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Rehabilitation: Deutschland bietet unvergleichbare Infrastruktur

Die Rehabilitation von Menschen nach schwerer Krankheit ist zwar eine ganz logische, ja unverzichtbare Maßnahme aus medizinischer, beruflicher und sozialer Sicht, zuletzt aber auch aus der Perspektive eines humanistischen Menschenbildes.

Im Jahr 2013 wurden allein zu Lasten der Deutschen Rentenversicherung etwa 988.000 Rehabilitationsmaßnahmen durchgeführt. Hinzu kommen diejenigen zu Lasten der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sowie der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein derartiges System von gesetzlichen Regelungen, einer beispielhaften Infrastruktur (Rehabilitationskliniken und ambulante Einrichtungen) und der nötigen personellen Kompetenz gibt es in keinem anderen Land der Welt.

Welche Rehabilitationsziele gibt es?

  1. Medizinische Rehabilitation: Mit der Teilnahme beugen Sie möglichen Behinderungen oder möglicher Pflegebedürftigkeit vor bzw. Sie beseitigen diese oder verhüten eine Verschlimmerung.
  2. Berufliche Rehabilitation: Mit der Teilnahme fördern Sie Ihre Wiedereingliederung in das Arbeitsleben.
  3. Soziale Rehabilitation: Mit der Teilnahme fördern Sie Ihre Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft. Sie lernen, alltägliche Anforderungen zu bewältigen und sich wieder in das soziale Umfeld einzugliedern.

Rehabilitation hat nicht nur die Aufgabe, die körperliche, berufliche und soziale Leistungsfähigkeit von Patienten zu erhalten oder zu verbessern. Sie greift auch auf Ihre individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Krankheits- und Lebensbewältigung zurück. Sie lernen, sich so zu verhalten, dass weitere akute Krankheiten verhindert und chronische Störungen in ihren Auswirkungen so weit wie möglich begrenzt oder beherrscht werden. Darin kommt der Seminarcharakter der Rehabilitation besonders gut zum Ausdruck. Rehabilitation kann nicht alle Probleme lösen, sie kann Ihnen jedoch wertvolle Hilfestellung geben, Ihre eigenen Ressourcen optimal zu nutzen. Ein wesentlicher Grundsatz unserer staatlichen Fürsorge ist die Festlegung

„Reha vor Rente!“ Vor den Bezug einer Erwerbsminderungsrente hat der Gesetzgeber das Recht des Versicherten (aber auch dessen Pflicht) zur Rehabilitation gesetzt. Diese verfolgt das Ziel, Ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern (medizinische Rehabilitation) oder sie auf andere Erwerbszweige zu verlagern (berufliche Rehabilitation, „Umschulung“).

Antrag, Kosten, Zuständigkeit

Nur die enge Verzahnung der Behandlungskette von niedergelassenem Arzt, Krankenhaus und Rehabilitationsstätte bietet eine optimale Versorgung schwerer Krankheiten. So gehören Rehabilitationsleistungen zu den Pflichtleistungen der verschiedenen Sozialversicherungsträger: der gesetzlichen Krankenversicherung, der Rentenversicherung und der gesetzlichen Unfallversicherung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich.

Als Privatversicherter können Sie im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung (z. B. nach einer Operation) ebenfalls einestationäre Anschlussheilbehandlung durchführen. Das hängt vom Verlauf und von der Indikation Ihrer Krankheit ab.

Welche Zuzahlung leisten Sie selbst für die Rehabilitation?

Versicherte über 18 Jahre zahlen aktuell bei fast allen medizinischen Rehabilitationsleistungen zu. Die Zuzahlung beträgt in der Regel 10 Euro pro Tag. Bei Rehabilitationsleistungen, die über Unfallversicherer abgewickelt werden und wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit in Anspruch genommen werden, muss nichts zugezahlt werden. Darüber hinaus gelten je nach zuständigem Kostenträger Ausnahmen und Obergrenzen für die Höhe der Zuzahlung.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen existieren beispielsweise Sonderregelungen für chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung und Bezieher von Arbeitslosengeld II. Bei der Festlegung von Zuzahlungsobergrenzen wird außerdem die Höhe des Einkommens mitberücksichtigt. Auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung können Sie auf Antrag und unter bestimmten Voraussetzungen von Zuzahlungen befreit werden. Informieren Sie sich dazu bei Ihrem zuständigen Kostenträger.

Was vereinfacht Ihr Antragsverfahren?

Eigentlich genügt bei den Anträgen für Rehabilitationsmaßnahmen die Angabe der Indikationen nach der ICD 10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten). Es wurde jedoch mittlerweile fast zur Regel, dass der Arzt die Notwendigkeit der medizinischen Rehabilitation ausführlich begründet, am besten schon inklusive Ihres Klinikwunsches. Auf jeden Fall vermindert er damit das Risiko einer Ablehnung durch den Kostenträger.

Sind Sie privat versichert, beantragt der Sozialdienst des Krankenhauses Ihre Anschlussheilbehandlung bei Ihrer Krankenversicherung. Voraussetzung: Ihr behandelnder Arzt im Krankenhaus befürwortet die Maßnahme. Die Genehmigung sollte vor Antritt jeder Rehabilitationsmaßnahme vorliegen.

Rehabilitation: Schutzraum zwischen OP-Tisch und Alltag

Die medizinische Rehabilitation verfügt in Deutschland über ein Netzwerk von über 1.200 stationären Reha-Einrichtungen, die sich in die verschiedensten medizinischen Schwerpunkte (Indikationsgebiete) gliedert.

Wo finden Sie die Rehabilitationsklinik, die für Ihre Beschwerden geeignet ist?

Inhalte Handbuch Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen mit 1.500 Kliniken: www.rehakliniken.de. Ihren Klinikwunsch sollten Sie im Antragsverfahren angeben (lassen). Ihr behandelnder Arzt sollte ihn durch den Befundbericht untermauern.

Auf diese Krankheiten verteilen sich die geleisteten Rehabilitationen:

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) als größter Kostenträger im Rehabilitationswesen gibt für das Jahr 2013 folgende Verteilung der Maßnahmen auf die verschiedenen Indikationsbereiche an:

Es gibt auch ambulante Rehabilitationseinrichtungen

Viele Rehabilitationsmaßnahmen müssen nicht im Rahmen eines stationären Aufenthalts durchgeführt werden. Seit etwa 20 Jahren gibt es zumindest in Ballungsgebieten zahlreiche ambulante Einrichtungen. Kostenträger orientieren sich an Indikationskatalogen. Diese geben vor, für welche Krankheiten eine Rehabilitation vorgesehen ist und ob sie eher stationär oder ambulant erfolgen soll.

Wie lange dauert eine Rehabilitationsmaßnahme?

Stationäre Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen dauern in der Regel drei Wochen, ambulante Rehabilitationsleistungen maximal 20 Behandlungstage. Falls die medizinische Notwendigkeit vorliegt, kann eine Verlängerung beantragt werden. Eine erneute ambulante oder stationäre Rehabilitationsleistung kann grundsätzlich erst nach Ablauf von vier Jahren seit der letzten durchgeführten Maßnahme erfolgen. Eine frühere Wiederholung ist möglich, wenn dies aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich ist.

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