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Tennisarm: Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Der Tennisarm (Epikondylitis radialis humeri) oder Tennisellenbogen bezeichnet eine erworbene Reizung oder Entzündung der Sehnenansätze der Muskeln des Unterarms, die an der äußeren Seite des Oberarms entspringen. Anders als der Name vermuten lässt, ist der Tennisarm in den wenigsten Fällen auf exzessives Tennisspielen zurückzuführen. Der Grund liegt häufig in einer beruflichen Überanstrengung.

Die Bezeichnung „Heimwerkerellenbogen“ oder „Mausarm“ treffen die häufigsten Ursachen des stechenden Schmerzes im Ellenbogen wohl treffender. Die Ursache eines Tennisarms stellt immer eine chronische mechanische Überlastung dar. Wenn sich die Sehnen, welche die Muskeln am Knochen befestigen, entzünden oder durch feine Risse verletzt werden, resultiert daraus eine Sehnenentzündung (Tendinitis). Tennis- und Golferellenbogen sind zwei Formen dieser Erkrankung. Durch Überbeanspruchung oder das Tragen schwerer Gegenstände mit gestreckten Armen erleiden die Sehnen im Bereich des Ellenbogens Schaden.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Tennisarm: Was dahinter steckt
  2. Verschiedene Behandlungsansätze
  3. Naturmedizin gegen Tennisarm & Co.

Tennisarm© Adobe Stock – psdesign1

Tennisarm: Was dahinter steckt

Bei der Bezeichnung Tennisarm denken Sie bestimmt gleich an Roger Federer, Rafael Nadal oder vielleicht auch an Boris Becker? Sicherlich spiel(t)en sie mehr und härteres Tennis als alle deutschen Hobbyspieler. Interessanterweise haben diese Profis aber keinen Tennisellenbogen. Woran liegt das?

Sie treffen den Ball (meist) optimal, ihre Bewegungen sind aus einem Guss und technisch einwandfrei. Nicht die Häufigkeit einer Bewegung an sich, sondern die schlechte Qualität im Sinne von also Fehlbelastung bzw. Überlastung kann einen Tennisellenbogen auslösen. Der Auslöser dafür befindet sich im Bereich der Hand- und Fingermuskulatur und deren äußeren Ansätzen am Oberarmknochen (Humerus). Wir nennen dies eine „Sehnenansatzreizung der Handgelenks-Streckmuskulatur“.

Worin liegt die Ursache für die Beschwerden?

Der Begriff Tennisarm hat sich für eine entzündliche Ellenbogenkrankheit schlichtweg eingebürgert. Nur 30 Prozent der Tennisspieler entwickeln einen Tennisarm. Weit unter 10 Prozent der Erkrankungen werden durch Sport verursacht. Alle anderen Tennisarmerkrankungen haben ihre Ursache in:

  • Überlastung der Unterarmstreckmuskeln
  • Zwangshaltungen
  • Mikroverletzungen durch Stöße

Es gibt darüber hinaus Berufsgruppen, die regelmäßig unter einem Tennisarm leiden. Hierzu gehören beispielsweise Klempner, aber auch Menschen, die viel am Computer arbeiten oder häufig schwere Lasten tragen müssen. Der Tennisarm tritt häufig bei Patienten mittleren Alters auf, er betrifft weder Frauen noch Männer häufiger.

Typische Anzeichen und Symptome

Die Reizung äußert sich generell durch starke, oft stechende Schmerzen im Bereich des Ellenbogens. Sie strahlen häufig bis in Handflächen und Finger aus und machen einfache Tätigkeiten des Alltags wie das Tragen von Gegenständen oder das Händeschütteln unmöglich. Die Sehnenansätze reagieren schmerzhaft auf Druck und der betroffene Arm ist in seiner Bewegung eingeschränkt. Dies ist jedoch in den meisten Fällen bedingt durch akute Schmerzen und nicht durch etwaigen Verschleiß.

Eine stereotype körperliche Tätigkeit mit schnellen Wechseldrehbewegungen des Unterarmes und der Hand (insbesondere mit hoher Griffstärke) erhöhen das Risiko für einen Tennisellenbogen. Dann verursacht schon lokaler Druck oder später auch nur eine leichte Berührung des betreffenden kleinen Knochenvorsprungs am Ellenbogen (Ellenbogenknorren) starke, stechende Schmerzen. Der Faustschluss wird zunehmend kraftlos. Das Anheben und Bewegen schwerer auch leichterer Gegenstände wie einer Kaffeekanne tut weh. Der Tennisarm äußert sich darüber hinaus durch verschiedene weitere Beschwerden. Es gibt unter anderem:

  • Schmerzen, wenn Hand und/oder Finger belastet werden
  • Schmerzen beim Halten von Gegenständen, z. B. Kaffeetassen
  • Schwächegefühle, d. h. Gegenstände können daher nicht mehr aufgehoben oder festgehalten werden

Schmerzen durch Tennisarm© Adobe Stock – chajamp

Diagnose „Tennisarm“ ist nicht leicht zu stellen

Auf dem Röntgenbild zeigt sich ein Tennisarm normalerweise nicht. Das Einzige, was ein Arzt ab und zu erkennen kann, sind kleine Verkalkungen. Diese entstehen durch die Entzündungsprozesse im Ellenbogen. Daher sollten Sie Ihren Arzt darauf hinweisen, dass Ihre Schmerzen aus einer Überbelastung entstanden sein könnten. Dann liegt die Diagnose Tennisarm nahe.

Leider kann ein Tennisarm, wenn er nicht behandelt wird, sehr schnell chronisch werden. Die Patienten neigen einerseits zu Vermeidungsstrategien und Schonhaltungen, andererseits gewöhnt sich der Körper an die Schmerzen. Durch diese Taktik kann es sogar zu Ruheschmerzen kommen; also zu Beschwerden in einer Situation, in der der Arm weder belastet noch bewegt wird. Sie sollten daher auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenn Tennisarmbeschwerden länger als zehn Tage anhalten.

Verschiedene Behandlungsansätze

Einen Tennisarm kann man sowohl konservativ als auch operativ behandeln. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die je nach Intensität der Beschwerden eingesetzt werden. Bevor bei einem Tennisarm operiert wird, können Sie eine Menge anderer Methoden versuchen. So können Ihnen beispielsweise die folgenden Herangehensweisen helfen:

  • verschiedene Maßnahmen der Wärmetherapie
  • Massagen
  • bestimmte Salben
  • Quarkumschläge
  • Kortisonbehandlung
  • die Methode, den Arm mittels einer Gipsschiene ruhigzustellen

Idealerweise besteht die Behandlung aus einer Kombination von physikalischen und medikamentösen Therapien. Mit den folgenden vier Schritten sollten Sie gute Chancen auf eine baldige Linderung haben:

Schritt 1: Entlasten Sie den betroffenen Arm

Vermeiden Sie die auslösende Belastung, so lange der Arm schmerzt. Nicht immer liegen die Auslöser auf der Hand (z. B. bei einem tennisspielenden Büromenschen). Aber Sie selbst spüren ja am besten, welche Bewegungen Schmerzen hervorrufen. Das Tragen einer ledernen Unterarmmanschette oder einer Schiene verringert den Zug auf die Unterarmmuskulatur.

Kühlen Sie den schmerzhaften Knochenvorsprung: Mit einem Eislolli (wassergefüllter Joghurtbecher im Gefrierfach) massieren Sie die Stelle drei- bis viermal täglich für wenige Minuten. Unterstützend können Sie bei starken Schmerzen auch bis zur ersten Linderung entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen. Beim Kühlen sollte immer ein Stück Stoff zwischen Kühlpack und Haut sein. Nach 20 Minuten Kühlen eine Pause von ungefähr einer Stunde einlegen. Einige Betroffene empfinden es als angenehmer, die schmerzende Stelle mit Wärme zu behandeln. Auch das ist möglich. Hier muss jeder selbst entscheiden, was ihm guttut.

Schritt 2: Stretchen Sie Ihren Tennisellenbogen

Strecken Sie den Problemarm nach vorne unten aus. Das Ellenbogengelenk ist gestreckt. Greifen Sie mit der anderen Hand die Problemhand und biegen Sie diese langsam nach unten, also handflächenwärts. Dabei dehnen Sie die Handgelenksstreckmuskeln, reduzieren so deren Grundspannung und entlasten den Muskelursprung am äußeren Ellenbogenknorren. Erhöhen Sie die Dehnung, bis sich ein leichter Schmerz ankündigt. Halten Sie die erreichte Position für 20 bis 30 Sekunden, dann langsam nachlassen. Bei Beschwerden dreimal täglich dehnen.

Schritt 3: Nutzen Sie physikalische Therapiemöglichkeiten

Ultraschall findet seinen Einsatz in der Schmerzlinderung. Darüber hinaus wendet man eine Methode an, bei der ein schwacher elektrischer Strom Corticoid-Lösung in die betroffene Region transportiert. Ihr Arzt empfiehlt Ihnen leichte Dehnübungen, um das Handgelenk und die Unterarmmuskulatur zu stärken und einer erneuten Verletzung vorzubeugen.

Schritt 4: Ändern Sie die problematischen Bewegungsmuster

Ändern Sie die gefährlichen Bewegungsmuster: andere Position am Schreibtisch, spezielle ergonomisch geformte Tastaturen und Computermäuse. Mit Hilfe eines Mannschaftsspielers oder eines professionellen Trainers erlernen Sie beim Sport die richtige Technik.

Eine Operation sollten Sie erst in Betracht ziehen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind. Erst wenn alle alternativen Methoden keinen Erfolg hatten, kann Ihr Arzt darüber nachdenken, ob eine Denervierung angebracht ist. Hierbei werden Nerven im betroffenen Bereich gezielt zerstört, indem sie mit einer Sonde verödet werden. Zudem wird der angespannte Muskel in Teilen abgelöst. Tennis- oder Golferellenbogen brauchen oft mehrere Wochen bis Monate bis zur vollständigen Genesung.

Abwarten ist oft besser als Kortison

Bevor Sie eine Sehnen- oder Gelenkentzündung wie einen Tennisarm mit Kortisonspritzen behandeln lassen, sollten Sie also abwarten, ob die Beschwerden mit etwas Schonung nicht von selbst wieder zurückgehen. Das ist das Fazit einer Studie australischer Forscher an der Universität von Queensland in Brisbane. Wie die Universität im Oktober 2006 meldete, teilten die Mediziner jeweils etwa 30 Patienten mit einem Tennisellenbogen in drei verschiedene Behandlungs-Gruppen ein:

  • Gruppe 1 erhielt eine Kortisoninjektion.
  • Gruppe 2 wurde mit Krankengymnastik behandelt.
  • In Gruppe 3 wurde den Patienten lediglich zur Schonung geraten.

Kortison lindert Beschwerden nur kurzfristig

Nach sechs Wochen berichteten 78 Prozent aus der Kortisongruppe von einer deutlichen Besserung. In den anderen Gruppen lagen die Zahlen mit 65 Prozent (Gymnastik) und 27 Prozent (Abwarten) zunächst deutlich darunter. Nach einem Jahr hatte sich das Bild jedoch komplett gedreht: Durch alleiniges Abwarten oder Krankengymnastik waren die Beschwerden nahezu vollständig zurückgedrängt worden. In der Kortisongruppe klagten dagegen fast 70 Prozent der Patienten weiterhin über Schmerzen im Ellenbogen.

Die Forscher vermuten, dass die sofortige Schmerzfreiheit durch die Kortisonspritze die Patienten dazu verleitet hat, den Arm zu schnell wieder zu belasten. So konnte die Krankheit nicht richtig ausheilen. Nicht immer ist also ein schneller Erfolg tatsächlich auch ein langfristiger Vorteil für die Patienten.

Naturmedizin gegen Tennisarm & Co.

Wenn Sie frühzeitig mit der Behandlung beginnen, kann die Naturheilkunde Ihnen wirkungsvoll gegen die Beschwerden bei einem Tennis- oder Golferarm sowie gegen einen Mausdaumen helfen. Gegen die heftigen Schmerzen im Akutfall kommen neuraltherapeutische Injektionen mit einem Lokalanästhetikum sowie ein individuell gewähltes homöopathisches Mittel zum Einsatz. Die weitere Therapie dient der Lösung von Verkrampfungen und Heilung der entzündlichen Nervenreizung.

Setzen Sie frühzeitig Enzyme ein

Umschläge und Wickel mit Heilkräutern lassen die Entzündung schneller heilen. Salbenverbände mit Beinwellextrakten (z. B. Kytta® Salbe) fördern durch das in der Heilpflanze enthaltene Allantoin den Zellaufbau und wirken schmerzlindernd. Auch Arnika-Salbe kann angenehm kühlen und gegen die Entzündung helfen. Globuli aus der Homöopathie helfen Nerven, Muskeln und Sehnen von innen heraus, sich zu regenerieren.

Enzyme wie Bromelain helfen gegen entzündliche Schwellungen, indem sie entzündungsbedingte Eiweiße abbauen. Durch die abschwellende Wirkung dieser Präparate (z. B. Wobenzym®, Phlogenzym®, Bromelain POS®) wird der schmerzhafte Gewebedruck vermindert. Machen Sie mit einem dieser Präparate am besten eine Stoßtherapie, indem Sie am ersten Tag dreimal drei Tabletten einnehmen.

Akupunktur führt zu Beschwerdefreiheit

Mit Akupunktur-Behandlungen kann die Spannung der Muskulatur direkt beeinflusst und dadurch der Kreislauf „Schmerz-Anspannung-Schmerz“ durchbrochen werden. Den Erfolg dieser Behandlung belegten Forscher der McMaster Universität in Hamilton, Ontario (Kanada) durch eine Datenerhebung aus sechs anerkannten Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur bei Tennisarm. In der Regel sind bis zur Beschwerdefreiheit zehn Sitzungen erforderlich, die jeweils zweimal wöchentlich erfolgen sollen. Die Kosten mit etwa 60 Euro pro Behandlung müssen Sie selbst tragen.

Blutegel nehmen schon nach drei Tagen dauerhaft den Schmerz

Eine kleine Studie der Universität Duisburg-Essen zeigte, dass sich die Schmerzen des Tennisarms durch den Einsatz von Blutegeln auf einer festgelegten Skala von 80 auf 40 Punkte verbesserten. Zum Einsatz kamen dabei einmalig vier bis sechs Egel, die direkt auf die Haut des Ellenbogengelenks gesetzt wurden und dort bis zu zwei Stunden blieben.

Die positive Wirkung setzte nach drei Tagen ein und hielt zwei bis drei Monate an. Der Studienleiter erklärte den Erfolg mit den im Speichel der Blutegel enthaltenen Substanzen wie Gerinnungshemmer (Hirudin), gefäßerweiternde und Morphin-ähnliche Stoffe (Eglin, Hyaluronidase). Eine Blutegelbehandlung kostet etwa 120 Euro und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

Behandlung mit Blutegeln© kreativwerden – Fotolia

Dehnen Sie die Schmerzen weg

  • Unterarmdehnung: Strecken Sie den betroffenen Arm waagerecht mit den Handflächen nach oben vor sich aus und winkeln Sie die Hand zum Körper hin an. Verstärken Sie nun den Zug mit der gesunden Hand und halten Sie die Spannung etwa 30 Sekunden. Führen Sie nun die gleiche Übung mit nach unten gerichteter Handfläche aus.
  • Dehnung im Handgelenk: Strecken Sie Ihren Arm aus und drehen Sie den Unterarm so nach innen, dass die Handfläche nach außen zeigt. Drücken Sie nun mit der gesunden Hand die schmerzhafte Hand zur Seite. Halten Sie die Spannung 30 Sekunden.
  • Zugspannung aufbauen: Verschränken Sie Ihre Hände hinter dem Körper und führen Sie sie langsam gestreckt nach oben, bis Sie einen Zug verspüren. Wiederholen Sie diese Übung dreimal. Machen Sie diese Dehnübungen täglich mindestens fünf Minuten lang. Gehen Sie dabei langsam und ohne Kraftanwendung vor.