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Mikrowelle - schnell, aber gesundheitsschädlich?

Mikrowellengeräte sind praktisch und für viele Menschen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. In Deutschland verfügen mittlerweile 80% der Haushalte über eine „Mikrowelle“. Die moderne Technik spart Zeit und Arbeit.

Neben den überzeugten Nutzern gibt es Skeptiker, die der neuen Technik nicht trauen. Neuere Studien zeigen, dass wichtige Nährstoffe verloren gehen. Es kursieren Warnungen, wonach die Strahlen Krebs auslösen könnten. Sind diese Bedenken berechtigt oder können Sie sich mit einer Mikrowelle durchaus gesund ernähren?

Vorsicht, Strahlen!

Ernährungsmediziner, Techniker und Strahlenexperten streiten sich bis heute, wie sicher die schnelle Welle wirklich ist. Ernährungsexperten will der Griff zu Fertiggerichten und der Vitaminverlust beim Garen nicht gefallen. Strahlenexperten sagen, dass die Strahlung schädliche Verbindungen in den Speisen auslösen können.

Der Schweizer Biologe Hans Hertel ist der Ansicht, dass Mikrowellenherde in der Lage sind, Krebs auszulösen. Vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bekam er Recht für diese Aussage. Andere Wissenschaftler schwören Stein und Bein, dass die Mikrowelle völlig ungefährlich ist.

Sicher ist: Die Mikrowelle zerstört die gesundheitlich so wertvollen sekundären Pflanzenstoffe im Gemüse. Das fanden spanische Forscher kürzlich heraus. Sie testeten das anhand von Brokkoli, der als besonders gesundes Gemüse gilt. Seine Inhaltsstoffe sollen vorbeugend gegen Krebs wirken – allerdings nur wenn Sie ihn nicht in der Mikrowelle zubereiten.

Die Untersuchungen an der Universität von Murcia ergaben, dass das Gemüse in der Mikrowelle einen großen Teil seiner gesundheitlichen Wirkstoffe verliert. Besonders stark zerstört werden die Antioxidantien, die vor Krebs schützen sollen. Fast 100 Prozent der Flavonoide verflüchtigen sich im Schnellerhitzer. Die Kaffeesäurederivate verlieren 87 Prozent, die Sinapinsäure geht zu 74 Prozent verloren.

Mikrowellen geben ihre Energie direkt an die in den Lebensmitteln enthaltenen Wassermoleküle ab und sorgen auf diese Weise für eine rasche Erwärmung der Speisen. Sie arbeiten energieärmer als beispielsweise Röntgenstrahlen. Die Energie der Mikrowellen reicht aus diesem Grund nicht aus, um in den Lebensmitteln gefährliche Spaltprodukte (wie bei Röntgenstrahlung) entstehen zu lassen.

Darüber hinaus bleibt keine „Reststrahlung“ in den Lebensmitteln zurück. Damit von den Mikrowellen mit Sicherheit keine Strahlengefahr ausgeht, darf aus dem Gerät keineStrahlung austreten. Als Schwachpunkt gilt hier vor allen Dingen die Tür. Bei Neugeräten halten sie die Strahlung sicher zurück, das ergaben Untersuchungen der Stiftung Warentest und des Bundesamtes für Strahlenschutz im Jahr 2004.

Allerdings können nach jahrelangem Gebrauch die Gummi- oder Kunststoffdichtungen porös werden. Aus diesen Gründen sollte man von Zeit zu Zeit prüfen, ob sich die Dichtungen der Mikrowelle noch glatt anfühlen und keine Risse aufweisen. Wenn nicht, sollte man das Gerät austauschen.

Zerstörung von Vitalstoffen

Durch die kürzere Erhitzungszeit bleiben in der Mikrowelle mehr Vitamine (beispielsweise B-Vitamine) erhalten als beim normalen Kochen. Bei anderen Nährstoffen schneidet das Gerät schlechter ab als der Kochtopf oder der Backofen.

So ergab die Untersuchung einer spanischen Forschergruppe der Universität Murcia im Oktober 2003, dass Brokkoli in der Mikrowelle 85% seiner Antioxidantien verliert. Das sind Schutzstoffe wie z. B. Beta-Carotin oder Polyphenole, die die menschlichen Körperzellen vor den Angriffen freier Sauerstoffradikale schützen. Beim herkömmlichen Garen blieben diese wichtigen Schutzstoffe fast vollständig erhalten.

Diese Nährstoffe gehen in der Mikrowelle verloren:

  • Antioxidantien (z. B. Beta-Carotin, Polyphenole)
  • essenzielle Fettsäuren (z. B. Omega-3-Fettsäuren)
  • Faserstoffe (unlösliche Ballaststoffe)
  • Proteine

Im Jahr 2004 entdeckten indische Wissenschaftler der Universität Mysore, dass Mikrowellen die Proteine und Ballaststoffe in Gemüse schlechter verdaulich machen. Jordanische Forscher fanden im Jahr 2005 heraus, dass Milch in der Mikrowelle deutlich mehr an wertvollen essenziellen Fettsäuren verliert, als wenn man sie auf der Herdplatte erhitzt.

Bei schonendem Dünsten auf dem Herd bleiben die guten Stoffe meist erhalten

Der Gehalt an Flavonoiden nimmt beim herkömmlichen sanften Dünsten 11 Prozent ab, die Kaffeesäurederivate und die Sinapinsäure bleibt bestehen. Fazit der Forscher: Bereiten Sie Gemüse lieber auf die herkömmliche Weise zu. Das ist zwar zeitraubender, aber so tun Sie mehr für Ihre Gesundheit.

Diese Nachricht ist Wasser auf die Mühlen der Mikrowellen-Kritiker und der engagierten Köche. Die einen warnen vor einer ganzen Liste gesundheitlicher Schädigungen. Die anderen vor Geschmacksund Erlebnisverlusten durch eine zu schnelle Zubereitung des Koch- und Bratguts.

Wie immer liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte: Alle bisherigen Untersuchungen, die eine direkte Gesundheitsstörung nachweisen sollten, hielten einer kritischen Überprüfung nicht stand.

Dabei geht es um zwei mögliche Gefahrenherde

  • Zum einem geht es um die Strahlung in der Nähe der Mikrowelle.
  • Zum anderen stehen die Veränderungen des Nährwertes der Speisen durch das Garen in der Mikrowelle zur Debatte.

Die Nährwertveränderungen entsprechen in etwa denen der herkömmlichen Kochverfahren – zu dieser Ansicht ist sowohl das Bundesamt für Strahlenschutz als auch das Verbraucherministerium gekommen, vorausgesetzt, die speziellen Zubereitungsvorschriftenwerden eingehalten. Ist das nicht der Fall, kann es durchaus – etwa bei Überhitzen – zu „gesundheitlich bedenklichen Veränderungen der Lebensmittel kommen“.

Selbst das Kölner Institut Katalyse und die Zeitschrift Ökotest räumen ein: „Unbestritten ist, dass es zu einer Vielzahl biochemischer Veränderungen in der Nahrung kommt. Unklar ist jedoch, wie diese Veränderungen im Vergleich zu Veränderungen, die durch konventionelle Methoden hervorgerufen werden, zu bewerten sind.“ Soll heißen: Sobald Sie ein Lebensmittel bearbeiten und in irgendeiner Weise garen, verändert sich dieses. Ohne Kochen, Braten, Schmoren, Dünsten wären viele Lebensmittel gar nicht genießbar.

Das sind Ihre häufigsten Fragen:

Wann lohnt sich die Anschaffung einer Mikrowelle?

Praktisch kann so ein Gerät für alle sein, die wenig Zeit haben und/oder nur kleine Portionen zubereiten. Wenn Sie viel Tiefkühlkost und Fertiggerichte zubereiten, können Sie mit der Mikrowelle Energie sparen. Insofern kann die Mikrowelle für Alleinstehende und Senioren geeignet sein.

Wenn in großen Familien die einzelnen Mitglieder zu unterschiedlichen Zeiten essen oder nicht alle das Gleiche mögen, erweist sich die Mikrowelle unter Umständen ebenfalls als Vorteil. Sie ist jedoch kein Ersatz für den klassischen Herd. Sie nützt vor allem beim Auftauen, Erwärmen und Garen kleinerer Mengen bis etwa 500 Gramm.

Wollen Sie größere Portionen kochen, gelingt dies mit dem Herd besser. Sie sparen Zeit und Energie. Reis, Nudeln und Getreide sind im Kochtopf ebenfalls besser aufgehoben. Braten und Kuchen verlangen ebenfalls einen Herd. Sie bekommen sie zwar in der Mikrowelle gar, doch die für den Geschmack so wichtigen Röststoffe fehlen.

Können Mikrowellen die Speisen nachteilig verändern?

Die Veränderungen, die beim Garen in der Mikrowelle beobachtet werden, entsprechen im Prinzip denen, die beim normalen Kochen entstehen. Das betrifft Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate ebenso wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenlemente. Auch unerwünschte Begleitstoffe wie Nitrosamine werden nicht häufiger festgestellt.

Die Behauptung, die in der Mikrowelle gegarten Speisen könnten Krebs erzeugen, ist wohl nicht haltbar und widerspricht derzeit allen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Einige Einschränkungen gibt es allerdings: Wenn Sie Geflügelfleisch garen, kann es sein, dass weniger Krankheitserreger (Salmonellen beispielsweise) abgetötet werden als beim herkömmlichen Kochen.

Das liegt daran, dass die Speisen ungleichmäßig erhitzt werden und sich so genannte „Hot Spots“ bilden. In den weniger erwärmten Zonen – den „Cold Spots“ – können dann die Krankheitserreger überleben und sich vermehren. Wenn Sie trotzdem Geflügel in der Mikrowelle garen wollen, müssen Sie auf eine ausreichende Durchwärmung achten. Besondere Vorsicht sollten Sie walten lassen, wenn Sie Babykost in der Mikrowelle erwärmen.

Denn auch hier kann die ungleichmäßige Erwärmung zum Problem werden: Gerade hohe, runde Gefäße wie Babygläschen oder -flaschen können sich außen kühl anfühlen, aber im Inneren bereits kochend heiß sein. Das hat in der Vergangenheit wiederholt zu schweren Verbrühungen bei Säuglingen geführt.

Rühren oder schütteln Sie Babykost nach dem Erhitzen immer gründlich und überprüfen Sie die Temperatur des Garguts, bevor Sie das Baby füttern. Die Sauger sollen nicht in die Mikrowelle, da sie dort zu heiß und porös werden. Muttermilch gehört grundsätzlich nicht in die Mikrowelle – zum einen wegen der „Hot Spots“, zum anderen wird sie dort zu warm und verliert ihre wertvollen Inhaltsstoffe, die für Babys Immunabwehr wichtig sind.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung durch Mikrowellen?

Mikrowellen strahlen mit einer Frequenz von 2,45Gigahertz. Die modernen Geräte haben ein sicheres Metallgehäuse und ein Sicherheitsfenster mit Metallgitter. Die Zeitschrift Ökotest ist zu der Ansicht gelangt, dass die Gefahr durch die Strahlung von Mikrowellen im Allgemeinen überschätzt wird.

Vorsicht sei allerdings geboten, wenn die Glasscheibe defekt ist oder die Türdichtungen beschädigt beziehungsweise porös sind. Ökotest empfiehlt einen Mindestabstand von einem halben Meter zur Mikrowelle – ebenso wie bei anderen Elektrogeräten.

Insbesondere Kinder sollten sich nicht am Fenster der Mikrowelle „die Nase platt drücken“. Auch Schwangere sollten sich nicht direkt vor dem Gerät aufhalten. Herzschrittmacher werden durch Mikrowellen nicht in ihrer Funktion gestört. Doch sicherheitshalber sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt darüber besprechen.