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Grundlagenwissen zum Thema Kneipp-Wickel

Heute sind Wickel als Naturheilmittel wieder sehr aktuell. Aber welchen Wickel legen Sie für welchen Zweck an?

Wasser, Kälte, Wärme, Heilpflanzen und Tücher – mit diesen einfachen Mitteln behandelten die Frauen vor Generationen viele Erkrankungen. Heute gehören Wickel im Rahmen der Hydrotherapie (Wasserbehandlung) zum Standardprogramm einer modernen Behandlung in (Kur-)Kliniken. Dort übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen meist die Kosten dafür.

Wickeln Sie sich gesund!

Wickelbehandlung lindert nicht nur Beschwerden, sondern stärkt das Immunsystem des Körpers. Richtig und maßvoll durchgeführt verhält sie sich nebenwirkungsfrei. Feuchte Wickel können Sie einfach zu Hause anlegen.

Die Körperreaktionen beim Wadenwickel zeigen deutlich, dass Wickel nicht nur örtlich (an dem gewickelten Körperteil) wirken. Sie beeinflussen Körperabläufe, die das vegetative Nervensystem steuert wie Stoffwechsel, Kreislauf und Atmung.

Kalte Wickel regen den Körper dazu an, den unterkühlten Bereich zur Erwärmung schnell mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Das verbessert die Kreislaufsituation.

Warme Wickel lösen Signale aus, die zur Entspannung des behandelten Körperbereichs führen. Es gelangen vermehrt Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen, weil die Durchblutung an der Körperoberfläche zunimmt. So entspannen sich Ihre verkrampften Körperregionen besser.

Außerdem unterstützt es die Selbstheilungskräfte Ihres Organismus auf sanfte Weise und erleichtert den Abtransport von Abbauprodukten des Körpers. Bei beiden Wickelformen spüren Sie eine entsprechende Rückwirkung auf Ihren gesamten Organismus.

Die wichtigsten Wickelarten

  • Halswickel
  • Wadenwickel
  • Brustwickel
  • Bauchwickel
  • Rumpfwickel

Darüber hinaus können Sie die Wickel an Armen, Händen und Füßen (z. B. bei Prellungen, rheumatischen und arthrotischen Beschwerden) anwenden.

Kälte wirkt anregend

Wie ein Zündfunken wirken Wasserbehandlungen auf den Organismus. Insbesondere kalte Temperaturreize kurbeln seine Abwehrkräfte an. Sie unterstützen allgemein die Körpersysteme und gezielt den Heilungsprozess bei einer Krankheit.

Kalte Wickel wirken je nach Liegedauer und Feuchtigkeit des Tuches: Sie entziehen dem Körper Wärme oder erzeugen sie. Ein gutes Beispiel für den Wärmeentzug ist der Wadenwickel bei Fieber: Die mit kaltem Wasser getränkten Wickeltücher wringen Sie leicht aus, wickeln sie um beide Waden und belassen sie dort kurze Zeit (5 bis 10 Minuten).

Das Fieber sinkt und der Kopf leitet die vermehrte Hitze ab. Das stärkt den durch das Fieber geschwächten Kreislauf, regt das Lymphsystem an und der Organismus entgiftet vermehrt über die Haut.

Kurze Zeit angelegte kalte Wickel helfen über den Wärmeentzug bei Fieber und Schmerzen. Wichtig ist, dass Sie die Tücher wieder abnehmen, bevor sie trocken und warm sind. Bei starken Schmerzen oder hohem Fieber sollten Sie je nach Bedarf das kalte Tuch öfter wechseln.

Doch soll dabei das Fieber nicht unter 39° Celsius sinken. Wenn Sie einen kalten Wickel vor dem Anlegen gut auswringen oder ihn längere Zeit auf dem Körperteil liegen lassen (20 bis 60 Minuten), wirkt er wärmeerzeugend. Der Wickel erwärmt sich und das Tuch trocknet langsam ein. Diese Wickelart wirkt schmerzlindernd, schlaffördernd und beruhigend auf das vegetative Nervensystem und hilft bei länger bestehenden Krankheiten.

Wärme wirkt entspannend

Wärme entkrampft und entspannt und sorgt für körperliches und seelisches Wohlbefinden. Viele Frauen kennen das: Quälende Periodenschmerzen, Bauchkrämpfe oder harte Verspannungen der Nackenmuskeln erschweren Ihnen den Tag.

Diese Beschwerden bekämpfen Sie am besten mit Wärme. Viele Menschen greifen zur guten, alten Wärmflasche oder zu erwärmten Getreide- oder Leinsamenkissen. Diese geben trockene Wärme ab.

Die feuchte Wärme eines Bauch- oder Nackenwickels wirkt intensiver, weil das feuchte Tuch Wärme besser leitet. Wichtig bei warmen Wickeln ist gutes Auswringen des Wickeltuches. Ihn zu heiß anzulegen, ist keineswegs sinnvoll.

Empfindliche Haut reagiert sofort mit Reizungen oder Verbrennungen. Die Wärme sollte immer im Wohlfühlbereich liegen. Sie ist für Gehirn, Nervensystem und Muskeln ein deutlicher Hinweis, die Körpersysteme auf Entspannung zu schalten.

Wickeln wie die Profis

Nicht jede Wickelart eignet sich zur eigenen Anwendung. Dazu gehören Dreiviertel- oder Ganzkörperwickel, die man aufgrund ihres Umfangs als Packung bezeichnet. Sie rufen im Körper je nach Temperatur starke Reaktionen hervor, die unter fachkundige Aufsicht gehören.

Interessant für die Selbstbehandlung und leichter anzulegen sind kleinere Wickel. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese geringe Körperreaktionen hervorrufen. Wenn Sie wegen einer Erkrankung in Behandlung sind oder sich bei der Temperaturauswahl für einen Wickel unsicher sind, sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt.

Grundregeln des Wickelns

  • Sorgen Sie für eine gute Raumluft, denn angelegte Wickel führen zu einer vertieften Atmung.
  • Wenn Sie Ihren Partner oder ein Kind behandeln, erkundigen Sie sich nach der Empfindung bezüglich der Temperatur des Wickels. Jeder Mensch und jedes Lebensalter empfindet Wärme und Kälte anders.
  • Für Kaltreize gilt: Niemals kalt an einem kalten Körper. Wer fröstelt, verträgt kein kaltes Wasser. Frieren Sie während oder nach der Behandlung, war der Kaltreiz zu stark. Brechen Sie in diesem Fall die Wickelung ab und wärmen Sie die unterkühlte Region auf (durch Reiben, warme Decken, Wärmflasche etc.).
  • Akute (entzündliche) Krankheitsprozesse vertragen einen Kaltreiz. Für chronische Prozesse empfiehlt sich oft eher Wärme.
  • Je weiter die Wassertemperatur von der normalen Körpertemperatur (37° C) abweicht, desto stärker wirkt der Reiz.
  • Schwache und mittlere Reize stärken die Lebenskräfte, zu starke Reize hemmen die Körperreaktion und schaden.
  • Vor und direkt nach den Mahlzeiten sollte man nicht wickeln. Halten Sie einen Mindestabstand von 30 Minuten ein. Rauchen vor und nach dem Wickeln schwächt die Wirkung unter Umständen ab.

Wie oft Sie eine Behandlung durchführen, hängt davon ab, ob sie für akute Beschwerden oder zur Vorbeugung gedacht ist. In der Regel reichen zwei Wickelungen am Tag aus. Der Körper braucht Zeit zur Verarbeitung der Reize. Als Ausnahme gilt der wärmeentziehende Wadenwickel bei hohem Fieber oder der Halswickel bei Halsentzündungen, die man beide öfter anlegen kann.

Tuch für Tuch der richtige Stoff

Ein Wickel besteht aus mindestens zwei Tüchern: dem Innen- und Außentuch. Bei Bedarf (z.B. bei Wickelzusätzen) verwenden Sie ein schützendes Zwischentuch. Benutzen Sie keine neuen Stoffe. Diese müssten Sie wegen ihrer Imprägnierung erst mehrmals waschen.

Das anzufeuchtende Innentuch liegt direkt auf der Haut. Schneiden Sie es so groß zu, dass es einmal zusammengefaltet die zu umwickelnde Körperfläche völlig bedeckt. Ideal für Kaltreize sind Leinentücher wie alte Bett- oder Geschirrtücher. Leinen leitet Körperwärme gut ab: Je dicker das Leinen, um so besser der Wärmeentzug.

Mullwindeln oder Geschirrtücher aus Baumwolle gelten als gute Wärmeleiter und eignen sich besser für warme Wickel. Als Träger für Zusätze wie beim Quark- oder Zwiebelwickel eignet sich Verbandmull, weil er grobmaschig und chemikalienfrei ist. Im Hinblick auf die Hygiene sollte der Stoff eines Innentuchs auskochbar sein.

Bei allen Wickeln ziehen Sie das Innentuch faltenfrei und nicht zu locker um die Haut, um einen Temperaturverlust zu vermeiden.

Wolle als Favorit?

Ideal als Zwischentuch eignet sich Heilwolle. Diese Rohwolle setzt man als zwei bis drei Zentimeter dicke Zwischenlage etwa beim warmen Hals- oder Brustwickel mit Zusätzen ein.

Rohwolle erhalten Sie in Apotheken, Naturkostläden oder Wollgeschäften. Sie besteht aus einmal gewaschener, gekämmter unversponnener Schafswolle und bewirkt eine intensive Durchwärmung. Ungeeignet ist das Material für empfindliche Kinder oder für Allergikerinnen.

Das Außentuch soll als Abschlusstuch die Temperatur für eine bestimmte Zeit halten. Bei einem richtig angelegten Wickel reicht es, um das Bett vor Nässe zu schützen.

Das Außentuch sollte mindestens 3 cm breiter als das Zwischentuch bzw. das Innentuch ein. Ideal ist eine Decke bzw. ein Schal aus Wolle, denn Wolle kann bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass man Feuchtigkeit empfindet. Für sensible Haut empfiehlt sich Seide. Sie hält gut warm und bindet Feuchtigkeit und Schweiß.

Eine Befestigung sorgt dafür, dass Ihr Wickel nicht verrutscht. Als Material eignen sich an das Wolltuch genähte Bändchen, Klebepflaster von der Rolle, ein Klettverschluss oder Mull- und Verbandbinden.

Auflagen und Kompressen als Alternativen

Alternativen zu einem Wickel sind Auflagen und Kompressen. Wie der Name schon sagt, liegen Auflagen einem Körperteil auf, etwa als Quark-Auflage der Brust. Kompressen sind Auflagen für sehr kleine Körperbereiche wie eine Leinsamen-Kompresse für den Nasenbereich.

Für die Wahl der Stoffe und der Temperatur gelten bei Auflagen und Kompressen die gleichen Regeln wie für die größeren Wickel. Die Arbeitsweise bei kleinen Wickeln verläuft einfach, weil die Tücher dafür handlich sind. Beim Hals- oder Wadenwickel wickeln Sie das Innentuch nicht zu locker, aber auch nicht zu fest (Einschnürungen vermeiden!) um Hals oder Waden. Ein Außentuch hält die Temperaturen.

Wickel bei Krampfadern oder geschwollenen Beinen: Wenn Sie Krampfadern haben oder nach langem Stehen oder Sitzen zu schweren, geschwollenen Beinen neigen, hilft ein kühler Venenwickel (Wadenwickel). Der Kaltreiz entstaut und erfrischt.

Eine Ritterspitz-Tinktur (Dosierung nach Angaben des Herstellers), Meersalz (1 Esslöffel auf 1/2 Liter Wasser) oder Apfelessig (1:2 im Wasser verdünnt) als Zusatz zum Wickelwasser verstärkt die Wirkung. Als Hausmittel hilft kalter Quark, der etwa 1/2 bis 1 cm dick auf das trockene Innentuch ausgestrichen wird.

Wickel bei Rückenschmerzen, Nervosität und Erkältungen

  • Rücken-, Brust- und Bauch- oder Unterleibwickel (Hüftwickel) sind etwas schwieriger anzulegen. Breiten Sie das Außentuch und darauf das kleinere Zwischentuch auf der Liegefläche aus. Ein „Probeliegen“ bestätigt Ihnen die Maße und die korrekte Lage der Tücher. Danach bereiten Sie mit mit eventuellen Zusätzen das Innentuch vor. Ein warmer Rückenwickel (oder eine Auflage) hilft bei einem schmerzenden verspannten Rücken. Als Zusätze wirken warme, zerkleinerte Kartoffeln (heiß in das trockene Innentuch gelegt) sowie Johanniskraut- und Lavendelöl im Wickelwasser (Dosierung nach Anweisung des Herstellers) schmerzstillend. Warme Körperwickel mit Rosmarinöl (auch als Bad) kurbeln den Kreislauf an.
  • Wickel bei Nervosität, Darm- und Menstruationsbeschwerden: Im Gegensatz zum Rückenwickel verwenden Sie für einen Bauchwickel ein kleineres Wickeltuch. Warm angelegt, beruhigen Schafgarben- oder Kamillen-Aufguss oder Kümmelöl als Zusatz im Befeuchtungswasser bei Magen- und Darmbeschwerden, Nervosität und Menstruationsbeschwerden.
  • Wickel bei Erkältungen: Bei Erkältungen sorgen warme Brustwickel für eine bessere Durchblutung, Schleimlösung und Hustenlinderung; als Zusätze (zum Befeuchtungswasser bzw. als Auflage auf das Innentuch) eignen sich zerkleinerte Zwiebeln, Zitronensaft, und leicht angewärmter Magerquark und ätherische Öle gegen Erkältungen. Rücken- und Brustwickel mit Kaltreizen regen Atmung und Kreislauf an, härten allgemein ab und erfrischen.

Achten Sie auf Qualität

Wickel entfalten ihre Effektivität über die Temperatur. Wenn Sie ihre Wirkung durch Zusätze im Wickelwasser verstärken wollen, ist bei den Heilpflanzen Qualität angesagt. Heilpflanzen sollten frisch geerntet und sofort je nach Verwendung richtig aufbereitet sein (getrocknet oder zu Öl gepresst).

In Apotheken erhalten Sie nach den Vorschriften kontrollierte Ware. Getrocknete Pflanzen sollten Sie maximal ein Jahr aufheben, um sie für einen Wickelabsud abzubrühen. Riechen sie nicht mehr intensiv und frisch, helfen sie auch nicht mehr.

Darüber hinaus eignen sich einige ätherische Öle als Wickelzusatz. Sie sollten aus 100 Prozent reinem ätherischen Öl bestehen. Verzichten Sie auf Parfümöl oder naturidentisches Öl.

Ganz wichtig: Halten Sie die angegebene Verdünnungsempfehlung ein. Unverdünntes Öl ruft unter Umständen unangenehme Hautreizungen hervor. Es wächst fast für jede Beschwerde ein Kraut. Ihr Apotheker kennt sich aus mit den Misch- und Verdünnungsregeln.

Wenn Sie die richtige Heilpflanze nicht griffbereit haben, denken Sie an alltägliche Hausmittel wie Salz, Zwiebel, Quark, Essig oder Zitrone. Achten Sie beim Kaufen auf unbehandelte und frische Ware.

Hausmittel als Wickelzusatz

AnwendungZusatzWirkung
Erkältung
Husten
Rheuma
Gelenkentzündung
Blasenentzündung
Zwiebel roh schneiden und im Innentuch bis zur Saftbildung drückenschmerzlindernd, entzündungshemmend, stoffwechselanregend, schleimlösend, desinfizierend
Krampfadern
Wasseransammlungen im Gewebe
Prellungen
Quetschungen
Blutergüsse
Insektenstiche und Juckreiz
Essig Obst-/Apfelessig ohne weitere Zusätze 1:2 mit dem Wickelwasser verdünnenentstauend, durchblutungsanregend, kühlend
Husten
Bronchitis
Muskelverspannungen
Kartoffeln gekocht und zerkleinert, auch als Ersatz für Leinsamenschmerzlindernd, stark erwärmend
Husten
Bronchitis
Schnupfen
Nebenhöhlenentzündungen
Leinsamen, frisch geschrotet, aus Reformhaus oder Apothekeschmerzlindernd, stark erwärmend, schleimauflösend
Wasseransammlung im Gewebe
Krampfadern
Schnupfen
Nebenhöhlenentzündungen
Schmerzen Entzündungen
Salz/Meersalz 1 bis 2 Esslöffel auf 1 Liter Wickelwasserabschwellend, wundheilungsfördernd, entzündungsheilend, durchblutungsfördernd
Husten
Halsentzündungen
Zitrone (nur ungespritzte; bei empfindlicher Haut Reizungen möglich)entzündungshemmend, bakterientötende Wirkung
Als Kaltreiz:
akute Halsentzündung
Krampfadern
Venenentzündung (oberflächlich)
Sonnenbrand
Insektenstich
Brustdrüsenentzündung
Gelenkentzündung
Kopfschmerzen
Akute Schwellungen und Entzündungen.
Quark, 1-2 Päckchen aus dem Kühlschrank je nach Körperbereich dünn ausstreichenkühlend, abschwellend, entzündungshemmend, schleim- und krampflösend bei Husten, schmerzlindernd, entgiftend
Als Warmreiz (körperwarm):
Husten
Bronchitis
Heiserkeit
Lymphdrüsenschwellung
Chronische Gelenkschmerzen
Den Quark nur körperwarm auflegenchronische Erkrankungen lindernd, beruhigend, schleimlösend, krampfstillend, schmerzstillend

 

 

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