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Arthrosetherapie mit Orthokin

Arthrose ist Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Mit der Zeit nutzen die Gelenkknorpel ab und können ihre Stoßdämpferfunktion immer schlechter wahrnehmen. Der Körper reagiert mit Verknöcherung der belasteten Stellen und Entzündungen sind möglich. Die Betroffenen verspüren zum Teil starke Schmerzen.

Die sogenannte Orthokin-Therapie nutzt Erkenntnisse zu den molekularen Vorgängen, die bei Arthrose im Gelenk ablaufen, und soll so Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit erreichen.

Arthrosetherapie

Zur Therapie der Arthrose gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei leichten bis mittelschweren Formen wird meist eine sogenannte konservative Gelenktherapie durchgeführt, das heißt ohne Operation. Neben begleitenden Therapien wie Physiotherapie und Akupunktur kommen oft Schmerzmittel zum Einsatz.

Gelenkinjektionen

Häufig werden Wirkstoffe direkt in das Gelenk gespritzt, der Fachmann spricht von intraartikulären Injektionen („artikulär“ bedeutet „ein Gelenk betreffend“). Der Vorteil dieser Behandlungen ist, dass der Körper insgesamt weniger belastet wird, weil der Wirkstoff direkt an den Einsatzort gelangt und daher in geringeren Konzentrationen eingesetzt werden kann. Typische als Gelenkinjektion zur Arthrosetherapie verabreichte Mittel sind:

  • Kortison – Wirkt entzündungshemmend. Leider hält die Wirkung in der Regel nicht lange an
  • Hyaluronsäure – Ist auch natürlicherweise in der Gelenksflüssigkeit vorhanden und wirkt dort als Puffer und Schmierstoff. Eine zusätzliche Injektion von Hyaluronsäure soll diese Wirkung verstärken
  • Proteine – Bestimmte Proteine sollen entzündungshemmend wirken und den Knorpelabbau verzögern oder aufhalten

Operative Behandlung

In fortgeschrittenen Fällen muss das mechanische Problem operativ behoben werden. Im mittleren Stadium der Arthrose versucht man dabei, den rauen und rissigen Knorpel zu glätten und Abriebteilchen aus dem Gelenkspalt zu entfernen. Im Endstadium der Arthrose kann das geschädigte Gelenk – beispielsweise bei Knie- oder Hüftarthrose – durch eine Prothese ersetzt werden.

Molekulare Orthopädie

Die Entzündungsreaktionen bei Arthrose sind nicht nur mitverantwortlich für die zum Teil starken Schmerzen, sondern tragen auch selbst zum Fortschreiten der Arthrose bei. Bei der Entzündung werden vom Körper Signalproteine gebildet, die den Knorpelabbau weiter fördern. Ein wichtiger entzündungsauslösender körpereigener Botenstoff bei Arthrose ist beispielsweise das Protein Interleukin-1 (IL-1). Ihm wird auch eine wichtige Rolle beim Knorpelabbau zugewiesen. IL-1 bindet an spezielle Strukturen auf der Außenseite der Zellen (sogenannte IL-1-Rezeptoren) und löst damit entzündungsfördernde und knorpelabbauende Signalwege in der Zelle aus. Der Körper stellt aber auch einen natürlichen Gegenspieler von IL-1 her, den sogenannten IL-1-Rezeptor-Antagonisten (IL-1RA). Dieser bindet an die gleichen IL-1-Rezeptoren wie IL-1, löst jedoch keine Signalwege aus und blockiert so den Rezeptor.

Durch Kenntnis dieser molekularen Vorgänge ist es jetzt möglich, Therapien zu entwickeln, die gezielt diese Vorgänge beeinflussen sollen. Der Ansatz, das orthopädische Krankheitsbild im Gelenk über molekulare Vorgänge zu beeinflussen, wird auch als orthomolekulare Gelenktherapie oder allgemeiner als molekulare Orthopädie bezeichnet.

Die Orthokin-Therapie

Das Besondere an der Orthokin-Therapie ist, dass dem Körper nur körpereigene Stoffe zugeführt werden. Dem Patienten wird auf die übliche Weise Blut abgenommen. Dieses Blut wird in den speziellen Orthokinspritzen („EOTII-Spritzen“) einige Stunden im Labor bei Körpertemperatur gelagert. Die EOTII-Spritzen enthalten Glasperlen mit einer speziellen Oberfläche, welche die Blutzellen dazu anregen, große Mengen an Signalproteinen abzugeben. Dabei werden überwiegend entzündungshemmende und wachstumsfördernde Signalproteine abgegeben. Die Menge an IL-1RA beispielsweise steigt durchschnittlich auf das Zehnfache an. Bei manchen wachstumsfördernden Proteinen beträgt der Anstieg durchschnittlich fast das Hundertfache. Nach Abschluss der Behandlung in der EOTII-Spritze werden alle Blutzellen in einer Zentrifuge abgetrennt. Übrig bleibt das sogenannte Serum, das in dieser Form – angereichert mit entzündungshemmenden und wachstumsfördernden Proteinen – als Orthokin-Serum oder „autologes konditioniertes Serum“ („autolog“ bedeutet „körpereigen“) bezeichnet wird. Gebräuchlich ist auch die Abkürzung ACS, von der englischen Bezeichnung autologous conditioned serum.

 

Orthokin

So stellt man sich die Wirkung von Orthokin auf molekularer Ebene vor, hier gezeigt am Beispiel von IL-1: Bei Entzündungen im Gelenk wird viel IL‑1 gebildet (grüne Symbole). Es besetzt und aktiviert die IL-1-Rezeptoren auf den Zellen und fördert so die Entzündung und den Knorpelabbau. Nach Injektion von Orthokin besetzt der im Orthokin-Serum enthaltene IL-1RA (orangefarbene Symbole) die IL-1-Rezeptoren, ohne sie zu aktivieren. Er blockiert damit die IL-1-Rezeptoren für IL-1, das seine entzündungsfördernde und knorpelabbauende Wirkung nicht mehr ausüben kann. Weitere Abbildungen zur Wirkweise der Orthokin-Therapie finden Sie auch auf der folgender Internetseite: http://www.drjjohn.de/Orthokin.html

 

Das Orthokin-Serum kann über mehrere Monate im Labor des Arztes im Gefrierschrank gelagert werden. Die Wirksamkeit bleibt dabei erhalten. In der Regel wird es den Patienten in drei bis sechs Sitzungen über einen Zeitraum von wenigen Wochen in den Gelenkspalt gespritzt.

Nach Injektion des Serums sollen die enthaltenen Proteine entzündungshemmend wirken und den Knorpelabbau aufhalten.


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Orthokin: Erfahrungen in der Praxis

Therapie des Knies

Das Orthokin-Verfahren wird seit Ende der 1990er Jahre eingesetzt. Positive Erfahrungen bei der Arthrosebehandlung am Knie wurden erstmals 2003 einer breiteren Fachöffentlichkeit in einem Artikel in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin vorgestellt, in dem die Autoren von insgesamt 1000 Behandlungen berichteten. Bei etwa drei Viertel der Patienten waren die Schmerzen drei Monate nach der Behandlung um 50 bis 100 % reduziert. Dreieinhalb Jahre nach der Behandlung traf dies immer noch auf mehr als ein Drittel aller Patienten zu. Auch eine groß angelegte klinische Studie zur wissenschaftlichen Bewertung der Wirksamkeit der Orthokin-Behandlung bei Arthrose kam im Jahr 2009 zu einem positiven Ergebnis: Drei Monate nach der Behandlung waren die Schmerzen und auch alle anderen Symptome der Arthritis deutlich reduziert und diese Wirkung hielt über mindestens zwei Jahre an. Neue Daten einer spanischen Forschergruppe zeigen, dass bei 117 von 118 Arthrosepatienten, die für eine Kniegelenksprothese infrage kamen, durch die Anwendung der Orthokin-Therapie mit zusätzlicher Physiotherapie eine Operation für mindestens zwei Jahre vermieden werden konnte.

Therapie der Hüfte

Die meisten wissenschaftlichen Studien zu Orthokin bei Arthrose wurden zur Behandlung der Kniearthrose durchgeführt. Zur Anwendung bei der Therapie der Hüfte gibt es jedoch ebenfalls aktuelle positive Erfahrungsberichte mit Orthokin: 2013 berichteten Düsseldorfer Mediziner von der Behandlung von insgesamt 119 Patientinnen und Patienten mit Hüftarthrose. Noch 14 Monate nach der letzten Injektion mit ACS waren die Schmerzen deutlich verringert im Vergleich zu vor der Behandlung.

Ist die Orthokin-Therapie eine Eigenbluttherapie?

Bei alternativmedizinischen Eigenblutbehandlungen wird das Blut des Patienten – eventuell nach einer speziellen Aufbereitung – dem Patienten in die Muskulatur gespritzt. Die Reaktion des Körpers gegen dieses an dieser Stelle fremde Material soll zum Beispiel die Abwehrkräfte stärken oder andere heilsame Wirkungen haben. Das Orthokin-Serum wird zwar auch aus dem eigenen Blut des Patienten hergestellt, aber im Unterschied zur klassischen Eigenbluttherapie enthält es keine Zellen und wird nicht in die Muskulatur, sondern in den Gelenkspalt gespritzt, in dem sich mit der Gelenksflüssigkeit bereits eine grundsätzlich ähnlich zusammengesetzte Flüssigkeit befindet. Hier soll es gerade nicht zu Reaktionen des Körpers gegen das injizierte Serum kommen und diese sind in der Tat sehr unwahrscheinlich.

Risiken der Orthokin-Therapie

Das Verabreichen einer Spritze ins Kniegelenk ist für den Orthopäden Routine und wird gut vertragen. Das Risiko einer Infektion ist wie bei jeder Spritze äußerst gering. Da es sich bei dem ACS um körpereigenes Serum handelt, sind allergische Reaktionen oder andere Nebenwirkungen sehr unwahrscheinlich.

Kosten der Orthokin-Therapie

Laut Angaben des Herstellers kostet jede Spritze 98 Euro. Für die Arthrosetherapie werden üblicherweise drei bis sechs solcher Spritzen verwendet. Zusätzlich entstehen weitere Kosten für die ärztliche Behandlung, abhängig von Art und Schwere der Erkrankung sowie vom Aufwand der Arztpraxis. Die Behandlungskosten werden bislang noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, nach Angaben des Herstellers übernehmen jedoch einige private Krankenkassen die Kosten.

 

Quellen

  • Baltzer AW, Moser C, Jansen SA, Krauspe R. Autologous conditioned serum (Orthokine) is an effective treatment for knee osteoarthritis.Osteoarthritis Cartilage. 2009 Feb;17(2):152-60. doi: 10.1016/j.joca.2008.06.014.
  • Baltzer AWA, Drever R, Granrath M, Godde G, Klein W, Wehling P. Intraartikuläre Therapie der Gonarthrose mit autologem Interleukin-1 Rezeptor Antagonisten (IL-1Ra). Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin Jahrgang 54, Nr. 6 (2003). http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/fileadmin/content/archiv2003/heft06/Baltzer.pdf
  • Baltzer AWA, Ostapczuk MS, Stosch D, Seidel F, Granrath M. A New Treatment for Hip Osteoarthritis: Clinical Evidence for the Efficacy of Autologous Conditioned Serum. Orthop Rev (Pavia). 2013 Jun 7; 5(2): e13. doi: 10.4081/or.2013.e13
  • Baselga García-Escudero J, Miguel Hernández Trillos P (2015). Treatment of Osteoarthritis of the Knee with a Combination of Autologous Conditioned Serum and Physiotherapy: A Two-Year Observational Study. PLoS ONE 10(12): e0145551. doi:10.1371/journal.pone.0145551
  • Meijer H, Reinecke J, Becker C, Tholen G, Wehling P. The production of anti-inflammatory cytokines in whole blood by physico-chemical induction. Inflamm Res. 2003 Oct;52(10):404-7. DOI: 10.1007/s00011-003-1197-1
  • Wehling P, Moser C, Frisbie D, McIlwraith CW, Kawcak CE, Krauspe R, Reinecke JA. Autologous conditioned serum in the treatment of orthopedic diseases: the orthokine therapy. BioDrugs. 2007;21(5):323-32.
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