MenüMenü

gute Gründe, warum Sie sich bewegen sollten

Gehirnmedizin

Mit gutem Gedächtnis und klarem Verstand alt zu werden muss keine Wunschvorstellung bleiben. Auch wenn wir heute bei vielen Krankheiten, die im Gehirn entstehen, die genauen Ursachen noch nicht kennen, wissen wir doch, wie Sie ihnen vorbeugen können. Bewegung heißt das Zauberwort: Ich zeige Ihnen, wie mäßiger Sport sich positiv auf die Vorgänge in Ihrem Gehirn auswirkt.

Lange Jugend hat ein Geheimnis. Ich kann es in einem Satz zusammenfassen: Sie sind so lange geistig jung, wie Ihre Beine in Bewegung bleiben.Mangelnde Bewegung aber ist heute an der Tagesordnung – und sie sorgt dafür, dass viele so genannte Alterskrankheiten jetzt auch schon jüngere Menschen betreffen.

So wirkt sich mangelnde Bewegung auf die Entstehung von Hirnkrankheiten aus

Demenzerkrankungen: Hierunter fallen alle Gehirnerkrankungen, die neurodegenerative Gründe haben – das, was man auch als geistigen Verfall bezeichnet. Das bekannteste Symptom dieser Erkrankungen ist die Vergesslichkeit. Sie können aber auch Ihre Persönlichkeit verändern, aggressiv oder traurig machen. Die Zahl der Gehirnerkrankungen nimmt in den letzten Jahren stetig zu.

Neurodegenerative Erkrankungen werden ausgelöst durch 2 Faktoren. Zum einen kann eine Verstopfung oder Verengung von Hirnader oder Halsschlagader schuld sein. Die Folge: Ihr Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

Die zweite Ursache ist die Veränderung von Nervenzellen im Gehirn. Dadurch werden die Impulse nicht mehr ordnungsgemäß weitergeleitet, die Nervenzellen sterben langfristig ab. Ausgelöst wird beides durch die gleichen Risikofaktoren:

  • Diabetes,
  • Nikotin,
  • Gicht,
  • erhöhte Blutfettwerte und
  • Übergewicht

Bewegung hilft Ihnen nachhaltig, Ihre verstopften Hirngefäße wieder frei zu bekommen. Viele Studien haben gezeigt, dass Menschen, die nicht nur geistig, sondern auch körperlich rege sind, seltener an Demenz erkranken. 70-Jährige, die jeden Tag drei Kilometer zu Fuß zurücklegen, können so ihr Demenzrisiko halbieren – verglichen mit denjenigen, die gerade einmal 400 Meter jeden Tag schaffen. Körperliche Bewegung ist nämlich in der Lage, nicht nur Ihre Adern wieder freizuputzen und so Verstopfungen vorzubeugen und in gewissem Maße aufzulösen. Sie verändert auch positiv die Struktur Ihres Gehirns und hält so die Nervenzellen intakt.

Schlaganfälle:Rund 500.000 Deutsche sind jedes Jahr von einem Schlaganfall betroffen. Solch ein Schlaganfall kann zu Lähmungserscheinungen führen, er kann aber auch die Blutgefäße im Gehirn verschließen oder zerreißen. Diese Diagnose ist aber nicht hoffnungslos.Selbst wenn Sie von einem Schlaganfall betroffen wurden, können Sie mit Bewegung viel erreichen. Ihr Gehirn fällt für sechs Monate nach einem Schlag in sein jugendliches Entwicklungsstadium zurück.

Hat man früher diese Zeit ungenutzt verstreichen lassen und den Patienten strenge Bettruhe verordnet, handeln die Mediziner heute ganz anders. Schon wenn Sie nach einem Schlaganfall noch im Bett liegen, sollten Sie Bewegungsübungen machen. Es gibt hierfür spezielle Bettübungen, die in der Klinik mit Ihnen durchgeführt werden. Danach folgen krankengymnastische Übungen. Durch so ein Bewegungsprogramm lässt sich Ihr Gehirn nach einem Schlag teilweise, manchmal sogar vollständig wieder herstellen. Aber nur unter einer Bedingung: Sie müssen sich maximal 6 Stunden nach einem Schlaganfall in eine Spezialklinik, eine so genannte „Stroke Unit“, begeben, damit die Mediziner sofort mit der Reha und dem speziellen Bewegungsprogramm anfangen können.

Parkinson:Auch Parkinson gehört zu den so genannten neurodegenerativen Erkrankungen. Bei dieser Erkrankung sterben die Zellen im Mittelgehirn ab. Dadurch wird die Produktion von Dopamin gedrosselt.Diesen Botenstoff brauchen Sie aber, damit Ihr Gehirn Ihre Bewegungen steuern kann. Die Folge der Erkrankung und des Dopamin-Mangels: Sie werden steif und beginnen zu zittern. Ein Zittern, das Sie nicht kontrollieren können. 200.000 Deutsche leiden an Parkinson. Und es handelt sich nicht um eine Alterserkrankung – immer mehr jüngere Menschen sind betroffen.Experten machen unter anderem schlechte Ernährung, Umweltgifte und fehlende Bewegung dafür verantwortlich.

Wie wichtig die Bewegung für die Parkinson-Vorbeugung ist, zeigt eine Langzeitstudie der Harvard School of Public Health. Über 13 Jahre hinweg füllten fast 50.000 Männer und über 75.000 Frauen Fragebögen aus. Sie beantworteten Fragen zu Krankheiten, Lebensgewohnheiten und sportlicher Aktivität. Gerade bei den Männern gab es ein deutliches Ergebnis:Diejenigen, die regelmäßig Sport trieben, hatten ein um 50 % reduziertes Erkrankungsrisiko. Handelte es sich um Menschen, die häufiger als dreimal pro Woche Sport trieben, sank das Erkrankungsrisiko sogar um 60 %.

Depressionen:Viele Menschen haben die Veranlagung, an Depressionen zu erkranken. Die meisten von ihnen können der Depression entgehen, solange sie nicht unter starkem Stress stehen. Denn unter Stress sinkt die Produktion von Serotonin, dem Hormon, das für gute Laune verantwortlich ist. Gleichzeitig können sich die Stresshormone im Körper breit machen und so für dauerhaft schlechte Laune sorgen, die schließlich zur Depression wird.

Sie können einer Depression indirekt vorbeugen, indem Sie Stress vermeiden.Direkt funktioniert das noch besser: Laufen Sie einer Depression davon.Beim Sport bauen Sie nämlich Stresshormone ab – darüber hinaus locken Sie mit jedem Schritt das Serotonin, also die gute Laune an. Es senkt Angstzustände und heitert Ihren tristen Alltag auf. Zudem werden Endorphine ausgeschüttet. Die machen Sie glücklich und sorgen dafür, dass Sie wieder Lust am Leben haben.

Sport findet heute übrigens immer mehr Anwendung in der Depressionstherapie. 30 Minuten Training dreimal pro Woche wird vielen Depressionspatienten vom Therapeuten „verordnet“. In Studien hat sich gezeigt, dass Sport ebenso gut wirkt wie eine medikamentöse Therapie.

Migräne:Leider wird diese Art der Kopfschmerzen oft noch als „Frauenerkrankung“ bezeichnet, gerne fällt auch einmal das Wort „Einbildung“. Jeder, der schon einmal einen Migräneanfall hatte, muss dies als Beleidigung empfinden – immerhin 10 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen. Noch wissen wir nicht genau, wie Migräne entsteht.Wahrscheinlich ist eine Störung im Hypothalamus bei der Verarbeitung von Reizen (Gerüchen oder Geschmäckern) ein Auslöser. Dadurch kommt es zur Entzündung der Kopfwandgefäße, die aufquellen und die Blutzufuhr drosseln.Das so aufgeweichte Gewebe lässt eiweißhaltige Flüssigkeit austreten, die Ihre Schmerzempfindlichkeit erhöht. Folge sind dann die unerträglichen Schmerzen, verbunden mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Neurologen der Universitätsklinik von Erciyes in der Türkei haben herausgefunden, dass Bewegung auch Migränepatienten hilft. Die Forscher ließen 40 Migränepatienten 6 Wochen vor Studienbeginn ihre Medikamente absetzen. Während der Studie mussten die Patienten dreimal pro Woche laufen oder walken, jeweils eine halbe Stunde lang. Schon nach 6 Wochen hatten sich die Dauer und die Anzahl der Migräneanfälle halbiert. Darüber hinaus sank die Intensität der Anfälle, wenn sie auftraten, um ein Drittel. Auch im Gehirn der Teilnehmer konnten die Wissenschaftler die Veränderung, die durch die Bewegung ausgelöst wurde, erkennen. Der Endorphinspiegel stieg, er war rund dreimal so hoch wie zu Beginn der Studie. Endorphine machen Sie nicht nur glücklich, sie wirken auch schmerzbekämpfend.

Langsamer Sport bringt auch Ihr Gehirn auf Trab

Dreimal und dreißig – diese beiden Zahlen haben Sie bei fast jeder der angesprochenen Beschwerden gefunden. Hier liegt genau das Geheimnis der Gehirnmedizin. Dreimal pro Woche Sport, das reicht schon aus, um Krankheiten vorzubeugen oder sie zu lindern. 30 Minuten, solange sollte Ihre Sporteinheit jedes Mal dauern. Welchen Sport Sie wählen bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist, dass Sie sich eine Ausdauersportart aussuchen. Walken und Joggen haben sich als überaus hilfreich erwiesen. Aber auch Radfahren eignet sich – vielleicht möchten Sie jetzt im Winter auch Skilanglauf ausprobieren, wenn Sie in einer schneesicheren Gegend wohnen?

Gehen Sie das Training auf jeden Fall langsam an. Es bringt nichts, wenn Sie voller Verbissenheit viel erreichen wollen. Dann setzen Sie sich nur unter Stress, und Ihr Gehirn schüttet negativ wirkende Stresshormone aus. Die setzen Sie nur noch mehr unter Druck, wirken schädlich auf die Vorgänge in Ihrem Gehirn. Sanftes Training ist die Devise.

Tipp: Nehmen Sie sich fest vor, vier- oder fünfmal pro Woche Sport zu treiben. Fällt dann eine Trainingseinheit unerwartet aus, kommen Sie immer noch auf die drei Einheiten, die erforderlich sind, um Ihr Gehirn in Schwung und gesund zu halten.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten