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Spagyrik: Heilmittel aus der Zauber-Küche

Naturheilmediziner und Heilpraktiker setzen heute mehr und mehr auf spagyrische Arzneimittel. Diese stammen ursprünglich aus der „Zauber-Küche“ der Alchemisten des Mittelalters und wirken nach einem ähnlichen Prinzip wie die Homöopathie.

Erstmals tauchte der Name „Spagyrik“ bei dem Arzt Paracelsus (1493 bis 1541) auf, der die berühmte Erkenntnis prägte „Allein die Dosis macht, was Gift ist“. Theophrastus Bombastus von Hohenheim – so sein richtiger Name – galt als Alchemist und Begründer einer ganzheitlich ausgerichteten Medizin mit entsprechenden spagyrischen Arzneien.

Die Alchemisten des Mittelalters waren verschrien als Goldmacher und Magier der „Schwarzen Kunst“. Denn ursprünglich hatten sie versucht, Gesteine und Metall in Gold zu veredeln und so den „Stein des Weisen“ zu finden. Sie selbst verstanden sich als Philosophen mit einem höherem Bewusstsein als der Rest der Menschheit. Ihre Erkenntnisse gaben sie nur an diejenigen weiter, die sich für des Wissens als würdig erwiesen: „Da alle wesentlichen Dinge in Metaphern ausgedrückt sind, geht die Mitteilung nur an jene, welche die Gabe haben zu verstehen.“

Die Heilkaft der Ausgangsstoffe soll vervielfacht werden

Dass die Spagyrik heute wieder zur Hochform aufläuft, ist zwei Männern des 20. Jahrhunderts zu verdanken: Alexander von Bernus (1880 bis 1965) und Marino Lazzeroni (1937 bis 1996). Bernus war im Besitz alter alchemistischer Rezepturen von Paracelsus und wollte sie in eine zeitgemäße Form bringen. Zu diesem Zweck gründete er eine eigene Heilmittelfirma und stellte spagyrische Tinkturen her. Nach seinem Tode setzte Lazzeroni das Werk fort.

Spagyrische Arzneien erfordern eine aufwändige Herstellung

Das Wort „Spagyrik“ entstammt dem griechischen „spao“ (für „trennen“) und „ageiro“ (für „vereinigen“). Gemeint ist die Trennung der eingesetzten Stoffe in ihre Urelemente und die Schaffung einer neuen Verbindung nach den 3 Grundprinzipien

  • Trennung (seperatio)
  • Reinigung (purificatio)
  • Wiedervereinigung (kohabatio)

Der spagyrischen Idee lag die Annahme zugrunde, es ließe sich durch ein ganz spezielles Herstellungsverfahren – ähnlich wie bei der Homöopathie – die Heilkraft des Ausgangsstoffes erhöhen. Ausgangsstoffe sind Pflanzen, Mineralstoffe oder Metalle. Die Trennungsverfahren, Lösungs- und Reinigungsprozeduren der spagyrischen Arzneimittelherstellung sind der Natur abgeschaut. Die Spagyrik ahmt diese Prozesse im Kleinen nach und beschleunigt sie. Ziel dieser aufwendigen Verfahren ist es, die Wirksamkeit der ihr innewohnenden Lebenskraft einer Pflanze oder eines Minerals zu vervielfältigen. Dies geschieht unter anderem durch wiederholte Destillation.

Spagyrische Arzneien stehen für die Urform des Lebens

Die Ausgangssubstanz wird zunächst in diverse Bestandteile geteilt und das Wertvolle vom Nutzlosen getrennt. Durch eine Neukomposition werden die verbliebenen Bestandteile wieder vereint. Dadurch soll die molekulare Energie gesteigert werden, die Wirkkraft dynamisiert und gleichzeitig ein hoher Reinheitsgrad erreicht. Denn die „Giftstoffe„ sind  eliminiert worden. Am Ende sind die eigentlichen Wirkkräfte nicht mehr nachweisbar und können nur an ihren Heilwirkungen erkannt werden. Es heilt dann nicht mehr der Wirkstoff selbst, sondern die Information, die er hinterlassen hat. Die Alchemisten sahen sie als die reine, von der Materie unberührte Urform des Lebens.

Die pflanzlichen Rohstoffe entsprechen höchsten Ansprüchen und die Herstellungsweise ist immer noch ganz eng an die Rezepturen des Paracelsus angelehnt. So wird die „reifende“ Arznei bei Sonnenaufgang in einer entsprechenden Rhythmik bewegt und in einer bestimmten Drehrichtung dynamisiert, Abends bei Mondaufgang wird sie in entgegengesetzter Drehrichtung in einem dem Mond analogen Rhythmus aufgerührt. Daraus entstehen ein Extrakt, eine Essenz oder eine Tinktur mit hoher Heilkraft auf stofflicher Basis.

Der Grundgedanke der Spagyrik ist es, die drei philosophischen Prinzipien der Alchemie in der Herstellung der Arzneimittel zu übertragen. Sie werden symbolisch Sal, Merkur und Sulfur genannt. Beim Menschen stehen sie für

  • Sal = Physis
  • Merkur = Lebenskraft
  • Sulfur = Bauplan

Das heißt nach unserem Verständnis nichts anderes, als das sowohl Körper als auch Geist und Seele mit einbezogen werden.

Traditionelle Anwendungsgebiete der spagyrischen Arzneien

  • Augenentzündungen
  • Kopfschmerzen
  • Ohrschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Zahnfleischentzündungen
  • Allergien
  • Schuppenflechte
  • Akne
  • Psoriasis
  • Neurodermitis
  • rheumatiode Arthritis
  • Menstruationsbeschwerden
  • Wechseljahrsbeschwerden
  • Durchblutungsstörungen
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Erkältung
  • Bronchitis
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