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Fastenkur: Möglichkeiten und Grenzen der Kur nach Dr. Buchinger

Der Arzt und Begründer des Heilfastens Dr. Otto Buchinger verglich unseren Körper und besonders den Darm in den 1930er Jahren mit einem Ofen. Dieser muss ab und zu gründlich von seinen Schlacken gereinigt werden, um wieder besser zu ziehen. Der Vergleich des menschlichen Darms mit einem Ofenrohr weckt jedoch Zweifel.

Grüner Apfel von Maßband umschlungen

Der Darminhalt wird durch mehrere Liter Verdauungssäfte zersetzt und von Muskeln (Darmperistaltik) permanent in Bewegung gehalten. Da der Dünndarm ununterbrochen Zellen abstößt, können sich auf seiner Oberfläche keine Giftstoffe festsetzen.

Immer noch wird der Irrtum verbreitet, dass sich im Körper Schlacken ansammeln, die im Rahmen einer Kur entfernt werden müssen. Das soll dann auch noch auf dem Weg zu einem gesunden Körpergewicht helfen.

Das Abschilfern von Schleimhautzellen ist ein natürlicher Vorgang, der bei einer gesunden Vollwerternährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr von etwa 1,5 Litern pro Tag optimal funktioniert.

Auf diese Weise wird Tag und Nacht alles aussortiert, was nicht hineingehört, ganz ohne externes Zutun. Eine Anhäufung von Schlacken ist im gesunden Organismus nicht nachweisbar.

Das brauchen Sie für eine Fastenkur nach Buchinger

Für ein mehrtägiges Fastenprogramm nach Dr. Buchinger sollten Sie folgende Zutaten vorher einkaufen:

  • verschiedene Teesorten, Kräutertees
  • Zitronen
  • Honig
  • Buttermilch oder Magerjoghurt
  • Kartoffeln, Suppengemüse für die Fastenbrühe
  • Gewürze, frische Kräuter, Hefewürze
  • Obst und Gemüse zum Auspressen beziehungsweise qualitativ hochwertige Säfte
  • Mineralwasser in größeren Mengen
  • Hefeflocken
  • Dörrpflaumen
  • Leinsamen
  • Bio-Äpfel
  • Knäckebrot, Vollkornbrot
  • Möhren, Kartoffeln
  • Glaubersalz, Miniklistiere (Einläufe)
  • eventuell: Heilerde oder grüne Tonerde, Basenpulver, Sauerkrautsaft oder Molke

Die richtige Vorbereitung und der erste Tag

Mit zwei Entlastungstagen vor dem eigentlichen Fasten bereiten Sie sich körperlich und seelisch auf die folgende Fastenzeit vor. An diesen beiden Tagen sollten Sie wenig und einfach essen und auf Fett und Eiweiß verzichten. Dazu bietet sich ein Gemüse- oder Obsttag an.

Je nach Geschmack können Sie aber auch einen Kartoffel-, Hafer- oder Reistag einlegen. Am ersten Fastentag beginnen Sie mit einer Darmentleerung. Was Sie dafür benötigen, liegt an Ihrer Verdauung. Dem einen mag ein Glas Buttermilch reichen, vielleicht brauchen Sie aber auch ein abführendes Salz, dass Sie in Wasser auflösen.

Gut geegnet ist hierfür zum Beispiel Glaubersalz, das Sie in jeder Apotheke bekommen. Geben Sie einen Spritzer Zitronensaft hinzu, schmeckt es gar nicht so schlimm. Auf diese Darmreinigung dürfen Sie aber keinesfalls verzichten. Denn solange ihr Darm noch nicht leer ist, haben Sie noch ein Hungergefühl.

So führen Sie Ihre Fastenkur erfolgreich weiter

Auch am zweiten Tag kann es noch zu Hunger kommen und gelegentlich verspüren Sie Kopfschmerzen aufgrund der Entwässerung. Ab dem dritten Tag dann haben sich Körper und Seele stabilisiert. Sie fasten problemlos weiter und bekommen meist Lust auf Sport oder Spazierengehen.

Geben Sie dieser Lust ruhig nach, aber strengen Sie sich nicht an. Die Darmentleerung halten Sie übrigens bei, jeden zweiten Fastentag sollten Sie sie durchführen. Denn auch wenn Sie keine feste Nahrung zu sich nehmen, sammeln sich im Darm Schlacken an, die Sie ausscheiden müssen.

Aber auch das Ende der Fastenkur (Fastenbrechen) erfordert Fingerspitzengefühl. Keinesfalls dürfen Sie einfach wieder drauf los essen. Fangen sie ganz langsam wieder an und nutzen Sie die Fastenkur doch zur Nahrungsumstellung. Sie müssen sich jetzt wieder an das Essen gewöhnen, warum denn dann nicht auch an Rohkost, Salat und viel Obst und Gemüse?

Fasten-Geruch ist kein Zeichen von Entgiftung

Beim Fasten ändern sich Stoffwechselprozesse, wir sprechen vom Hungerstoffwechsel. Dabei entsteht natürlicherweise die Verbindung Acetessigsäure, was unter anderem zu deutlichem Mund- und Körpergeruch nach Aceton führt.

Dies wird von Fastenden fälschlicherweise als „Reinigung“ gewertet. Auch die Hochgefühle, die beim Fasten häufig auftreten, entstehen nicht aus einer körperlichen Reinigung heraus, sondern durch die Bildung von Endorphinen.

Beim Fasten bauen Sie Muskelmasse ab

Natürlich purzeln beim Fasten (z. B. Saftfasten mit nur 250 kcal täglich in flüssiger Form) zuerst einmal die Pfunde, weil jetzt mehr Kalorien verloren gehen als aufgenommen werden. Allerdings wird das Fasten vom Organismus mit einer Notsituation gleichgesetzt: Er schaltet auf Sparbetrieb (Hungerstoffwechsel).

Um Energie einzusparen, werden Muskeln abgebaut, die den höchsten Energieverbrauch aufweisen, sogar im Ruhezustand. Muskelabbau ist jedoch für Fastende mit dem Ziel der langfristigen Gewichtsreduktion das Schlimmste, was passieren kann.

Nach der Fastenkur fehlen Ihnen Muskeln als wichtigster Verbrennungsmotor, wenn es darum geht, ein erneutes Zunehmen zu verhindern. Wenn nach dem Fasten diealten Ess- und Lebensgewohnheiten wieder aufgenommen werden, bauen sich schnell wieder die Fettpölsterchen auf. Für die nächste „Hungersnot“ nutzbar, aber nicht sinnvoll: Das ist der berühmt berüchtigte Jojoo-Effekt.

So verhindern Sie einen zu starken Muskelabbau

Während des Fastens sollten Sie sich täglich viel bewegen. Ausdauersport wie Walken oder Schwimmen ist dafür gut geeignet. Für intensive sportliche Belastung und Krafttraining fehlt Ihnen jetzt möglicherweise die Energie und es besteht die Gefahr einer Unterzuckerung. Daher ist sanftes Fastenwandern eine beliebte Alternative.

Folgende Risiken können beim Fasten erhöht sein

Entscheiden Sie sich für eine Fastenkur, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen und zuerst Ihren Gesundheitszustand untersuchen lassen. Die Fastenkur selbst sollte dann entweder unter ärztlicher Kontrolle zu Hause oder besser noch in einer professionellen Einrichtung (z. B. Fastenklinik) stattfinden.

Fazit: Das können Sie mit Fasten erreichen

Für eine nachhaltige und gesunde Gewichtsreduktion ist Fasten ungeeignet. Der Gewichtsverlust tritt schnell ein, die Gefahr des Jojo-Effekts ist sehr groß. Gesunde Menschen können die Fastenkur aber als Impuls für eine Änderung ihrer Lebensweise mit Bewegung und einer langfristigen Ernährungsumstellung nutzen. Die geistige Reinigung (viel Zeit zum Nachdenken) und die Entspannung stehen dabei im Vordergrund.

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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