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Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Die meisten Patienten und leider viele Ärzte denken bei Schmerztherapie zuerst an Tabletten. Natürlich sind Schmerzmittel aus der Medizin nicht wegzudenken. Aufgrund der Nebenwirkungen sind aber Alternativen wichtig und da gebührt der TENS-Behandlung mit Reizstrom ein Platz in der ersten Reihe.

TENS© Adobe Stock

Schwache Reizströme blockieren die Schmerzempfindung

TENS steht für „Transkutane elektrische Nerven-Stimulation“ (transkutan = über die Haut): Auf die Haut geklebte Flächenelektroden geben schwache Stromimpulse ab.

Diese hemmen die körpereigene Schmerzweiterleitung. Der Schmerz kommt im Gehirn nicht oder erheblich verringert an. Darüber hinaus wirken die TENS-Ströme durchblutungsfördernd und muskelentspannend.

Die Vorzüge der TENS-Behandlung:

  • einfache Anwendung durch den Patienten oder seine Angehörigen
  • überall anwendbar, da das Gerät leicht zu transportieren ist
  • keine Verletzung der Haut
  • kaum Nebenwirkungen
  • problemlos mit anderen Therapieformen kombinierbar
  • Verringerung des Schmerzmittelbedarfs
  • Kostenersparnis für die Krankenkassen

TENS-Geräte erhalten Sie auf Rezept von Ihrem Arzt. Lassen Sie sich gründlich von Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten in den Gebrauch des Geräts einweisen und dann können Sie selbst loslegen.

Erfolgsquoten zwischen 50 und 85 Prozent

Trotz seiner hohen Wirksamkeit hilft das wissenschaftlich anerkannte Verfahren nicht jedem Patienten. Ein Versuch lohnt sich aber in jedem Fall. Bei folgenden Beschwerden kann TENS helfen:

  • Schmerzen des Bewegungsapparates (z. B. Rücken-, Gelenk- oder Muskelschmerzen)
  • Rheumaschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen nach Verletzungen
  • Narbenschmerzen
  • Nervenschmerzen, Phantomschmerzen nach Amputationen
  • Krebsschmerzen
  • Schmerzen infolge mangelhafter Durchblutung

Da die TENS-Behandlung mit Reizstrom arbeitet, darf sie nicht bei schweren Herzrhythmusstörungen, schwerer Herz-Kreislauf-Insuffizienz sowie Anfallsleiden (z. B. Epilepsie) angewendet werden.

Wenn Sie einen Herzschrittmacher tragen, fragen Sie Ihren Arzt nach TENS-Geräten mit unbedenklichen Frequenzen fragen.

Im Bereich von Prothesen aus Metall (z. B. künstliches Hüftgelenk) oder Gefäßstents ist die TENS-Anwendung nicht sinnvoll, da das Metall die Stromimpulse blockiert. Schalten Sie Ihr Handy während der Behandlung aus, da seine Funkwellen das TENS-Gerät stören.

TENS: Anwendung

Die Haut muss sauber und fettfrei sein

Bei starker Behaarung ist eine vorherige Epilation oder Rasur ratsam. Die Elektroden können im Schmerzbereich selbst, im Bereich der weiterführenden Schmerznerven, an „Trigger-Punkten“ (Druckpunkte zur Schmerzauslösung) oder an Akupunktur-Punkten aufgeklebt werden.

Die optimale Platzierung finden Sie am besten durch Probieren heraus. Die einzelne Anwendung sollte 10 bis 30 Minuten dauern; der schmerzlindernde Effekt hält bis zu mehreren Stunden an, danach kann die Behandlung wiederholt werden. Sie können Ihr TENS-Gerät also mehrmals täglich benutzen.

Bei akuten Schmerzen führen oft schon wenige Anwendungen zum gewünschten Erfolg; bei chronischen Leiden kann aber durchaus eine „lebenslange“ Behandlung sinnvoll sein.

Die TENS-Therapie lässt sich wirkungsvoll mit anderen Methoden der Selbstbehandlung kombinieren, z. B. mit heißen oder feuchtwarmen Umschlägen, Rotlicht, Kältepackung, Kneipp’schen Güssen, Akupressur, Entspannungsübungen und ganz besonders mit Gymnastik oder einem Training in einem guten Fitness-Studio!

Besonders bei Rückenschmerzen können die sanften Elektro-Impulse Ihre Schmerzen so lindern, dass Sie das dringend notwendige Rückentraining überhaupt durchstehen!

TENS für die Schmerzbehandlung zu Hause

Die handlichen TENS-Geräte auf Rezept eignen sich bestens für die Behandlung zu Hause. Lassen Sie sich die Handhabung beim ersten Mal von Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten zeigen. Leihgeräte erhalten Sie von speziellen Verleihfirmen.

Quälende Schmerzen im Ellbogengelenk bei jeder Bewegung verursacht nicht nur Tennisspielen, sondern alle Arten von Überlastungen des Gelenks. Platzieren Sie eine der TENS-Elektroden am Punkt des stärksten Schmerzes, die andere etwas darüber am Oberarm.

Bei „Tennis-Ellenbogen“ (Epikondylitis):

Symptome: quälende Schmerzen im Ellbogengelenk bei jeder Bewegung

Ursachen: Überlastungen im Unterarm-Hand-Bereich aller Art, nicht nur durch Tennis

Therapie: Platzieren Sie eine der Elektroden direkt am Punkt des stärksten Schmerzes, die andere etwas darüber am Oberarm.

Bei Nackenverspannungen:

Symptome: Schmerzen in Nacken, Hinterkopf und Schultern; Kopfschmerzen vom Spannungstyp

Ursachen: Stress, einseitige Belastung, Arbeiten in Zwangshaltungen, schlechte Sitzhaltung, ungünstige Kissen oder Matratzen, Erkältungen, Migräne, degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule

Therapie: Platzieren Sie die Elektroden im Nacken am Hinterhaupt-Rand (siehe Abb. 2).

Bei Kreuzschmerzen:

Symptome: dumpfe bis ziehende Schmerzen im unteren Rücken

Ursachen: Schwäche, Verhärtungen bzw. Überlastungen der Muskeln, Stress, seltener Bandscheibenprobleme

Lage der Elektroden: Platzieren Sie die Elektroden links und rechts neben der Wirbelsäule. Testen Sie aus, auf welcher Höhe die Wirkung am besten ist. Auch das Anlegen im Bereich der Grüb-chen oberhalb des Gesäßes bringt oft Linderung.

Mit Strom gegen Schuppenflechte

Die seltener angewandte Mittelfrequenz-Therapie verwendet elektrische Impulse im Frequenzbereich zwischen 1.000 und 100.000 Hertz. Diese Ströme wirken hauptsächlich auf die Muskelfasern und lösen dort Kontraktionen aus.

Dagegen ist die schmerzlindernde Wirkung gering. Mittelfrequenzströme setzt man zum Aufbau von erschlafften Muskeln (nach Unfällen bzw. längerer Bettlägerigkeit) und bei Schuppenflechte (Psoriasis) ein.

Der Wirkmechanismus des Verfahrens bei Schuppenflechte ist nicht genau geklärt. Tatsache ist jedoch, dass es Krankheitsschübe abschwächt und das Ablösen der verdickten Hautschichten erleichtert.

Ultraschall heilt Muskel- und Sehnenverletzungen

Auch die Ultraschall-Behandlung zählt im weitesten Sinne zur Elektro-Therapie, da Strom die heilsamen Wellen erzeugt. Die Ultraschall-Therapie erfolgt im Wasser oder mittels eines Schallkopfs, den man über das mit einem Kontaktgel bestrichene erkrankte Körperareal führt.

Ultraschall regt die Durchblutung sowie den Zellstoffwechsel in verletztem Muskel- und Sehnengewebe an und fördert die Heilung von Prellungen und Zerrungen. Darüber hinaus lindert er Schmerzen.

Krankenkassen zahlen für TENS

Auch die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Schmerztherapie mit TENS-Geräten. Als Patient müssen Sie lediglich eine Zuzahlung (derzeit 10 €/Quartal) leisten. Jeder Arzt kann ein entsprechendes Rezept ausstellen.

Das Gerät erhalten Sie im Sanitätshaus leihweise. Das erste Rezept gilt einen Monat, danach kann für längere Zeiträume rezeptiert werden. Auch das Zubehör (z. B. Elektroden) wird verordnet. Ist eine Dauerbehandlung notwendig, kaufen viele Kassen ein Gerät für Sie an.

Selbstverständlich können Sie sich auch selbst ein Gerät auf eigene Kosten anschaffen (Preis: ab ca. 125 € für gute Geräte). Achten Sie bei preiswerten Geräten (z. B. aus dem Versandhandel) unbedingt darauf, dass sie der Medizingeräteverordnung entsprechen!

 

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