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Schlüsselbeinbruch: Schmerzhaft, aber meist harmlos

Ein Schlüsselbeinbruch gilt als einer der häufigsten Knochenbrüche. Wenn er auch schmerzhaft ist, so ist er dennoch oft harmlos und kann in den meisten Fällen vollständig geheilt werden.

Beim Mountainbiken ist es passiert: Ein Patient hatte an seinem Mountainbike erst vor Kurzem Klickpedale montiert und dann geschah es: An einer roten Ampel hatte er nicht daran gedacht, aus den Klicks zu steigen, und im nächsten Moment lag er auf dem Boden: Schlüsselbeinbruch. Er ist einer der häufigsten Brüche, die man sich bei einem Sturz zuziehen kann. Vor allem Fahrrad-, Skifahrer und Inline-Skater können ein Lied davon singen, denn er ist schmerzhaft, in den meisten Fällen allerdings unkompliziert. Verursacht wird der Bruch oft durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm (z. B. beim Fahrradsturz) oder auf die Schulter.

Protektoren schützen

Ambitionierte Mountainbiker sollten Protektoren tragen, mit denen sie ihren Schultergürtel schützen. Die Protektoren aus Hartschaum oder Kunststoff dämpfen den Aufprall. Im Freizeitbereich wird diese Schutzmaßnahme kaum genutzt, obwohl die untrainierten Freizeitradler verletzungsgefährdeter sind.

Das Schlüsselbein (medizinisch: Clavicula) bildet mit zwei weiteren Knochen den Schultergürtel und verbindet das Brustbein mit dem Schulterdach. Es ist s-förmig gebogen, handlang und stabilisiert Ihren Schultergürtel wie eine Speiche. Diese Fixierung sorgt erst dafür, dass Sie Ihr Schultergelenk bewegen können. Der Knochen liegt direkt unter der Haut und lässt sich leicht ertasten. Bei schlanken Menschen können Sie den Knochen hervorstehen sehen. Aufgrund seiner Lage ist der Knochen sehr anfällig für Brüche. Der Bruch liegt zu 80 Prozent im mittleren Drittel des Knochens, da dies seine schmalste Stelle ist.

Symptome und Diagnose

Schmerzen, Schwellungen und Blutergüsse sind die Symptome eines Schlüsselbeinbruchs. Unter Umständen bildet sich dabei am Knochen eine Stufe, die Sie ertasten und auch sehen können. Armbewegungen auf der betroffenen Seite sind nur beschränkt und unter Schmerzen möglich.

Suchen Sie bei Verdacht auf eine Schlüsselbeinfraktur unmittelbar nach dem Unfall auf jeden Fall einen Arzt auf. Zur Sicherung der Diagnose werden Röntgenaufnahmen von dem Schlüsselbein gemacht. Kleinere Brüche oder Frakturen, die sich in der Nähe des Brustbeins befinden, sind gut mittels einer Computer- (CT) oder Kernspin-Tomografie zu erkennen.

Beugen Sie Unfällen vor

Wirklich schützen können Sie sich vor einem Sturz natürlich nicht, aber Sie können durch umsichtiges Verhalten versuchen, Stürze zu vermeiden. Angst jedoch ist ein schlechter Begleiter, sie kann sogar einen Sturz provozieren. Daher ist ein geeignetes Techniktraining eine der wichtigsten Voraussetzungen für sturzfreies Sporttreiben.

Ob Inline-Skating oder Mountainbiking, Rennrad- oder Motorradfahren: Die richtige Fahrtechnik ist die halbe Unfallversicherung. Dazu zählt auch das richtige vorausschauende Verhalten, um Unfällen vorzubeugen. Informieren Sie sich bei Sportvereinen und -klubs in Ihrer Nähe über deren Angebote.

Behandlungsmöglichkeiten

In den meisten Fällen bekommt der Patient einen Rucksackverband, damit die beiden Bruchenden aneinandergezogen werden. Ein solcher Zugverband wird dabei um beide Schultern geschlungen und am Rücken so gespannt, dass die Schultern nach hinten gezogen werden. Anfangs sollte der Verband täglich kontrolliert und möglicherweise nachgezogen werden, damit die Spannung erhalten bleibt. Bereits nach drei bis vier Wochen kann sich bereits wieder eine gewisse Stabilität der Fragmente eingestellt haben. Allerdings ist es möglich, dass aufgrund dieser Behandlungsmethode der Knochen an der Bruchstelle verdickt und das Schlüsselbein kürzer ist mit der Folge einer leichten Schulterasymmetrie.

Weitaus seltener wird ein Schlüsselbeinbruch operiert, beispielsweise wenn die Bruchenden nicht gut zusammenwachsen würden. Dabei wird der Knochen mit einer Metallplatte und Schrauben fixiert. Nach frühestens einem halben Jahr kann die Platte entfernt werden. Alternativ kann je nach Bruchstelle auch eine Drahtschlinge eingesetzt werden.

Schmerzfrei bewegen

Wenn Ihr Schlüsselbein gebrochen ist, sollten Sie darauf achten, dass Ihnen Ihre Armbewegungen nicht wehtun. Sobald Sie Schmerzen verspüren, sollten Sie die Bewegung abbrechen. Armbewegungen nach vorne oder zur Seite, bei denen Ihr Arm keinen rechten Winkel zum Oberkörper bildet, kommen aus der Schulter und dem Schultergelenk. Sie können von den Betroffenen schnell wieder schmerzfrei ausgeführt werden. Alles was darüber hinausgeht, bewegt das Schulterblatt mit und so auch das Schlüsselbein.

Sobald Ihr Verband abgenommen ist, beginnt die physiotherapeutische Behandlung. Im Vordergrund steht zunächst die Mobilisierung von Hand, Handgelenk und Ellenbogen, nach einigen Wochen die des Schultergürtels.

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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