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Wer bezahlt Ihre Fahrt zum Arzt und Therapeuten?

Diese Geschichten kennen Sie bestimmt auch: Die Krankengymnastik ist verordnet, Sie können noch nicht selbst Auto fahren und bestellen sich deshalb ein Taxi zur Praxis. Nach Beendigung der Therapiesitzungen reichen Sie die Rechnung Ihrer Kasse ein. Aber: von wegen Kostenübernahme! Jetzt geht die Streiterei um Krankenfahrten los.

Grundsätzlich wird die Verordnung von Krankenbeförderungen durch die Krankentransport-Richtlinien geregelt. Krankenbeförderungen, das sind Krankenfahrten, Krankentransporte und Rettungsfahrten.

Krankenfahrten sind jegliche Transportfahrt eines Kranken mit dem Privatwagen, einem Taxi oder einem öffentlichen Verkehrsmittel. Wichtig: Es findet keine medizinisch-fachliche Begleitung und Betreuung statt. Krankentransporte sind Fahrten, bei denen eine medizinisch-fachliche Betreuung zwingend erforderlich ist.

Das müssen Sie bei Krankenfahrten beachten

FolgendeVoraussetzungenmüssen erfüllt sein, damit Ihre Krankenkasse die Kosten für die Krankenbeförderung übernimmt:

  1. Die ärztlicheVerordnungmuss vorher ausgestellt sein. Für eine Krankenbeförderung ist eine ärztliche Verordnung notwendig. Diese ist vor der Krankenbeförderung auszustellen. Das ist sehr wichtig, denn viele Kassen tun sich schwer mit einer Genehmigung im Nachhinein. Nur in Ausnahmefällen ist dies möglich. Das ist z. B. ein Notfall, wenn der Versicherte sich in Lebensgefahr befindet oder schwere gesundheitliche Schäden zu erwarten sind. Deshalbmüssen Sie einenTermin bei Ihrem Arzt vereinbaren, der Ihnen die Verordnung dann ausstellt. Er kann dies tun, wenn er sie aufgrund von medizinischenNotwendigkeiten und nach Abwägung der Wirtschaftlichkeit befürwortet. Sie leiten die Verordnung dann an Ihre Kasse weiter.
  2. Die Beförderungmussmedizinisch notwendig sein.Die Fahrt wird nur dann von der Krankenkasse übernommen, wenn sie im Zusammenhang mit einer Leistung der Kasse – darauf kommt es an – zwingend notwendig ist. Diesen zwingendenmedizinischenGrundmuss Ihr Arzt auf der Verordnung angeben, und zwar getrennt für die Hin- und die Rückfahrt. Keine medizinische Notwendigkeit besteht z. B., wenn eine Fahrt erfolgt, um ein Rezept abzuholen.
  3. Fahrten zu stationären Zielen werden generell übernommen. Hierzu gehören die Fahrt ins Krankenhaus zu einer stationären Behandlung und auch wieder zurück. Sowie die Fahrt zu einer vor- oder nachstationären Therapie im Krankenhaus, wenn dadurch die eigentliche stationäre Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verkürzt werden kann. Auch Fahrten zu einer ambulanten Operation im Krankenhaus oder in einer Vertragsarztpraxis sowie Fahrten zu vor- und nachoperativen Behandlungen sind verordnungsfähig.
  4. Fahrten zu ambulanten Behandlungen werden nur im Ausnahmefall übernommen. Ist eine ambulante Behandlung vorgesehen, z. B. eine Krankengymnastiktherapie nach einemArmoder Beinbruch, wird die Kasse diese Fahrtkosten nicht übernehmen. Ausnahmsweise wird aber die Kostenübernahme bei Fahrten zu folgenden ambulanten Therapien in der Regel gewährt: ambulante Dialyse, onkologischen Chemotherapien, onkologischen Bestrahlungen. Auch wenn Sie einen Schwerbehindertenausweis mit denMerkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), Bl (blind) oderH(hilflos) besitzen, werden Ihnen Fahrtkosten zu ambulanten Behandlungen, wenn sie eine Kassenleistung sind, erstattet. Gleiches gilt für Pflegebedürftige, für die die Pflegestufe 2 oder 3 anerkannt wurde. Achtung: Die Kassen müssen im Regelfall bei Fahrten zu ambulanten Behandlungen die ärztliche Verordnung vorher vorgelegt bekommen und erteilen auch vorher ihre Genehmigung.

Ihre Zuzahlung, bitte!

Auch wenn Ihre Kasse die Fahrtkosten übernimmt, müssen Sie zuzahlen: Grundsätzlich sind dies 10 Prozent der Kosten je Fahrt – also jeweils für Hinfahrt und Rückfahrt. Mindestens fällig werden 5 Euro, im Höchstfall müssen Sie 10 Euro zahlen. Kostet die Fahrt weniger als 5 Euro, müssen Sie den Fahrpreis komplett bezahlen.Die Zuzahlung ist altersunabhängig, d. h., auch Kinder sind hier nicht befreit und müssen diesen Beitrag leisten. Lediglich Kranke, deren Zuzahlungen die Belastungsgrenze überschritten haben, sind bei Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung befreit.

Neu: Die Beförderung zum Zahnarzt

Seit Januar 2008 können auch Beförderungsverordnungen durch denHausarzt für einen Zahnarztbesuch ausgestellt werden.Das war bisher noch nichtmöglich. Bedingung: Es muss eine Bewegungseinschränkung bestehen, die nicht durch den zahnärztlichen Befund bedingt wird, z. B. eine außergewöhnliche Gehbehinderung.

Achtung: Auch Verordnungen für Zahnarztbesuche muss die Krankenkasse vorher genehmigen!

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Alte Kommentare
  • Hans schrieb am 16.12.2009, 16:04 Uhr

    Wenn die Fahrt unter 5 Euro kostet würde es sich also lohnen nochmal um den Block zu fahren...

  • Monika schrieb am 02.03.2012, 17:51 Uhr

    Hallo, Man. soll also erst einen Termin beim Arzt vereinbaren, um sich einen Beförderungsschein ausstellen zu lassen. Wie komisch ist das denn? Da soll also eine alte, kranke Frau, die wenig Geld besitzt und kein Auto hat, sich erst mal dazu aufraffen, einen solchen Schein in einem persönlichen Termin abzuholen. Da freut sich doch jeder Arzt, stattt Kranke zu heilen mit Papierkram zu kämpfen. Ich bin froh, dass ich gesund bin, arbeite und genug verdiene, um einen solchen Blödsinn nicht mitmachen zu müssen. Mir tun nur die Menschen sehr leid, die aufgrund ihres Alters und ihrer Krankeit vielleicht keinen Beförderungsschein verlangen und dann trotz ihrer wenigen Rente "Selbstzahler" sind. Armes Deutschland!

    • jürgen antwortete am 16.10.2012, 10:37 Uhr

      hallo monika du hast recht ich bin 100%gehbehindert und muß 20km mit dem bus fahren zum arzt um die bescheinigung zu beantragen das ich mit dem taxi zum arzt fahren kann das ist das deutsche system , armes deutschland