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Sind die weiß verfärbten Finger harmlos oder Erkrankungs-Anzeichen?

Manchmal genügt schon der kleinste Kältereiz – der Griff in den Kühlschrank oder das sommerliche Bad im kühlen Meer -, und die Finger verfärben sich weißblau und werden extrem kalt.

Das sind die typischen Anzeichen des Raynaud-Syndroms.

Die Ursache ist ein Gefäßkrampf, der sich bereits nach wenigen Minuten lösen, aber auch mehrere Stunden anhalten kann. Die Blutgefäße in den Fingern ziehen sich zusammen, und das Blut weicht langsam aus ihnen zurück.

Die Finger sind kalt und fühlen sich wie abgestorben an (daher sprechen einige Ärzte auch recht unsensibel von „Totenfingern“).

Ist der Krampf vorbei, kehrt die Farbe zurück, zunächst als bläulicher Schimmer, dann als intensive rote Färbung.

Die Finger können dabei anschwellen und schmerzen. Von solchen Kälteanfällen, die der französische Arzt Maurice Raynaud (1834 – 1881) erstmals 1862 beschrieb, sind mehr Menschen betroffen, als Sie vielleicht denken.

Die Schätzungen gehen für das westliche Europa von 3 bis 16 % aus. Genauere Zahlen liegen nicht vor. Auch die Ursachen sind nur unvollständig geklärt.

Lesen Sie hier, wie das Phänomen entsteht. Mit der Schulmedizin lassen sich bisher nur die Symptome bekämpfen. Doch eine Reihe von Naturheilverfahren kann das Problem an der Wurzel packen.

Gefäßkrämpfe sind schuld an der „Migräne in den Fingerspitzen“

Das Raynaud-Syndrom wird auch als „Migräne in den Fingerspitzen“ bezeichnet. Denn diese Art von Kopfschmerzen tritt ebenfalls anfallsartig auf und ist vermutlich auf krampfhaft verengte Blutgefäße zurückzuführen.

Frauen sind vom Raynaud-Syndrom 5- bis 10-mal häufiger betroffen als Männer. Daher wird eine Beteiligung des Hormonhaushalts vermutet.

Als weitere Ursache wird ein überaktives autonomes Nervensystem diskutiert, da es auch die Muskelspannung der Gefäßwände kontrolliert.

Die ersten Symptome treten typischerweise im Alter zwischen 14 und 40 Jahren auf, bei Männern eher in späteren Jahren.

Das können mögliche Auslöser sein:

  • kaltes Wasser
  • kalte Gegenstände (z. B. ein Lenkrad, gekühlte Flaschen etc.)
  • nasskalte Luft
  • Stresssituationen
  • emotionale Erregung

Betroffen sind jedoch nicht immer die Finger. Das Blut kann sich auch aus den Zehen oder der Nasenspitze zurückziehen.

Folgeschäden treten nur selten auf

Etwa 60 % der Patienten haben kein erkennbares Grundleiden, das die Symptome des Raynaud-Syndroms begünstigt. Die Mediziner sprechen dann von einem „primären“ Raynaud-Syndrom.

Die Erkrankung ist zwar unangenehm, aber im Grunde vollkommen harmlos.

Bei den restlichen Patienten liegen meistens andere Krankheiten vor, die für die Durchblutungsstörungen sorgen („sekundäres“ Raynaud-Syndrom).

Diese Krankheiten können die Raynaud-Symptome begünstigen:

  • Rheuma
  • Sklerodermie (Bindegewebsverhärtung in der Haut)
  • Arteriosklerose (Durchblutungsstörungen in der Haut)
  • Thrombosen
  • Verletzungen, Frostbeulen
  • Migräne
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Infektionen (u. a. Helicobacter pylori)

Als Faustregel gilt: Wenn die Symptome symmetrisch an beiden Händen auftreten, ist es meist die harmlose primäre Form.

Ist dagegen nur eine Hand betroffen, könnten die oben aufgelisteten Störungen dahinterstecken.

Übrigens gibt es auch eine Reihe von Medikamenten, die die Raynaud-Anfälle begünstigen, (z. B. abschwellende Nasentropfen, Antibiotika, Krebsmittel (Zytostatika), Betablocker, Migränemittel (Ergotamine), Interferone).

Lokale Schmerzmittel und Vitalstoffe helfen

Bei einem sekundären Raynaud- Syndrom sollte Ihr Arzt die Grunderkrankung behandeln. Sind die Symptome belastender, können Sie einen Versuch mit einer Nitroglycerinsalbe unternehmen, die gefäßerweiternd wirkt.

Diese Naturheilverfahren regen die Durchblutung der Finger wieder an:

  • Akupunktur
  • Neuraltherapie
  • Biofeedback
  • Ozontherapie, Sauerstofftherapien
  • Krankengymnastik

Ein spezielles Verfahren, das sich vor allem bei sehr schmerzhaften Raynaud-Beschwerden bewährt hat, ist die so genannte therapeutische Lokalanästhesie. Dabei erhalten die Patienten in regelmäßigen Abständen Injektionen von lokal wirksamen Schmerzmitteln.

Sie hemmen die Nervenaktivität und reduzieren die Krampfneigung. Auch mit einer Reihe von Vitalstoffen können Sie die Durchblutung in den Fingern fördern.

Bewährt haben sich folgende Tagesdosen: Niacin (2 x 200 mg); Vitamin E (200 bis 400 I. E.), Vitamin C (500 mg), Arginin (3 bis 5 g), Omega-3-Fettsäuren (500 bis 1.000 mg), Gamma-Linolensäure (160 mg).

Selbst wenn Ihnen das Raynaud-Syndrom keine größeren Beschwerden bereitet, ist es notwendig, Ihren Arzt davon zu unterrichten.

Nur er kann endgültig entscheiden, ob es sich um das eher harmlose primäre Raynaud-Syndrom handelt oder ob sich dahinter andere schwerwiegende Störungen verbergen.

Außerdem müssen sie bei der Behandlung anderer Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck) auf das bestehende Raynaud-Syndrom Rücksicht nehmen.

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Dr. Martina Hahn-Hübner
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