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Vitalstoffmangel: Testverfahren zum Nachweis möglicher Defizite

Vitamine und Mineralstoffe sind für Ihre geistige und körperliche Fitness unverzichtbar. Außerdem schützen sie vor schädlichen Umwelteinflüssen und helfen bei Alltagsstress. Fehlen diese Mikronährstoffe, bemerken Sie das meist umgehend: Bei Vitaminmangel sinkt Ihre Leistungsfähigkeit, Sie fühlen sich schlapp, kraftlos und sind anfälliger für Infektionen. Wenn Sie unter diesen Symptomen leiden, könnte es an der Zeit sein, sich auf einen möglichen Vitalstoffmangel untersuchen zu lassen.

Ungesunde Ernährung oder Darmerkrankungen

Menschen, die das ganzjährig breite Angebot an frischem Obst und Gemüse nutzen, werden in der Regel ausreichend mit Vitalstoffen versorgt sein. Wichtig ist es außerdem, möglichst wenig industriell verarbeitete Lebensmittel und ausreichend Milchprodukte zu verzehren. Weiterhin sollten Sie darauf achten, Ihre Lebensmittelmöglichst frisch zu kaufen, sie nicht zu lange zu lagern und sie schonend zuzubereiten.

Es gibt jedoch Risikogruppen, die häufig zu wenig Vitalstoffe aufnehmen. Vitalstoffmängel können auftreten bei:

  • Menschen mit einseitiger Ernährungsweise
  • Rauchern
  • Menschen mit erhöhtem Alkoholkonsum
  • Schwangeren und Stillenden
  • älteren Menschen
  • Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen
  • Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen (z. B. Schmerzmittel, Antibiotika, Östrogene)

Eine Haarmineralanalyse ist zu ungenau

Wenn Sie zu einer dieser Risikogruppen gehören, sollten Sie einmal überprüfen lassen, ob Sie noch ausreichend mit Vitalstoffen versorgt sind. Aber Vorsicht: Nicht jedes Diagnoseverfahren, das Ihnen angeboten wird, ist auch tatsächlich sinnvoll. Oft versprechen Werbeanzeigen in der Zeitung, im Internet oder in der Apotheke einen kostenlosen Vitamin-Check. Meist stellt sich dabei heraus, dass Sie alle möglichen Mängel haben, die sehr leicht durch die Einnahme von umgehend angepriesenen, völlig überteuerten Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zu beheben seien, die angeblich „ganz speziell auf Sie zugeschnitten“ sind. Fallen Sie auf solche Angebote nicht herein.

Nicht empfehlenswert ist auch die Haarmineralanalyse, denn das Haar steht nicht mit den Körperspeichern im Gleichgewicht. Ein Defizit kann so erst spät nachgewiesen werden. Außerdem verfälschen Umwelteinflüsse (z. B. Shampoo) sowie Alter, Geschlecht und Haarlänge die Analyseergebnisse. Neben der Haaranalyse werden auch noch weitere alternative Nachweisverfahren angeboten, die ebenfalls keine verlässlichen Ergebnisse liefern.

Weitere ungenaue Verfahren

  • angewandte Kinesiologie
  • Bioresonanztestungen
  • Dunkelfeld-Blutdiagnostik
  • Elektroakupunktur nach Voll
  • Mikro-Test A (Messung von Körperschwingungen)

Das einzige Labor-Verfahren, das wirklich eine verlässliche Aussage über Nährstoffmängel erlaubt, ist eine Blutuntersuchung.

Lassen Sie nur ausgewählte Werte bestimmen

Ihr Hausarzt kann zwar das Blut abnehmen, ist aber meist nicht für die Analysen gerüstet. Fragen Sie vor der Bestimmung Ihren Arzt oder einen Labormediziner, welche Kosten voraussichtlich auf Sie zukommen. Sie können für eine sehr umfangreiche Blutanalyse zwischen 500 und 1.000 Euro betragen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur dann, wenn eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Erkundigen Sie sich deshalb besser vorher auch bei Ihrer Kasse.

In vielen Fällen reicht es jedoch aus, sich bei der Analyse auf die acht wichtigsten Laborwerte zu konzentrieren. Insgesamt werden Sie dafür weniger als 200 Euro an Laborkosten bezahlen müssen. Im Folgenden stellen wir Ihnen die Nährstoffe kurz vor, auf die Sie bei der Analyse besonderen Wert legen sollten.

B-Vitamine schützen Ihre Gefäße

Ein Mangel an Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 führt zu einem erhöhten Homocysteinspiegel im Blut. Homocystein ist ein Zwischenprodukt im Eiweißstoffwechsel und benötigt diese Vitamine zu seinem Abbau. Zu hohe Homocystein-Konzentrationen können die Blutgefäße schädigen und gelten als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, Thrombose oder Herzinfarkt). Gerade bei älteren Menschen kann die Aufnahme dieser Vitamine im Darm gestört sein.

Vitamin-B12-Mangel ist in Deutschland beispielsweise der am häufigsten zu therapierende Vitaminmangel. Ein einheitlicher Grenzwert existiert bisher jedoch nicht. Lag früher der Normalwert unter 15, so werden inzwischen erst Werte unter 10 µmol/l als unbedenklich angesehen. Ein höherer Wert kann daher auf einen Mangel an den genannten B-Vitaminen hindeuten. Der beste Folsäure-Indikator ist die Messung von Folsäure in den Erythrozyten, also den roten Blutkörperchen. Werte unter 320 nmol/l werden als Mangel gewertet. Vitamin B12 wird am besten im Blutplasma gemessen. In der Regel gelten Werte unter 360 pmol/l als Anzeichen für ein mögliches Defizit.

Vitamin C, D und E wehren freie Radikale ab

Raucher und Menschen mit erhöhter Infektanfälligkeit haben einen gesteigerten Bedarf an Vitamin C. Die Konzentration von Vitamin C im Blutplasma spiegelt die Versorgung gut wider. Werte unter 11 µmol/l gelten als Mangel. Wenig Sonnenlicht und die gestörte Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen im Darm können zu einem Vitamin-D-Mangel führen. Vor allem Frauen haben hierdurch ein höheres Risiko für Osteoporose. Im Labor wird Vitamin D im Blutplasma bestimmt. Werte unter 25 nmol/l zeigen eine schlechte Vitamin-D-Versorgung an.

Vitamin E ist ein wichtiges Antioxidans für den Körper. Es dient als Zellschutz und kann darüber hinaus vor Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Am häufigsten wird Vitamin E in Form von alpha-Tocopherol im Plasma bestimmt. Werte unter 11,6 µmol/l gelten als Mangel.

Die wichtigsten Spurenelemente sind Zink und Selen

Selen und Zink sind wichtige Co-Faktoren für Enzyme, ohne die wichtige Reaktionen im Körper nicht ablaufen. Zink wird für den Eiweißstoffwechsel benötigt. Es hat antioxidative Eigenschaften und ist wichtig für die Wundheilung sowie die Immunabwehr. Bei einem Zinkmangel sind Muskulatur und Knochen in der Lage, eine Zeit lang reichlich Zink freizusetzen, sodass die Bestimmung im Blut keine gesicherten Aussagen über einen Mangel erlaubt und äußerst ungenau ist. Die Werte schwanken bei derselben Person am selben Tag um bis zu 25 Prozent. Als Mangel werden Werte unter 9 µmol/l angesehen.

Selen ist ein wichtiger Wachstumsfaktor für fast alle Zellen und Bestandteil vieler Enzyme. Als idealer Wert gelten Blutspiegel von 1,9 µmol/l.

Ernährungsberatung: Oft die preisgünstigere Alternative

Wenn Sie die hier genannten Blutwerte bestimmen lassen, bekommen Sie einen recht genauen Überblick über gefährliche Vitalstoffdefizite. Wichtig ist, dass Sie die Ergebnisse mit Ihrem Arzt besprechen und dann auch mögliche Konsequenzen ziehen (z. B. Ernährungsumstellung, Auswahl eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels).

Es gibt auch einen alternativen Weg, um Nährstoffmängel aufzudecken, der sogar preisgünstiger ist, als sämtliche Laborwerte bestimmen zu lassen: Grundsätzlich ist es möglich, Nährstoffmängel auch über eine Bestandsaufnahme Ihrer Ernährungsweise (Ernährungsanamnese) bei einem Diätassistenten oder Ernährungsberater aufzudecken. Diese Experten protokollieren Ihre Ernährungsgewohnheiten, lassen sich Ihre Beschwerden schildern und können so eine recht gute Diagnose Ihrer Versorgung stellen. Eine Beratung kostet etwa 60 bis 80 Euro. Die Ergebnisse sind zwar nicht aufs Komma genau, aber für die alltägliche Praxis sind diese Analysen oft völlig ausreichend.

Häufige Nährstoffmängel

  • Senioren: Vitamin B12, B6 und Folsäure, Vitamin D, Vitamin E, Zink, Selen, Vitamin B1, Jod
  • Raucher: Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin, Selen
  • Patienten mit Störungen im Magen-Darm-Bereich (schlechte Nährstoffaufnahme): Vitamin B12, B6, Folsäure, fettlösliche Vitamine A , D, E, K, Zink
  • Einnahme von Medikamenten (z. B. Antibiotika, Schmerzmittel, Anti-Baby-Pille): sehr unterschiedliche Mangelerscheinungen
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