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Algen: Die Vitalstoffbomben aus dem Meer auf den Teller

Lieben gelernt haben wir Europäer essbare Algen wie Rotalgen oder Braunalgen wohl erst sehr spät, nachdem der Trend uns aus den Vereinigten Staaten erreichte. Dabei hat die Geschichte der Algen, gerade wenn man an den Begriff „Nori“ denkt, den man bereits vom Sushi her kennt, ihren Ursprung bereits im 8. Jahrhundert. Zumindest stammen die ersten schriftlichen Zeugnisse über das gezielte Züchten, Ernten und Verzehren von Algen aus dem Japan dieser Zeit. Damals wurden sie allerdings meist mit anderen Zutaten zu einer Pastete vermengt.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Das steckt in der grünen Meerespflanze
  2. Welche Sorten stecken in Nahrungsergänzungsmitteln?
  3. Als Nahrungsmittel in maßvollen Mengen sehr wertvoll
  4. Meeresalgen und Süßwasseralgen
  5. Algenstoff Astaxanthin: Wirklich ein Wundermittel?

Algen© Fons Laure – Fotolia

Das steckt in der grünen Meerespflanze

Heute werden Algen zusätzlich sowohl als Beilagen angeboten, als auch zu einer Art Papier gepresst und für die Sushi-Zubereitung verwendet. Wie gesund Algen sind, hat man damals sicherlich auch noch nicht gewusst: Gut ein Drittel essbarer Algen besteht aus wertvollen Ballaststoffen, ein weiteres Drittel aus Proteinen, das restliche Drittel teilen sich vor allem die wichtigen Vitamine A, B, K, Eisen und Jod. Zudem haben viele Arten einen hohen Anteil an Vitamin B12, das vor allem für eine ausgewogene vegetarische Ernährung wichtig und in anderer pflanzlicher Nahrung wenig bis gar nicht vorhanden ist. Der hohe Ballaststoffanteil bei gleichzeitig wenigen Kalorien ist auch für jene, die Diät halten, interessant, denn die Ballaststoffe erzeugen ein schnelleres Sättigungsgefühl.

Algen sind wahre Vitalstoffbomben

Heute kommen sie bei uns roh oder zart gedünstet als Gemüse auf den Teller. Die Rotalge Palmaria und die Braunalge Laminaria werden in der „Sylter Algenfarm“ (der einzigen ihrer Art in der Bundesrepublik) professionell im Meerwasser erzeugt. Bei einer Wassertemperatur von 15 Grad, einem leichten Wellengang und acht Stunden künstlichem Sonnenschein verdoppeln sich die Pflanzen innerhalb von vier Wochen. Auch diese beiden Algenarten sind wertvoll für die Ernährung, denn sie enthalten zahlreiche lebenswichtige Mineralien, Vitamine und Eiweiße.

Schon 42 Gramm gekochte Braunalgen decken den Tagesbedarf an Jod, erklärt der Meeresbiologie-Professor Klaus Lüning von der Wattenmeerstation Sylt. Inzwischen wird eine Tonne Algen jährlich geerntet. Zum Vergleich: In China beträgt die Ernte der Algen 3 Millionen Tonnen. Ein Kilogramm Sylter Algen kostet sechs bis acht Euro. Algen sind wahre Vitalstoffbomben und verfügen über gesundheitlich sehr wertvolle Inhaltsstoffe.

Algen entgiften Ihren Körper

Die in den Meeresalgen enthaltene Alginsäure kann mit Schwermetallen unlösliche Komplexe bilden und dadurch den Organismus wirkungsvoll entgiften. Zusätzlich wird durch den Zuckerkomplex Fucoidan das Immunsystem durch die Bildung neuer Fresszellen (Makrophagen) aktiviert.

Von all diesen gesundheitlichen Vorteilen können Sie profitieren, wenn Sie öfters Algen auf Ihren Speiseplan bringen. Sie erhalten die verschiedenen Sorten entweder getrocknet in Bioläden oder frisch in guten Fischgeschäften. Frische Algen eignen sich besonders für einen entgiftenden Salat, getrocknete Wakame-Algen sind besonders schmackhaft in einer Miso-Suppe. Übertreiben Sie es jedoch nicht: Meeresalgen enthalten teilweise hohe Konzentrationen an Jod. Da Sie pro Tag nicht mehr als 500 Mikrogramm Jod zu sich nehmen sollten, ist es wichtig, die Angaben über den Jodgehalt auf den Verpackungen zu beachten.

Welche Sorten stecken in Nahrungsergänzungsmitteln?

In Tabletten- oder Pulverform finden Sie die grünen oder blaugrünen Mikroalgen im Handel. Spirulina, AFA-Algen und Chlorella liefern Eiweiß, essentielle Aminosäuren, Mineralstoffe und Vitamine: Auch Vitamin B12, das sonst nur in tierischen Lebensmittel vorkommt. Es ist aber unklar, ob das Vitamin B12 aus den Nahrungsergänzungsmitteln von Ihrem Körper aufgenommen wird.

Jod enthalten die Produkte kaum, da die Mikroalgen in Gewässern ohne nennenswerte Jodmengen wachsen. Spirulina und Chlorella stammen aus Zuchtanlagen, AFA-Algen werden wild geerntet. Sie wachsen zum Teil in Gesellschaft mit giftigen Meeresalgen. Hersteller bezeichnen ihre Produkte als ungefährlich, doch Forscher an der Universität Konstanz fanden in vielen Produkten mit AFA-Algen verschiedene Toxine (Giftstoffe). Um eine chronische Belastung mit Lebergiften auszuschließen, raten Experten von der dauerhaften Einnahme der Produkte ab.

Spirulina-Algen: Nahrungsergänzung aus dem Ozean

Spirulina-Algen gehören zu den bekanntesten Algen. Als Nahrungsergänzungsmittel bringen Sie auf unterschiedliche Weise einige Vorteile. Algen werden als Nahrungsergänzungsmittel und auch als Nahrungsmittel immer beliebter. Während sie früher nur bei Liebhabern der vegetarischen Kost bekannt waren, ist ihr Siegeszug nun nicht mehr aufzuhalten, denn Algen enthalten wichtige Nährstoffe, die in ähnlicher Zusammensetzung auch in Fisch oder in anderen Lebensmitteln vorkommen. Sie haben einen relativ hohen Eiweiß- und Jodgehalt. Daneben sind sie reich an den Vitaminen A, B und E. Diese Zusammensetzung wird durch Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium ergänzt.

Eine ganz spezielle Sorte von Algen ist die Spirulina, welche zur Gattung der Blaualgen gehört. Den lateinischen Namen Spirulina verdankt sie ihrer gedrehten, schlangenähnlichen Form. Algen werden heutzutage nicht mehr direkt aus dem Meer gewonnen, ihre Produktion erfolgt stattdessen in speziellen Kulturen. Sie werden gezüchtet, geerntet, getrocknet und pulverisiert. Die aufbereiteten Extrakte der Spirulina-Algen werden dann im Handel meist in Tablettenform als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Algen© Adobe Stock – karin

Unterschiedliche Wirkungsweisen

Während Befürworter von Spirulina-Algen und von Algen insgesamt auf deren Einnahme schwören, bestreiten Gegner einen außergewöhnlichen Nutzen des Verzehrs oder der Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel. Sie sprechen von einem nur geringen Gehalt an nahrungsergänzenden Stoffen. Die Befürworter hingegen berufen sich auf japanische, afrikanische und taiwanesische Studien, welche die Wirksamkeit von Spirulina-Algen bei verschiedensten gesundheitlichen Störungen darlegen. Es handelt sich zum Beispiel um positive Effekte bei der Senkung eines hohen Cholesterinspiegels. Daneben soll Spirulina bei der Reduzierung einer hohen Viruslast bei HIV– und Hepatitis-C-Infizierten helfen.

Spirulina-Algen wird außerdem ein gewisser Anti-Aging-Effekt zugesprochen und sie helfen offensichtlich bei Arthritis, indem sie deren Symptome lindern. Die Alge soll auch bei einer Erkrankung mit Enteroviren den Heilungsprozess beschleunigen. Krebstherapien werden offenbar bei gleichzeitiger Einnahme von Spirulina erträglicher. Auch zur Verhinderung der Neubildung von Nierensteinen und bei Arteriosklerose sollen Spirulina-Algen helfen. Schwangeren und stillenden Frauen und ihren Babys kommt Spirulina demnach ebenfalls zugute. In der westlichen Welt gibt es momentan noch zu wenige manifestierte Studien im Bereich der Spirulina-Forschung wie in der Algen-Forschung überhaupt. Sicherlich werden die nächsten Jahre und Jahrzehnte Aufschluss darüber geben können, bei welchen gesundheitlichen Störungen Spirulina Wirkung zeigt. Es spricht jedenfalls wenig oder gar nichts dagegen, Spirulina-Algen getrocknet in der Küche zu verwenden oder sie in Tablettenform einzunehmen.

Als Nahrungsmittel in maßvollen Mengen sehr wertvoll

Alle Algen bestehen aus einem extrem einweißreichen Grundgerüst. Ein Eiweißgehalt von bis zu 65 Prozent ist keine Seltenheit. In dieses Eiweißgerüst sind die Vitamine A, C, E, B 6 und B 12, zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente eingelagert. Die meisten Mineralstoffe enthält nach heutigen Kenntnissen die schwarze Hijiki-Meeresalge. Weil sie an Eiweiß gebunden sind, kann das menschliche Verdauungssystem die Inhaltsstoffe der Alge sehr leicht resorbieren, was sie vor allem nach der Einschätzung von Naturheilkundlern so wertvoll macht.

Algen gelten als gute natürliche Quelle, die körpereigenen Speicher an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelemente aufzufüllen. Das ist vor allem für ältere Menschen und chronisch Kranke besonders wichtig, weil sie sehr häufig wegen ihrer eingeschränkten Nahrungsaufnahme unter Mangelsymptomen wie Sehverschlechterungen, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Wundheilungsstörungen, Depressionsneigungen und Konzentrationsstörungen leiden.

Risiken und Nebenwirkungen

Dennoch bringen die unterschiedlichen Algenpräparate einige bedenkliche Probleme mit sich:

  • zu viele Schwermetalle: Die gute Resorbierbarkeit der Algenbestandteile wird hier zu einem Problem, denn Meeresalgen speichern große Mengen an Schadstoffen und Schwermetallen wie Quecksilber, Blei und Kadmium. Das macht man sich im übrigen in der biologischen Abwasserreinigung von Schwermetallen und Halogenen erfolgreich zunutze.
  • zu viel Jod: Meeresalgen weisen einen hohen Jodgehalt auf. Zwar braucht unsere Schilddrüse Jod, um gesund zu bleiben, doch ein zu hoher Gehalt an Jod kann sie ebenso schwer schädigen. Als Grenzwert nennt das Bundesamt für Verbraucherschutz einen Jodgehalt von 20 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse des Algengrundstoffes. Teilweise wurden jedoch extreme Konzentrationen von bis zu 6.500 mg/kg in Algenerzeugnissen aus Thailand, den Philippinen, Japan und China gefunden. Verwenden Sie nur Algenprodukte mit Angabe der Jodkonzentration und nehmen Sie nicht mehr als 0,2 Milligramm Jod pro Tag zu sich. Vergessen Sie nicht, das jodierte Speisesalz mit hinzuzurechnen.
  • Verunreinigungen mit pflanzlichen Giftstoffen: Algen teilen sich den Lebensraum unter anderem auch mit anderen Organismen und Pflanzen, die für den Menschen giftig sein können. So kommt es beispielsweise am Oberen Klamath-See im amerikanischen Bundesstaat Oregon, wo die Afa-Alge natürlicherweise wächst, in manchen Jahren zu einem starken Wachstum einer anderen Alge: der Microcystis aeruginosa. Diese bildet ein hochgiftiges Stoffwechselprodukt, den Giftstoff Mikrozystin. Er kann beim Menschen zu Leberschäden führen und gilt als möglicherweise krebserregend. Die amerikanischen Gesundheitsbehörden haben unter anderem für die Afa-Algen einen Grenzwert von 1 ppm (Parts per million) Mikrozystin festgelegt. Denn in manchen Jahren sind die Algen stark verseucht; etwa vor sieben Jahren, als die Überwachungsbehörden in Oregon in knapp 90 Prozent der untersuchten Blaualgen-Produkte überhöhte Mikrozystin-Werte feststellte. Mit großer zeitlicher Verzögerung wurden die sich daraus ergebenden Warnungen auch von den deutschen Gesundheitsbehörden veröffentlicht, was zu der gemeinsamen Erklärung der beiden erwähnten Bundesinstitute führte. Kaufen Sie nur Produkte, deren Hersteller sich in der Packungsaufschrift eindeutig für die Einhaltung der US-Grenzwerte für Mikrozystin verbürgen. Fordern Sie im Zweifelsfall eine schriftliche Bestätigung der Hersteller an.

Kaufen Sie nur Algenprodukte aus kontrollierter Herstellung und mit genauer Deklaration der Inhaltsstoffe. Verwenden Sie ausschließlich Algenprodukte mitAngabe der Jodkonzentration und nehmen Sie nicht mehr als 0,2 Milligramm Jod pro Tag zu sich. Vergessen Sie nicht, das jodierte Speisesalz und eventuell den von Ihnen verputzten Seefisch mit hinzu zu rechnen. Kaufen Sie nur Afa-Algen, deren Hersteller sich in der Packungsaufschrift eindeutig für die Einhaltung der US-Grenzwerte für Mikrozystin verbürgt. Die für Sushi verwendeten Nori-Blätter sind in Maßen genossen unbedenklich.

Meeresalgen und Süßwasseralgen

Meeresalgen sind großblättrige Makroalgen, die sehr viel Jod enthalten können. Sie werden unter anderem unter den folgenden Produktnamen verkauft:

  • Arame
  • Dulse
  • Hijiki
  • Kombu oder Kelp
  • Norio
  • Wakame

Süßwasseralgen sind oft winzig kleine Algen, die in Seen wachsen. Als Nahrung lassen sie sich nicht zubereiten. Wegen ihrer hohen Nährstoffdichte werden sie jedoch seit einiger Zeit als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Bei wärmeren Temperaturen sind sie auch im Meer zu finden, dort gelten sie als „Algenpest“. Sie zeigen eine Belastung mit Nährstoffen (Gülle, Dünger) an, der die Algen explosionsartig wachsen lässt. Wenn sie verrotten, führen sie zu einer Unterversorgung des Wassers mit Sauerstoff. Die wichtigsten Sorten im Handel sind:

  • Spirulina
  • Chlorella
  • Klamath- oder Afa-Alge

Algen© Adobe Stock – kgrif

Meeresspaghetti: Mehr als bloß Nudeln!

Nicht immer hält ein Gericht, was sein Name verspricht. Beim Wort „Spaghetti“ zum Beispiel denken Sie sicherlich erst einmal an Nudeln. Aber sind die Meeresspaghetti auch Nudeln oder was verbirgt sich sonst genau dahinter? Diese „Spaghetti“ haben mit echten Spaghetti nur die Form gemeinsam: Sie sind lang und dünn. Allerdings handelt es sich nicht um Nudeln, sondern um Braunalgen.

Die fadenförmigen Gewächse werden zum Beispiel an der Küste von Spanien geerntet und dann entweder getrocknet oder in Salzlake eingelegt. Kaufen können Sie die „Spaghetti“ in Asiageschäften oder Feinkostläden. Legen Sie die getrockneten Algen für drei Stunden in Wasser ein und erneuern Sie das Wasser mehrfach in dieser Zeit. So verringern Sie den sehr hohen Salz- und Jodgehalt. Auch wenn die Algen „Meeresspaghetti“ heißen, sind sie doch eher Beilage zu Nudeln denn Hauptgericht.

Algenstoff Astaxanthin: Wirklich ein Wundermittel?

Die Natur hat ihre ganz eigenen Strategien entwickelt, wie sie Umweltgefahren aus dem Weg räumen kann. Das zeigt sich einmal mehr am Beispiel der winzigen Meeresalge Haematococcus pluvialis, die lediglich einen Durchmesser von 0,1 mm aufweist. Die Alge ist normalerweise grün, bei starker Sonneneinstrahlung jedoch färbt sie sich rot. Der Grund: Sie bildet den Farbstoff Astaxanthin, der sie vor UV-bedingten Zellschäden schützt.

Auch Sie können von dieser Wirkung profitieren. Denn Astaxanthin aus der Alge gibt es mittlerweile in Kapselform. Doch Vorsicht: Um Ihre Haut optimal zu schützen, sollten Sie sich dennoch vor allem beim Sonnenbaden mit Sonnenmilch eincremen. Astaxanthin liefert Ihnen lediglich einen Basisschutz für den Alltag. Der Lichtschutzfaktor wird auf 3 bis 4 geschätzt.

Sonnenschutz© frankoppermann – Fotolia

Stärkstes Antioxidans: Profitieren Sie vom „König der Carotinoide“

Astaxanthin gehört zur Familien der Carotinoide, genauso wie auch Beta-Carotin (der Vorstufe von Vitamin A), Lycopin (der rote Tomatenfarbstoff) oder Lutein. Astaxanthin wird „König der Carotinoide“ genannt, denn verglichen mit anderen Carotinoiden kann der Farbstoff mit einer ausgesprochen hohen antioxidativen Kapazität punkten. Gemessen wird dies im Labor als ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity). Dieser Wert sagt aus, wie sehr eine Substanz (Antioxidans) zellschädigende Sauerstoffradikale abfangen kann.

Astaxanthin gilt dabei sogar als bester Radikalfänger überhaupt: Der ORAC-Wert liegt bei 51; der von Vitamin A oder Vitamin E vergleichsweise bei nur 1,25 und der von Beta-Carotin bei lediglich 5. Das Besondere an Astaxanthin: Aufgrund der speziellen Struktur durchspannt das Molekül die Zellmembran komplett. Im Unterschied zu anderen Antioxidantien kann der Algenfarbstoff dadurch Ihre Körperzellen sowohl im Inneren als auch an der Oberfläche vor freien Radikalen schützen.

Freie Radikale schädigen Ihre Zellen

Freie Radikale entstehen im Stoffwechsel unseres Körpers. Es sind Zwischenprodukte: Sauerstoffmoleküle, die sehr aggressiv sind. Sie haben, bedingt durch Stoffwechselvorgänge, ein Elektron zu wenig, sind aber bestrebt, dieses wiederzuerlangen. Dazu „rauben“ sie anderen Molekülen ein Elektron. So können sie Moleküle der Zellen und sogar der DNS angreifen. Zellschäden sind die Folge, nach und nach können sich daraus schwere Krankheiten entwickeln.

Um diese freien Radikale unschädlich zu machen, benötigt Ihr Körper Antioxidantien. Diese geben den Schadstoffen das fehlende Molekül, werden aber dadurch nicht selbst zu freien Radikalen. Die bekanntesten dieser Antioxidantien sind Vitamin E und Beta-Carotin.

Astaxanthin schützt vor Radikalen-Schädigung

In labortechnischen Messungen hat sich gezeigt, dass Astaxanthin um ein Vielfaches stärkerer Radikalenfänger ist als Beta-Carotin. Im Einzelnen ist Astaxanthin auf natürlicher Basis:

  • 20-mal so stark wie synthetisch hergestelltes Astaxanthin
  • 50-mal stärker als Beta-Carotin
  • 60-mal stärker als Vitamin C
  • 550-mal stärker als Vitamin E

Dadurch ist der Stoff in der Lage, sich in den Bereichen positiv auf Ihre Gesundheit auszuwirken, in denen Schäden durch freie Radikale verursacht werden. Aufgrund dessen kann Astaxanthin zum Beispiel

  • Schäden am Auge durch altersbedingte Makuladegeneration vorbeugen,
  • die Haut vor Schäden durch zu viel Sonnenbestrahlung schützen,
  • Entzündungen im Körper verringern,
  • Arteriosklerose vorbeugen.

Mehr Elastizität, weniger Falten

Studien bestätigen, wie sehr Ihre Haut von dem starken Radikalfänger profitiert: An der Universität Toyama in Japan wurden im Jahr 2006 jeweils 50 Japanerinnen über sechs Wochen täglich entweder mit 4 mg Astaxanthin oder einem wirkungslosen Kontrollpräparat (Placebo) behandelt. Das Ergebnis: In der Astaxanthin-Gruppe nahm die Elastizität der Haut um etwa zwei Drittel zu. Im Jahr 2012 konnte eine Untersuchung, an der ebenfalls die Universität Toyama beteiligt war, die Falten mindernde Wirkung von Astaxanthin unter Beweis stellen. Insgesamt 30 Frauen und 36 Männer nahmen an der Studie teil. Insgesamt 33 von ihnen erhielten für sechs Wochen täglich 6 mg Astaxanthin oral als Kapsel und cremten zusätzlich täglich 2 ml der Substanz auf ihre Gesichtshaut. Die zweite Probanden-Gruppe erhielt wirkstofffreie Kontrollpräparate (Placebos).

Das Ergebnis: In der Astaxanthin-Gruppe verringerte sich die Tiefe der Gesichtsfalten: Von durchschnittlich 400µm auf unter 200µm. In der Kontrollgruppe blieb dieser Erfolg aus. All diese Faktoren zeigen, dass Astaxanthin die Belastung mit freien Radikalen senkt. Das würde bedeuten, so schlussfolgern es auch die japanischen Wissenschaftler, dass die Substanz auch vor Zellschäden schützt, die Hautkrebs herbeiführen. Zellbiologische Untersuchungen, durchgeführt beispielsweise 2013 von der Universität in Kyoto, Japan, können erste Erfolge verbuchen.

Der Farbstoff schützt nicht nur Ihre Haut

Mithilfe der antioxidativen Wirkung können Sie zudem weitere Alterungsprozesse abmindern: So schützen Radikalfänger auch vor Gefäßschäden, die einen erhöhten Blutdruck mit sich bringen können. Genauso wirken sie entzündungshemmend. Astaxanthin bewahrt beispielsweise auch Ihre Muskelzellen vor zellschädigenden freien Radikalen. Leistungssportler nutzen die Substanz deshalb zur Stärkung ihrer Muskulatur. Astaxanthin ist zudem in der Lage, Ihren HDL-Cholesterinwert zu erhöhen, also das „gute“ Cholesterin. Steigt dieser Wert an, so ist dies ein Zeichen dafür, dass Cholesterin in Ihrem Körper abgebaut wird. Gefäßablagerungen und eine Arteriosklerose treten nicht so schnell auf.

Wie effektiv Astaxanthin in diesem Zusammenhang sein kann, zeigte eine Untersuchung der Jikei Universität, Tokyo, Japan, aus dem Jahr 2010. Insgesamt 61 Probanden erhielten für zwölf Wochen entweder 0, 6, 12 oder 18 mg Astaxanthin täglich. Sowohl in der 6, 12 und 18 mg Gruppe erhöhte sich der HDL-Cholesetrinwert der Probanden: So kam es in der 12 mg-Gruppe sogar zu einem Anstieg von etwas über 15 Prozent. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass Astaxanthin Stoffwechselprozesse in Gang setzt, die für einen Cholesterinabbau sorgen. Die genauen Mechanismen sind noch nicht geklärt. Dennoch: Auch bei erhöhten HDL-Cholesterinwerten lohnt sich für Sie der Griff zu dem Algenfarbstoff.

So versorgen Sie sich mit dem potenten Radikalenfänger

Die Untersuchungen, bei denen Astaxanthin als Radikalenfänger erfolg­reich war, wurden mit Mengen von vier bis sechs Milligramm des Stoffes durchgeführt. Sie sollten diese Menge täglich zu einer Ihrer Mahlzeiten zu sich nehmen. Achtung: Bisher wurden keine Nebenwirkungen festgestellt und auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht aufgetreten. Wenn Sie Medikamente einnehmen, sollten Sie dennoch mit Ihrem Arzt über eine zusätzliche Einnahme von Astaxanthin sprechen.

Astaxanthin ist eines der Top-Verkaufsprodukte von Shopping-Sendern und auch im Internet finden Sie viele Angebote für den Algenstoff. Hier wird auch mit prominenten Namen geworben, so soll der Verkauf angekurbelt werden. Es empfiehlt sich dennoch, in die Apotheke zu gehen und den Radikalenfänger hier zu kaufen. 60 Tabletten kosten rund 30 Euro. Im Internet bekommen Sie die Tabletten durchaus günstiger. Allerdings wissen Sie hier nie, in welcher Dosierung der Stoff enthalten ist bzw. ob es sich nicht um komplette Fälschungen handelt. In der Apotheke dagegen kaufen Sie mit Sicherheit Tabletten, die auch wirklich Astaxanthin enthalten.

So nutzen Sie Astaxanthin

  • Nehmen Sie als Sonnenschutz oder zum Senken Ihres Cholesterinspiegels täglich 6 mg Astaxanthin ein: Schlucken Sie die Kapseln am besten zum Essen. Carotinoide sind fettlöslich und so steigern Sie die Verwertbarkeit im Darm.
  • Idealerweise sollten Sie zwei bis drei Wochen vor dem Urlaub in eine sonnenreiche Region mit der Astaxanthin-Einnahme beginnen. Denn dann haben Ihre Hautzellen ausreichend Zeit, den Stoff einzulagern.
  • Als rezeptfreies Präparat erhalten Sie Astaxanthin-Kapseln in Apotheken, Drogerien oder auch im Internethandel (z. B. von Vita World, Livoa Vital oder Esovita). Eine Monatsration kostet zwischen 20.-€ und 25.-€.
  • Zusätzlich können Sie Ihre Haut mit Astaxanthin eincremen (z. B. Astaxanthin Tagescreme von Bärbel Drexer oder Dr. Perricone); 50 ml kosten zwischen 30 und 50 Euro.
  • Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten wurden bislang nicht beobachtet.
  • Astaxanthin steckt zudem in einigen Nahrungsmitteln, nämlich in Meerestieren, die selbst die rote Alge verzehren. Nennenswerte Mengen: In Rotlachs finden Sie 4 mg Astaxanthin pro 100 Gramm Fisch. In Silberlachs steckt 1,3 mg und in Königslachs 0,9 mg pro 100 Gramm.
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