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Stoppt die Durchfall-Bakterien: Möhrensuppe nach Moro

Vielleicht hat Ihnen Ihre Mutter schon diese Suppe als Kind bei Durchfall zubereitet? Mit diesem alten Hausrezept einer ganz einfachen Möhrensuppe gelang es dem Kinderarzt Prof. Moro 1908, die Sterbe- und Komplikationsrate von Kindern bei Durchfallerkrankungen drastisch zu senken.

In den letzten Jahrzehnten ist sie fast komplett von der Bildfläche verschwunden. Dabei wirkt sie sehr effektiv gegen Durchfallerreger, natürlich auch bei Erwachsenen.

Durchfall-Bakterien wandern mit dem Nahrungsbrei in den Darm. Dort versuchen sie, an der inneren Darmwand an bestimmten Rezeptoren anzudocken (nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip). Gelingt ihnen das, vermehren sie sich und schütten Bakteriengifte aus, die das Gewebe angreifen. Es entsteht Durchfall.

So wirkt die Moro-Möhrensuppe

Beim Kochen der Möhren entstehen sogenannte Oligosaccharide (mittellange Zuckerketten). Sie sind von ihrer Struktur her den Darmrezeptoren sehr ähnlich. So docken die Erreger statt an der Darmwand an den Zuckermolekülen an und werden einfach ausgeschieden.

Wichtig für die heilende Wirkung der Möhrensuppe ist, dass sie eine Stunde köchelt, damit sich eine ausreichende Zahl dieser Oligosaccharide bilden kann.

Das Betacarotin (Provitamin A) der Möhren hält zudem die Schleimhäute des Darms gesund. Zusätzlich wird über den Verzehr mehrerer Teller Suppe pro Tag der Flüssigkeitshaushalt wieder ausgeglichen.

Sogar EHEC-Patienten, die von den gefährlichen enterohämorrhagischen Escherichia-Coli-Bakterien befallen sind, könnten Studien zufolge profitieren, wenn sie die Möhrensuppe nach Moro gleich beim Beginn blutiger Durchfälle über einige Tage einnehmen würden, natürlich in solchen Fällen unter strenger ärztlicher Kontrolle.

Die Möhrensuppe nach Moro sollte wieder mehr Einzug halten in die Selbstmedikation, aber auch vermehrt von Ärzten empfohlen werden, denn Resistenzen gegenüber Antibiotika nehmen zu – gegen die „Wirkstoffe“ der Möhren nicht.

So gelingt die Moro-Möhrensuppe ganz einfach

Zerkleinern Sie 500 Gramm geschälte Möhren und kochen Sie diese eine Stunde lang in einem Liter Wasser.

Dann pürieren Sie die Möhren im Mixer und füllen den pürierten Brei mit Wasser wieder auf einen Liter auf. Noch drei Gramm Kochsalz (etwa ein gestrichener Teelöffel) hinzufügen und fertig.

Natürlich können Sie die Suppe auch nach Geschmack mit Gewürzen wie Ingwer und Kurkuma verfeinern. Sie wirken ebenso natürlich antibiotisch und unterstützen.

5 Tipps, mit denen Sie sich vor Reisedurchfall schützen

  1. Cook it, peel it or forget it. (Zu Deutsch: Koche es, schäle es oder vergiss es.) Halten Sie sich unbedingt an diesen Spruch: Essen Sie nur gekochte Speisen, schälen Sie Obst. Meiden Sie Salate, rohes Gemüse, kalte Dips, Mayonnaise, Obst, das Sie nicht schälen können, Eis, Pudding sowie rohe Fleisch- oder Fischspeisen.
  2. Trinken Sie kein Leitungswasser. Benutzen Sie stattdessen industriell hergestelltes Trinkwasser aus original verschlossenen Flaschen.
  3. Verzichten Sie unbedingt auf Eiswürfel in Ihren Getränken.
  4. Putzen Sie sich Ihre Zähne nicht mit Leitungswasser, sondern mit abgepacktem Trinkwasser.
  5. Häufig Hände waschen. Reinigen Sie sich nach der Toilette sowie vor jeder Mahlzeit Ihre Hände gründlich mit Wasser und Seife.

Erste Hilfe bei Durchfallerkrankungen

Bekommen Sie trotz allem Durchfall, ist es wichtig, dass Sie ausreichend trinken, damit Sie den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Neben sauberem Trinkwasser eignen sich auch Tees. In Apotheken erhalten Sie spezielle Zucker-Elektrolyt-Lösungen.

Sie helfen nicht nur gegen den Flüssigkeitsmangel, sondern auch gegen den Verlust an wichtigen Körpersalzen. Einige Medikamente stoppen zwar den Durchfall, halten jedoch auch den Erreger in Ihrem Darm fest. Verwenden Sie diese Mittel immer nur kurzfristig.

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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