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Wie äußert sich eine Retrograde Ejakulation?

Bei der Retrograden Ejakulation handelt es sich um eine Ejakulationsstörung. Für einen gewöhnlichen Samenerguss sind der Verschluss des inneren Harnblasenschließmuskels und die Kontraktion der Beckenmuskulatur Voraussetzung. Bei dem komplexen Vorgang wird das Sperma aus der Harnröhre stoßweise herausgeschleudert. Bei der Retrograden Ejakulationsstörung jedoch wird die Samenflüssigkeit nicht aus dem Penis herausgestoßen, sondern läuft zurück in die Harnblase. Das ist prinzipiell nicht gefährlich. Der Samen mischt sich mit dem Urin und wird beim nächsten Wasserlassen ausgeschieden.

Männer können trotzdem noch einen Orgasmus empfinden, allerdings ist der Samenerguss verzögert, abgeschwächt, nicht sichtbar oder fehlt. Dies beeinträchtigt unter Umständen die Fruchtbarkeit. Die Diagnose der Störung erfolgt über eine mikroskopische Untersuchung des Urins. Diese muss unmittelbar nach dem Samenerguss durchgeführt werden. Liegt eine Retrograde Ejakulation vor, stellt der Arzt im Urin Spermien fest.

Mögliche Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für die Ejakulationsstörung. Operationen am oder im Beckenraum lösen den Defekt aus. Häufigste Ursache für die Retrograde Ejakulation ist die Transurethrale Resektion der Prostata (TURP). Bei dem operativen Eingriff entfernt der Chirurg die Prostata durch die Harnröhre. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ejakulationsstörung als Nebenwirkung auftritt, liegt bei 60 bis 90 Prozent. Eine Retrograde Ejakulation tritt eventuell ebenfalls nach einer Transurethralen Inzision der Prostata (TUIP) und nach einer Photoselektiven Vaporisation der Prostata (PVP) auf. Bei der PVP fällt die Wahrscheinlichkeit allerdings eher gering aus.

Neben operativen Eingriffen als Ursache bedingen nervliche Erkrankungen die Störung. Beispielsweise als Spätfolge von Diabetes oder übermäßigem Alkoholkonsum. Bandscheibenvorfälle und Multiple Sklerose sind seltene Ursachen der Erkrankung. Medikamente wie Antidepressiva und Bluthochdruckmedikamente (Alpha-Blocker) verursachen die Störung ebenfalls. Entzündungen der samenableitenden Wege lösen in seltenen Fällen eine Retrograde Ejakulation aus. Fehlbildungen des Blasenhalses oder Störungen des Sympathikus gelten als angeborene Ursachen für eine Retrograde Ejakulation.

Therapieansätze

Die richtige Therapie hängt von den Ursachen der Störung ab. Für eine erfolgreiche Therapie erstellt man im Vorfeld eine genaue Diagnose. Lassen Sie sich von einem Facharzt gründlich untersuchen, um die Ursache der Retrograden Ejakulation aufzuklären. Ihre Medikamenten- und Krankheitshistorie sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden. Wenn die Krankheit medikamentöse Ursachen hat, führt ein Absetzen dieser Medikamente teilweise wieder einen normalen Samenerguss herbei. Ist die Störung eine Nebenwirkung eines operativen Eingriffes, gestaltet sich eine Therapie schwierig, da sich solche Folgen selten rückgängig machen lassen.

Bei einer Diabeteserkrankung empfiehlt es sich, vorbeugend gegen die Retrograde Ejakulation vorzugehen. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutzuckerspiegel und sehen Sie von einem Missbrauch von Medikamenten ab, die Sexualstörungen hervorrufen können. Eine ärztliche Beratung im Vorfeld empfiehlt sich. Wenn die Ursache Diabetesspätfolgen sind, kann gegebenenfalls auch eine medikamentöse Behandlung der Retrograden Ejakulation in Betracht gezogen werden. Wenn ein Kinderwunsch besteht, kann eine künstliche Befruchtung angewendet werden. Dafür verwendet man die Spermien aus dem postkoitalen Urin.