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Wie Schmerzen einfach weggeklebt werden

Ende der 1970er Jahre entwickelte der japanische Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase zur Optimierung seiner Behandlungen mit den herkömmlichen, zugfesten Tapes ein hochelastisches Pflaster, das sich wie eine zweite Haut dehnen und wieder zusammenziehen kann. Es ist aus reiner Baumwolle und an der Unterseite wellenförmig mit Acryl beschichtet, wodurch es bei Kontakt mit der Körperwärme selbstklebend wird und nicht über seine gesamte Breite auf der Haut haftet. Dieses Band hat eine ähnliche Dicke und Dehnbarkeit (bis zu 180 %) wie die menschliche Haut. Dr. Kenzo Kase nannte sein Klebeband Kinesio-Tape (griech.: kinesis = Bewegung), da es die Bewegung der Muskulatur nicht einschränkt.

Im Jahr 2001 unterrichtete er die ersten Physiotherapeuten in Deutschland in seiner Methode, die sich bei uns immer größerer Beliebtheit erfreut.Bei diesen Beschwerden können Ihnen die Klebestreifen helfen:

  • Spannungskopfschmerzen
  • Sehnenscheidenentzündung (z. B. Tennisarm)
  • Muskelschmerzen (z. B. durch Verspannungen, Fibromyalgie)
  • Bindegewebsverhärtungen (Fibrosen)
  • Gelenkschmerzen (z. B. Knieschmerzen, Arthrose)
  • Hexenschuss
  • Störungen im Lymphabfluss (Lymphödeme)

Ein oder mehrere Tapes werden in speziellen Anlagetechniken auf den zu behandelnden Körperbereich aufgeklebt. Die Art der Klebe-Technik richtet sich danach, ob eine Muskelgruppe aktiviert, ein Gelenk in seiner Funktion unterstützt oder der Lymphfluss aktiviert werden soll. Beim Aufbringen des Tapes wird die Haut unter dem Klebeband bei jeder Technik leicht angehoben, wodurch sich der Raum zwischen der Haut und dem darunterliegenden Bindegewebe vergrößert. Das lockert das Bindegewebe auf, und die Lymphflüssigkeit kann besser abtransportiert werden.

Aufgrund der hohen Dehnbarkeit der Tapes wird die Muskulatur darunter nicht in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, vielmehr erhält sie bei jeder Bewegung eine Stimulation durch die Reibung des Bands. Da das Tape auf der Haut haftet, kommt es bei jeder Körperbewegung zu einer mechanischen Verschiebung der Haut, wodurch ihre Nervenzellen (Mechanorezeptoren) gereizt werden. Dieser Reiz hemmt über Nervenbahnen des Rückenmarks Zellen des Hirnstamms, was die Schmerzwahrnehmung vermindert.

Neue Taping-Methoden

Einige Therapeuten berücksichtigen bei der Anlage der Tapes nicht nur den anatomischen Verlauf der Muskeln, Sehnen und Bänder, sondern wählen je nach den zu behandelnden Beschwerden auch gezielt eine Farbe für das Band aus. Nach den Vorstellungen des Biophysikers Professor Fritz-Albert Popp sollen bei der Behandlung mit farbigen Bändern Energieungleichgewichte durch Farbschwingungen ausgeglichen werden. Kühle Farben wie blau sollen entspannend und beruhigend wirken, die warme Farbe rot eher durchblutungsfördernd und anregend.

Eine weitere Variante des Kinesio-Tapings ist das Aku-Taping. Basierend auf der Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden hier die Tapes entlang ausgewählter Energiebahnen (Meridiane) geklebt. Die Eigendehnung des elastischen Bands führt zu einer ständigen Massage der auf diesen Bahnen liegenden Akupunkturpunkte, was einen ähnlichen Effekt hat wie eine Dauernadel: Die blockierte Energie im behandelten Bereich wird wieder zum Fließen gebracht, wodurch die Selbstheilungskräfte angeregt werden sollen.

Leider ist Kinesio-Taping ist nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Wenn Sie die schmerzlindernde und heilungsfördernde Wirkung der Kinesio-Tapes einmal ausprobieren möchten, sollten Sie sich an einen erfahrenen Physiotherapeuten, Orthopäden oder Sportmediziner wenden. Er kennt den anatomischen Verlauf der Muskeln und Sehnen und beherrscht die unterschiedlichen Anlagetechniken. Je nachdem wie viele Bänder bei Ihnen aufgeklebt werden, müssen Sie mit 10 bis 50 € rechnen, im Rahmen einer ärztlichen Behandlung oder verordneten Physiotherapie übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten. Sie können die Bänder bis zu drei Wochen tragen und mit ihnen auch duschen oder Sport treiben.

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Über den Autor Beate Rossbach

Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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