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Honig und Sauerstoff: Natur-Therapien gegen chronische Wunden

Dass eine Verletzung schlecht verheilt, kann viele Gründe haben: Beispielsweise können sich kleinere Verletzungen durch eingedrungene Keime entzünden. Doch meist ist eine Durchblutungsstörung die Ursache dafür, dass sich eine Wunde zu einem schlecht heilenden Geschwür entwickelt.

Wird die Haut dauerhaft nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, kann sie sich bei Verletzungen nicht mehr richtig schließen. Aber ihre Regeneration verzögert sich auch, wenn der Abtransport von Stoffwechselschlacken behindert ist.

Das ist z. B. bei Venenerkrankungen der Fall oder wenn die Gefäße in der Haut durch langes Liegen abgequetscht werden.

Das sind die häufigsten Ursachen für chronische Wunden:

  • Druckgeschwüre durch Wundliegen (Dekubitus) an Steißbein, Schulterblatt, Wirbelsäule und Ferse bei Bettlägerigen (durch verminderte Durchblutung)
  • arterielle Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“, „Raucherbein“, verengte Arterien)
  • Venenleiden (Ulcus cruris, „offenes Bein“)
  • Diabetes („diabetischer Fuß“)
  • Einnahme von Kortison-Präparaten, Zytostatika oder Antibiotika (Störung der Wundheilung)
  • Wundinfektionen

Auch mit zunehmendem Alter heilen Hautverletzungen immer langsamer, weil sich ihre Blutversorgung verschlechtert. Bei Diabetikern ist die Durchblutung vor allem aufgrund von Gefäßschäden (Arteriosklerose) behindert, die durch den ständig erhöhten Zuckerspiegel entstehen. Bei einer Venenschwäche kommt es zu einem „offenen Bein“, weil der Abtransport von Schlackenstoffen und Stoffwechselgiften aus dem Unterschenkelgewebe behindert ist.

Unverzichtbar: die gründliche Reinigung der Wunde

Grundsätzlich sollten Sie sich in ärztliche Behandlung begeben, wenn eine Wunde nach mehr als zwei Wochen nicht verheilt. Zu Beginn der Therapie muss die Wunde zunächst gründlich gesäubert werden.

Der Arzt entfernt abgestorbene Zellen oder entzündetes Gewebe mit Hilfe enzymatisch wirkender Gele, Wasserstoffperoxid oder dem Skalpell. Erst nach der Reinigung darf ein Verband angelegt werden, weil eventuell in der Wunde verbleibende Gewebereste und Zelltrümmer sonst den Heilungsprozess verlangsamen.

Bei schlecht heilenden Wunden können spezielle Vakuum-Verbände (das so genannte V.A.C.-System) eingesetzt werden. Hierbei wird eine luftundurchlässige Folie um die Wunde gelegt und dann mit einer kleinen Pumpe ein Unterdruck erzeugt.

Das regt die Durchblutung an, und die Nährstoffzufuhr der Haut verbessert sich. Krankengymnastische Übungen können ebenfalls die Blutversorgung der Haut verbessern.

Honig – die Rückkehr eines alten Hausmittels

Honig erlebt als altbekanntes Heilmittel bei Wunden derzeit eine Wiedergeburt. Allerdings sollten Sie dazu nicht auf eigene Faust normalen Imker-Honig verwenden. Er kann Bakteriensporen enthalten, die dann die Wunde infizieren. Seit etwa zwei Jahren gibt es einen speziell für medizinische Anwendungen entwickelten Honig – den so genannten Medihoney, der absolut keimfrei ist.

Diesen Honig nutzen bereits viele Kliniken und Praxen zur Wundversorgung. Sie können ihn aber auch selbst bei kleineren Verletzungen verwenden. Er ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich (20 g kosten 15 €).

Massieren Sie den Honig zweimal täglich am Rand der verletzten Stelle ein und bedecken Sie die Wunde anschließend mit einem Verband oder Pflaster.

Honig fördert die Bildung von neuen Bindegewebszellen und wirkt antibakteriell. Er entzieht Bakterien die Flüssigkeit und verhindert so, dass sich diese in der Wunde vermehren. Das im Honig enthaltene Enzym Glucose-Oxidase sorgt außerdem dafür, dass aus Zucker ständig in kleinen Mengen Wasserstoffperoxid gebildet wird, das Wunderreger abtötet.

Hyperbare Sauerstofftherapie unterstützt die Wundheilung

Da hinter schlecht heilenden Wunden oft schlicht eine Sauerstoffunterversorgung der Haut steckt, bietet die „Hyperbare Sauerstofftherapie“, kurz HBO, einen weiteren Ansatz, um die Wundheilung zu beschleunigen.

Die Patienten sitzen während der Behandlung in einer Druckkammer, in der sie über eine Atemmaske reinen Sauerstoff einatmen (zum Vergleich: unsere Atemluft enthält lediglich 21 % Sauerstoff). Das steigert die Konzentration des gelösten Sauerstoffs im Blut um das 20-Fache.

Ein weiterer Effekt: Wundkeime, die sich nur in Abwesenheit von Sauerstoff vermehren können, sterben ab. Eine HBO-Behandlung wird nur in spezialisierten Drukkammerzentren angeboten und dauert etwa zwei Stunden. Bei fortgeschrittenen Durchblutungsstörungen und chronischen Wunden sind bis zu 25 Sitzungen (teilweise mehr) notwendig. Diese sollten möglichst rasch hintereinander stattfinden (drei bis vier Sitzungen pro Woche).

Die Kosten belaufen sich pro Sitzung auf ca. 150 €. Sie werden von den privaten Krankenversicherungen in der Regel erstattet. Die gesetzlichen Krankenkassen sind dazu nicht verpflichtet.

Zwei von drei Amputationen könnten verhindert werden

Wissenschaftler an der Universität Würzburg konnten im Jahr 2005 die gute Wirksamkeit der Behandlung nachweisen. Sie haben insgesamt sechs internationale Studien zusammenfassend ausgewertet (fünf mit Diabetikern und eine mit Patienten, die ein offenes Bein hatten).

Von den insgesamt 191 Patienten wurden 100 mit jeweils 30 HBO-Sitzungen behandelt. Bei ihnen sank das Risiko für eine Bein- oder Fußamputation auf 10 %. Bei der herkömmlich behandelten Kontrollgruppe lag es hingegen bei 30 %. Eine rechtzeitig durchgeführte Druckkammmertherapie kann Sie beispielsweise als Diabetiker also tatsächlich vor einer Amputation bewahren.

Oft die letzte Rettung: Fliegenmaden als „Biochirurgen“

Eine weitere natürliche und sanfte Alternative der Wundbehandlung ist die so genannte Biochirurgie. Als biologische „Chirurgen“ dienen hier die Maden von Fliegen. Das ist zunächst keine besonders angenehme Vorstellung, aber keine Sorge: Die verwendeten Maden sind speziell gezüchtet und hygienisch einwandfrei.

Sie werden in einem Säckchen aus Mull (ähnlich einem Teebeutel) auf die Wunde gesetzt und mit einem Verband fixiert. Pro Quadratzentimeter Wundfläche werden etwa fünf Larven benötigt.

Die Larven sondern nach dem Kontakt mit der Wundoberfläche Verdauungsenzyme ab. Abgestorbenes Gewebe wird dadurch verflüssigt und kann von den Maden aufgenommen werden. Intaktes Hautgewebe wird dagegen nicht angegriffen. Die „Biochirurgen“ geben außerdem wachstumsfördernde und antibakterielle Substanzen ab, die die Wunde desinfizieren. Die Maden bleiben drei bis vier Tage auf der Wunde, dann werden sie durch eine neue „Mannschaft“ ersetzt.

Insgesamt erstreckt sich die Behandlung über zwei bis drei Wochen. Die Kosten von 100 bis 150 € werden von den meisten Krankenkassen erstattet. Fragen Sie zur Sicherheit vorher nach.

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