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Wiederentdeckt: Die Zunge als Spiegel der Gesundheit

Erinnern Sie sich noch? „Strecken Sie mal die Zunge heraus und sagen Sie Ahh!“, hieß es früher, wenn man zum Doktor kam. Denn nicht nur Erkältungen und Infektionskrankheiten wie Scharlach führen zu charakteristischen Veränderungen der Zunge, sondern auch Störungen der Verdauungs-, Entgiftungs- und Kreislauforgane. Dieses alte Wissen entdecken inzwischen immer mehr Ärzte und Heilpraktiker wieder. Aber auch Sie selbst können auf Ihrer Zunge lesen, welche Ihrer Organe geschwächt sind und der Unterstützung bedürfen.

Ein Spiegel der Verdauungs- und Entgiftungsorgane

Ein erfahrener Therapeut der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kann über 50 verschiedene Zungenzustände unterscheiden. Allerdings ist dieses Diagnoseverfahren keine reine chinesische Entdeckung. Sie hat auch ganz eigenständige Wurzeln in der abendländischen Naturheilkunde. Im Folgenden stellen wir Ihnen die westlichen Interpretationen der häufigsten Zungenbilder vor.

Zungendiagnostiker sind überzeugt: Auf der Zunge bilden sich die Verdauungsorgane ab, so wie sie auch im Körper angeordnet sind.

Danach sucht der Zungendiagnostiker:

  • Welche Farbe hat die Zunge?
  • Ist die Zunge geschwollen oder geschrumpft?
  • Ist Belag vorhanden?
  • Welche Farbe hat er?
  • Weist der Belag Flecken oder Punkte auf?
  • Zeigt die Zunge Furchen, Falten oder Zahneindrücke?

Eine gesunde Zunge ist grau-rosa, samtartig, feucht und hat eine gleichmäßige Oberfläche. Abweichungen weisen auf Gesundheitsstörungen hin. Dabei achtet der Therapeut besonders darauf, ob die Veränderungen die ganze Zunge oder bestimmte Bereiche wie z. B. eine Seite, die Spitze oder die Mittellinie betreffen. Feine, dünne Beläge zeigen Ihnen leichte bzw. beginnende Störungen der Verdauungsorgane an, dicke Beläge deuten auf tiefgehende und oft entzündliche Prozesse hin. Aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten und eine akute Magen-Darm-Infektion zeigen sich durch dicke Belege. In der westlichen Zungendiagnostik verraten Schaumbildungen auf der Zunge meist Entzündungen des Magen-Darm-Kanals oder der Gallenwege.

Die Farbe Rot zeigt oft Vitalstoffmängel an

In der westlichen Medizin gilt eine glatte rote Zunge als ein wichtiges Symptom für einen Vitamin-B12-Mangel. Dieser kann durch eine Fehl- oder Mangelernährung, z. B. bei striktem Verzicht auf alle tierischen Lebensmittel ohne zusätzliche Gabe von Vitamin B12 als Fertigpräparat, oder eine chronisch atrophische Gastritis bedingt sein. Bei dieser Form der Magenschleimhautentzündung fehlt wegen des Versiegens der Magendrüsen der so genannte „intrinsic factor“, der von den Drüsen abgegeben wird und die Vitamin-B12-Vorstufe Cobalamin im Darm in aktives Vitamin B12 umwandelt. Auch Leberleiden und ein Diabetes mellitus können sich durch eine glatte rote Zunge, die so genannte Lackzunge, bemerkbar machen. Eine starke Felderung der Zunge oder erdbeerartige Stippchen gelten ebenfalls als Hinweise auf einen meist ernährungsbedingten Vitamin-B12-Mangel.

Eine rote Zungenspitze mit brennenden Empfindungen zeigt Ihnen oft einen ausgeprägten Eisenmangel an. Fehlt das Brennen, kann auch eine Magenschleimhautentzündung vorliegen. In beiden Fällen besteht eine Anämie (Blutarmut).

Ist die Zunge weiß, fehlen Verdauungssäfte

Ein weißer Belag ist je nach Ausdehnung ein Zeichen für Magen- Darm-Störungen, z. B. einen Mangel an Verdauungssäften, aber auch Entzündungen der Magen- oder Darmschleimhaut. Ist nur die Mittellinie der Zunge weiß, liegt meist eine Störung der Bauchspeicheldrüse vor, die zu wenig Verdauungsenzyme liefert. In diesem Fall leiden die Patienten oft auch unter einer starken Gasbildung im Magen-Darm-Trakt, der ihr Zwerchfell hochdrückt und ihr Herz beengt. Typische Beschwerden dieses so genannten Roemheld-Syndroms sind Herzklopfen, Herzbeklemmung und Herzrhythmusstörungen.

Gelbe Beläge weisen auf Leber-, schwarze auf Immunstörungen hin

Alle Schattierungen von gelblichen Zungenbelägen bis hin zu einem fast bräunlichen Gelb stehen für unterschiedliche Ausprägungen einer Leberschwäche. Je dunkler der Belag, desto schwerer ist nach westlicher Interpretation wie auch nach der TCM die Erkrankung. Graue Beläge zeigen meist eine vorübergehende Schwäche der Immunabwehr an, z. B. bei einer akuten Infektion. Die seltene schwarze Haarzunge (Lingua villosa nigra) ist dagegen Zeichen einer zunehmenden Immunstörung und oft Vorbote einer schweren Erkrankung. Sie kann aber auch die Folge einer Antibiotika-Behandlung sein.

Furchen – Anzeichen für ein empfindsames Nervenkostüm

Zahneindrücke am Zungenrand weisen je nach Seite auf verschiedenste Organstörungen hin. Falten und Furchen auf der Zunge (Lingua plicata) deuten auf ein empfindsames Nervenkostüm des Patienten. Dabei zeigen Querfalten zusätzlich eine Neigung zu krampfartigen Beschwerden an. Eine Sonderform ist die Landkartenzunge (Lingua geografica), die fast nur bei Frauen auftritt. Bei vielen Menschen ist diese Zungenveränderung harmlos. Hierbei erscheint die Zunge wie eine Landkarte gefleckt. Als Ursache gelten Fehlregulationen der weiblichen Geschlechtshormone, die z. B. zu Menstruationsbeschwerden, Zwischenblutungen und schmerzhaftem Brustspannen führen können. Neben diesen häufigen Zeichen kann der erfahrene Zungendiagnostiker noch eine Vielzahl weiterer Informationen aus der dem Zustand Ihrer Zunge entnehmen.

So bereiten Sie sich auf eine Zungeninspektion vor

  • Putzen Sie sich nicht unmittelbar zuvor die Zähne, weil dies die Beläge verändert. Die letzte Zahnreinigung sollte mindestens 6 Stunden zurückliegen.
  • Wer seine Zunge regelmäßig zur Reinigung bürstet, sollte ebenfalls 3 Tage vor dem Termin damit pausieren. Essen oder trinken Sie am Tag der Diagnose keine stark färbenden Lebensmittel wie z. B. rote Bete, Heidelbeeren, schwarze Oliven oder Lakritze.
  • Verzichten Sie auch auf Husten-Bonbons, Kaugummi und scharfe Gewürze, denn diese verändern ebenfalls den Belag und die Farbe der Zunge. Genauso verfälschen Kaffee und Zigarettenrauchen das Zungenbild anhaltend. Außerdem können sie alle zu Reizungen führen.
  • Informieren Sie Ihren Therapeuten über alle Medikamente, die Sie einnehmen oder kürzlich eingenommen haben. Denn auch diese können Beläge verursachen, die die Diagnose verfälschen. Besonders Dosieraerosole (Asthmasprays) machen eine korrekte Zungendiagnose unmöglich.

Erste Hilfe bei Zungenveränderungen

  • Glatt, rot und eingerissen: Hier kann es sich um Leberprobleme, zu hohen Blutdruck oder Vitamin-B-Mangel handeln. Essen Sie mehr Artischocken, Bananen, Champignons, Leber und Fisch. Verzichten Sie auf Alkohol.
  • Dunkelrot bis bläulich, bläulich verfärbte Unterseite: Ihr Blut leidet unter Sauerstoffmangel. Das kann ein Zeichen für eine Herz- oder Lungen-Erkrankung sein. Lassen Sie sich unbedingt vom Arzt untersuchen.
  • Glatt und trocken: Fühlen Sie sich abgeschlagen, leiden unter eingerissenen Mundwinkeln und haben Schwierigkeiten beim Schlucken? Das kann auf einen Eisenmangel beziehungsweise einen Mangel an Magensäure hindeuten. Ist zu wenig Magensäure vorhanden, kann nicht genügend Eisen aus der Nahrung aufgenommen werden. Essen Sie mehr Erbsen, Bohnen, Fisch, Petersilie und Innereien. Halten die Probleme an, sollte Ihr Arzt untersuchen, ob Ihr Magen okay ist.
  • Brennen: Das spricht entweder für einen Vitamin-B-Mangel, eine Überfunktion der Schilddrüse oder Stoffwechselstörungen. Essen Sie mehr Bananen, Leber, Erbsen, Fisch. Wenn das nicht hilft, sollten Sie unbedingt den Arzt aufsuchen.
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