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Nordic Walking: Die Gelenke werden nicht entlastet

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite Walken

Schreibtischtäter – auch die ehemaligen unter Ihnen – werden vor allem schätzen, dass mit der Stockarbeit auch die bei sitzenden Tätigkeiten vernachlässigte Arm- und Brustmuskulaturgefordert wird. Darüber hinaus ist Nordic Walking für eine verspannte Nackenmuskulaturein Segen. Das haben im Jahr 1999 Untersuchungen der Muskeltätigkeit an der Universität Helsinki ergeben. Dabei zeigte sich, dass beim Nordic Walking die Bewegungen von Armen und Schultern die Kraftausnutzung der Nackenmuskulatur verbessern. Das heißt: Mit weniger Muskelspannung können Sie die gleiche Kraft entwickeln. Daher ist Nordic Walking ideal, wenn Nacken und Schultern verspannt sind oder Sie an Rückenschmerzen leiden. Auch nach Bandscheibenvorfällen können Patienten den Sport in der Regel problemlos ausüben.


Die Gelenke werden nicht entlastet

Als großer Vorzug des Nordic Walkings gegenüber dem normalem Walken wird immer wieder die Gelenkentlastunghervorgehoben. Sie betrage bis zu 30 %, machen die Hersteller der Sportartikel geltend. Daher sei der Sport besonders für Personen mit Knie- oder Hüftproblemen geeignet. Doch mehr als eine verkaufsfördernde These war das bisher nicht.

Nun haben Physiotherapeuten der Europa Fachhochschule Fresenius im hessischen Idstein die Probe aufs Exempel gemacht. Sie schickten 20 erfahrene Nordic Walker zwischen 35 und 65 Jahren zum Test. Die Strecke führte über 1,5 km auf der Straße sowie einem Feldweg mit leichtem Gefälle und leichter Steigung. Dabei maßen Kraftsensoren an Schuhen, Beinen und Stöcken die Belastung der Sprung-, Knieund Hüftgelenke.

Das Ergebnis wurde auf dem Kongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin 2005 in München vorgestellt. Es entzauberte die Versprechen: Zwar kommt es beim Gehen mit Walking-Stöcken in der Abstoßphase des Fußes tatsächlich zu einer Entlastung der Gelenke um etwa 10 %. Allerdings muss das jeweils andere Bein die Beschleunigungskräfte durch den Stockabstoß wieder abfangen. Und das bedeutet wiederum eine größere Belastung. Insgesamt ergibt sich also ein Nullsummenspiel gegenüber dem Gehen.

Testen Sie, ob es ohne Stöcke eventuell besser geht

Wenn Sie also Probleme mit den Gelenken haben, ist es nach diesen Studienergebnissen egal, ob Sie lediglich walken oder noch zusätzlich die Stöcke in die Hand nehmen. Vor allem bei Problemen in den Schulterund Ellenbogengelenken sowie in den Knien ist das Nordic Walking nicht unbedingt empfehlenswert. In diesen Fällen sind Sie möglicherweise mit dem normalen Walken besser bedient. Probieren Sie das einfach mal aus. Die Pauschalaussage „Nordic Walking ist für die Gelenke auf jeden Fall besser als normales Walking“ stimmt – das zeigen die Ergebnisse aus Idstein – sicher nicht.


Wenn Sie Probleme mit den Kniegelenken haben, sollten Sie jedoch immer darauf achten – das gilt für Nordic und normales Walking gleichermaßen –, kürzere Schrittezu machen und möglichst mit der ganzen Ferse aufzusetzen. So entlasten Sie die Gelenke. Wenn Sie viel (nordic) walken, sollten Sie sich am besten auch einen Schuh mit einem speziellen Fersenpolsterzulegen.

Allerdings – darin waren sich die Experten auf der Tagung in München einig: Gelenkschonender als Joggenist Nordic Walking oder Walking allemal. Beim Joggen sind die Belastungen für die Gelenke 2- bis 3-mal höher. Vor allem wenn Sie es etwas gemächlicher angehen lassen möchten und einen neuen Einstieg in den Sport suchen, ist das Walken daher ideal. Die Stöcke sind dazu nicht zwingend notwendig, können aber durchaus eine sinnvolle Ergänzung sein.

Mann greift sich an den Kopf

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