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In 10 Minuten die Knochen stärken und die Beweglichkeit verbessern

Es klingt wie der Traum aller Sportmuffel: Ganz ohne Laufen, Turnen oder Radfahren Muskeln aufbauen, abnehmen und den ganzen Körper straffen! Sie stellen sich einfach nur auf eine Platte, und das Gerät erledigt die schweißtreibende Arbeit ganz von selbst. Vibrationstraining heißt das Zauberwort, mit dem Sie angeblich mühelos in zehn Minuten denselben Effekt erzielen wie mit einem einstündigen Fitnesstraining. Wahrheit oder Phantasie? Wir sagen Ihnen, was Sie von den „Rüttelplatten“ wirklich erwarten dürfen und bei welchen gesundheitlichen Problemen sie Ihnen nützen können.

Mechanische Schwingungen aktivieren Ihren Stoffwechsel

Ursprünglich wurde das Vibrationstraining in seiner heutigen Form in den 1970er Jahren für sowjetische Kosmonauten entwickelt. Es sollte dem durch die monatelange Schwerelosigkeit im All bedingten Muskelschwund entgegenwirken. Heute hat dieses Training Einzug in viele Fitnessstudios gehalten; es wird auch zu medizinischen Zwecken von Physiotherapeuten und in Reha-Einrichtungen eingesetzt.

Das Vibrationsgerät erzeugt mechanische Schwingungen in unterschiedliche Richtungen, deren Frequenz zwischen 30 und 50 Hz eingestellt werden kann. Wenn Sie auf der Platte des Geräts stehen, liegen oder sitzen, werden diese Schwingungen auf Ihren Körper übertragen und lösen hier verschiedene Reaktionen aus: Das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln wird aktiviert, die Durchblutung und die Fließgeschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen erhöhen sich. Gleichzeitig werden das Bindegewebe sowie Knochen und Knorpel gekräftigt, Schlacken können besser abtransportiert werden, und es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung anaboler (den Stoffwechsel aufbauender) Hormone wie Insulin, Wachstumshormone und Testosteron.

Vibrationstraining kann Ihnen helfen bei:

  • Vorbeugung von Osteoporose
  • Muskelschwäche und -abbau
  • Parkinson-Krankheit
  • Schlaganfall-Nachbehandlung
  • Multipler Sklerose
  • starkem Übergewicht
  • Verbesserung von Beweglichkeit und Koordination

Außer der positiven Beeinflussung dieser gesundheitlichen Probleme hat das Training auf der „Rüttelplatte“ noch einen kosmetischen Nebeneffekt: Unschöne Orangenhaut (Cellulite) glättet sich, und der gesamte Körper wird gestrafft.

Ein Beratungsgespräch vor dem Training ist unverzichtbar

Ehe Sie mit Ihrem ersten Training beginnen, muss ein ausführliches Beratungsgespräch durch einen qualifizierten und vom Geräte-Hersteller autorisierten Trainer stattfinden. Er wird Sie nach eventuellen Erkrankungen fragen, bei denen Sie nicht trainieren dürfen, und Ihnen die Positionen erklären, die Sie auf der Geräteplatte einnehmen müssen. Der Trainer bleibt auch während des gesamten Trainings an Ihrer Seite, um Ihre Haltung und Position auf dem Gerät zu kontrollieren. Bei gravierenden Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson, können auch einzelne Körperteile wie ein Arm oder ein Bein trainiert werden.

Eine Trainingseinheit dauert zehn Minuten und kostet etwa 19,50 Euro, die von einigen Krankenkassen (z. B. der BKK) erstattet werden. Sie sollten für den besten Effekt zweimal wöchentlich mit dem Gerät arbeiten. Auch wenn Sie nur zehn Minuten auf dem Vibrationsgerät stehen, werden Sie staunen, wie anstrengend dieses Training ist.

Vibrationstraining lässt das gefährliche Bauchfett schmelzen

Eine Studie der Universität Antwerpen/ Belgien konnte im Jahr 2009 nachweisen, dass Vibrationstraining nicht nur beim Abnehmen hilft, sondern auch das Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigende Bauchfett vermindert.

61 Studienteilnehmer hatten ein Jahr lang entweder ein normales Fitnesstraining an Geräten oder ein Vibrationstraining absolviert; parallel dazu sollten beide Gruppen kalorienreduziert essen. Eine Kontrollgruppe machte weder Sport noch Diät. Nach einem Jahr hatten die Teilnehmer der Fitnessgruppe 7 % ihres Körpergewichts verloren (gegenüber 11 % in der Vibrationsgruppe). Die Probanden in der Kontrollgruppe hatten noch weitere 1,5 % zugenommen.

Am erstaunlichsten war jedoch das mittels Computertomografie sichtbar gemachte Resultat des Trainings am Bauchfett: Nach einem halben Jahr Training hatten die Teilnehmer der Fitnessgruppe 17 cm2 Bauchfett verloren, was sie aber bei einer erneuten Kontrolle nach einem weiteren halben Jahr nicht aufrechterhalten konnten. Die Probanden, die Vibrationstraining absolviert hatten, verloren im Schnitt 47 cm2 Bauchfett und konnten das Ergebnis auch noch nach einem Jahr halten.

Die Schwingungen wirken dem Knochenschwund entgegen

Eine über sechs Monate laufende Studie der Universität Leuven/Belgien ergab bereits im Jahr 2004, dass sich durch Vibrationstraining die Knochendichte um 0,96 % erhöhte.

Bei einer Vergleichsgruppe, die im selben Zeitraum Krafttraining an der Beinpresse gemacht hatte, verminderte sich die Knochendichte dagegen um 0,58 % und in einer Kontrollgruppe, die gar nicht trainiert hatte, sogar um 0,6 %.

Wenn Sie das Vibrationstraining einmal ausprobieren möchten, finden Sie ein geeignetes Institut mit einem ausgebildeten Trainer am besten in den Gelben Seiten unter „Physiotherapie“ oder über das Internet. Inzwischen haben auch viele Fitness-Studios Vibrationsgeräte – es lohnt sich, auch hier nachzufragen.

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Über den Autor Beate Rossbach

Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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Alte Kommentare
  • Eduardo schrieb am 17.08.2011, 17:38 Uhr

    Mir ist die Bezeichnung "QuadratZentimeter" (cm2) im Zusammenhang mit einer BauchfettAbnahme unerklaerlich. Koennten sie mich bitte "erleuchten"? Denn Zentimeter Bauchumfang koennten doch nicht gemeint sein, da mir eine Abnahme von -wie im Bericht angegeben- "im Durchschnitt 47cm" eher unwahrscheinlich erscheint... P.S. Eine normale Visitenkarte hat eine FLAECHE von ca. 47 cm2 (QuadratZentimeter)

    • elisabetha antwortete am 18.08.2011, 02:01 Uhr

      Danke! Das habe ich mich gerade auch gefragt?????