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So ist der typische Krankheitsverlauf der Fibromyalgie

Die Ursache des Weichteilrheumas (Fibromyalgie) ist noch weitgehend unbekannt. Im Gegensatz zu anderen Rheumaleiden wie Arthrose oder Arthritis ist die Fibromyalgie nicht mit einer Entzündung verbunden.

Sie ist also keine entzündliche Erkrankung, keine Gelenkerkrankung, keine Wirbelsäulenerkrankung, sondern ein Leiden, das vor allem Muskeln und Sehnen betrifft.

Mit der Sehne ist der Muskel am Knochen befestigt. Die Übergangsstelle zwischen Muskel und Sehne ist der neuralgische Punkt der Fibromyalgie. Hier treten die Schmerzen auf.

Einzelne Muskel- und Sehnen-Übergänge können sich dabei besonders bemerkbar machen, das sind dann die Druckschmerzpunkte oder tender points. Die Knochen und Gelenke sind davon nicht betroffen.

Die Fibromyalgie ist auch keine psychische Erkrankung. Die seelischen Beschwerden und Veränderungen sind allerdings häufig eine Folge der chronischen Erkrankung.

So entwickeln sich die Beschwerden bei Weichteilrheuma (Fibromyalgie)

  • Am Anfang stehen völlig unspezifische Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Magen- und Darmbeschwerden, Schlafstörungen.
  • Dann gesellen sich Schmerzen im Bereich der Lenden- oder Halswirbelsäule hinzu.
  • Nun treten Schmerzen in Armen und Beinen auf. Meistens sind die Schmerzen morgens besonders schlimm.
  • Das Leiden verschlimmert sich schubweise. Heftige Schmerzattacken wechseln sich mit schmerzfreien Phasen ab.
  • Kälte, Nässe, Infektionen oder eine äußere Belastung können die Schmerzen verschlimmern.
  • Bis sich die Fibromyalgie voll ausgebildet hat, dauert es meist etwa 10 Jahre, im Schnitt weitere 7, bis die Diagnose gestellt ist.

Nach diesen Kriterien wird beurteilt, ob bei Ihnen eine Fibromyalgie vorliegt:

  • Sie haben über mehr als drei Monate Schmerzen im Rücken und in zwei weiteren Bereichen – etwa in den Armen oder Beinen.
  • Sie haben bei einem speziellen Test erhebliche Schmerzen an mindestens 12 von 24 Schmerzdruckpunkten, den tender points.
  • Wenigstens sieben der folgenden Beschwerden liegen bei Ihnen vor: kalte Hände, Füße oder Nasenspitze, Mund­trockenheit, vermehrtes Schwitzen, Kreislaufprobleme, Zittern der Hän­de, Schlafstörungen, Darmbeschwerden, Kloßgefühl im Hals, Atemprobleme, Herzbeschwerden, Missempfindungen, Blasenbeschwerden, Kopfschmerzen, Migräne.
  • Sie leiden zusätzlich unter depressiven Verstimmungen oder seelischen Beeinträchtigungen.

Leichtes Ausdauertraining lindert den Schmerz

Wissenschaftler und Ärzte des Universitätsklinikums Heidelberg und aus ganz Deutschland wollten ermitteln, welche Therapieformen sich bei Fibromyalgie bisher bewährt haben und von welchen abzuraten.

Dazu haben sie sämtliche verfügbaren Therapiestudien ausgewertet, die hochrangige Qualitätskriterien erfüllen. Daraus leiteten sie ihre Behandlungsempfehlungen ab.

Eine in deutscher und englischer Version Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften ist aktuell erschienen.

Sie bietet behandelnden Ärzten und Betroffenen eine Orientierungshilfe im schwer zu überschauenden Angebot möglicher Therapien bei Fibromyalgie.

Professor Dr. Wolfgang Eich arbeitet als Schmerzexperte am Universitätsklinikum Heidelberg. Er beteiligte sich federführend an der Überarbeitung der Leitlinie und stellte diese in einer Pressekonferenz in Heidelberg vor.

Rund vier Prozent der Bevölkerung betroffen

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung des Bewegungssystems. In den Industrienationen leiden rund vier Prozent der Bevölkerung an der unheilbaren Erkrankung.  Hauptsächlich leiden Frauen zwischen 40 und 60 Jahren an der Erkrankung.

Eine Vielzahl von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren ist mit der Entwicklung eines Fibromyalgiesyndroms assoziiert.

Trotzdem können Mediziner bisher keine eindeutige Aussagen zur Ursache der Erkrankung machen.

Die Diagnose erweist sich wegen des weiten Spektrums möglicher Beschwerden als schwierig. Ein Arzt kann sie nur durch den Ausschluss anderer Erkrankungen treffen. Betroffene leiden unter anhaltenden Schmerzen in Nacken, Rücken, Brust, Bauch oder Gelenken.

Je nach Schwere der Erkrankung kommen Schlafstörungen, Erschöpfung, Reizmagen und -darm sowie psychische Beschwerden wie Depression oder Angst hinzu.

Neue Erkenntnisse plus Erfahrungen

Seit 2008 gibt es eine Leitlinie für Diagnose und Therapie von Fibromyalgie. Sie soll Ärzte darin unterstützen, wirksame Therapien auszuwählen.

Patienten sollen von Behandlungen ohne Aussicht auf Erfolg bzw. Nebenwirkungen bewahrt bleiben. „Bisher gab es zu vielen Behandlungen keine belastbaren Ergebnisse. Daher konnten wir 2008 dazu keine klaren Aussagen machen“, erklärt Professor Eich.

Die aktualisierte Version bezieht neue Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien sowie Erfahrungen von Experten und Patienten mit ein.

An der Überarbeitung beteiligten sich Vertreter aus neun medizinischen Fachgesellschaften und zwei Patientenorganisationen sowie 50 Ärzte und Wissenschaftler aus ganz Deutschland.

Selbstmanagement ist gefragt

Ziel jeder Behandlung muss es sein, Fibromyalgie-Patienten das Leben mit der Erkrankung zu erleichtern, ihre Beschwerden zu lindern und ihre Lebensqualität trotz Schmerzen zu verbessern.

„Unsere Recherchen haben gezeigt, dass die Patienten besonders von regelmäßigen Aktivitäten profitieren. Diese können sie eigenständig im Sinne eines Selbstmanagements durchführen“, so Eich.

Neu in der Leitlinie ist daher die Empfehlung für ein individuell angepasstes Ausdauer- und leichtes körperliches Krafttraining.

Dazu zählen beispielsweise 30 Minuten schnelles Spazierengehen, Walking oder Fahrradfahren zwei- bis dreimal in der Woche. „Optimal wäre die Kombination mit Entspannungs- und Psychotherapie-Verfahren, die die Selbstwirksamkeit erhöhen.

Dazu zählen etwa kognitive Verhaltenstherapien oder andere Psychotherapieverfahren“, sagt der Mediziner. Diese Formen der „multimodalen“ Therapie zeigen die besten Ergebnisse bei Fibromyalgie.

Enttäuschung: Medikamente und Homöopathie

Enttäuscht zeigte sich der Schmerzexperte von den Ergebnissen der medikamentösen Therapieansätze. „Nur wenige Präparate zeigten langfristigen Nutzen, bei den meisten überwiegen die Nebenwirkungen bei längerer Einnahme.“

Nicht geeignet zur Behandlung von Fibromyalgie sind entzündungshemmende Schmerzmittel, Opiode oder Cannabinoide.

Bestimmte niedrig dosierte Antidepressiva linderten die Beschwerden und empfehlen sich daher für den zeitlich begrenzten Einsatz.

Auch komplementäre Therapieverfahren standen auf dem Prüfstand. „Es gibt Studien zum Einsatz von Homöopathie und Reiki bei Fibromyalgie. Bei beiden Ansätzen konnte keine Wirkung nachgewiesen werden“, erläutert Eich.

Anders sieht bei meditativen Bewegungstherapien wie Tai Chi oder Yoga aus. Die Kombination aus bewusster Bewegung und Entspannung tat vielen Patienten gut.

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Alte Kommentare
  • Kramer Mannfred schrieb am 05.08.2009, 08:07 Uhr

    in Österreich scheint diese Krankheit überhaupt unbekannt zu sein. Als ich einige Ärzte darauf ansprach, erwiderten diese mürrisch, das ist schon wieder so eine Modekrankheit. Begleitet wird diese Krankheit meinen Beobachtungen zufolge auch von massiver Glutenunverträglichkeit, massiven Schilddrüsenproblemen, Psoriasis, sozialer Isolation wegen der doch öfters geäußerten Schmerzzuständen und Mobbing am Arbeitsplatz wegen häufiger Krankenständen und auch von üblen Verleumdungen und Unterstellungen, man wolle ja nur eine Ausrede für eine möglichst frühe Pensionierung parat haben. Das die liebe Verwandschaft und Nachbarschaft auch Ihren Teil dazu beitragen, das Leben zu erschweren ist nur logisch, wo doch diese ja so leistungsfähig ist und solche Schmarotzer durchfüttern müssen. Daß die Krankenkassen mit Ihrem falsch verstandenen Sparen dem ganzen noch die Krone aufsetzen - eh klor! Bin selbst Betroffener und studiere wegen nichthilfe seitens der Ärzte deshalb Energetiker um mir selbst im Rahmen des möglichen mit alternativen Methoden helfen zu können , wie russische Energieakupunktur, energetisch ausgetestete Medikamente und NMU und NME. Klären Sie bitte weiter auf und helfen sie auf diese Art den Betroffenen das Leben zu erleichtern. Grüße aus Klagenfurt am Wörthersee.

  • Uwe Da schrieb am 05.08.2009, 20:40 Uhr

    Mir geht es ähnlich wie Herrn Kramer, mein Arzt nimmt mich nicht ernst und versucht mir einzureden , ich würde mir das Ganze nur einbilden und es wäre alles seelisch bedingt. Ich werde mir also einen anderen Arzt suchen. Ob ich bei dem besser beraten werde? Nicht nur in Österreich reagieren die Ärzte so. Man gibt die eigene Unfähigkeit halt nicht gerne zu.

    • h mayer antwortete am 13.02.2013, 12:34 Uhr

      hallo herr uwe da, das haben Sie sehr richtig erkannt die Ärzte haben tatsächlich keine Ahnung. Mir hat ein Heilpraktiker geholfen seitdem nehme ich Q10 u. Fischölkapseln und die Schmerzen bleiben erträglich. Gruß aus der Pfalz H. Mayer

  • Josef Bischofberger schrieb am 06.08.2009, 08:05 Uhr

    Sehr geehrte Frau Schneider, voreb einmal ein Kompliment für Ihre wertvollen Beiträge, die ich schon seit längerer Zeit aus den Newslettern herausfiltere und sorgfältig ablege. Nun bin ich auf Ihren neuen Beitrag hinsichtlich Rheuma gestoßen, in dem Sie anführen, daß deren Ursachen unbekannt sind. DAS STIMMT NICHT!! Vielmehr wird diese beherschbare Problem von Seiten der Pharmaindustrie bewußt mit dem Kommerntar belegt, die Ursachen nicht zu kennen, um damit heuchlerische Geschäfte, Milliarden-Umsätze einstreichen zu können. Wenn Sie näheres über die mir seit über 40 Jahren bekannten Ursachen und damit über den, von mir erfolgreich praktizierten Schutz vor dieser Gefahr erfahren wollen, erwarte ich gerne Ihre Interessenbekundung. Mit freundlichen Grüßen! J. Bischofberger

  • Ingrid Jauernik schrieb am 16.08.2009, 19:49 Uhr

    Ich glaube, dass all diese chronischen Erkrankungen durch unsere falsche Ernährung herrühren. Zu viel tierisches Eiweiß in Form von Fleisch und Wurst, besonders Schweinefleisch, Zucker und weißes Mehl. Nachdem ich eine totale Ernährungsumstellung nach der Schnitzer-Intensivkost gemacht habe, kenne ich keine Krankheiten mehr und fühle mich super gut mit meinen 54 Jahren. Auf die Ärzte verlasse ich mich schon lange nicht mehr. Diese wollen einem immer nur irgendwelche Pillen oder Tabletten verschreiben und erkennen nicht woran die Menschen wirklich erkranken. Pillen verschreiben ist ja auch viel lukrativer... für ganze Wirtschaftszweige.