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Kieferprobleme und was Sie dagegen tun können

Das Kauen Ihres Frühstückbrötchens schmerzt. Ihr Mund lässt sich nicht so weit öffnen wie sonst und das Zubeißen tut weh. Außerdem haben Sie Ohrenschmerzen. Was ist passiert?

Wenn das Beißen Schmerzen verursacht

Diese Symptome deuten auf Kiefergelenkstörungen hin, die durch Fehlfunktionen der Kaumuskulatur hervorgerufen werden. Dieses Krankheitsbild wird auch als Myoarthropathie bzw. Myofaziales Schmerzsyndrom bezeichnet.

Die Fehlfunktionen der Kaumuskulatur führen häufig sekundär zu Kiefergelenkveränderungen, wenn keine Behandlung erfolgt.  Das Kiefergelenk verbindet die Unterkieferknochen (Mandibeln) mit dem Schläfenbein (Temporalknochen) Ihres Schädels.

Gestörte Funktionen der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke können zu plötzlichen oder dauerhaften Schmerzen führen. Derartige Störungen lassen sich mit konservativen, nicht-chirurgischen Methoden erfolgreich in den Griff bekommen.

Kiefergelenke sind empfindsam

Ihre Kiefergelenke befinden sich knapp 1 cm vor Ihren Ohröffnungen. Die knöcherne Gelenkoberfläche (Gelenkköpfe) ist mit Knorpel belegt. Eine kleine Scheibe verhindert die Reibung zwischen den Knochen. Eine Gelenkkapsel und die Kaumuskulatur stabilisieren die Gelenke.

Myofaziale Störungen beziehen meist auch die Kiefergelenke mit ein. Häufig geht der Schmerz mit einer Verschiebung der Knorpelplatte einher, welche die Knochenenden im Gelenk auf Abstand hält, da der Unterkiefer unbewusst vorgeschoben wird. Zu den Symptomen einer Myoartropathie gehören:

  • Druckschmerz einzelner und mehrerer Kaumuskeln
  • stumpfe Schmerzen vor dem Ohr
  • ein knackendes Geräusch oder reibendes Gefühl beim Bewegen des Unterkiefers
  • eine Blockierung des Gelenkes, sodass sich der Unterkiefer kaum noch öffnen und schließen lässt (Kieferklemme)
  • Kopf- oder Ohrschmerzen

Mögliche Ursachen

  • gestörter Zusammenbiss durch zu hohe Füllungen oder Kronen
  • eine Überbeanspruchung der Kaumuskeln durch zu festes Zusammenbeißen der Zähne, Pressen und Zähneknirschen
  • Kieferverletzungen durch Unfälle oder Schläge

Als Folge dieser Fehlfunktionen kommt es zu einer abnutzungsbedingten Osteoarthritis, wenn keine sachgemäße Therapie erfolgt.

Gegen das Krachen im Kiefer: So entspannen Sie sich

Die Kiefergelenke verbinden den Unterkiefer (Mandibula) mit dem Schädel (Cranium). Wenn dieses Miteinander nicht mehr optimal funktioniert, sprechen Mediziner von einer Cranio-Mandibulären-Dysfunktion (CMD).

Eine CMD kann zahlreiche Beschwerden auslösen, denn die Kiefergelenke sind über Muskeln und Nerven eng mit der Wirbelsäule, dem Gehirn, den Ohren und anderen Organen verknüpft.

Diese Beschwerden weisen auf eine Kieferstörung hin

  • Augen: Sehstörungen, verstärktes Tränen, Druckgefühl
  • Kopf / Gehirn: Druck, Schmerzen, Kribbeln, Schwindel, Taubheitsgefühl
  • Ohren: Hörprobleme, Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Kiefergelenk: Schmerzen beim Aufbeißen, Kauen – und bei direktem Druck: Knacken, „Mundsperre“ (Mundöffnungs-Probleme)
  • Zähne: Schmerzen, Knirschen, Fehlstellungen, Abrieb, empfindliche Zahnhälse
  • Hals: raues Gefühl, Heiserkeit, Kloßgefühl, Schluckbeschwerden
  • Nacken-Schulter-Bereich: Schmerzen, Verspannungen, Kopfgelenks-Blockaden, Bewegungs-Einschränkung

Ziehen Sie ein Abschleifen der Zähne, eine Zahnverlagerung durch Spangen oder korrigierenden Zahnaufbau durch Füllungen, Brücken & Co. gegen die CMD-Beschwerden erst in Erwägung, wenn Sie alle anderen Register gezogen haben.

Dazu gehören Entspannungsübungen (wenn Sie Ihre Kiefermuskulatur bei Stress anspannen), Lockerungs-Übungen am Arbeitsplatz, manuelle oder osteopathische Therapie etc.

„Hand-in-Hand-Therapie“ bei einer Kieferstörung

Konsultieren Sie bei Verdacht auf CMD zuerst einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden. Auf CMD spezialisierte Therapeuten finden Sie auf der Homepage des CMD-Fachverbandes nach Postleitzahlen gegliedert (www.cmd-dachverband.de). Die Symptome einer CMD lassen sich bei den meisten Patienten mit einfachen Mitteln je nach individueller Ursache behandeln.

  1. Zahnarzt: Ungenau sitzende Füllungen oder Zahnersatz können Kiefergelenkprobleme auslösen. Werden sie angepasst oder ausgetauscht, klingen die Beschwerden in der Regel schnell ab. Bei anderen Ursachen (z. B. Kiefergelenksarthrose) kann eine weiterführende Behandlung erforderlich sein. Dazu zählt zum Beispiel die Versorgung mit einer Gebiss-Schiene. Je nach Problemstellung kommen Schienentypen zum Einsatz, die das Aufeinanderpassen Ihrer oberen und unteren Zahnreihe verbessern, eine erhöhte Aktivität der Kaumuskeln reduzieren oder Ihre Unterkiefer-Position korrigieren.
  2. Orthopäde: Leiden Sie außerdem unter Beschwerden an der (Hals-)Wirbelsäule oder in der Lenden-Becken-Hüftregion, empfiehlt sich die weitere Abklärung bei Ihrem Orthopäden. Er kann einen möglichen Zusammenhang mit Ihrem Kiefersystem aufklären.
  3. Physiotherapeut: Ein Rezept für eine „manualtherapeutische CMD-Behandlung“ beim Physiotherapeuten kann Ihnen Ihr Zahnarzt, Kieferorthopäde oder Orthopäde ausstellen. Zu den Anwendungen zählen Übungen zur Entspannung, Kräftigung, Mobilisierung, Therapie mit Eis und Wärme, individuelle Tipps zur Eigenübung für zu Hause (z. B. Gesichtsgymnastik) und vieles mehr. Ihr Physiotherapeut sollte eine qualifizierte Zusatzausbildung für die CMD-Behandlung vorweisen können. Eine parallele Behandlung durch einen CMD-erfahrenen Osteopathen kann die Therapie unterstützen.

Entspannen Sie Ihren „Blitzableiter“

Bei innerer Anspannung und dauerhaftem Stress kann sich der große Wangen- bzw. Kaumuskel (Musculus masseter) verspannen. Dementsprechend können auch die Kiefergelenke Probleme bereiten. Daraus resultieren nicht selten überraschend weit reichende Probleme, denn der Kiefer ist eng vernetzt mit den Sinnesorganen und der Halswirbelsäule.

So kann es typischerweise zu schmerzhaften Verspannungen im Nacken-Schulter-Arm-Bereich kommen, zu Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Knacken im Kiefergelenk und vielem anderen mehr. Was bringt Linderung? Schon einfaches Massieren kann Ihre Kiefermuskeln entspannen!

Schritt 1: Massieren Sie Ihre Wangenmuskeln

Bringen Sie Ihren linken Daumen im Mund an die rechte Wangentasche. Ertasten Sie mit Ihrem Daumen von innen und mit dem Zeigefinger von außen den großen Kaumuskel. Massieren Sie den Muskel mit kreisenden Bewegungen (ein bis zwei Minuten) mit beiden Fingern, dann streichen Sie ihn der Länge nach aus.

Anschließend wechseln Sie die Seite und massieren den anderen Wangenmuskel. Es empfiehlt sich, die Massage bei Kieferproblemen mehrfach täglich durchzuführen.

Schritt 2: Der Mundöffner

Öffnen Sie Ihren Mund und legen Sie den Daumen der einen Hand an die oberen Schneidezähne. Den Mittel- und den Zeigefinger der anderen Hand legen Sie auf die unteren Frontzähne. Ziehen Sie nun sanft mit Ihren Fingern den Oberkiefer nach oben und den Unterkiefer nach unten.

Bitte dehnen Sie nur so weit, wie es Ihnen angenehm ist und gut tut. Ihre Kiefermuskeln sind dabei völlig passiv und entspannt. Halten Sie die Dehnung 15 bis 30 Sekunden lang. Spüren Sie danach für einen kurzen Moment dem Dehnungseffekt nach.

Wärme vorher verbessert den Effekt

Wenn Sie Ihre Wangen vor der Massage mit einem kleinen Dinkel- bzw. Kirschkernkissen oder einer Rotlichtlampe vorwärmen, entspannen Ihre Muskeln noch besser. Übrigens: Routinemäßige Untersuchungen wie das Röntgen des Kiefers beim Zahnarzt ist auch für die Früherkennung von Osteoporose geeignet.

Das fanden Forscher heraus, die die Röntgenaufnahmen von 316 gesunden Frauen nach den Wechseljahren auswerteten. Parallel ließen sie die Frauen einen Risikofragebogen ausfüllen und bestimmten ihre Knochendichte.

Veränderungen von Form und Stärke der äußeren, harten Knochenschicht des Unterkiefers deuteten ebenso zuverlässig auf eine beginnende Osteoporose hin wie die Ergebnisse aus den Fragebögen und Messungen. Es handelt sich dabei zwar nicht um eine Diagnose, aber um einen wichtigen Hinweis.

So sollten Sie dem Rat Ihres Zahnarztes folgen, Ihre Knochendichte bestimmen zu lassen und parallel natürlich mit präventiven Gegenmaßnahmen (z. B. Ernährung und Bewegung) aktiv werden.

Kleiner Exkurs – Weisheitszähne: Wann eine OP für Sie unausweichlich ist

Weil er erst in höherem – „weiserem“ -Lebensalter durchbricht, nannten ihn römische Ärzte „Dens sapientiae“ (Lateinisch für Zahn der Weisheit). Der Weisheitszahn ist der hinterste Backenzahn und entwickelt sich häufig zu einem Sorgenkind. Denn oft macht ihm ein Platzmangel zu schaffen.

Oft brechen Weisheitszähne auch nur zur Hälfte durch und bleiben mit ihrem unteren Teil stecken. Das kann zu Entzündungen und Abszessen führen, weil die dort entstehenden Zahnfleischtaschen Bakterien perfekte Lebensbedingungen bieten.

Wenn die Weisheitszähne im Kiefer stecken bleiben, können sie im Laufe der Zeit ihrem Nachbarzahn in die Quere kommen oder quer nach vorne wachsen. Dann schieben sie ihre Kollegen womöglich von hinten so stark an, dass sich sogar die Frontzähne verschieben.

Ist das der Fall, raten die Zahnärzte dazu, den Weisheitszahn zu entfernen, um Platz zu schaffen. Bei schätzungsweise 80 Prozent der Deutschen werden die Weisheitszähne deshalb herausoperiert.

Die meisten haben Angst vor der Zahnentfernung

Die Zahnärzte sagen, der Eingriff sei aufgrund der örtlichen Betäubung oder einer leichten Vollnarkose weitgehend schmerzfrei. Patienten sehen das oft anders, wahrscheinlich weil sie vor dieser Operation stärkere Angst haben als vor dem normalen Zahnziehen. Allerdings sind die Schmerzen nach dem Eingriff häufig auch ziemlich heftig.

Der Eingriff ist in der Tat keine Bagatelle. Wie bei jedem anderen Eingriff auch ist die Entfernung des Weisheitszahnes möglicherweise mit Nebenwirkungen verbunden. Außer zu Blutungen und Entzündungen kann es zu Nervenreizungen kommen. Davon können der Zungen- und der Unterkiefernerv betroffen sein.

Ist der Nerv einmal durchtrennt, lässt sich das nicht wiedergutmachen. Das kommt allerdings sehr selten vor. Mit dem Alter steigt die Komplikationsrate, weswegen Zahnärzte für eine möglichst frühe Entfernung der Weisheitszähne plädieren.

Bei dem Eingriff wird die Schleimhaut an der Wangenseite etwas angehoben, damit der innen verlaufende Nerv nicht beschädigt wird. Dann legt der Zahnarzt oder Kieferchirurg die Krone des Zahnes mit einer Fräse vom Knochen frei, damit er ihn danach leicht heraushebeln kann.

Bei Bissverschiebungen müssen die Weisheitszähne raus

Wie es um Ihren Weisheitszahn bestellt ist, sehen Sie auf dem Röntgenbild, das Ihr Zahnarzt macht und mit Ihnen bespricht. Wenn nicht, sollten Sie Ihren Zahnarzt darum bitten oder einen weiteren Zahnarzt zu Rate ziehen.

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