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Grundlagenwissen zum Thema Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen war eine christliche Mystikerin des Hochmittelalters und wirkte im heutigen Rheinland-Pfalz. Bis heute ist sie in Medizin und Religion bedeutsam, aber zu ihrer Zeit wirkte sie auch in Musik und Politik. Ihr Wissen soll aus göttlichen Visionen stammen.

Hildegard von Bingen© Adobe Stock

Das Himmlische mit dem Irdischen zu verbinden, das war die Lebensmaxime der Benediktinerin Hildegard von Bingen. Bereits im 12. Jahrhundert propagierte sie etwa die Formel „äußere Schönheit kommt von innen“.

Als Erste verwies sie auf den Zusammenhang zwischen seelischem Wohlbefinden und körperlichem Wohlsein. Sie war es auch, die sich mit der Wirkung von Nahrungsmitteln, Kräutern und Gewürzen auf die Gesundheit befasste und uns ihre Erkenntnisse in reicher Schriftform hinterließ.

Hildegards Schriften entstanden zwischen 1150 und 1160. Sie sind heute noch genauso aktuell wie damals. „Kann so ein Sprung über 900 Jahre hinweg gelingen, ohne in die Abgründe der Geschichte abzustürzen?“, heißt es auf der sehr modernen Internet-Seite der Abtei St. Hildegard. Die Anwort lautet „Ja“ , selbst wenn nicht alles, was unter dem Label „Hildegard-Medizin“ heute verkauft wird, auch wirklich in ihrem Sinne gewesen wäre.

Die Äbtissin wurde nicht müde, an die Einbettung des Menschen in den Kosmos zu erinnern. Nach ihrer tiefen christlichen Überzeugung kommt der Mensch heil und gesund auf die Welt. Je mehr er sich von Gott entfernt, entfremdet er sich jedoch auch von sich selbst.

Das zieht eine krankhafte Verformung, einen Zerfall nach sich, ein existenzielles Defizit. Dadurch geraten auch die Körpersäfte in Verwirrung. Ziel ihrer Heilkunde ist es, den Menschen zum umfassenden Heilwerden zu führen, also auch dazu, sich wieder in die göttliche Ordnung einzufügen. Dazu gehörte nach ihrer Erkenntnis in allererster Linie eine sinn- und maßvolle Lebensführung.

Ernährung – das beste Heilmittel

„Wenn nämlich ein Mensch an allerlei Mühsal, Angst und Folgen von vielerlei Speisen und Getränken leidet, so dass sich durch ungeeignete Speisen und Getränke verkehrte Schlackenstoffe angesammelt haben, dann kommt die erschütterte und ermüdete Seele zum Erliegen.“

In einer ausgewogenen Ernährung sah sie die Möglichkeit, die Abwehrkräfte zu steigern und Krankheiten vorzubeugen. Nach ihrem Heilwert unterteilte sie die Nahrungsmittel in gute und in schädliche.

Im Mittelpunkt der Hildegard- Medizin stand der Dinkel, eine Urform des Weizens. Er schenkt dem Menschen „Lebensenergie und Frohsinn“. Eine regelmäßige Dinkelkost – ist nach der Überzeugung der Äbtissin so hochwertig, dass der gesamte Organismus gesundet.

Dinkel ist die am leichtesten verdauliche Getreideart und wird auch von Weizenallergikern gut vertragen. Dinkel enthält tatsächlich mehr Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine als anderes Getreide – das konnte Hildegard damals eigentlich noch nicht wissen.

Oder doch? Sie selbst führte viele ihrer Heil-Erkenntnisse auf Visionen zurück. Es gibt allerdings auch die Vermutung, dass sie ihre eigenen Studienerkenntnisse auf diese Weise getarnt hat, um bei den Kirchenherren nicht missliebig aufzufallen oder gar als Hexe zu gelten.

Lebenslauf

Sie erblickte 1098 als Hildegard zu Bermersheim bei Alzey das Licht der Welt. Obwohl von eher kränklicher Natur (sie litt beispielsweise unter heftigen Migräneattacken) wurde sie – für das Mittelalter höchst selten – 81 Jahre alt.

Mit acht Jahren bereits kam sie in klösterliche Erziehung im Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg. Nach dem Tod ihrer späteren Lehrmeisterin Jutta von Spanheim, übernahm sie die Leitung der Gemeinschaft frommer Frauen auf dem Disibodenberg um 1136. Dreizehn Jahre später gründete sie ihr erstes Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen.

Schon als kleines Mädchen erlebte sie in wachem Zustand Visionen. Viele Jahre später begann sie, diese schriftlich festzuhalten. Darüber hinaus verfasste sie naturwissenschaftlich medizinische Werke, Gedichte und Musikkompositionen.

Visionsbücher und die Gründung eines zweiten Klosters

Schon in jungen Jahren soll Hildegard göttliche Visionen empfangen haben. 1151 schließt sie die Arbeit an ihrem ersten großen Visionsbuch ab, dem Scivias („Wisse die Wege“).

Weitere Visionsbücher folgten Jahre darauf: Liber vitae meritorum („Buch der Lebensverdienste“), sowie Liber divinorum operum („Welt und Mensch“). Um 1165 gründete Hildegard ein zweites Kloster in Eibingen, wo sie auch nichtadelige Novizinnen aufnahm.

Tod und Heiligsprechung

Hildegard von Bingen verstarb am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg. Auch wenn sie schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt wurde, blieben Verfahren zur Heiligsprechung bis 2012 wirkungslos.

Am 10. Mai 2012 sprach Papst Benedikt XVI. sie heilig. Fünf Monate später, am 07. Oktober 2012, wurde Hildegard zur Kirchenlehrerin erhoben.

Wirken

Durch ihr starkes Selbstbewusstsein gelang es Hildegard von Bingen, ihre Interessen durchzusetzen. Sie galten sowohl ihrer eigenen Überzeugung als auch dem Durchsetzen politischer Ziele, z.B. bei der Bestattung eines begüterten Exkommunizierten.

Auch musikalisch gesehen war Hildegard von Bedeutung. So enthält ihre Schrift „Ordo Virtutum“ 77 Lieder, die vermutlich zur Einweihung der Kirche im Kloster Rupertsberg entstanden.

Hildegard von Bingen Medizin

Eine besondere Rolle spielt Hildegard im Bereich der Medizin. Sie vertrat eine ganzheitliche Lehre, die die Gesundheit von Körper, Geist und Sinnen als voneinander abhängig betrachtet.

Ihre medizinischen Schriften befassen sich mit der biologischen Umwelt und geben Anweisungen für die gesunde Lebensführung. Sie beschreiben Arzneien und Naturheilmittel, sowie Krankheitsursachen und Behandlungsmethoden. Hildegard hatte die Überzeugung, dass ein Mensch sich umso schlechter fühlte, je weiter er sich von Gott entfernte.

Daher war das Ziel der Hildegard von Bingen Heilkunde, die Betroffenen zu heilen und wieder in die göttliche Ordnung einzufügen. Aktuelle Heilkunde basiert teilweise auf der Lehre der Benediktineräbtissin. Hildegard von Bingen Rezepte umfassen z.B. Herzwein, Gemüse-Fastensuppe oder Dinkelbrot.

Die Kraft des Universums

„Wenn das Bewusstsein der Seele des Menschen nichts von Trauer, Schädlichem und Schlechtigkeit im Menschen verspürt, dann öffnet sich auch das Herz desselben Menschen zur Freude, wie die Blumen sich der Sonnenwärme entgegenöffnen.“

Hildegard von Bingen ging davon aus, dass Gesundheit täglich neu errungen werden müsse. Sie werde einem von Gott geschenkt. Meditation und Versenkung nährten ihrer Meinung nach die Seele und führten ebenfalls zur Gesundung des Menschen. Die Harmonie der Schöpfung spiegelte sich für sie im gesunden Menschen und seiner Seele wieder.

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