Pflanzenheilkunde
GNL5223
Wildkräuter, die natürliche Alternative zu Vitaminpillen
In Großmutters Schatzkiste der Hausmittel wiederentdeckt: schmackhafte Brunnenkresse, Kerbel und Sauerampfer
Für unsere (Ur-)Großmütter gehörten Wildkräuter, die sie auf Wiesen, in Wäldern oder an Bachläufen sammelten, ganz selbstverständlich zu den heilsamen Lebensmitteln im Frühjahr und Sommer. Denn unsere Vorfahren kannten noch das Geheimnis der einzigartigen Mischung von Vitaminen, Mineral- und sekundären Pflanzenstoffen dieser bescheidenen Gewächse, die nicht nur das Blut „reinigen“ und den Stoffwechsel aktivieren, sondern auch die Immunabwehr stärken und den Appetit anregen. Wir haben für Sie die wirksamsten Kräuter, die ihre heilsamen Wirkungen am besten in frisch zubereiteten Suppen und Soßen entfalten, wieder „ausgegraben“.
Gemischte Kräuter aktivieren Ihren Stoffwechsel
Dass sich aus getrockneten Brennnesseln und Löwenzahnblättern ein hoch wirksamer Entschlackungstee zubereiten lässt, haben Sie vielleicht schon einmal gehört. Und wer die Hungerjahre der Nachkriegszeit durchstehen musste, weiß auch, dass diese Kräuter essbar sind. Aber ist Ihnen auch bekannt, dass sich aus diesen und einigen anderen Wildkräutern sehr heilsame und schmackhafte Gerichte zubereiten lassen?
| Heilsame Kräuter aus Garten, Wald und Wiesen | |||
|---|---|---|---|
| Kraut | Inhaltsstoffe | Wirkung | Verwendung in |
| Bärlauch | Vitamin C, Eisen, Mangan, Alliin | immunsteigernd, antisklerotisch | Suppe, Gemüse, Pesto |
| Brennnessel | Kalzium, Eisen, Vitamin C | harntreibend, antirheumatisch | Suppe, Gemüse |
| Brunnenkresse | Eisen, Jod, Kalium, Vitamin A, C und D | immunsteigernd, ausleitend, antirheumatisch | Salat, Suppe, Saft |
| Dill | ätherische Öle | appetitanregend, blähungslindernd | Suppe, Salat, Soße |
| Kerbel | ätherische Öle, Apiin | entwässernd | Suppe, Soße |
| Löwenzahn | Vitamin C, Bitter- und Gerbstoffe, Kalzium | galle- und harntreibend, antirheumatisch, regt die Bauchspeicheldrüse an | Salat, Suppe, Saft |
| Pfefferminze | Menthol | krampflösend, verdauungsfördernd | Salat, Suppe, Soße |
| Sauerampfer | Kalium, Vitamin C, Oxalsäure* | immunstärkend, verdauungsfördernd | Suppe |
| Schnittlauch | Vitamin C, Eisen | immunsteigernd, antisklerotisch | Suppe, Soße, Gemüse, Salat |
| *) Große Mengen Oxalsäure können die Nieren schädigen. Essen Sie daher während der Kräutersaison nur 1 Portion Sauerampfersuppe pro Woche. | |||
Diese essbaren Wildkräuter wirken besonders heilsam:
- Bärlauch
- Brennnessel
- Brunnenkresse
- Kerbel
- Löwenzahn
- Pfefferminze
- Sauerampfer
Neben ihrem Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen zeichnen sich diese Kräuter durch ihre intensive Wirkung auf den gesamten Stoffwechsel aus. Brennnesseln und Löwenzahn regen die Nierentätigkeit an und wirken so harntreibend. Zugleich stärken sie – ebenso wie der Bärlauch – die Tätigkeit von Leber und Galle. Daher gehörten sie in früheren Zeiten auch in die traditionelle Gründonnerstagssuppe, mit der die Fastenzeit beendet wurde. Und die heute vorwiegend als Aromalieferant geschätzte Pfefferminze befreit die Atemwege und entkrampft Magen und Darm.
Von den essbaren Wildkräutern fanden nur wenige, z. B. der Dill, der ursprünglich aus Persien stammt und aus den Klostergärten in die freie Natur „geflüchtet“ ist, der Schnittlauch und die Petersilie als Gewürze den Weg in unsere Gärten. In der Tabelle links haben wir die Anwendungsgebiete der wichtigsten Wildkräuter für Sie zusammengestellt.
Sammeln Sie die Kräuter noch vor der Blüte
Werden die Kräuter einzeln verwendet, kann der Geschmack zu kräftig sein. Daher entwickelten unsere Großmütter geschmacklich fein abgestimmte Mischungen für ihre Kräutersuppen und -soßen. Ein in Hessen noch heute gerne zubereitetes Rezept ist die Frankfurter grüne Soße.
Die heilsamen Wildkräuter erhalten Sie heute v. a. auf Bauernmärkten und im Bioladen. Wenn Sie die frischen Kräuter auf Wiesen, an Weg und Waldrändern, auf schattigen Lichtungen oder an Fluss- und Bachläufen sammeln möchten, sind Frühjahr und Sommer die beste Zeit. Dann sind die Pflanzen noch zart. Diejenigen Sammler, die den intensiven Geschmack der Bitterstoffe nicht mögen, schätzen junge, zarte Pflanzen besonders. Die meisten Kräuter sollten nach der Blüte nicht mehr gesammelt werden. Sammeln Sie nur abseits von Straßen, belebten Spazierwegen und kürzlich genutzten Viehweiden. Waschen Sie Ihre Schätze aus der Natur stets mehrfach, um etwaige Erreger oder Parasiten zu entfernen und ein wirklich rundum heilsames Kräutergericht zu erhalten. Guten Appetit!