MenüMenü

Borretsch: aromatisch und wirksam

Der Borretsch war in der Naturheilkunde lange geschätzt, bis 1992 aus Sicherheitsgründen eine Warnung der Kommission E beim früheren Bundesgesundheitsamt herausgegeben wurde.

Pharmakologen hatten festgestellt, dass das Borretschkraut giftige Pyrrolizidin-Alkaloide enthält. Zahlreiche Laborversuche ergaben, dass sehr hohe Dosen dieser Gifte die Leberzellen schädigen und sogar Krebs erzeugen können.

Obwohl neuere Kräuterbücher immer noch Rezepte für Heiltee aus Borretsch enthalten, besteht möglicherweise ein Risiko bei der Einnahme solcher Zubereitungen. Auch in der Küche wird eine äußerst sparsame Verwendung des rauen Krauts empfohlen.

In verdünnter Form, wie in der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin, oder als Öl, ist gegen Borretschkraut jedoch nichts einzuwenden.

Inhalt:

  1. Anspruchsloses Gewächs und aromatisches Küchenkraut
  2. Borretsch als Heilpflanze
  3. Die Wiederentdeckung des Borretsch – als Öl
  4. Borretschblüten© ndan – Fotolia

    Anspruchsloses Gewächs und aromatisches Küchenkraut

    Borretsch, auch als Gurkenkraut oder Kukumerkraut bekannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Raublattgewächse. Er stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wo er wild wächst. Nach Mitteleuropa kam das Kraut erst im späten Mittelalter. Es ist ein beliebtes Kraut für traditionelle Bauerngärten.

    Borretsch liebt sonnige und halbschattige Standorte und feuchte Böden, ist aber ansonsten unkompliziert. Die einjährige Pflanze wird bis zu 70 cm groß. Stängel und Blätter sind borstig behaart. Borretsch blüht von Mai bis September, wobei die anfangs rosafarbenen Blüten sich später leuchtend blau färben.

    Die Blätter des Borretschs riechen und schmecken gurkenähnlich. Sie können Salaten beigegeben werden und verfeinern Dips, Kräuterbutter und Grüne Sauce. Größere Blätter bereitet man als Blattgemüse zu, ähnlich wie Spinat oder Brennnessel.

    Die hübschen Blüten sind ebenfalls essbar und verzieren Süßspeisen oder Salate. Sie reagieren mit Essig und verändern dann ihre Farbe. Aus den Borretschsamen gewinnt man Öl.

    Borretsch als Heilpflanze

    Borretsch ist eine alte Heilpflanze. Sowohl die Blüten als auch die Blätter und das aus den Samen gewonnene Öl finden Anwendung in der Pflanzenheilkunde. Borretsch enthält unter anderem Bornesit, Allantion, Schleimstoffe, Kaliumsalze, Gerbstoffe, Kieselsäure und Pyrrolizidinalkaloide. So wirkt Borretschkraut:

    Als homöopathisches Mittel:

    • stimmungsaufhellend
    • beruhigend auf den Herzrhythmus

    Als anthroposophisches Mittel:

    • entstauend
    • entzündungshemmend

    Entsprechend wird die homöopathische Zubereitung bei nervösen Herzrhythmusstörungen und leichten Depressionen, die anthroposophische bei Venenleiden an den Beinen und Hämorrhoiden verordnet.

    Die Wiederentdeckung des Borretsch – als Öl

    Ende der 90er Jahre erlebte der Borretsch eine Renaissance, nachdem der hohe Gehalt an Gamma-Linolensäure in Öl aus Borretschsamen entdeckt worden war. Diese essenzielle Fettsäure kann Fehlsteuerungen des Hautstoffwechsels ausgleichen.

    Borretsch-Öl wirkt:

    • entzündungshemmend
    • abschwellend
    • juckreizstillend
    • regulierend auf den Zellstoffwechsel.

    Fertigpräparate zum Einnehmen und zur äußerlichen Anwendung erhalten Sie in Reformhäusern, Apotheken und im Versandhandel (siehe Kasten oben).

    Während kleinere Studien eine Linderung von Hauterkrankungen durch die Einnahme von täglich 120 bis 240 mg Gamma-Linolensäure aus Borretsch-Öl belegten, zeigte eine größere Untersuchung an 140 Neurodermitis-Patienten in England keinen nennenswerten Vorteil durch die Öl-Einnahme. Wie das British Medical Journal im Juni 2003 berichtete, wird die heilsame Fettsäure vermutlich durch die Verdauungssäfte zerstört.

    Daher wird jetzt die äußerliche Anwendung von Borretsch-Öl empfohlen. Eindeutig positive Studien liegen dazu zwar noch nicht vor, Praxiserfahrungen zeigen jedoch gute Erfolge.