliebten Apfelsaftschorlen oder Smoothies enthalten oft viel Fruktose. Achten Sie bei allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln immer genau auf die Zutatenliste. Fruchtzucker erkennen Sie auf der Zutatenliste von industriell verarbeiteten Lebensmitteln jedoch nicht immer auf den ersten Blick. Die Industrie hat natürlich bemerkt, dass das Image von Fruchtzucker gerade ins Wanken gerät und versteckt ihn gerne hinter diesen Begriffen:

  • Maissirup (high fructose corn syrup)
  • Fruktose-Glukose-Sirup bzw. Glukose-Fruktose-Sirup
  • Stärkesirup
  • Honig, Kunsthonig
  • Invertzucker (-sirup)
  • Dicksäfte, Apfelkraut, Birnenkraut
  • Fruktooligosaccharid

Histaminunverträglichkeit

Histamin ist in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten, die lange gelagert werden und die längere Reifungsprozesse durchmachen. Dazu zählen Räucherwürste, verschiedene Käsesorten, Sauerkraut, sowie Sekt und Wein. Für den Abbau von Histamin sorgt das Enzym Diaminoxidase. Ein Mangel an Diaminoxidase kann sich durch ein breites Spektrum an Symptomen äußern:

Nimmt der Betroffene ein Produkt zu sich dessen Histamingehalt die Toleranzschwelle übersteigt, dann kann der Körper mit Hautreizungen, Magenkrämpfen, Erbrechen, Durchfall, Asthmaanfällen und Kopfschmerzen reagieren. Oft reicht dazu ein Glas Rotwein oder ein kleines Stück Käse.

Zwischen Allergien und Intoleranzen besteht Verwechslungsgefahr

Mediziner unterscheiden bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zwei Typen: Allergien und Intoleranzen. Bei einer Allergie reagiert die körpereigene Immunabwehr auf Bestandteile in der Nahrung, die eigentlich harmlos sind und für den Körper keine direkte Gefahr darstellen. Intoleranzen sind jedoch kritisch:

Bei einer Intoleranz kann der Körper bestimmte Stoffe entweder nicht, oder in geringen Mengen verarbeiten. Solange diese Stoffe eine bestimmte Konzentration nicht überschreiten, treten keine Beschwerden auf. Überschreitet diese Stoffmenge die sogenannte Toleranzschwelle, ist der Körper mit der Verarbeitung des Stoffes überfordert.

Dann können sich die beschriebenen Symptome einstellen.

Wegen der Vielzahl an Symptomen kann die Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz) schwierig sein. Oft werden Nahrungsmittelintoleranzen mit Allergien verwechselt. Bei einem Verdacht auf eine Intoleranz gegenüber Gluten, Fruktose, Laktose und Histamin ist der Gang zum Arzt empfehlenswert.

Nur ein Mediziner kann andere Ursachen konkret ausschließen. Die Therapiemöglichkeiten bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sind überschaubar. Ärzte und Ernährungsexperten legen Patienten nahe, die problematischen Lebensmittel zu meiden und die Ernährung umzustellen.

Verzicht ist keine gute Lösung

Angesichts einer Nahrungsmittelunverträglichkeit auf Lebensmittel zu verzichten, die reich an schwer verdaulichen Mehrfachzuckern sind, scheint die einfachste Lösung zu sein. Aber das ist im Alltag weder einfach, noch gesund.

Gerade eine Kost, die viel Obst und Gemüse enthält, gehört zu einer Lebensweise, die dazu beiträgt, chronischen Erkrankungen vorzubeugen. Etwa Herzgefäß-Krankheiten, Diabetes, Osteoporose, krankhaften Übergewicht und möglicherweise auch Krebs-Erkrankungen.

Selbstverständlich können es Betroffene mit einer Wärmflasche versuchen – getreu dem bekannten Motto „Wärme auf den Bauch gebracht, hat die Sache wieder gut gemacht“. Aber auch dies ist im Alltag nur eingeschränkt realisierbar. Zumindest zeitweise sollten Betroffene auf zu grobe Vollkornprodukte verzichten.

Dazu gehören blähende Lebensmittel wie Kohlgemüse, Zwiebelgewächse, Hülsenfrüchte. Wichtig sei zudem, langsam zu essen, gründlich zu kauen, fünf bis sechs kleine statt drei große Mahlzeiten zu sich zu nehmen und ausreichend zu trinken.

Studien zeigen Nutzen von Enzym-Präparaten

Der Gedanke, die Verdauungsenzyme, etwa die Alpha-Galactosidase zu ersetzen, ist naheliegend. Dass eine solche Enzym- Therapie gegen die Symptome hilft, ist wissenschaftlich untersucht worden. US-amerikanische Forscher der Universität von Kalifornien in San Diego haben in einer Studie herausgefunden, wie Betroffene der Bildung von Magen-Darm-Beschwerden vorbeugen können. Durch die orale Gabe des Enzyms Alpha-Galactosidase.

Sie konnten nachweisen, dass Probanden, die ein entsprechendes Enzym-Präparat eingenommen hatten, eine schwer verdauliche Mahlzeit aus Hülsenfrüchten besser verdauten und daher vertrugen als jene, die auf das Präparat verzichtet hatten. Mitte der 90er-Jahre hatten Wissenschaftler der selben Universität festgestellt, dass ein solches Präparat Magen-Darm-Beschwerden vorbeugen kann (J Fam Pract. 1994 Nov; 39(5):441- 5).

Ähnlich positive Beobachtungen haben vor wenigen Jahren italienische Forscher von der Universität Pavia gemacht. In ihrer Studie reduzierte ein Alpha-Galactosidase- Präparat die Bildung von Darmgasen und Symptome der Flatulenz (Blähungen) (Dig Dis Sci. 2007 Jan; 52(1):78-83).

Forscher des Pharmaunternehmens Bayer (heute Bayer Schering) haben vor einigen Jahren herausgefunden, dass die orale Gabe des Enzyms Flatulenz-Symptome, nach Einnahme von Acarbose, mindert. Acarbose ist ein blutzuckersenkendes Medikament für Diabetiker, dessen bekannte Nebenwirkung eine verstärkte Darmgas-Bildung ist (Clin Ther. 1998 May-June; 20(3):497-504).

Nahrungsmittelunverträglichkeit Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Erste Hilfe bei Histamin-Unverträglichkeit

3 Mio. Deutsche leiden an einer Histamin-Unverträglichkeit aus der Nahrung: Der Darm spielt verrückt, die Nase läuft. Hier mehr darüber: