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Zahnprothesen und Implantate - das sollten Sie darüber wissen!

Bis in die 70er Jahre gab es nur Total- oder Teilprothesen als Zahnersatz. Obwohl diese immer noch weit verbreitet und erfolgreich sind, können heutzutage auch künstliche Zähne einzeln implantiert werden.

Diese können auch dazu dienen, um temporäre Gebisse besser zu befestigen oder dauerhafte Gebisse besser zu verankern. Wenn Sie einen oder alle Zähne verloren haben, können Sie unter folgenden Alternativen wählen:

Zahnprothesen

Diese bestehen aus künstlichen Zähnen, die auf einer zahnfleischfarbenen Plastikunterlage befestigt sind. Teilgebisse können wenige bis viele fehlende Zähne ersetzen. Sie werden häufig von Metallkammern an Ort und Stelle gehalten, die an benachbarte Zähnen angreifen.

Dauerhafte Teilprothesen oder Brücken sind fest an den Nachbarzähnen gebunden. Konventionelle Totalprothesen lassen sich vorrübergehend über Ihre Kauleisten stülpen oder über einen Rest verbliebener Zähne.

Totalprothesen können auch vor dem Zähneziehen angefertigt werden und sofort danach angepasst werden (Immediat-Prothese) oder erst, wenn das Zahnfleisch verheilt ist.

Da Ihr Zahnfleisch beim Abheilen schrumpft, kann ein weiterer Zahnarztbesuch zum Nachstellen des Prothese notwendig sein, besonders wenn eine Immediat-Prothesen eingesetzt wurde. Wahrscheinlich wird es einige Übung erfordern, ehe Sie mit Ihren dritten Zähnen wieder normal essen und sprechen können.

Obwohl sich einige Menschen nie richtig an ihr neues Gebiss gewöhnen, erfreuen sich andere bester Leistung. Ob ein Gebiss das Richtige für Sie ist, hängt häufig davon ab, wie gut Sie sich daran gewöhnen. Wenn Ihnen Ihre neue Prothese dauerhaft Probleme bereitet, können Zahnimplantate eine gute Alternative darstellen.

Prothesen keinesfalls über Nacht tragen

Die richtige Zahnpflege ist wichtig. Denn bleiben Bakterien im Mund, können diese nicht nur Karies auslösen, sondern auch andere Infektionen. Denken Sie nur an Zahnfleischentzündungen, die sich auf den gesamten Körper auswirken können. Sie erhöhen sogar das Risiko für einen Herzinfarkt.

Die richtige Hygiene ist aber auch entscheidend, wenn Sie eine Prothese tragen. Entscheidend ist, dass Sie diese gründlich reinigen und nachts keinesfalls im Mund belassen, wie Forscher der Nihon University School of Dentistry in Japan entdeckt haben.

Sie hatten über 500 Menschen über 80 Jahre drei Jahre lang beobachtet. Rund die Hälfte von ihnen trug eine Zahnprothese. Während der Studienzeit wurden medizinische Daten wie Mund- und Allgemeingesundheit, Hygiene und Blutwerte festgehalten.

Vermerkt wurde auch, ob die Betroffenen an Lungenentzündung litten bzw. hieran verstarben. Es zeigte sich, dass die Studienteilnehmer, die das Gebiss über Nacht im Mund behielten, ein doppelt so hohes Risiko für Lungenentzündung hatten.

Auch die Wahrscheinlichkeit für Plaques sowie andere Infektionen war erhöht, wenn die Prothese auch nachts getragen wurde. Und dies ist auch der Grund für die vermehrten Lungenentzündungen.

Denn Bakterien, Viren und Pilze, die diese Erkrankung auslösen, können leichter angreifen, wenn schon andere Entzündungen im Körper bestehen. Die Forscher empfehlen daher als einfache Prävention, das Gebiss mindestens zweimal am Tag außerhalb des Mundes zu reinigen und nachts nicht zu tragen.

Zahnimplantate

Durch ihre bessere Verankerung im Kiefer können Zahnimplantate eher Aussehen und Funktion natürlicher Zähne nachahmen als Prothesen. Ein vollständiger Ersatz aller Zähne durch Implantate kann Monate dauern, wobei es schon eine Kombination von Implantaten plus Gebiss gibt, die sich innerhalb von einem Tag einsetzen lassen.

Bei traditionellen Zahnimplantaten platziert Ihr Kieferchirurg ein oder mehrere Metallzylinder in Ihrem Knochen unter dem Zahnfleisch (es gibt Implantate mit und ohne Gewinde). Während die Wunde verheilt, wächst innerhalb von 3 bis 6 Monaten der Knochen um das Implantat und verankert dieses fest im Kiefer.

Nach der Knochenheilung wird ein Abdruck der Implantate gemacht, mit dem die Ersatzzähne angefertigt werden. Diese können direkt an dem Implantat oder einer zusätzlichen Struktur fixiert werden. Bei den so genannten Sofort-Implantaten wird kurz nach dem Einsetzen der Zylinder ein Metallrahmen an den Implantaten befestigt.

Dieser Rahmen gewährleistet einen sicheren Sitz Ihrer neuen Prothese und stabilisiert die Implantate bis die Knochenheilung abgeschlossen ist. Eine Untersuchung der Kiefer durch Ihren Zahnarzt und eine ausführliches Beratungsgespräch durch Zahnarzt oder Kieferchirurg soll abklären, ob Sie ein geeigneter Kandidat für Zahnimplantate sind.

Ein Fehlschlagen der Implantate kann durch Rauchen oder schlecht eingestellten Diabetes wahrscheinlicher werden, da sie die Selbstheilungskräfte Ihres Körpers (v.a. Infektionsabwehr und Wundheilung) beeinträchtigen können.

Außerdem sind Zahnimplantate deutlich teurer als herkömmliche Prothesen. Wenn diese Kosten nicht durch Ihre Krankenkasse gedeckt sind, wird eine höhere Eigenbeteiligung erforderlich.

Implantate bei Diabetes und Osteoporose

Viele Zahnärzte scheuen davor zurück, bei Patienten mit Diabetes oder Osteoporose (Knochenschwund) Zahnimplantate einzusetzen. Ihre Befürchtung:  Bei Osteoporose könnte der Kieferknochen nicht haltbar genug sein, um die Stifte aus Platin dauerhaft zu tragen, auf die man die künstlichen Zähne montiert. Bei Diabetes-Patienten sehen die Ärzte Störungen der Wundheilung kritisch.

Entwarnung der Experten

Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, der 2007 in Göttingen stattfand, gaben die Experten Entwarnung. Sowohl bei Diabetikern als auch bei Osteoporose-Patienten liegt die Verlustrate von Implantaten innerhalb von fünf Jahren zwischen 4 und 7%. Dies liegt genau im Bereich von gesunden Menschen.

Allerdings verdichtet der Zahnarzt bei Osteoporose den geschwächten Kieferknochen vorher speziell. Bei Diabetikern stellt eine gute Einstellung des Blutzuckers eine wichtige Grundvoraussetzung für eine solche Zahnbehandlung dar.

Ausgeschlagene Zähne wieder einsetzbar

Wenn Sie sich einen Ihrer Zähne durch einen Unfall aus der Zahnhöhle geschlagen haben, er aber nicht zerbrochen ist, kann Ihnen Ihr Zahnarzt den Zahn in vielen Fällen wieder implantieren. Das geht aber nur, wenn Sie schnell handeln. Das Bindegewebe hält eine gesunde Zahnwurzel in der Zahnhöhle.

Beim Herausschlagen eines Zahns bleibt von diesem Gewebe ein Rest auf der Zahnwurzel haften. Der entscheidendste Schritt für eine erfolgreicheWiedereinpflanzung eines Zahns ist, dieses Bindegewebe intakt zu halten, bis man den Zahn wieder in die Zahnhöhle eingesetzt.

Ratschläge bei herausgeschlagenen Zähnen

  • Berühren Sie nicht die Zahnwurzel. Bei Berührung schädigen Sie unter Umständen das Bindegewebe.
  • Entfernen Sie Schmutz, indem Sie den Zahn in einem Glas oder einer Schale mit sauberem Wasser spülen, ohne den Zahn zu reiben oder ihn abzukratzen.
  • Versuchen Sie, den Zahn wieder in die Zahnhöhle zu stecken. Beißen Sie vorsichtig auf ein Stück Mull oder einen angefeuchteten Teebeutel, um den Zahn in der richtigen Position zu halten. Wenn Sie das Einsetzen nicht schaffen, legen Sie den Zahn in Milch, in Ihren eigenen Speichel oder in lauwarmes Salzwasser oder in Ihre Gaumentasche.
  • Gehen Sie sofort zum Zahnarzt oder in eine zahnärztliche Notaufnahme, um sich dort Ihren Zahn wieder zu stabilisieren. Die Chancen für eine erfolgreiche Reimplantation fallen am größten aus, wenn man den Zahn innerhalb der ersten 30 Minuten wieder in der Zahnhöhle platziert.

Selbst nach einer erfolgreichen Implantation kann es sein, dass das Gewebe im Zahn (Pulpa oder Zahnmark) abstirbt. Sie benötigen in jedem Fall eine Zahnwurzelbehandlung, um den Zahn voll funktionsfähig zu erhalten.

Pflege von Zahnersatz

Eine Brücke oder eine Zahnprothese benötigt ebenso wie Ihre natürlichen Zähne tägliche Pflege. Sind Sie Träger eines Vollgebisses, sollten Sie Ihr Zahnfleisch und die Zunge mit einer Zahnbürste mit weichen Borsten reinigen, bevor Sie das Gebiss einsetzen.

Putzen Sie das Gebiss zumindest einmal täglich und lagern Sie es nachts in einer Gebissreinigungslösung. Entfernbare Teilprothesen oder Brücken reinigt man wie ein Vollgebiss. Teilprothesen mit Metallteilen sollten Sie nicht länger als 15 Minuten in einer Reinigungslösung liegen lassen.

Bürsten Sie Ihre echten Zähne an den Stellen gründlich, an denen die Klammern des Gebisses aufliegen. An solchen Stellen gedeihen kariesverursachende Bakterien besonders gut.

Die richtige Passform

Der Schlüssel zu einer gut funktionierenden Zahnprothese ist die richtige Passform. Doch dies ist kein stabiler Zustand. Natürliche Zähne sind in einem speziellen Knochengewebe im Kiefer verankert. Entfernt der Zahnarzt Ihre Zähne oder gehen Sie verloren, schrumpft dieser Knochen unter Umständen.

Der Schrumpfvorgang verläuft besonders schnell innerhalb der ersten Wochen und Monate nach der Zahnentfernung. Er beruht auf dem normalen Heilungsprozess. Mit der Zeit setzt sich die Schrumpfung in einem langsameren Tempo fort, das von Mensch zu Mensch variiert.

Es beschleunigt sich durch normales Altern oder eine schlecht sitzende Prothese. Ein „Gebiss“ ist eine Maßanfertigung und passt genau auf die Konturen von Zahnfleisch und Kiefer. Bei einer Teilprothese passt es genau auf die restlichen Zähne oder Implantate.

Ändert sich die Form Ihres Zahnfleisches, verliert die Prothese sicheren Halt. Es kommt zu Reizungen und Druckstellen. Darüber hinaus werden Sprechen und Essen zu einer echten Herausforderung und Ihre dritten Zähne verschieben sich häufiger.

Reparaturen und Anpassungen

Egal, welche Sorte von Prothese Sie tragen: Regelmäßige Anpassungen erhalten den Tragekomfort, verhindern Druckstellen und gewährleisten eine optimale Funktion. Neben kleineren Reparaturen oder Anpassungen sind von Zeit zu Zeit folgende Maßnahmen nötig:

  • Neubeschichtung – Damit ist die Oberflächenerneuerung an der Kontaktfläche zum Zahnfleisch gemeint. Ihr Zahnarzt macht entweder einen neuen Abdruck und lässt von einem Zahntechniklabor eine neue Trägerfläche herstellen. Als weitere Möglichkeit gilt die Entfernung eines Teils der alten Oberfläche und Beschichtung des Gebisses mit einer weichen Harzschicht. Er drückt die Prothese dann auf Ihr Zahnfleisch, während das Harz aushärtet, sodass es besser sitzt.
  • Neue Trägerschiene – Das kommt seltener vor als die Neubeschichtung und beinhaltet die Erstellung einer neuen Trägerschiene für Ihre alten dritten Zähne. Diese Maßnahme ist bei einer beschädigten oder gerissenen Trägerschiene erforderlich oder wenn eine Neubeschichtung nicht den gewünschten Erfolg bringt.
  • Prothesenersatz – Materialverschleiß erfordert in vielen Fällen einen vollständigen Ersatz der Prothese (durchschnittlich alle 5 bis 7 Jahre).

Tägliche Pflege verbessert den Tragekomfort

Nachlässige Prothesenpflege und schlechte Mundhygiene gelten als Hauptursachen für Probleme wie Druckstellen, Reizungen und Pilzinfektionen. Folgende Maßnahmen helfen, um diese Probleme zu vermeiden:

  • Reinigen Sie Ihr „Gebiss“ nach jeder Mahlzeit. Bürsten Sie es mit einer weichen Zahn- oder Prothesenbürste, einem Prothesenreiniger oder Handseife. Dritte Zähne sind empfindlich. Halten Sie sie während der Säuberung über ein gefaltetes Handtuch oder ein halbgefülltes Waschbecken. Vermeiden Sie Standard-Zahnpasta: Sie enthält in vielen Fällen kleine Putzkörper, die Ihre Prothese schneller abnutzen.
  • Bürsten Sie Ihr Zahnfleisch. Dadurch verbessern Sie Ihre Mundhygiene und fördern die Durchblutung. Wenn Sie teilweise natürliche Zähne besitzen, benutzen Sie täglich Zahnbürste und Zahnseide.
  • Tragen Sie Ihr „Gebiss“ nicht beim Schlafen. Das Zahnfleisch benötigt regelmäßige Erholungspausen, um gesund zu bleiben. Dauerndes Tragen Ihrer Prothese führt zu Zahnfleischentzündung und beschleunigtem Knochenumbau, sodass man Ihre dritten Zähne häufiger neu anpassen muss.
  • Verstauen Sie Ihr „Gebiss“ sorgfältig. Sobald Sie Ihre dritten Zähne aus dem Mund nehmen, legen Sie sie in ein Behältnis mit Wasser oder Reinigungslösung. Eine Prothese verliert ihre Form, wenn sie austrocknet. Heißes Wasser wirkt ebenso Form verändernd.
  • Benutzen Sie Haftcreme oder lokale Betäubungsmittel nach Rezept. Haftcremes verbessern die Stabilität von gut sitzenden Prothesen. Sie sollten nicht dazu dienen, ein schlecht passendes „Gebiss“ zu fixieren. Vermeiden Sie Schmerz stillende Ölungen zur Betäubung von Druckstellen, es sei denn, Ihr Zahnarzt riet Ihnen dazu. Haftcremes und Betäubungsmittel verbessern eine schlecht sitzende Prothese nicht und führen zu einer Verschleierung schwerwiegenderer Probleme.
  • Wenn Ihr Zahnfleisch gereizt ist, Druckstellen auftreten oder es nicht mehr so gut funktioniert wie Klappern beim Sprechen, gehen Sie zu ihrem Zahnarzt. Er nimmt eventuell nötige Anpassungen vor.

Kostenlose Checks beim Zahnarzt

In Deutschland tragen 15 Millionen Menschen eine Zahnprothese. Die wenigsten von ihnen wissen, dass sie das Recht haben, ihre „Dritten“ zweimal jährlich kostenfrei beim Zahnarzt auf den korrekten Sitz zu überprüfen. Darauf wies die Bundeszahnärztekammer gemeinsam mit anderen Organisationen im Mai 2007 hin.

Besonders Vollprothesen lockern sich mit der Zeit unter Umständen. Als mögliche Gründe gelten der Verlust von Knochensubstanz im Kieferbereich, Abnutzung der die Prothese haltenden Zähne sowie altersbedingte Veränderungen der Mundschleimhaut.

Nutzen Sie diesen Service. Wenn Sie eine schlecht sitzende Prothese nur mit Haftcreme behandeln, kommt es langfristig zu Zahnfleischverlusten und Schäden in den Kiefergelenken.

Bei Bedarf kann der Zahntechniker Ihre Prothese „unterfüttern“. Sie sitzt dann wieder perfekt. Die Kassen übernehmen die Kosten dafür anteilig (je nach Bonus und Vertragsgestaltung zwischen 50 und 65 Prozent).