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Fischöl: Gesundheit aus dem Meer?

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Seit den 1970er Jahren gilt Fischöl alswahres Wundermittel für Herzpatienten. Die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sollten das Herz schützen und Infarkt und Schlaganfall vorbeugen.

Lebertran-Kapseln - freigestellt
Kapseln mit Fischöl © HLPhoto - Fotolia

Millionen Menschen schluckten also Fischöl-Kapseln, die es in der Apotheke, in der Drogerie und sogar im Supermarkt noch heute zu kaufen gibt. Aber ist das wirklich wahr? Ist Fischöl wirklich in der Lage, Herzerkrankungen und Schlaganfällen vorzubeugen?

Ist Fischöl gesund?

Die Überzeugung, Fischöl sei gesund, basiert auf einer Studie von 1971, bei der die Chemiker Jorn Dyerberg und Hans Olaf Bang die Ernährungsgewohnheiten der Eskimos im Zusammenhang mit Herzerkrankungen unter die Lupe nahmen.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Herzerkrankungen und Schlaganfälle bei Eskimos so gut wie unbekannt seien. Ursache dafür sei die Ernährung mit reichlich Wal, Seehundfleisch und Fisch. Der Schönheitsfehler an der Studie von Dyerberg und Bang liegt unter anderem darin, dass lediglich sieben Probanden untersucht wurden.

Daraus lassen sich jedoch keine belastbaren Ergebnisse ableiten. Aktuelle Studien, durchgeführt von den kanadischen Ärzte George Fodor und Kollegen, in denen die Ergebnisse von 1971 überprüft wurden, zeigen nun, dass in Grönland Herzerkrankungen genauso häufig vorkommen wie in Europa und Nordamerika.

Und das ist auch kein Wunder, denn die Ernährung mit viel fettigem Fisch und Fleisch und wenig Obst und Gemüse widerspricht allen Empfehlungen für ein gesundes Leben.

Trotzdem sind die im Fischöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren essentiell für unsere Gesundheit. Da der Körper sie nicht selbst herstellen kann, müssen wir sie über unsere Nahrung aufnehmen oder zur Not eben über Fischöl-Kapseln.

Gesundes Zahnfleisch durch Fischöl

Eine Untersuchung der Harvard Medical School und der Harvard School of Public Health in Boston deutet darauf hin, dass sich Omega-3-Fettsäuren auch zur Prophylaxe und begleitenden Behandlung von Parodontitis (Zahnfleischentzündung) eignen.

Die Forscher resümierten: Wer viel von diesen Fettsäuren zu sich nimmt, hat mit bis zu 30 % geringeres Risiko für Parodontitis. Das gehe vor allem auf die entzündungshemmend wirkenden Verbindungen Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) zurück.

Fazit: Besonders reich an Omega-3-Fettsäuren ist Fischöl. Es steckt vor allem in fettem Seefisch wie Lachs, Makrele, Hering und Thunfisch. Fisch sollte zwei- bis dreimal pro Woche auf Ihrem Speiseplan stehen, abwechselnd die oben genannten Arten sowie magere Fischsorten wie Kabeljau, Schellfisch und Zander.

Aber auch manche pflanzliche Öle, vor allem Leinöl, sind ergiebige Lieferanten der essenziellen Fettsäuren. 1 bis 3 Esslöffel des Öls genügen – im Kräuterquark, im Salat oder pur. Daneben wirkt sich der entzündungshemmende Effekt der Omega-3-Fettsäuren auch positiv auf andere chronisch-entzündliche Erkrankungen aus, beispielsweise des Darmes oder der Gelenke.

Warum Omega-3-Fettsäuren?

Der Körper braucht ein ausgewogenes Verhältnis von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, um gesund zu bleiben. Aus ihnen werden zum Beispiel Hormone und Hormonvorstufen hergestellt. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und können damit positiven Einfluss auf Erkrankungen wie Arthritis oder Rheuma haben.

Während Omega-3-Fettsäuren in tierischen Fetten stecken, nehmen wir Omega-6-Fettsäuren über Pflanzenöle auf. Wer also zum Kochen und Braten ausschließlich Pflanzenöle verwendet, läuft Gefahr, zu wenig Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen. Vor allem dann, wenn er ein Fischmuffel ist.

In diesem Fall ist die Einnahme von Fischöl-Kapseln eine gute Lösung. Aktuelle Studien legen den Schluss nahe, dass Omega-3-Fettsäuren einenpositiven Einfluss auf verschiedene gesundheitliche Probleme haben können.

Dazu zählen die schon genannten Gelenkentzündungen, aber auch Diabetes und Alzheimer. Ob man mit der Einnahme von Fischöl Erkrankungen vorbeugen kann, bleibt aber dahingestellt.

Auf Qualität achten!

Wer sich für die Einnahme von Fischöl-Kapseln entscheidet, sollte auf beste Qualität achten. Unsere Weltmeere sind mit vielen Schadstoffen und Giften belastet, die sich in Fisch ansammeln und so letztlich auch im Fischöl landen. Hochwertige Produkte sind in aufwendigen Verfahren bereinigt und enthalten keine Giftstoffe mehr.

Zwei Stücke roher Lachs und Kräuter
Fisch enthält reichlich Omega-3-Fettsäuren © Printemps - Fotolia

Bei sehr günstigen Produkten sind Qualität und Nutzen oft fragwürdig. Fischöl in Kapseln einzunehmen macht für gesunde Menschen nur wenig Sinn. Eine vorbeugende Wirkung ist bisher nicht belegt und der positive Einfluss auf gesundheitliche Probleme ist nicht hundertprozentig sicher belegt.

Wer seiner Gesundheit Gutes tun will, sollte eher auf eine ausgewogene Ernährung achten, bei der einmal in der Woche Fisch auf den Tisch kommt. Dazu reichlich Gemüse, wenig Fleisch und viel Bewegung. So beugen Sie Herzerkrankungen und Schlaganfall auf jeden Fall vor.

Fisch- vs. Krillöl

Eine neue Studie zeigt: Fischöl ist außerordentlich gut für das menschliche Gehirn. Das fängt schon im Kleinstkindalter an: Kinder, die mit den Omega-3-Fettsäuren aus Fisch optimal versorgt werden, entwickeln sich sowohl motorisch wie auch kognitiv besser.

Eine Studie aus Norwegen fand sogar heraus: Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft und während der Stillzeit ein DHA-reiches Öl zu sich nahmen, hatten im Schnitt einem um 4 Punkte höheren Intelligenzquotienten. Aber nicht nur die Gehirne von Kindern profitieren.

Auch im gesetzteren Alter wirken Omega-3-Fettsäuren äußerst positiv auf das Gehirn ein. Fazit: Omega-3-Fettsäuren sind ein wahrer Schatz für Ihre Gesundheit. Sie schützen vor zahlreichen Krankheiten und sind in vielen Fällen schulmedizinischen Medikamenten ebenbürtig.

Omega-3-Fettsäuren werden normalerweise aus Fischöl gewonnen. Auf dem Markt sind aber auch extrem teure Kapseln, die Krillöl enthalten. Sind sie wirklich besser und lohnen sich die Mehrausgaben für Sie?

Wirkungen von Omega-3-Fettsäuren

  • Schutz vor Herzinfarkt und anderen Gefäßerkrankungen
  • Senkung der Blutfettwerte (Triglyceride)
  • bessere Fließeigenschaften des Blutes
  • Hemmung der Blutgerinnung (geringeres Thromboserisiko)
  • Unterdrückung entzündlicher Erkrankungen (u. a. Arthritis, Sehnenentzündungen, Schuppenflechte und Neurodermitis)
  • Unterstützung der Immunabwehr
  • Schutz vor Alzheimer und Depressionen
  • Linderung von chronischem Asthma und Bronchitis

Um diese Wirkungen zu erzielen, werden täglich zwischen 2 bis 6 g Fischöl in Form von Kapseln empfohlen. Wenn Sie zweimal pro Woche Fisch essen, können Sie die Tagesdosierungen um etwa 1 g reduzieren.

Krillölkapseln fast zehnmal teurer als Fischöl

Krill sind winzige Kleinkrebse, die zum Beispiel in der Antarktis in riesigen Schwärmen auftreten. Für Wale sowie viele Robben- und Fischarten sind sie die Hauptnahrungsquelle. Die Krill-Krebse ernähren sich von Algen, mit denen sie die von diesen produzierten Omega-3-Fettsäuren aufnehmen.

Algensalat mit Stäbchen
Die Kleinkrebse Krill liefern ebenfalls Omega-3-Fettsäuren © Fons Laure - Fotolia

Die im Krill enthaltenen Omega-3-Fettsäuren unterscheiden sich im Aufbau etwas von den viel bekannteren Omega-3-Fettsäuren aus Fischen. Im Krillöl sind die gesunden Fettsäuren an Phospholipide gebunden. In Fischöl dagegen kommen sie an Triglyceride gebunden vor.

Aufgrund dieser Unterschiede sollen die Krill-Fettsäuren für den Körper besser verfügbar sein und folglich besser wirken. Eine Kapsel (500 mg Krillöl) kostet etwa 40 bis 50 Cent, z. B. in Apotheken (Doppelherz-Antarktis-Krill®) oder bei zahlreichen Firmen im Versandhandel. Fischölkapseln sind dagegen deutlich günstiger: 500 mg erhalten Sie bereits für 3 bis 4 Cent in Supermärkten und Drogerieketten.

Krill-Studie offensichtlich manipuliert

Ob das teure Krillöl wirklich besser ist als Fischöl, konnte wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt werden. Im Dezember 2013 erschien zwar eine Studie der Universität von Manitoba in Winnipeg/Kanada, die den Vorteil des Krillöls deutlich zu belegen schien.

Die Probanden nahmen über einen Zeitraum von vier Wochen täglich entweder 1 g Krill- oder 1 g Fischöl zu sich. Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in den Körperzellen war in der Krillöl-Gruppe von 3,7 auf etwa 5,8 Prozent gestiegen, in der Fischölgruppe dagegen nur auf 5,3 Prozent.

Mit jeweils acht Probanden je Gruppe ist sie viel zu klein, um tatsächliche Effekte zu messen. Kritisch bewertet wird außerdem, dass zwei der Studienleiter bei einer Firma angestellt sind, die Krillöl vertreibt. Verdächtig ist vor allem die Auswahl des getesteten Fischölpräparates.

Es enthält neben den Omega-3- Fettsäuren fast 32 Prozent Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure). Die handelsüblichen Fischölpräparate enthalten dagegen nur 2 bis 3 Prozent dieser Fette, von denen bekannt ist, dass sie die Verwertung der guten Omega-3-Fette im Körper blockieren.

Eventuell wurde in der Studie absichtlich ein unübliches Fischölpräparat verwendet, um das Krillöl in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

Fazit

Der hohe Preisunterschied zwischen Krill- und Fischöl erscheint nicht gerechtfertigt. Es liegt der Verdacht nahe, dass hier mögliche (aber bisher unbewiesene) marginale Vorteile zu Marketingzwecken aufgebauscht werden.

Der hohe Preis kann auch nicht durch einen im Vergleich zu Fischölfettsäuren besondersaufwändigen Herstellungsprozess gerechtfertigt werden. Beides sind im Prinzip Nebenprodukte großindustrieller Verarbeitung.

Fischöle fallen in der Fischverarbeitung an, Krillöl bei der Produktion von Krillmehl, das in großem Maßstab als Kraftfutter in der Tiermast verwendet wird. Trotzdem sind Omega-3-Fettsäuren vor allem für Menschen ab 45 Jahren unverzichtbar. Sie leisten einen sehr wichtigen Beitrag für Ihre Gesundheit und das quasi nebenbei!

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