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Künstliches Kniegelenk: Was geht nach der OP mit Knieprothese noch?

Auch wenn alle Menschen im Alter unter Abnutzungsprozessen leiden, heißt das nicht, dass wir mit zunehmendem Alter alle unter Kniebeschwerden leiden müssen oder ein künstliches Gelenk brauchen. Wenn die Schmerzen Sie jedoch stark beeinträchtigen, ist ein künstliches Kniegelenk oft eine gute Wahl. Der Einsatz von Knieprothesen (Knie-TEP = Kniegelenks-Totalendoprothese) ist inzwischen einer der häufigsten Eingriffe in der Orthopädie und eine bewährte Maßnahme, die Ihre Lebensqualität wieder deutlich verbessern kann.

Allerdings wollen viele Patienten mit einer Knie-Endoprothese baldmöglichst wieder Sport treiben und direkt zurück auf die Ski oder das Fahrrad. Die Realität sieht leider etwas anders aus, denn die Operation allein stellt Ihre Fähigkeiten nicht wieder her. Gerade wenn Sie wieder Sport treiben möchten, heißt es für Sie jetzt, selbst aktiv zu werden.

Diese Ursachen fördern den Verschleiß Ihres Kniegelenks

Arthrose im Kniegelenk ist nicht nur eine Alterserscheinung. Die folgenden Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle:

  • Unfälle und Verletzungen (Knochenbrüche, Kniebandverletzungen wie Kreuzband- und Meniskusverletzungen), die nicht rechtzeitig versorgt wurden
  • Operationen (z. B. radikale Meniskusentfernung, oft viele Jahre zurückliegend)
  • Fehlstellungen (ausgeprägte O-Bein- bzw. X-Beinfehlstellung)
  • Übergewicht über Jahre
  • rheumatische Erkrankungen, Gicht, Infektionen
  • genetische Faktoren (häufiges Auftreten von Arthrosen in der Familie)

Knie-TEP: Doppelseitiger Kniegelenkersatz

Ein künstliches Kniegelenk ersetzt die verschlissenen Gelenkanteile Ihres Kniegelenks durch eine künstliche Oberfläche. Ist Ihr gesamtes Knie verschlissen, erhalten Sie eine Kniegelenks-Totalendoprothese. Dabei wird Ihr natürliches Gelenk sowohl durch eine Oberschenkelprothese (Femurkomponente) als auch durch eine Unterschenkelprothese (Tibiakomponente) ersetzt.

Dazwischen befindet sich ein Kunststoffeinsatz aus Polyethylen, der als Gleitfläche dient. Bei einigen Patienten wird auch die Kniescheibenrückfläche ersetzt; dann besteht die Kniegelenks-Totalendoprothese aus drei Komponenten.

Unterstützen Sie schon vor der OP Ihre „Rehabilitation“

Wenn Sie unter einer Arthrose leiden, ist das A und O, Ihre Gelenke in Bewegung zu halten, um einer Gelenkversteifung vorzubeugen. Je länger Sie Ihr Knie schonen, desto schwieriger wird der Eingriff. Folgende Bewegungsformen fördern die Durchblutung und die Nährstoffversorgung Ihrer Gelenke:

Alles, was keine Schmerzen verursacht, hilft Ihnen und stärkt Ihre Muskeln. Eine kräftige Muskulatur schützt Ihre Gelenke wie eine Manschette und erleichtert Ihnen die spätere Rehabilitation enorm.

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Training des Kniegelenks

Um die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten, muss das Kniegelenk trainiert werden. Bewegung bei einem leichten Spaziergang ist nett, aber nicht ausreichend. Denn Ihr Knie kann ja viel mehr, als nur die wenigen Grad Beugung, die man für das Gehen auf ebener Unterlage benötigt. Also sollten Sie versuchen, Ihre Kniegelenke täglich mehrfach sanft, aber so weit es Ihnen möglich ist, zu beugen und zu strecken. Strecken ist einfach, aber beugen? Zum Beispiel, indem Sie Ihren Fuß ergreifen und so weit wie möglich zum Körper ziehen, in die Hocke gehen oder sich hinknien.

Gute Gelenkführung der Kniegelenke

Nicht von ungefähr erhalten viel mehr Frauen als Männer ein künstliches Kniegelenk. Frauen haben bei gleichem Körpergewicht weniger Muskeln als Männer. Das hat nachteilige Folgen für die Führung des Kniegelenks, das in dieser Hinsicht aufgrund der langen Hebel von Ober- und Unterschenkel besonders heikel ist. Darum gilt es, die Kraft der kniegelenknahen Muskulatur zu erhalten oder möglichst zu verbessern. Ein Fitness-Studio kann gute Dienste leisten, aber auch eine Treppe: je länger sie ist, desto besser. Treppauf-Gehen ist ein wunderbares Krafttraining für die Kniegelenke.

Regelmäßige Bewegung

Für Gelenke gilt im wörtlichen Sinne: Wer rastet, rostet! Bewegungsformen wie Walking, Radfahren, Aqua-Fitness und Stepper sorgen für sanfte Bewegung. Dadurch werden die Durchblutung und die Nährstoffversorgung Ihrer Gelenke gefördert. Alles, was keine Schmerzen verursacht, ist erlaubt – und erwünscht.

So gelingt die Rückkehr in den Alltag nach der OP

Schon am ersten Tag nach ihrer OP beginnen die Patienten mit einer sanften Bewegungstherapie. Etwa zehn Tage bleiben sie zur Wundheilung im Krankenhaus. Neben der Muskelkraft stärken Sie in der anschließenden Reha auch Ihr Bewegungsgeschick, etwa zur Verbesserung Ihrer Gangsicherheit auf unebenem Boden oder Treppen. Es ist von großer Bedeutung, dass die Patienten neben einer schmerzfreien Wundheilung und einer guten Beweglichkeit auch ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung schnell wieder erreichen und ihren Alltag wieder meistern können:

  • Körperpflege
  • An- und Ausziehen
  • Haushalt
  • Autofahren

In den „Medical Park“-Kliniken in Bad Wiessee wird daher auf eine individuelle Gestaltung Ihrer Behandlung nach modernsten Erkenntnissen gesetzt. Setzen Sie das Erlernte auch nach der Reha in Eigenregie fort, beispielsweise in Form von Kräftigungsübungen oder Fitnesstraining. Wenn Sie intensiv trainieren, werden Sie beide Beine wieder harmonisch und gleichmäßig bewegen können. Dann dürfen Sie auch wieder geeignete Sportarten ins Visier nehmen. Sie können eine Vielzahl von Aktivitäten ausüben, allerdings keinen Wettkampfsport mehr.

Passen Sie gut auf Ihr künstliches Gelenk auf

Nicht wenige sportbegeisterte Menschen vergessen schnell, dass sie eine Knieprothese haben, wenn sie schmerzfrei sind. Dann besteht die Gefahr der Überlastung, die genauso schlecht ist wie übertriebene Schonung. Die Lebensdauer einer Knieprothese liegt im Durchschnitt bei 12 bis 15 Jahren, erhebliche Abweichungen nach oben und unten sind jedoch möglich.

Überlastung (Sport, Übergewicht) kann zum frühzeitigen Verschleiß einer Prothese führen. Die Gleitfläche am Unterschenkel besteht aus Polyethylen und nutzt sich umso schneller ab, je intensiver sie belastet wird. Dann muss die Gleitfläche (Onlay) gewechselt werden. Polyethylenabrieb kann aber auch zu einer Lockerung der Verankerung der Prothese im Knochen führen. Dann muss die gesamte Prothese gewechselt werden und dieser Eingriff wird mit jedem Wechsel schwieriger.

Diese Sportarten können Sie nach Ihrer Knie-TEP ausüben

Empfehlenswert sind gleichmäßige, fließende Bewegungen, die wenig Druck auf das künstliche Gelenk ausüben. Dazu zählen:

  • Wandern
  • Gehen
  • Jogging (dosiert, maximal dreimal 30 Minuten pro Woche)
  • Fahrradfahren (dosiert, nicht zu schwere Gänge)
  • Nordic Walking
  • Skilanglauf
  • Schwimmen (am besten mit Kraul-Beinschlag)
  • Gymnastik (keine extremen Yoga-Positionen)
  • Segeln
  • Wanderrudern, Kanufahren
  • Tennis, Tischtennis (ohne Wettkampfcharakter)
  • Golf (evtl. nach speziellem Training mit versiertem Sportlehrer)

Tipp für den nächsten Winter: Alpines Skifahren

Sie dürfen wieder „abfahren“, wenn Sie Folgendes berücksichtigen:

  • vorsichtige Fahrweise (Sturzprophylaxe)
  • gute Fitness
  • gute Schnee- und Sichtverhältnisse
  • wenig frequentierte Piste (andere Ski- und Snowboardfahrer sind ein Risiko)
  • dosiertes Tempo
  • keine Buckelpisten, kein Tiefschnee

Tipp: Morgens am Lift der Erste sein, zwei Stunden fahren und aufhören, wenn es voll wird auf der Piste. Besonders gefährlich ist der frühe Nachmittag, wenn viele nach reichlich Jagertee aus der Almhütte auf die Piste drängen. Am gefährlichsten für eine Gelenkprothese sind Stürze. Wenn der mit einer Prothese versorgte Knochen bricht, stellt das den operierenden Arzt vor eine große Herausforderung.

Treppentraining

In der Rehabilitation üben Sie zunächst das Treppe-aufwärts-Gehen: das gesunde Bein voran auf die nächste Stufe. Hinunter geht es umgekehrt, hier führt das operierte Bein. Es folgt das Treppensteigen im Wechselschritt, das für Sie auch nach der Reha ein hervorragendes Training ist. Sie trainieren damit Ihre Kraft, Ihre Alltagsfähigkeiten und Ihre Ausdauer. Als mittelfristiges Ziel empfehlen sich viermal vier Etagen. Schaffen Sie es, wieder vier Etagen hintereinander ohne Pause zu bewältigen und das viermal, sind Sie fit und können Ihr Leben mit der neuen Kniegelenks-Totalendoprothese in vollen Zügen genießen. Hinunter dürfen Sie beim Treppentraining übrigens gern den Aufzug benutzen.

Tipps für ein gesundes künstliches Kniegelenk

  • Setzen Sie auch nach Ihrer Reha Ihre gymnastischen Übungen weiter fort. So beugen Sie einer erneuten Gelenkversteifung vor.
  • Verzichten Sie auf hochhackige Schuhe. Tragen Sie flache Schuhe mit weichen Sohlen.
  • Hilfreich sind auch Pufferabsätze, die Orthopädie-Schuhtechniker in Ihre Schuhe einarbeiten. Sie dämpfen den Stoß beim Fersenauftritt und entlasten so Ihr Knie.
  • Vermeiden Sie möglichst, sich hinzuknien.
  • Tragen oder heben Sie keine allzu schweren Lasten.
  • Meiden Sie schwere körperliche Arbeit.
  • Betreiben Sie nur gelenkschonende Sportarten.

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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