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Tennisarm (Epikondylitis): Sehr schmerzhaft auch ohne Tennis

Der Tennisarm (Epikondylitis radialis humeri) oder Tennisellenbogen bezeichnet eine erworbene Reizung oder Entzündung der Sehnenansätze der Muskeln des Unterarms, die an der äußeren Seite des Oberarms entspringen. Anders als der Name vermuten lässt, ist der Tennisarm in den wenigsten Fällen auf exzessives Tennisspielen zurückzuführen. Der Grund liegt häufig in einer beruflichen Überanstrengung. Die Bezeichnung „Heimwerkerellenbogen“ oder „Mausarm“ treffen die häufigsten Ursachen des stechenden Schmerzes im Ellenbogen wohl treffender. Die Ursache eines Tennisarms stellt immer eine chronische mechanische Überlastung dar.

Wenn sich die Sehnen, welche die Muskeln am Knochen befestigen, entzünden oder durch feine Risse verletzt werden, resultiert daraus eine Sehnenentzündung (Tendinitis). Tennis- und Golferellenbogen sind zwei Formen dieser Erkrankung. Durch Überbeanspruchung oder das Tragen schwerer Gegenstände mit gestreckten Armen erleiden die Sehnen im Bereich des Ellenbogens Schaden.

Tennisarm: Was dahinter steckt

Bei der Bezeichnung Tennisarm denken Sie bestimmt gleich an Roger Federer, Rafael Nadal oder vielleicht auch an Boris Becker? Sicherlich spiel(t)en sie mehr und härteres Tennis als alle deutschen Hobbyspieler. Interessanterweise haben diese Profis aber keinen Tennisellenbogen. Aber sie spielen eben auch besser!

Sie treffen den Ball (meist) optimal, ihre Bewegungen sind aus einem Guss und technisch einwandfrei. Nicht die Häufigkeit einer Bewegung an sich, sondern die schlechte Qualität im Sinne von also Fehlbelastung bzw. Überlastung kann einen Tennisellenbogen auslösen. Der Auslöser dafür befindet sich im Bereich der Hand- und Fingermuskulatur und deren äußeren Ansätzen am Oberarmknochen (Humerus). Wir nennen dies eine „Sehnenansatzreizung der Handgelenks-Streckmuskulatur“.

Worin liegt die Ursache für die Beschwerden?

Der Begriff Tennisarm hat sich für eine entzündliche Ellenbogen-Krankheit schlichtweg eingebürgert. Nur 30 Prozent der Tennisspieler entwickeln einen Tennisarm. Weit unter 10 Prozent der Erkrankungen werden durch Sport verursacht. Alle anderen Tennisarm-Erkrankungen haben ihre Ursache in:

  • einer Überlastung der Unterarm-Streckmuskeln
  • Zwangshaltungen
  • Mikroverletzungen durch Stöße

Es gibt darüber hinaus Berufsgruppen, die regelmäßig unter einem Tennisarm leiden. Hierzu gehören beispielsweise Klempner, aber auch Menschen, die viel am Computer arbeiten oder häufig schwere Lasten tragen müssen. Der Tennisarm tritt häufig bei Patienten mittleren Alters auf, er betrifft weder Frauen noch Männer häufiger.

Typische Anzeichen und Symptome

Die Reizung äußert sich generell durch starke, oft stechende Schmerzen im Bereich des Ellenbogens. Sie strahlen häufig bis in Handflächen und Finger aus und machen einfache Tätigkeiten des Alltags wie das Tragen von Gegenständen oder das Händeschütteln unmöglich. Die Sehnenansätze reagieren schmerzhaft auf Druck und der betroffene Arm ist in seiner Bewegung eingeschränkt. Dies ist jedoch in den meisten Fällen bedingt durch akute Schmerzen und nicht durch etwaigen Verschleiß.

Eine stereotype körperliche Tätigkeit mit schnellen Wechseldrehbewegungen des Unterarmes und der Hand (insbesondere mit hoher Griffstärke) erhöhen das Risiko für einen Tennisellenbogen. Dann verursacht schon lokaler Druck oder später auch nur eine leichte Berührung des betreffenden kleinen Knochenvorsprungs am Ellenbogen (Ellenbogenknorren) starke, stechende Schmerzen. Der Faustschluss wird zunehmend kraftlos. Das Anheben und Bewegen schwerer auch leichterer Gegenstände wie einer Kaffeekanne tut weh. Der Tennisarm äußert sich darüber hinaus durch verschiedene weitere Beschwerden. Es gibt unter anderem:

  • Schmerzen, wenn Hand und/oder Finger belastet werden
  • Schmerzen beim Halten von Gegenständen, z. B. Kaffeetassen
  • Schwächegefühle, d. h. Gegenstände können daher nicht mehr aufgehoben oder festgehalten werden

Diagnose „Tennisarm“ ist nicht leicht zu stellen

Auf dem Röntgenbild zeigt sich ein Tennisarm normalerweise nicht. Das Einzige, was ein Arzt ab und zu erkennen kann, sind kleine Verkalkungen. Diese entstehen durch die Entzündungsprozesse im Ellenbogen. Daher sollten Sie Ihren Arzt darauf hinweisen, dass Ihre Schmerzen aus einer Überbelastung entstanden sein könnten. Dann liegt die Diagnose Tennisarm nahe.

Leider kann ein Tennisarm, wenn er nicht behandelt wird, sehr schnell chronisch werden. Die Patienten neigen einerseits zu Vermeidungsstrategien und Schonhaltungen, andererseits gewöhnt sich der Körper an die Schmerzen. Durch diese Taktik kann es sogar zu Ruheschmerzen kommen; also zu Beschwerden in einer Situation, in der der Arm weder belastet noch bewegt wird. Sie sollten daher auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenn Tennisarmbeschwerden länger als zehn Tage anhalten.

Verschiedene Behandlungsmethoden

Einen Tennisarm kann man sowohl konservativ als auch operativ behandeln. Bevor bei einem Tennisarm operiert wird, können Sie eine ganze Menge anderer Methoden versuchen. So können Ihnen beispielsweise die folgenden Herangehensweisen helfen:

  • verschiedene Maßnahmen der Wärmetherapie
  • Massagen
  • bestimmte Salben
  • Quarkumschläge
  • Kortisonbehandlung
  • die Methode, den Arm mittels einer Gipsschiene ruhigzustellen

Diese Schritte bringen Linderung

Idealerweise besteht die Behandlung aus einer Kombination von physikalischen und medikamentösen Therapien. Mit den folgenden vier Schritten sollten Sie gute Chancen auf eine baldige Linderung haben:

Schritt 1: Entlasten Sie den betroffenen Arm

Vermeiden Sie die auslösende Belastung, so lange der Arm schmerzt. Nicht immer liegen die Auslöser auf der Hand (z. B. bei einem tennisspielenden Büromenschen). Aber Sie selbst spüren ja am besten, welche Bewegungen Schmerzen hervorrufen. Das Tragen einer ledernen Unterarmmanschette oder einer Schiene verringert den Zug auf die Unterarmmuskulatur.

Kühlen Sie den schmerzhaften Knochenvorsprung: Mit einem Eislolli (wassergefüllter Joghurtbecher im Gefrierfach) massieren Sie die Stelle drei- bis viermal täglich für wenige Minuten. Unterstützend können Sie bei starken Schmerzen auch bis zur ersten Linderung entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen.

Schritt 2: Stretchen Sie Ihren Tennisellenbogen

Strecken Sie den Problemarm nach vorne unten aus. Das Ellenbogengelenk ist gestreckt. Greifen Sie mit der anderen Hand die Problemhand und biegen Sie diese langsam nach unten, also handflächenwärts. Dabei dehnen Sie die Handgelenksstreckmuskeln, reduzieren so deren Grundspannung und entlasten den Muskelursprung am äußeren Ellenbogenknorren. Erhöhen Sie die Dehnung, bis sich ein leichter Schmerz ankündigt. Halten Sie die erreichte Position für 20 bis 30 Sekunden, dann langsam nachlassen. Bei Beschwerden dreimal täglich dehnen.

Schritt 3: Nutzen Sie physikalische Therapie-Möglichkeiten

Ultraschall findet seinen Einsatz in der Schmerzlinderung. Darüber hinaus wendet man eine Methode an, bei der ein schwacher elektrischer Strom Corticoid-Lösung in die betroffene Region transportiert. Ihr Arzt empfiehlt Ihnen leichte Dehnübungen, um das Handgelenk und die Unterarmmuskulatur zu stärken und einer erneuten Verletzung vorzubeugen.

Schritt 4: Ändern Sie die problematischen Bewegungsmuster

Ändern Sie die gefährlichen Bewegungsmuster: andere Position am Schreibtisch, spezielle ergonomisch geformte Tastaturen und Computermäuse. Mit Hilfe eines Mannschaftsspielers oder eines professionellen Trainers erlernen Sie beim Sport die richtige Technik.

Eine Operation sollten Sie erst in Betracht ziehen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind. Erst wenn alle alternativen Methoden keinen Erfolg hatten, kann Ihr Arzt darüber nachdenken, ob eine Denervierung angebracht ist. Hierbei werden Nerven im betroffenen Bereich gezielt zerstört, indem sie mit einer Sonde verödet werden. Zudem wird der angespannte Muskel in Teilen abgelöst. Tennis- oder Golferellenbogen brauchen oft mehrere Wochen bis Monate bis zur vollständigen Genesung.

Studie zeigt: Abwarten ist oft besser als Kortison

Bevor Sie eine Sehnen- oder Gelenkentzündung wie einen Tennisarm mit Kortisonspritzen behandeln lassen, sollten Sie also abwarten, ob die Beschwerden mit etwas Schonung nicht von selbst wieder zurückgehen. Das ist das Fazit einer Studie australischer Forscher an der Universität von Queensland in Brisbane. Wie die Universität im Oktober 2006 meldete, teilten die Mediziner jeweils etwa 30 Patienten mit einem Tennisellenbogen in drei verschiedene Behandlungs-Gruppen ein:

  • Gruppe 1 erhielt eine Kortisoninjektion.
  • Gruppe 2 wurde mit Krankengymnastik behandelt.
  • In Gruppe 3 wurde den Patienten lediglich zur Schonung geraten.

Kortison lindert Beschwerden nur kurzfristig

Nach sechs Wochen berichteten 78 Prozent aus der Kortisongruppe von einer deutlichen Besserung. In den anderen Gruppen lagen die Zahlen mit 65 Prozent (Gymnastik) und 27 Prozent (Abwarten) zunächst deutlich darunter. Nach einem Jahr hatte sich das Bild jedoch komplett gedreht: Durch alleiniges Abwarten oder Krankengymnastik waren die Beschwerden nahezu vollständig zurückgedrängt worden. In der Kortisongruppe klagten dagegen fast 70 Prozent der Patienten weiterhin über Schmerzen im Ellenbogen.

Die Forscher vermuten, dass die sofortige Schmerzfreiheit durch die Kortisonspritze die Patienten dazu verleitet hat, den Arm zu schnell wieder zu belasten. So konnte die Krankheit nicht richtig ausheilen. Nicht immer ist also ein schneller Erfolg tatsächlich auch ein langfristiger Vorteil für die Patienten.

Tennisarm Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage Tennis- und Golfer-Ellenbogen: Ursachen und 1. Hilfe

In diesem Beitrag erfahren Sie von unseren Experten mehr über die Ursachen und Möglichkeiten der 1. Hilfe bei Tennis- und Golfer-Ellenbogen.

Tennisarm Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Tennisarm: Behandlung

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