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Mit Trauer fertig werden: Wie der Verlust eines geliebten Menschen verarbeitet werden kann

von unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief

Wenn man einen geliebten Menschen verliert, fällt es vielen Betroffenen schwer, in ihrer Trauer die rationale Erkenntnis über den Verlust mit den Gefühlen in Einklang zu bringen. Wie ein Betroffener die Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen erlebt, lässt sich nicht planen oder im voraus kalkulieren. Stattdessen ist die persönliche Trauer eine einzigartige und natürliche Erfahrung, die allein von Ihrer persönlichen Beziehung zu der verstorbenen Person abhängt.

Trauer verarbeiten: Finden Sie Ihren eigenen Weg

Trauernde beschreiben, dass sich die Trauer auf viele verschiedene Arten auf sie auswirkt. Einige fühlen sich zunächst wie betäubt. Andere mögen es so empfinden, als sei ihnen der Wind aus den Segeln genommen oder der Boden unter Füßen weggezogen worden. In der Tat kann Ihre Reaktion auf Trauer eine Vielzahl körperlicher Symptome hervorrufen – Magenprobleme, das Gefühl, es würde einem die Kehle zuschnüren, Schmerzen in der Herzgegend, Kopfschmerzen, Probleme beim Atmen, schiere Erschöpfung, die Unfähigkeit, sich konzentrieren zu können sowie Vergesslichkeit. Sie fühlen sich vielleicht so, als ob Sie die Kontrolle über Ihr Leben verloren haben. Gefühle von Sorge, Angst und Zorn – manchmal auch Zorn dem Verstorbenen gegenüber – sind nicht ungewöhnlich. Häufig ist es sogar so, dass die Gefühle des Trauernden zwiespältig sind. Wie lang werden diese Emotionen dauern? Und wie können Sie es schaffen, Ihre innere Ruhe wieder zu finden? Wie lange es dauert, bis ein Betroffener seinen eigenen Weg durch die Trauer gefunden hat, ist individuell verschieden. Im Allgemeinen kann die Trauerphase bis zu 1 oder 2 Jahren dauern – manchmal sogar länger. In dieser Zeit werden Sie merken, dass Sie in bestimmten Phasen gut zurechtkommen, und dann wiederum werden Sie ohne Vorwarnung von einer Trauerwelle überwältigt werden. Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, mit dem Trauerprozess besser fertig zu werden:

  • Teilen Sie Ihre Geschichte – Es ist wichtig, die eigenen Gefühle in Worte zu fassen. Ein enger Freund oder ein Familienmitglied kann als Zuhörer für Sie von unschätzbarem Wert sein, wenn Sie versuchen, Ordnung in Ihren Gefühlsdschungel zu bekommen. Scheuen Sie sich nicht davor, die Tränen fließen zu lassen – denn das befreit Sie von Traurigkeit, Zorn, Schuldgefühlen, Einsamkeit und Erschöpfung.
  • Fassen Sie Ihre Gefühle in Worte – Führen Sie ein Tagebuch. Schreiben Sie Briefe an den geliebten Verstorbenen – drücken Sie Ihr Bedauern aus, teilen Sie die unausgesprochenen Dinge mit, die Sie zuvor nie angesprochen haben, notieren Sie, wie Sie sich fühlen und was Sie vermissen. Vielleicht hilft es Ihnen auch, Bücher über die Erfahrungen anderer zu lesen, die ebenfalls mit einem Verlust fertig werden mussten.
  • Gehen Sie zu einer Selbsthilfe-Gruppe – Gespräche mit Menschen, die Sie verstehen und ebenfalls Trauererfahrung gemacht haben, können sehr heilsam und tröstend sein. In solchen Gruppen bekommen Sie die Gelegenheit, Ihre persönliche Geschichte des Verlustes mitzuteilen, aber auch, die Geschichten anderer Betroffener zu erfahren. Es kann sehr beruhigend sein, wenn man spürt, dass man nicht der Einzige ist, der diese Empfindungen und Gedanken verspürt, die mit der Trauer kommen.
  • Tun Sie sich etwas Gutes – Trauer wirkt auf Ihren Verstand, Ihren Körper und Ihre Seele. Tun Sie sich selbst etwas Gutes. Versuchen Sie, sich vernünftig zu ernähren mit einer Kost, die viel Gemüse und Obst beinhaltet.
  • Trinken Sie mehr Wasser – Ihre Muskeln neigen während der Stressphase zu Verspannungen. Flüssigkeit wirkt sich positiv darauf aus. Um die Anspannung noch weiter zu lindern, sollten Sie versuchen, viele Spaziergänge oder Sport im Freien zu machen – wenn es geht täglich. Versuchen Sie, regelmäßig und genügend Schlaf zu bekommen. Gehen Sie regelmäßig zur Massage. Und vergessen Sie nicht, immer dann zu lächeln oder sogar zu lachen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Gestatten Sie sich auch einmal, Ihre Pläne zu ändern.

Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen

Der Schmerz über den Verlust einer jeden Person ist individuell und einzigartig. Allerdings gibt es Situationen, die einer professionellen Bewertung und Behandlung bedürfen. Dazu zählen die folgenden:

  • Extrem starke Trauer– Damit sind Menschen gemeint, bei denen die beeinträchtigenden Gefühle sehr schwer wiegend sind und über einen längeren Zeitraum anhalten. Manchmal sind die Betroffenen unfähig, den Tod der geliebten Person zu akzeptieren, ihre Gedanken kreisen nur allein um den Verstorbenen oder nur um Tod und Sterben.
  • Schwer wiegende Depressionen – Sie können auftreten, wenn die intensive, beeinträchtigende Trauerphase länger als 2 Monate andauert und bei dem Trauernden mit dem Gefühl von Wertlosigkeit, mit Schuldgefühlen, die mit dem Tod nichts zu tun haben, Gedanken, die nur um den Tod kreisen, einer Verlangsamung der normalen Körperbewegungen, der Unfähigkeit Dinge zu genießen, die gar keinen Bezug zu dem Verstorbenen haben oder der Unfähigkeit einhergehen, den Alltag zu meistern.
  • Post-traumatische Belastungsstörung – Sie kann unter verschiedenen Rahmenbedingungen auftreten. Diese Störung betrifft häufiger Trauernde, die beim Tod des geliebten Menschen dabei waren oder bei denen der Verstorbene durch ein traumatisches Ereignis oder unter Gewalteinwirkung gestorben ist.

Falls Sie den Eindruck haben, dass Sie professionelle Hilfe brauchen, sollten Sie zunächst zu Ihrem Hausarzt gehen. Zu den möglichen Therapieansätzen kann auch der Besuch eines Psychologen oder Psychiaters gehören. Ihr Arzt oder Therapeut verordnet Ihnen möglicherweise Medikamente – insbesondere Antidepressiva oder die kurzzeitige Einnahme von Schlafmitteln. Vielen Betroffenen kann zudem der Besuch einer Trauergruppe helfen. Wenn Sie für Ihre Trauerbewältigung häufig zu übermäßigen Mengen an Medikamenten oder Alkohol greifen oder andere unerwartete Reaktionen zeigen, sollten Sie in jedem Fall professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Füllen Sie Ihr Leben mit neuen Inhalten

Der Tod führt zweifelsohne zu einem physischen Verlust. Allerdings kann die Trauerarbeit Ihnen auch die Chance geben, im Nachhinein ein neues Verhältnis zu Ihrem geliebten Verstorbenen aufzubauen. Obwohl der Verstorbene rein physisch nicht mehr anwesend ist, bleibt Ihnen doch das, was diese Person ausgemacht hat in Ihren persönlichen Erinnerungen, den Werten und die Leidenschaften, die Sie mit ihr geteilt haben. Dass Sie so tief betroffen vom Tod einer nahe stehenden Person sind, resultiert aus Ihrer Beziehung zu diesem Menschen. Der Verlust eines Ehepartners oder einer Person, die Ihnen besonders nahe war, kann Ihnen auch dazu dienen, Ihre Beziehung zu anderen Menschen neu zu definieren. Unternehmen Sie den ersten Schritt, um auf andere zuzugehen. Vielleicht werden Sie lernen, die kleinen Dinge im Leben mehr zu schätzen.

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Alte Kommentare
  • Gabriele Bauer schrieb am11.11.2009, 12:19 Uhr

    Ihre 2 monatige Trauerphase scheint mir etwas arg kurz. Ihre Tipps haben mich nicht sehr angesprochen.

    • susanne zerlaut antwortete am08.05.2011, 23:48 Uhr

      ich kann mir nicht vorstellen, dass die trauer um einen geliebten menschen in 1-2 Jahren beendet ist. Es gibt viele Personen, die nach 10 Jahren noch von der Trauer betroffen sind, obgleich man es ihnen in der öffentlichkeit nicht anmerkt. es gibt keinen ersatz für einen geliebten menschen. das schlimmste ist wohl, das Wissen darum, man sieht sich nie wieder u. man kann diesem Menschen nie wieder von seinem Leben erzählen. Bin derzeit selbst in Trauer...Ablenkung u. eine Aufgabe, wie so viele Menschen der Meinung sind, sind mir nicht hilfreich. Am besten ist es wirklich, wie in Ihrem Beitrag beschrieben, man schliesst sich Gleichgesinnten an. In meiner Umgebung gibt es derzeit keine pass. Trauergruppen u. wenn, dann an Tagen u. Uhrzeiten, wo ich nicht teilnehmen kann. Habe in meinem Leben schon mehrere Leute verloren u. man frägt sich oft nach dem Warum. Warum werden manche Menschen immer wieder mit plötzlichen u. zu frühen Todesfällen konfrontiert u. andere nicht. Diese Frage kann keiner beantworten.

    • susanne zerlaut antwortete am19.08.2011, 00:09 Uhr

      Zur Klarstellung: Mit meinem obigen Text meinte ich natürlich, dass man einen geliebten Menschen, der plötzlich u. zu früh aus dem Leben gerissen wurde, zumeisst zeitlebens vermisst. Die schmerzliche Trauer kann allerdings in 1- 2 Jahren verblasst sein. Viele Menschen berichten auch noch nach vielen Jahren..."wie schade, dass xy...dies u. jenes nicht mehr erleben konnte, wie gerne hätte ich ihm/ihr dies oder jenes noch gezeigt oder erzählt...ich denke, dieses vermissen u. die sehnsucht bleibt, auch wenn die trauer an sich verarbeitet ist. es kommt ja immer darauf an, wie eng die beziehung zum verstorbenen war. Liebe geht über den Tod hinaus. den blödesten spruch den man oft schon ganz zu anfang - nach dem ableben der gel. person zu hören bekommt - ist m.e. "lass die person los"....warum dürfen sie denn nicht ewig in unseren herzen sein? trauer ist in unserer gesellschaft zwar ein tabu-thema - ich sage, trauer ist kein zeichen von schwäche sondern nur ein zeichen inniger verbundenheit u. liebe.

    • susanne Zerlaut antwortete am06.06.2012, 22:48 Uhr

      Nun nach über einem Jahr wollte ich mitteilen, dass der Schmerz der Trauerphase bei mir wesentlich leichter geworden ist....Hier half mir tatsächlich dabei, dass ich punkto meinem Beruf sehr abgelenkt war u. vieles andere bewerkstelligt werden musste. Auch habe ich mich einer monatlichen Trauergruppe angeschlossen u. dies hilft mir ebenso. Wichtig sind mir bestimmte Rituale...Nicht nur der regelmässige Friedhofsbesuch, wo ich frische Blumen bringe...sondern auch regelmässig ein kurzer Besuch in der Kirche, wo ich Kerzen für die Verstorbene anzünde. Mir hilft mein tiefer Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod. Ich habe eine Ecke mit einem Bild der Verstorbenen aufgestellt u. komuniziere oft mit ihr. Die geliebten Menschen sind weiterhin bei u. unter uns u. dies ist mir ein Trost. Ganz besonders tröstlich u. wohltuend empfand ich z.B. am 1. Todestag meiner Mutter, dass mir ein Bekannter anrief u. fragte, ob ich ihm ein Foto der Verstorbenen geben könnte...Er denke oft an meine Mutter u. habe sie sehr gern gehabt. Ja...das ist für mich hilfreich..das Wissen darum, dass sie nicht in Vergessenheit geraten ist. Regelmässig tausche ich mich auch mit ihrer Schwester oder einer Freundin über die schönen vergangen Zeiten u. Erinnerungen die wir an sie haben aus.......Das heisst nicht, dass ich ständig über die Verstorbene rede, aber bestimmte Tage mir aussuche, an denen wir bewusst ihrer gedenken.