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Der Apfel: Alltagsobst mit Superkraft

Ein englisches Sprichwort sagt: „An apple a day keeps the doctor away.“ Übersetzt: Ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern. Die alte Volksweisheit verspricht Wahres. Denn unser kalorienarmes Lieblingsobst enthält viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe und kann Ihnen sogar bei Darmbeschwerden helfen. Tatsächlich steckt in jedem Apfel eine ganze Naturapotheke.

Roter, gelber und grüner Apfel mit eingeritzten Herzen auf Holz© kbuntu – Fotolia

Aus Asien in europäische Haushalte

Der Apfel (Malus domestica) aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) stammt aus Asien. Erst durch Kreuzungen mit dem europäischen Holzapfel entstanden unsere modernen Kulturäpfel. Heute kennt man in Deutschland etwa 1.500 Sorten: vom Weißen Klarapfel, der im Juli reif ist, bis zum Ontarioapfel, der bis November am Baum bleibt. Allerdings entfällt der größte Teil des Angebots auf Importäpfel aus Neuseeland, Südafrika und Chile (Braeburn, Golden Delicious und Granny Smith).

Früher hatte fast jede Familie ihre eigenen Apfelbäume zur Selbstversorgung. Streuobstwiesen umgaben Städte und Dörfer. Der Apfel ließ sich vielfältig verwenden: Er wurde gekocht, gebacken, gebraten, gedörrt, zu Marmelade verarbeitet, zu Saft gepresst, zu Wein vergoren oder zu Schnaps destilliert. Besonders schöne große Äpfel galten als begehrtes Geschenk. Einen Apfel roh zu genießen, kam erst relativ spät in Mode. Rohe Äpfel hielt man für reine Medizin.

Apfel senkt Cholesterinwerte

Britische Forscher berechneten die voraussichtlichen Folgen der täglichen Einnahme von Äpfeln und Cholesterinsenkern (Statinen). Ob es nun ein Apfel pro Tag oder eine Statintablette ist: Beides beugt Gefäßerkrankungen ähnlich effektiv vor. Der tägliche Genuss von Äpfeln trägt also zur Senkungen des Cholesterinspiegels bei und senkt somit das Risko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Darüber hinaus steckt der Apfel voller weiterer reichhaltiger Inhaltsstoffe.

Was steckt eigentlich drin?

Sie sind knackig, lecker und gesund. Als Pausensnack, Knabberei oder Dessert ist der Apfel unschlagbar. Er liefert Ihnen nicht nur puren Genuss, sondern gleichzeitig auch schnell verfügbare Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Das macht Äpfel für Ihren Körper so wertvoll:

  • sekundäre Pflanzenstoffe wie Quercetin, Phenole, Anthozyane haben vielfältige Aufgaben, machen unter anderem freie Radikale unschädlich, schützen vor Krankheitserregern, beugen Krebs vor, stärken das Immunsystem und erhöhen die Widerstandskraft.
  • Vitamin C hilft bei Infekten, stärkt Herz und die körpereigenen Abwehrmechanismen und beugt Erkältungen vor. Sonnengereifte Äpfel haben einen besonders hohen Vitamin-C-Gehalt.
  • Pektin senkt Cholesterin- und Blutzuckerspiegel, unterstützt die Darmflora, regt die Verdauung an, entwässert, schützt vor Arteriosklerose, beugt Herz- und Kreislauf-Erkrankungen sowie Darmkrebs vor und fördert körpereigene Entgiftungsreaktionen.
  • Ballaststoffemachen angenehm satt und regen die Verdauung an, fördern körpereigene Entgiftungsreaktionen, schützen vor Darmkrebs und stärken die Abwehrkraft des Darmes.
  • Vitamine haben vielfältige Aufgaben, sind an allen Prozessen im Körper beteiligt, bekämpfen unter anderem freie Radikale und aktivieren lebenswichtige Enzyme, schützen vor Infektionen, verlangsamen den Alterungsprozess und die Zellentartung und stärken die Abwehrmechanismen.
  • Mineralstoffe haben vielfältige Aufgaben, sind an allen Prozessen im Körper beteiligt, aktivieren unter anderem lebenswichtige Enzyme, den Stoffwechsel innerhalb und außerhalb der Zelle, steigern die körperliche Leistungsfähigkeit und Abwehrkraft. Vor allem Kalium erfüllt wichtige Aufgaben in Ihrem Nerven- und Muskelstoffwechsel.
  • Kaloriengehalt: Mit nur 60 Kalorien pro 100 Gramm gut für den kleinen Hunger zwischendurch, hilft Ihnen nicht zu viele Kalorien aufzunehmen und damit beim Abnehmen.
  • Äpfel liefern leicht verdauliche Kohlenhydrate (Frucht- und Traubenzucker), eine schnelle Energiequelle für Ihre körperliche und geistige Fitness.

Apfel getrocknet und gepresst

Ein Apfel am Tag reicht bereits aus, um die positiven Auswirkungen der Frucht auszunutzen. Wenn Sie den Apfel roh verzehren, schälen Sie ihn am besten nicht, sondern genießen Sie das Obst mit der Schale, die besonders viel Pektin enthält. Wenn es Ihnen schmeckt, zögern Sie nicht, mehr Äpfel zu essen oder die Früchte zur Abwechslung getrocknet zu probieren. Apfelringe sind das reinste Powerfood und eignen sich als Snack für unterwegs.

Als Durstlöscher erfrischt naturtrüber Apfelsaft mit Wasser im Verhältnis 1:3. Wissenschaftler der Universität Warschau fanden heraus, dass naturtrüber Apfelsaft deutlich gesünder ist als klare Säfte. Sie enthalten mehr sekundäre Pflanzenstoffe, weshalb sie freie Radikale wesentlich besser neutralisieren.

So holen Sie das Beste aus dem Apfel

Probieren Sie bei Bedarf einmal die folgenden Hausmitel aus Äpfeln aus und lassen Sie sich von der Wirkung überraschen.

Zur Regulierung des Stuhlgangs

Gegen Verstopfung und Stuhlträgheit hilft ein auf nüchternen Magen sehr gründlich gekauter Apfel. Schon unsere Großmütter wussten, dass ein geriebener Apfel eine gute Hilfe bei Durchfallerkrankungen ist. Wenn Sie unter Durchfall leiden, verliert Ihr Körper durch den häufigen und meist dünnflüssigen Stuhl wichtige Mineralstoffe und Flüssigkeit. Der geriebene Apfel liefert nicht nur Flüssigkeit, Mineralstoffe und Zucker, sondern macht Ihren Stuhl gleichzeitig auch etwas fester.

Der Grund: Äpfel enthalten den Ballaststoff Pektin. Und genau dieses Pektin quillt in Ihrem Darm auf, nimmt dabei Flüssigkeit auf und verdickt so den dünnen Stuhl. Wichtig ist, dass Sie den Apfel gegen Durchfallbeschwerden fein reiben. Dadurch ist er nicht nur leichter verdaulich, sondern das Pektin kann durch die vergrößerte Oberfläche die Flüssigkeit besser binden.

Gegen Halsschmerzen

Bei Heiserkeit und Halsschmerzen ist ein Bratapfel mit etwas Honig ein altbewährtes Hausmittel. Was Sie brauchen:

  • 8 Äpfel
  • 200 Gramm Preiselbeeren
  • 100 Gramm Marzipanrohmasse
  • 500 ml Dickmilch
  • 4 Teelöffel Honig
  • 1 Vanilleschote

Heizen Sie den Ofen auf 200 Grad vor und waschen Sie die Äpfel. Das Kerngehäuse ausstechen, dabei aber möglichst nicht ganz durchstechen, damit Sie einen „Korken“ haben. Füllen Sie die Äpfel mit der Marzipanmasse und den Preiselbeeren und setzen Sie die Äpfel auf ein Backblech. 40 Minuten sollten Sie den Äpfeln geben und in dieser Zeit das Mark aus der Vanilleschote kratzen und mit Honig und Dickmilch verrühren. Die gebackenen Äpfel auf tiefe Teller geben, die Sauce dazu verteilen und jeweils einen Klacks der übrigen Preiselbeeren zur Deko machen.

Zur Beruhigung und Schlafförderung

Schneiden Sie einen ungeschälten Apfel in feine Streifen, und übergießen Sie die Stücke mit einem Liter kochendem Wasser. Lassen Sie den Ansatz zwei Stunden ziehen, ehe Sie ihn abseihen. Trinken Sie von diesem Apfeltee bei Nervosität oder als Einschlafhilfe ein bis zwei Tassen.

Als natürliche „Darmsanierung“

Äpfel „putzen“ den Darm und normalisieren die Verdauung. Legen Sie als kleine Reinigungskur zwischendurch einmal ein bis drei Apfeltage ein, an denen Sie nichts anderes als acht bis zehn Äpfel und viel Flüssigkeit in Form von Wasser und Tees zu sich nehmen.

Tipps für bedenkenlosen Verzehr

Apfelsorten wie Gala, Jonagold, Cox Orange und Golden Delicious enthalten viel Zucker. Wenn Sie Diabetiker sind oder Probleme mit Darmpilz haben, wählen Sie säuerliche Sorten, zum Beispiel Boskop, Gravensteiner oder Idared. Wenn Sie keine Äpfel mögen oder darauf allergisch reagieren, setzen Sie viele Vollkornprodukte auf Ihren Speiseplan. Auch sie enthalten reichlich Ballaststoffe.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sowie die Ayurvedische Gesundheitslehre betrachten den Apfel als kalte Frucht, die das „Verdauungsfeuer“ schwächt. Das vermeiden Sie, indem Sie den Apfel kochen und wärmende Gewürze wie Ingwer, Galgant, Nelken und Zimt hinzufügen.

Vorteile von Bio-Äpfeln

Die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sitzen bei Äpfeln direkt in oder unter der Schale. Deshalb ist es wichtig, dass Sie das Obst mit Schale genießen. Greifen Sie daher lieber zu Äpfeln vom Bio-Bauern, die keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen dürfen. So riskieren Sie nicht, dass Sie diese Rückstände mit dem Apfel zu sich zu nehmen. Der bessere Geschmack wird Sie auch mit den höheren Preisen versöhnen. Äpfel aus ökologischem Anbau haben weitere Vorteile, obwohl sie nicht zwangsläufig gesünder sein müssen. So liefern sie den gleichen Gehalt an Nähr- und Vitalstoffen wie Äpfel von konventionellen Apfelbauern. Viele konventionelle Apfelbauern nehmen es mit den gesetzlichen Vorschriften für Pflanzenschutzmittel allerdings scheinbar nicht so genau:

Eine Kontrolle des Pflanzenschutzamtes Hannover bei 99 Obstbauern im Alten Land bei Hamburg ergab, dass die Apfelbäume mit einem Nebel von Gift überzogen wurden, häufig ohne vorgeschriebene Schutztechnik. Zudem führten die Apfelhöfe keine und nur unzureichende Spritzbücher. Bio-Äpfel kommen in der Regel vom traditionell arbeitenden Bauernhof. Das Fruchtfleisch der alten und naturgemäß gezogenen Sorten ist meist fester und schmackhafter. Die Früchte enthalten weniger Wasser, duften und schmecken dadurch intensiver. Außerdem sind sie länger lagerfähig. Weil Öko-Apfelbauern wegen des doch enormen Arbeitsaufwands nur etwa die Hälfte des konventionellen Anbaus ernten können, sind ihre Preise höher. Bei Äpfeln aus dem konventionellen Anbau werden zwei bis drei Wochen vor der Ernte Fungizide (Mittel gegen Pilze) eingesetzt, um den Schimmelbefall während der Lagerung zu reduzieren. Diese Möglichkeit haben Bio-Anbauer nicht. Für eine schimmelfreie Lagerung dürfen Bio-Bauern ihre Ernte für zwei Minuten in 52 Grad heißes Wasser tauchen. Auch das reduziert den Schimmelbefall.