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Cholesterin senken ohne Statine

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Nach einer unerwarteten Bypass-Operation beginnt die große Herausforderung, die eigenen Cholesterinwerte unter Kontrolle zu halten.

Ärzte raten den Patienten stets dazu, ihren Blutspiegel an Low-Density-Lipoprotein (LDL, das „schlechte“ Cholesterin) deutlich abzusenken. Das LDL-Cholesterin ist dafür verantwortlich, dass sich an den Innenwänden der Arterien Fettablagerungen bilden.

Manche Patienten vertragen die starken Statin-Medikamente nicht, die den LDL-Spiegel senken sollen. In diesem Fall existieren mehr Wege, um den LDL-Spiegel so weit wie nötig zu senken.

Statine senken den Cholesterinspiegel um bis 45%

Statine sind die wirksamsten Medikamente, um den LDL-Spiegel zu senken. Statine wie beispielsweise Atorvastatin (Sortis® bzw. Liptor®) und Simvastatin (Zocor®) beeinflussen die körpereigene Cholesterinproduktion. Sie helfen dabei, den LDL-Spiegel um 25 bis 45 Prozent zu verringern.

Jedoch kann nicht jeder Mensch diese Medikamente einnehmen. Einige Patienten bekommen bei einer Statin-Therapie Muskelschmerzen (Myalgien) oder Leberreizungen; in solchen Situationen beenden sie die Therapie.

In manchen Fällen schließen Vorerkrankungen (etwa Leberstörungen) die Behandlung aus. Darüber hinaus senken Statine allein den LDL-Spiegel nicht auf einen gewünschten Wert, wenn der Ausgangswert sehr hoch ist.

Wenn Statine nicht in Frage kommen oder man mehr als ein solches Präparat benötigt, kann der Arzt in Betracht ziehen, andere Wirkstofftypen zur Senkung des LDL-Spiegels zu verordnen. Eine Überlegung führt zu einem Medikament auf Basis eines Gallensäure bindenden Harzes. Arzneien wie etwa Colesevelam (z. B. Quantalan®) verbinden sich im Darm mit Gallensäuren, die aus Cholesterin entstehen. Nach der Bindung an das Medikament scheidet der Körper diese Moleküle aus.

Gallensäure entzieht dem Blut Cholesterin

Dieser dauerhafte Verlust bringt die Leber dazu, mehr Cholesterin für die Produktion von Gallensäuren einzusetzen, welche wiederum dem Blut mehr Cholesterin entziehen. Im Durchschnitt senkt man die LDL-Spiegel durch die Anwendung von Colesevelam um 15 bis 18 Prozent.

Ein anderer in Frage kommender Wirkstoff lautet Ezetimibe (Ezetrol®) aus der Gruppe der Cholesterin-Aufnahme-Hemmer.

Ezetimibe setzt die Aufnahmefähigkeit des Darmes für Cholesterin herab. Im Durchschnitt senkt es den LDL-Spiegel um 18 Prozent. Darüber hinaus hilft es, den Spiegel des wünschenswerten „guten“ Cholesterins, des High-Density-Lipoproteins (HDL) leicht zu erhöhen und verringert die Spiegel bestimmter Blutfette (Triglyzeride).

Die Nebenwirkungen der Statine sind im Allgemeinen leicht. Allerdings besteht das Risiko von schwerwiegenderen Nebeneffekten, die einige bestimmte Organe betreffen.

Nachteile von Statinen: Muskeln

In den meisten Fällen sind die durch Statine verursachten Muskelschwächen und -schmerzen leicht und vorübergehend. Gelegentlich zeigen erhöhte Werte eines bestimmten Blutenzyms (Kreatin-Kinase) eine Statin-Myopathie an. Das ist eine entzündliche Muskelerkrankung, die Schmerzen und Muskelschwäche verursachen kann.

Bei Bedarf bestimmt Ihr Arzt den Wert dieses Enzyms in Ihrem Blut. In manchen Fällen treten die Beschwerden bei normal hohen Werten auf.

In schweren Fällen lösen sich die Muskelzellen auf (Rhabdomyolyse) und geben Myoglobin (Muskeleiweiß) ins Blut ab. Gibt der Körper Myoglobin in den Urin ab, kann dies die Nieren schädigen. Das führt unter Umstäden zu Nierenversagen und in seltenen Fällen zum Tod.

Nimmt man bestimmte Medikamente zusammen mit Statinen ein, erhöht dies das Risiko einer Rhabdomyolyse. Zu diesen Arzneien gehören die gängigen Antibiotika Erythromycin und Clarithromycin sowie die Wirkstoffe Nefazodon und Cyclosporin und Antipilzmittel wie Ketoconazol und Itraconazol.

Nimmt man andere Cholesterin senkende Medikamente wie Gemfibrozil und Niazin zusammen mit Statinen ein, erhöht sich das Risiko für Muskelschäden erheblich.

Aus diesem Grund achtet Ihr Arzt auf Komplikationen. Muskelschmerzen in Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen verwechselt man in vielen Fällen mit anderen Beschwerden wie Arthritis und Tendonitis (Entzündung des Sehnengewebes). Treten bei Ihnen während der Einnahme von Statinen Muskelschmerzen oder Muskelempfindlichkeiten neu auf, teilen Sie dies Ihrem Arzt mit.

Nachteile von Statinen: Leber

Gelegentlich erhöhen Statine die Werte der Leberenzyme. Sind die Werte stark erhöht (übersteigen etwa das obere Limit um das Dreifache), müssen Sie die Statine absetzen. Normalerweise gehen die statinverursachten Leberstörungen nach Beendigung der Einnahme zurück.

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Bestimmte andere Cholesterin senkende Wirkstoffe wie Gemfibrozil und Niacin erhöhen das Risiko einer Lebervergiftung, wenn man sie zusammen mit Statinen einnimmt.

Die Leberprobleme entwickeln sich ohne ersichtliche Symptome. Aus diesem Grund ist es wichtig, regelmäßig Leberfunktionstests durchzuführen, wenn Sie Statine einnehmen.

Nachteile von Statinen: Nervensystem

In Untersuchungen stellten Forscher eine mögliche Verbindung zwischen der regelmäßigen Einnahme von Statinen und einem erhöhten Risiko für eine periphere Neuropathie fest. Das ist eine Erkrankung, die die peripheren Nerven betrifft. Diese Nebenwirkung tritt in seltenen Fällen auf.

Vollkornbrot hilft, Cholesterin abzubauen

Auch wenn Brot generell fettarm zu sein scheint – gerade bei der Herstellung von Weißbrot wird sehr häufig sogenanntes Backfett verwendet. Hinzu kommt, dass auch Zucker in den Teig gelangt. Dieser besteht darüber hinaus aus stark ausgemahlenem Mehl, das sehr ballaststoffarm ist.

Im Gegensatz dazu enthält Vollkornbrot viele Ballaststoffe, es besteht aus Getreidekörnern und nicht so gründlich ausgemahlenem Mehl. Ballaststoffe sind in der Lage, Sie länger satt zu machen und den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren.

Hinzu kommt, dass sie Cholesterin an sich binden. Es wird auf diese Weise ausgeschieden und kann dadurch Ihrem Herzen nicht mehr schaden. Allein deshalb sollten Sie zu Vollkornbrot greifen.

Walnussöl kann helfen

Viele können sich mit der mediterranen Küche nicht recht anfreunden, weil ihnen der Geschmack von Olivenöl zu penetrant ist. Wer dennoch etwas gegen seinen zu hohen Cholesterinspiegel tun möchte, sollte zu Walnussöl greifen. Es reduziert das schädliche Blutfett sogar noch effizienter als Olivenöl!

Walnüsse enthalten darüber hinaus jede Menge Vitamine, Eiweiß, „gute“ Fettsäuren und wichtige Mineralstoffe – was besonders unseren grauen Zellen zugute kommt.

Auf einen Blick: LDL senken ohne Statine

Ersatz für StatinMögliche Senkung des LDL-Spiegels
Cholesevelam15 bis 18%
Ezetimibedurchschnittlich 18%
Niacinbis zu 20%
Nahrungsmittel essen, die mit pflanzlichen Fetten versetzt sind (zum Beispiel Margarine-Produkte)um einige Prozentpunkte bis zu 14%
Nahrungsmittel essen, die reich an Ballaststoffen sind oder jeden Tag das Äquivalent von 9 bis 10 Gramm Flohsamenschalen aufnehmen7%
Verringern der Gesamtfettaufnahme und ersetzen der gesättigten Fette und Transfettsäuren durch mehrfach und einfach ungesättigte Fettebis zu 16%, wenn weniger als 10% der aufgenommenen täglichen Energiemenge aus Fett stammt

Auf diese Weise senken Sie Ihr Cholesterin ganz natürlich

Übergewicht in den Griff bekommen

Eine Senioren-Langzeitstudie (GISELA) konnte nachweisen, dass unser schützendes HDL-Cholesterin im Blut in direktem Zusammenhang mit dem Bauchumfang steht: Je dicker der Bauch, desto niedriger das HDL. Für Männer liegt die gefährliche Grenze bei einem Bauchumfang von 102 cm, bei Frauen etwas niedriger bei 88 cm.

Ernähren Sie sich cholesterinarm

Wählen Sie Ihre Ernährung auch als gesunder Mensch so, dass Sie nicht mehr als 60 g Fett und 250–300 mg Cholesterin pro Tag zu sich nehmen. Cholesterinreiche Lebensmittel sind beispielsweise viele Fertigprodukte, aber auch einzelne Lebensmittel wie Speck, Sahne, fettreiches Fleisch, Wurst oder Käse und die Haut bei Fisch und Geflügel.

Wählen Sie cholesterinsenkende Nahrungsmittel

Bereits 75 Gramm getrocknete Apfelscheiben täglich können Ihren LDL-Cholesterinwert in einem halben Jahr um bis zu 23 Prozent senken. Das wies eine amerikanische Studie kürzlich nach. Der Grund: Die Pektine im Apfel binden Gallensäuren, sodass die Leber neue Gallensäuren bilden muss. Dazu ist körpereigenes Cholesterin erforderlich und deshalb sinkt der Blutspiegel.

Folgende Nahrungsmittel wirken sich auf Ihre Blutfette aus und sind im Gegensatz zur medikamentösen Senkung des Cholesterinspiegels garantiert nebenwirkungsfrei und gut zubereitet auch lecker:

Hülsenfrüchte: Alle Hülsenfrüchte, speziell Kichererbsen, enthalten Saponine, die Cholesterin aus der Nahrung so binden, dass es nicht mehr ins Blut gelangt. Außerdem binden sie Gallensäuren. Diese müssen aus vorhandenem Cholesterin neu gebildet werden und dadurch wird das umgewandelte Cholesterin ungefährlich.

Knoblauch und Bärlauch: Neue Übersichtsstudien zeigen, dass Knoblauch nicht für einen Anstieg des schützenden HDLs sorgt. Aber ein in Knoblauch enthaltener Wirkstoff hemmt die Herstellung von Cholesterin im Körper und senkt damit das schädliche LDL. Der einheimische Bärlauch wirkt genauso, aber um ein Vielfaches stärker als Knoblauch.

Ingwer: Wagen Sie sich an den asiatischen Geschmack, denn zwei Gramm Ingwer pro Tag senken nachweislich Ihre Cholesterinwerte.

Nüsse: Es stimmt, dass Nüsse kalorienreich sind und Fette enthalten. Dennoch konnten kalifornische Forscher in 25 Studien nachweisen, dass ca. 70 Gramm Nüsse täglich den Gesamtcholesterinwert um 5,1 und das LDL um 7,4 Prozent senken. Warum? Nüsse enthalten Inhaltsstoffe, die sich auf Ihre Blutfette positiv auswirken.

Leinsamen: Schon drei Teelöffel geschroteter Leinsamen pro Tag senken den Cholesterinspiegel im Verlauf von drei Monaten um mehr als 10 Prozent – allerdings gilt das nur bei Männern. Forscher führen diese Wirkung von Leinsamen auf ihren Inhaltsstoff Lignan zurück. Dieses „pflanzliche Östrogen“ scheint deshalb bei Frauen, die genug Östrogen im Blut haben, nicht mehr zu wirken. Trotzdem ist Leinsamen sinnvoll und gesund. Es hilft zum Beispiel bei Verstopfung und ist zugleich ein wichtiger Lieferant wertvoller Mineralien.

Trinken Sie grünen Tee: Durch seine Gerbstoffe und Saponine hemmt grüner Tee die Aufnahme von Fetten aus der Nahrung.

Bleiben Sie aktiv

Schweizer Wissenschaftler fanden heraus, dass selbst wenn genug schützendes HDL im Blut zirkuliert, die positive Wirkung des HDL-Wertes ausbleiben kann. Schuld daran ist ein Prozess, den die Ärzte „Oxidierung“ nennen. Aber durch mehr Bewegung können Sie Ihren Cholesterinwert im Blut senken und außerdem die Oxidierung des HDLs rückgängig machen.

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