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Parodontose - eine rechtzeitige Behandlung kann viel verhindern

Die Erreger von Zahnfleischentzündungen können den gesamten Körper überschwemmen und dort weiteres Unheil anrichten. Frauen drohen besonders gravierende Folgen – etwa Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht des Babys oder sogar Herzinfarkt.

Nach aktuellen Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO leidet jeder fünfte Bundesbürger unter schweren bis schwersten entzündlichen Zahnfleischerkrankungen: der Parodontitis. Macht Ihnen gelegentlich Ihr Zahnfleisch durch erhöhte Empfindlichkeit zu schaffen, ist es rot und geschwollen, zeigt sich beim Zähneputzen Blut auf der Zahnbürste oder haben Sie den Eindruck, dass ein Zahn etwas wackelig wird?

Dann herrscht höchster Notstand in Ihrem Mund: Das könnte bereits eine Parodontitis sein – die entzündliche Erkrankung von Zahnfleisch und Zahnbett: Insgesamt haben – trotz medizinischer Fortschritte und unablässiger Aufklärung – sage und schreibe drei Viertel der deutschen Bevölkerung krankes und entzündetes Zahnfleisch.

Etwa ein Fünftel ist davon schwer betroffen. Die Parodontitis wird anfangs sehr häufig nicht ernst genommen und führt die Betroffenen erst dann zum Zahnarzt, wenn sich bereits Schäden an den Kieferknochen bemerkbar machen.

Sie wird meist im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt bemerkt, obwohl sie sich schon wesentlich früher eingeschlichen hat. Oft hat sich dann ein Zahn gelockert, weil der Knochen darunter an Substanz verloren hat. Dieser Abbau ist dann nicht mehr reparabel.

Die nachhaltige Zerstörung von Zahnfleischgewebe, Knochenverlust und Zahnausfall sind die gefürchteten direkten Folgen der Entzündung. Die Parodontitis ist bei Frauen wie Männern die häufigste Ursache für Zahnausfall.

Paradontitis: Ursache

Die Erreger des Zahnfleischleidens sind sicher auch für Sie schon alte Bekannte: Die meisten von uns kennen sie nicht nur aus dem unverwüstlichen Kinderbuch „Karius und Baktus“, sondern aus der Fernsehwerbung für Zahnpasta, in der die bakteriellen Ablagerungen an den Zähnen mit Färbemitteln sichtbar gemacht werden.

Die gesunde Mundhöhle wird von über 300 verschiedenen Keimarten besiedelt, die meisten von ihnen sind harmlos. Wenn Sie die Zähne jedoch nicht ausreichend pflegen, steigt die Menge der Bakterien an und gefährliche Arten können vermehrt auftreten.

Die Entzündung wird durch spezielle Bakterien hervorgerufen, die sich im Zahnbelag (Plaque) ansiedeln und ebenfalls für Karies verantwortlich sind. Gifte aus ihrem Stoffwechsel reizen das Zahnfleisch und lösen eine körpereigene Kettenreaktion aus: Sie bekommen eine Entzündung, mit der die Bakterien eigentlich bekämpft werden sollen.

Entfernen Sie den zunächst weichen Bakterienbelag nicht beim Zähneputzen, verfestigt er sich, indem Mineralien eingelagert werden. Es entsteht Zahnstein. Dieser wiederum fördert das Wachstum des Belags unter dem Zahnfleischsaum und die Bildung von Zahnfleischtaschen.

Hier können sich die Krankheitserreger weiter vermehren. Je aggressiver die Bakterien sind und je schwächer die Abwehrlage des Körpers ist, desto früher und stärker tritt die Krankheit auf.

Andere Erkrankungen im Schlepptau

Mit der Parodontitis steigt auch das Risiko für andere Erkrankungen – das ist seit kurzem wissenschaftlich belegt, so Professor Jörg Meyle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie. Die tückischen Entzündungserreger können vom Mundraum in den Körper wandern und dort weiteres Unheil anrichten.

Neuere klinische Studien zeigen ein bis zu zweifach erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen wie Herzinfarkt und ein bis zu dreifach erhöhtes für Schlaganfall. Neugeborene, deren Mutter eine Zahnfleischentzündung hat, kommen bis zu siebenmal häufiger mit Untergewicht auf die Welt.

Bei etwa 20 Prozent der Mütter von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm findet sich eine schwere Zahnfleischentzündung. Diabetikerinnen und Frauen, die unter Osteoporose leiden, haben häufiger Zahnfleischentzündungen.

Bei Diabetikern mit einer unbehandelten Parodontitis wurden gesteigerte Blutzuckerwerte festgestellt. Eine mögliche Ursache für diese Folgen ist die Wechselwirkung zwischen Entzündung, Stoffwechsel und Hormonbildung. Auch Atemwegserkrankungen und Hirninfektionen wurden mit den Erregern der Parodontitis in Verbindung gebracht.

Der erste Schritt: Sorgfältige Mundhygiene

Wenn der Zahnarzt bei Ihnen eine Parodontis festgestellt hat, ist Ihre Mitarbeit gefragt, denn sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung ist konsequente Mundhygiene die wichtigste Maßnahme. Putzen Sie sich zweimal am Tag die Zähne, um ein Anhaften von Bakterien zu verhindern.

Einmal täglich sollten Sie Ihre Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen reinigen. Ergänzen Sie diese Zahnpflege durch eine tägliche Mundspülung. Auf diese Weise hemmen Sie das Wachstum der bakterienbildenden Plaques.

Vitamin C und Folsäure regenerieren das Zahnfleisch

Vitamin C ist für die Bildung der Fasern im Bindegewebe unverzichtbar und sorgt für festes Zahnfleisch. Gleichzeitig aktiviert es das Immunsystem, das dadurch die Entzündung besser abwehren kann. Nehmen Sie bei einer chronischen Entzündung des Zahnfleischs täglich 500 bis 1.000 mg Vitamin C als Depotpräparat oder auf mehrere Dosen verteilt ein.

Zur Vorsorge sollten Sie auf eine tägliche Vitamin C-Zufuhr von mindestens 200 mg achten. Untersuchungen zufolge verfügt an Parodontis erkranktes Gewebe über eine zu geringe Konzentration an Folsäure. 500 bis 800 Mikrogramm in Form eines Fertigpräparats eingenommen können daher helfen, den Heilungsprozess zu fördern und das entzündete Zahnfleisch zu regenerieren.

Probiotische Keime halten die Bakterien in der Balance

Bei einer Parodontitis ist immer das Gleichgewicht der natürlichen Mundflora gestört. Diskutiert wird ebenso ein Ungleichgewicht in der natürlichen Darmflora, die wesentlich für die Stabilität unserer Immunabwehr verantwortlich ist. Sinnvoll ist daher in jedem Fall eine Sanierung dieser Bakterienkulturen zugunsten der „gesunden“ Keime.

Eine besondere Rolle für die gesunde Zusammensetzung der Mundflora scheinen hier die Lactobazillen zu spielen. Am besten führen Sie Ihrem Körper diese Keime in Form eines Fertigpräparats zu. Eine gute Unterstützung sind naturbelassene Joghurts und milchsauer vergorene Lebensmittel wie Kefir oder Sauerkraut.

Parodontitis: Risikofaktoren

Vor allem das Rauchen gilt heute als eindeutiger Risikofaktor für die Entstehung einer Parodontitis, das konnte in zahlreichen Untersuchungen belegt werden. Wenn Sie rauchen, müssen Sie mit diesen negativen Folgen rechnen:

  • Raucher leiden wesentlich häufiger unter Zahnfleischentzündungen als Nichtraucher.
  • Der Verlauf der Parodontitis ist bei Rauchern wesentlich schwerer und sie verlieren mehr stützendes Gewebe als Nichtraucher. Die Zähne werden schneller locker und gehen häufiger verloren.
  • Raucher sprechen auf die Behandlung der Parodontitis schlechter an. Es gibt Parodontitisfälle, die trotz Behandlung nicht ausheilen. Bei mehr als 90 Prozent handelt es sich um Raucher.
  • Zahnfleisch- und Knochentransplantate sowie künstliche Zahnwurzeln (Implantate) heilen bei Rauchern wesentlich schlechter aus als bei Nichtrauchern.
  • Nicht selten kommt es bei Rauchern, die das Rauchen aufgeben, in der Entwöhnungsphase zu einem massiven Schub der Parodontitis.

Wer auf dem „Zahnfleisch robbt“, ist häufiger betroffen

Ein weiterer Risikofaktor für die Parodontitis ist Stress, der das Immunsystem schwächt. Daher erklärt sich wohl auch der Spruch „Jemand robbt oder kriecht auf dem Zahnfleisch“, wenn er unter so erheblichem Druck steht, dass er leidet.

Eine erbliche Veranlagung spielt ebenfalls eine Rolle. Manche Medikamente (blutdrucksenkende, gefäßerweiternde Mittel, Immunpräparate und Mittel zur Dämpfung von Krampfanfällen) können ebenfalls negative Auswirkungen auf das Zahnfleisch haben.