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Nacken-Schulter-Arm-Syndrom: Das sind die Ursachen

Chronisch verspannte Muskeln im Schulter-Nacken-Bereich können unbehandelt zu quälenden und ziehenden Schmerzen vom Nacken über die Schultern bis in die Arme und Fingerspitzen führen. Manche Betroffene berichten sogar über Taubheitsgefühle in den Händen. Wir nennen dieses Phänomen Nacken-Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialgie).

Die Nerven und Blutgefäße, die Ihre Arme versorgen, entspringen aus dem Halsmark in Höhe der Halswirbelsäule und durchlaufen auch die verspannte Nacken- und Schultermuskulatur. Dort können sie eingeengt sowie permanent gereizt werden. Es kommt zu einem Teufelskreis aus Fehlhaltung, Muskelverspannung und Schmerzen. Das Fatale: Der nun gestörte Muskelstoffwechsel und die mit den starken Schmerzen verbundene Schonhaltung verstärken die Verspannung immer weiter.

Keine Sorge: Über 90 % der Nackenschmerzen sind harmlos

Das Nacken-Schulter-Arm-Syndrom ist ein hochkomplexes Leiden, bei dem sowohl physische Faktoren (z. B. sitzende Tätigkeit, Zugluft) als auch die psychische Verfassung (z. B. Überforderung, depressive Verstimmungen) eine Rolle spielen.

Nur in wenigen Fällen ist ein Schaden an der Halswirbelsäule Auslöser für das Schmerzgeschehen. Bei starken und länger andauernden Schmerzen setze ich voraus, dass Sie einen Arzt aufsuchen. Dabei haben über 90 Prozent aller Nackenschmerzen keine organischen Ursachen, sondern sind die Folge einer Fehlhaltung (Universität Los Angeles, 2010). Mit ausbleibender Besserung bei vielen passiven Behandlungen nehmen die Schmerzen und der Leidensdruck aufgrund der ausbleibenden Besserung zu.

Werden Sie aktiv, statt sich zu schonen

Ruhe, Schonung und beengende Kleidung verzögern den Heilungsprozess, da Ihre durch Schmerzen beeinträchtigten Halsmuskeln schnell noch mehr an Kraft verlieren. Sie werden Ihre Nackenschmerzen schneller los, wenn Sie Therapien ausprobieren, bei denen Sie aktiv werden, anstatt die Schmerzen über sich ergehen zu lassen.

Zauberformel zur Schmerzlinderung: Wärme, Wärme, Wärme …

Wärme entspannt Ihre Muskulatur und lindert so als erste Maßnahme Ihre Schmerzen:

• Tragen Sie ein lockeres Tuch oder einen Schal. Vermeiden Sie Zugluft.

• Ein Besuch in der Sauna und tägliche Bestrahlungen mit der klassischen Rotlichtlampe sorgen für eine verbesserte Durchblutung.

• Legen Sie sich mehrmals täglich ein warmes Dinkel- oder Kirschkernkissen (z. B. Drogerie, Reformhaus, Apotheke) in Form eines flachen Nackenhörnchens wie einen Kragen um den Hals.

• Massieren Sie an den betroffenen Stellen morgens und abends eine schmerzlindernde Salbe ein (z. B. Kytta-Salbe® f mit Beinwellextrakt, 150 g ca. 10 Euro, oder Trauma plant-Creme, 100 g ca. 10 Euro, Apotheke).

Massieren Sie Ihre „Triggerpunkte“ weg

Vor allem die Triggerpunkt-Druckmassage ist eine höchst wirksame Lockerungsmethode bei akuten Schmerzen. Als Trigger bezeichnet man chronisch entzündete oder verspannte Muskelfasern, die Schmerzen auslösen. In der manuellen Therapie wird der Schmerzpunkt – meist nur wenige Millimeter groß – mit leichtem, dauerhaftem Druck massiert und dabei aufgelöst.

Diese Methode kann kurzfristig etwas schmerzhaft sein, die Schmerzen sollten jedoch im Laufe der Massage abnehmen. Am besten lassen Sie sich eine solche Behandlung verordnen. Aber Sie können auch selbst eine Druckmassage durchführen.

So geht’s: Erwärmen Sie die schmerzhafte Schulter-Nacken-Partie (z. B. mit der Packung oder einem Körnerkissen). Jetzt ist Ihr Körpergefühl gefragt: Schließen Sie die Augen, und tasten Sie die schmerzende Partie mit der schmerzfreien anderen Seite bzw. Hand nach Triggerpunkten ab. Wenn Sie einen solchen gefunden haben, verweilen Sie dort mit den Fingern und massieren den Punkt kreisend, bis der Schmerz nachlässt. Wiederholen Sie die Druckmassage zwei- bis dreimal täglich.

Ihr Nacken liebt Bewegung und Entspannung

Regelmäßige Dehn- und Kraftübungen, Laufen, Walken, Spazierengehen, Aqua-Gymnastik in warmem Wasser und Rücken- oder Kraulschwimmen schützen Ihre Schulter-Nacken-Muskulatur besonders wirksam vor erneuten Verspannungen. Auch Fahrradfahren empfehle ich Ihnen. Voraussetzung: Ihre Lenkerstange ist hoch genug angebracht, sodass Ihr Rücken entspannt aufgerichtet ist. Stehen Sie bei sitzender, monotoner Tätigkeit zudem immer wieder zwischendurch auf, und machen Sie kurze Lockerungsübungen (z. B. Kopf kreisen oder Schultern hoch- und runterziehen, langsam und nicht abrupt).

Nackenschmerzen lieben Stress

Stress, innere Verkrampfung und Angst verschlimmern Nackenschmerzen. Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga, Tai-Chi oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson lindern die Beschwerden in vielen Fällen. Manche Menschen entspannen hingegen lieber aktiv beim Sport. Auch ein warmes Bad am Abend (z. B. nach dem Sport) beruhigt nicht nur die Muskulatur, sondern auch den Geist.

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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