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Homöopathische Mittel: Nehmen Sie nur ein Mittel ein

Klassische Homöopathen geben stets nur ein Mittel aus einer einzigen Quelle. Das hat auch einen triftigen Grund: Bei mehreren Mitteln lässt sich nämlich kaum mehr feststellen, welches nun wirklich das passende war und die Heilung in Gang gesetzt hat.

Bei kurzzeitiger Einnahme dürfen Sie jedoch im Zweifelsfall für zwei, drei Tage schon zwei verschiedene Mittel einnehmen. Aber lassen Sie dies nicht zur Gewohnheit werden. Denn sonst lernen Sie die Arbeitsweise der Homöopathie, die vor allem auf einer sorgfältigen Beobachtung und Unterscheidung von Nuancen beruht, niemals richtig kennen – und schätzen.

Welche Darreichungsform Sie wählen, bleibt ganz Ihnen überlassen.

Globuli, Tabletten oder Tropfen?

Die meisten Menschen bevorzugen Globuli oder Tropfen, die jedoch aus Haltbarkeitsgründen bis zu 51 % Alkohol enthalten. Bei den geringen Einnahmemengen fällt der Alkohol nicht ins Gewicht, es sei denn, Sie müssen ein absolutes Alkoholverbot einhalten. Dann sollten Sie Globuli, Tabletten oder Pulver wählen.

Die Standarddosis beträgt:

  • 5 Tropfen
  • 5 Globuli (Streukügelchen)
  • 1 Tablette oder
  • 1 Messerspitze Pulver (Verreibung = Trituration)

Wählen Sie nur niedrige Potenzen. Bewährt haben sich die Potenzen D 6 und D 12 sowie C 6 und C 12. Spezielle Einnahmezeitenfinden Sie auf Seite 7.

So wirken die Mittel optimal:

  • Nehmen Sie Ihr Mittel stets 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach dem Essen ein.
  • Speicheln Sie das Mittel mindestens 1 Min. im Mund e in bzw. lassen Sie Globuli, Tabletten und Pulver auf der Zunge zergehen. So wird es sofort über die Zungengrundvenen ins Blut aufgenommen.
  • „Spülen“ Sie niemals mit Wasser oder Tee nach. Erst nach 15 bis 20 Min. sollten Sie wieder trinken.

So machen Sie einen Umschlag

Verdünnen Sie die Tinkturen im Verhältnis 1:10 mit abgekochtem Wasser, geben Sie je nach Größe der Wunde 1 bis 2 EL auf eine Mullkompresse und befestigen Sie diesen Umschlag mit einer Mullbinde auf der Wunde, Prellung oder Quetschung. Diesen Umschlag sollten Sie 2- bis 3-mal täglich wechseln.

Komplexmittel sind nur einen Notlösung

Die so genannten homöopathischen Komplexmittel sind aus streng klassisch homöopathischer Sicht nur eine Notlösung. Sie bestehen meist aus vier bis zehn verschiedenen Wirkstoffen, die zwar alle einen gewissen Bezug zur jeweiligen Erkrankung haben. Oft widersprechen sich ihre Arzneimittelbilder aber stark. So macht es z. B. bei Schnupfen aus homöopathischer Sicht wenig Sinn, in einer Mischung sowohl das Mittel Allium cepa (brennende, laufende Nase, schmerzlos tränende Augen) und Euphrasia (schmerzlos laufende Nase, brennende, tränende Augen) zu geben. Denn das eine schließt das andere aus.

Zudem werden Komplexmittel von Therapeuten oft nur deshalb empfohlen, weil „natürliche Mittel“ im Trend liegen. Über die Zusammensetzung und die Wirkungsweise dieser Mittel bzw. ihrer Einzelbestandteile wissen sie leider oft wenig oder gar nichts.

In Einzelfällen und bei ausgewählten Indikationen, z. B. Ausleitungs- und Entgiftungstherapien, haben bestimmte Komplexmittel jedoch durchaus ihre Berechtigung. In der homöopathischen Selbstbehandlung bleiben sie jedoch nur eine Notlösung, falls kurzfristig wirklich keine Einzelmittel verfügbar sind.

Nehmen Sie niedrige Potenzen häufiger ein

  • Nehmen Sie D 6- und C 6-Potenzen in den ersten 6 Stunden stündlich ein.
  • Zeigt sich eine Besserung, wechseln Sie zu 3-mal täglich. Sobald sich Ihr Befinden stabilisiert hat, setzen Sie das Mittel ab.
  • Tritt keine Besserung ein, wählen Sie ein anderes Mittel. Zeigt sich auch hier nach 6 Stunden keine Besserung, sollten Sie Ihren Homöopathen aufsuchen.
  • Nehmen Sie D 12- und C 12-Potenzen anfangs 3-mal täglich.
  • Zeigt sich nach einem Tag eine Besserung, wechseln Sie zu 1-mal täglich. Sobald sich Ihr Befinden stabilisiert hat, setzen Sie das Mittel ab.
  • Bleibt die Besserung aus, wählen Sie ein anderes Mittel. Kann auch dieses binnen Tagesfrist nichts ausrichten, sollten Sie Ihren Homöopathen aufsuchen.
  • Bei heftigen akuten Beschwerden, z. B. starken Kopfschmerzen oder Reiseübelkeit, können Sie die D 12 und C 12 alle 30 Min. einnehmen, höchstens jedoch 5-mal, oder eine Verklepperung herstellen: Dazu geben Sie eine Standarddosis des Mittels auf 1/2 Glas Wasser, verrühren es mit einem Plastik- oder Porzellanlöffel und trinken alle 10 Min. einen kleinen Schluck, bis Ihre Beschwerden nachlassen.

Operationen und zahnärztliche Eingriffe

Auch zur Nachbehandlung und Förderung der Wundheilung eignen sich homöopathische Mittel hervorragend.

Schmerzen, Nachblutungen und Infektionen der Operationswunde sind oft die unangenehmen Folgen einer Operation oder einer Zahnentfernung. Auch Narkosenachwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit sind häufig. Rechtzeitig schon vor dem Eingriff eingenommen, können bestimmte Mittel wirksam vorbeugen und die Nachwirkungen auf ein Minimum beschränken oder sogar vollständig verhindern.

Arnica: das Hauptmittel vor allen Operationen

Das wertvollste Mittel zur Verhinderung eines körperlichen und geistig-seelischen Operationstraumas ist die homöopathische Zubereitung von Arnica montana, dem Bergwohlverleih. Arnica beschleunigt den Abbau von bei Operationen oft unvermeidlichen Blutergüssen im Bereich der Wunde und verhindert Nachblutungen. Damit beugt das Mittel Infektionen vor und fördert die Wundheilung. In geistigseelischer Hinsicht hilft es, Schrecken und Sorgen besser zu verarbeiten, die fast immer mit einer Operation verbunden sind.

Anwendung: Nehmen Sie 30 Min. vor und 30 Min. nach dem Eingriff je 1 Standarddosis D 12 oder C 12.

Verwenden Sie Arnica niemals in einer Potenz niedriger als D 6 oder C 6 , weil diese Blutungen fördern!

Nux vomica macht Narkosen besser verträglich

Narkosenachwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Benommenheit lassen sich gut mit Nux vomica, der Brechnuss, behandeln.

Anwendung: Nehmen Sie direkt nach dem Erwachen aus der Narkose bis zum Abklingen der Beschwerden alle 30 Min. 1 Standarddosis Nux vomica D 12 oder C 12, am besten als Globuli. Wenn Sie trinken dürfen, empfiehlt sich auch die Verklepperung (Anleitung siehe Seite 7), ebenfalls aus 5 Globuli oder 10 Tropfen Nux vomica D 12 oder C 12.

Bei schmerzhaften Operationswunden hilft Bellis

Bellis perennis, das Gänseblümchen, hat sich vor allem bei Wundschmerzen nach Unterleibsoperationen bewährt. Die Wunde fühlt sich wie gequetscht an; oft bessert ganz leichte Bewegung die Schmerzen.

Anwendung: Nehmen Sie 3-mal täglich 1 Standarddosis Bellis perennis D 6 oder C 6 über mehrere Wochen, bis die Wunde gut verheilt ist.

Nach Darmoperationen empfiehlt sich Collinsonia

Collinsonia canadensis, die Grießwurzel, ist ein hervorragendes Mittel zur Förderung der Wundheilung bei verletzten Schleimhäuten im Darmbereich. Es hat sich auch zur Nachsorge nach Hämorrhoiden-Entfernung (einschließlich Verödung) bewährt.

Anwendung: Nehmen Sie 3-mal täglich 1 Standarddosis Collinsonia D 6 oder C 6.

Verletzte Nerven heilen besser mit Hypericum

Ziehende Schmerzen nach Operationen an Nerven und in nervenreichem Gebiet wie Finger- und Zehenspitzen werden sehr gut durch Hypericum perforatum, das Johanniskraut, gelindert. Das gilt auch für Amputationen und Zahn- bzw. Zahnwurzelentfernungen.

Anwendung: Nehmen Sie 3-mal täglich 1 Standarddosis Hypericum D 6 oder C 6.

Nach Bauchoperationen sollten Sie Staphysagria einnehmen

Größere Operationsschnitte im Bauchbereich heilen besser und sind weniger schmerzhaft nach Einnahme von Staphysagria, dem wilden Rittersporn. Staphysagria ist auch angezeigt, wenn Sie das Gefühl haben, Ihrepersönliche Bannmeile“ sei durch den Eingriff verletzt worden oder Sie sich nach der Operation unerklärlich wütend fühlen.

Das unscheinbare Gänseblümchen ist ein wertvolles Mittel gegen Wundschmerzen.

Anwendung: Nehmen Sie 3-mal täglich 1 Standarddosis Staphysagria D 12 oder C 12.

Senega beschleunigt die Heilung nach Augenoperationen

Bei Augenoperationen, besonders nach dem Einsetzen einer künstli-chen Linse bei Grauem Star, kann Senega, die Klapperschlangenwurzel, Schmerzen lindern und die Heilung beschleunigen.

Anwendung: Nehmen Sie 3-mal täglich 1 Standarddosis Senega D 6 oder C 6.

Starke Lichtempfindlichkeit verlangt nach Zincum metallicum

Wenn Sie nach einer Augenoperation sehr lichtempfindlich sind, vielleicht sogar Sehstörungen wie Blitze, farbige Ringe, Flecke sehen, dann wird Ihnen Zincum metallicum, das Element Zink, in homöopathischer Zubereitung helfen.

Anwendung: Nehmen Sie 3-mal täglich 1 Standarddosis Zincum metallicum D 6 oder C 6.

Alle Mittel sollten Sie so lange einnehmen, bis sich die Besserung stabilisiert hat. Bei tiefen Operationswunden kann eine mehrwöchige Einnahme erforderlich sein.

Falls bei Ihnen ein erhöhtes Blutungs- oder Thromboserisiko besteht, sollten Sie die Auswahl des passenden Mittels einem erfahrenen ärzt-lichen Homöopathen überlassen.

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