MenüMenü

Achtung, Luftnot: Nicht immer ist Ihre Lunge schuld

Sie bekommen schlecht Luft, müssen immer wieder stehen bleiben und fühlen sich wie ein Fisch auf dem Trockenen.

Wenn Sie in dieser Form unter Luftnot leiden, liegt der Verdacht nahe, dass Sie unter einer Erkrankung der Lunge leiden.

Doch das ist nicht zwangsläufig so. Es gibt verschiedene Ursachen für die Luftnot – die wichtigsten stelle ich Ihnen hier vor.

 

Die Atmung ist ein Prozess, über den wir nicht nachdenken. Wir atmen einfach.

Tag und Nacht, im Wachen wie im Schlafen. Es geschieht ganz automatisch.

Durch das Einatmen nehmen wir Sauerstoff zu uns, durch das Ausatmen geben wir ihn verbraucht, in Form von Kohlendioxid wieder ab.

Bekommt Ihr Körper nicht genügend Sauerstoff durch die Atmung, versucht er, diesen Mangel auszugleichen.

Dies geschieht durch eine schnellere Atmung, die auch als Kurzatmigkeit oder Atemlosigkeit bezeichnet wird.

Atemnot = Lungenkrankheit – diese Gleichung geht nicht immer auf

Dass man bei Anstrengung außer Atem gerät, ist teilweise normal. Selbst trainierte Sprinter schnappen ja nach einem Lauf nach Luft.

Aber was, wenn Sie neuerdings ständig außer Atem sind?

Wenn Sie sich selbst in entspannten Situa­tionen kurzatmig fühlen, vorm Fernseher oder ruhig im Bett liegend Luftnot verspüren?

Der erste Gedanke in dieser ­Situation ist der an Asthma oder an eine andere Lungenerkrankung.

Vielleicht sind auch die Atem­wege geschädigt? Doch das sind manchmal voreilige Einschätzungen.

Denn häufig stecken Beschwerden hinter Ihrer Kurzatmigkeit, die mit Ihrer Lunge zunächst einmal gar nichts zu tun haben.

Diese Gesundheits­probleme können zur ­Kurzatmigkeit führen

1. Anämie

Sie ist mit die häufigste Ursache für Kurzatmigkeit. Es gibt unterschiedliche Formen der Anämie, und viele von ihnen lösen die Atemprobleme aus.

Besonders häufig entstehen sie bei ­Eisenmangel-Anämie und auch bei der perniziösen Anämie, die durch eine Unterversorgung mit Vitamin B12 hervorgerufen wird.

Diese Symptome sind typisch:

Müdigkeit, Herzrasen, Krämpfe (vor allem in den Beinen) und Probleme bei der Konzentration sind Symptome, die Kennzeichen einer Anämie sind.

So wird behandelt:

Ihr Arzt kann durch ein großes Blutbild, bei dem zudem Form und Größe der roten Blutkörperchen bestimmt wird, eine Anämie erkennen.

Auf diese Weise kann er auch herausfinden, wodurch die Anämie verursacht wird.

Diese wird dann durch eine Nahrungsergänzung mit dem entsprechenden Stoff bekämpft. Liegt ein Geschwür vor, das die Anämie verursacht, wird Ihr Arzt wahrscheinlich Antibiotika einsetzen.

Eine Eisenmangel-Anämie kann auch durch Darmkrebs ausgelöst werden, sodass hier weitere Untersuchungen nötig werden.

2. Angst, Sorgen, Stress

Sie stehen direkt mit Kurzatmigkeit in Verbindung, denn bei seelischen Problemen verändert sich unsere Atmung. Wir atmen nicht mehr tief in den Bauch ein, sondern nur flach und schnell.

Auf diese Weise nehmen Sie nicht mehr genügend Sauerstoff zu sich, geben aber auch nicht ausreichend Kohlendioxid ab. So kommt es zu einem Ungleichgewicht; Ihrem Körper fehlt der frische Sauerstoff.

Diese Symptome sind typisch:

Schnell kommt es bei seelischen Problemen zu erhöhtem Puls. Hände und Füße können kribbeln und/oder taub werden. Auch verspüren viele Menschen eine große Abgeschlagenheit.

So wird behandelt:

Ihr Arzt wird in der Regel eine sogenannte Lungenfunktionsprüfung durchführen, also die Durchgängigkeit der Atemwege und die Kapazität der Lunge messen.

Eventuell muss Ihre Lunge auch geröntgt werden. Wenn Ihre Lunge in Ordnung ist, kann auch „einfach nur“ eine falsche Atemtechnik schuld sein.

Üben Sie täglich immer wieder die richtige Atmung.

Dazu atmen Sie zehn Sekunden tief durch die Nase in den Bauch ein (zur Kontrolle können Sie eine Hand auf Ihren Bauch legen) und atmen Sie dann zehn Sekunden lang langsam und tief wieder aus.

3. Einnahme von Beta-Blockern

Diese Medikamente gelten heute schon fast als Standard-Medikation.

Verordnet werden sie nicht mehr nur bei Bluthochdruck, sondern auch bei Herzbeschwerden, Angina Pectoris und stressbedingten Gesundheitsbeschwerden.

Nachteil der Beta-Blocker: Sie enthalten einen Wirkstoff, der zur Verkrampfung der Bronchialmuskeln führen kann und so Kurzatmigkeit verursacht.

Diese Symptome sind typisch:

Wenn Ihre Kurzatmigkeit von Beta-Blockern herrührt, können Sie dies in der Regel im wahrsten Sinne des Wortes hören.

Denn das Luftholen ist sehr häufig von pfeifenden oder keuchenden Geräuschen begleitet. Darüber hinaus wird die Atemnot von unregelmäßigem Puls und von Schwindelanfällen begleitet.

So wird behandelt:

Können Sie einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Ihrer Einnahme der Beta-Blocker und Ihrer Kurzatmigkeit herstellen? Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt.

Sie sollten dann ein Alternativmedikament einnehmen. Am besten wäre es natürlich, ganz von den Beta-Blockern wegzukommen.

Wenn das nicht möglich ist, sollte Ihr Arzt auf neue, als selektiv bezeichnete Beta-Blocker wechseln.

 

4. Herzinsuffizienz oder Herzschwäche

Bei diesen Erkrankungen wird mit jedem Herzschlag deutlich weniger Blut in den Kreislauf gepumpt als normalerweise nötig.

So kommt es, dass Organe und Körpergewebe unter einem Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen leiden.

Diese Symptome sind typisch:

Oft kommt es neben der Herzschwäche zu Müdigkeit, dauerndem Husten sowie Schwellungen an Gliedmaßen. In erster Linie sind hier Füße, Knöchel und Beine betroffen.

So wird behandelt:

Ihr Arzt wird normalerweise sofort ein EKG, eine Lungenröntgenaufnahme und eine Blutuntersuchung durchführen. Bei Letzterer wird das sogenannte BNP-Hormon gemessen.

Sein Wert ist deutlich erhöht, wenn das Herz überlastet bzw. überfüllt ist.

Je nach Schwere der Erkrankung ist eine medikamentöse Behandlung, eventuell sogar ein Schrittmacher vonnöten.

5. Lungenembolie

Sie kann dann Ursache sein, wenn es ganz plötzlich und überraschend zur Kurzatmigkeit kommt.

Schuld ist dann ein Gerinnsel, das sich aus einer Vene (häufig am Bein oder Becken) gelöst hat und die Arterie der Lunge verstopft.

Eine solche Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall, daher müssen Sie sofort den Notarzt unter 112 rufen.

Zögern Sie auf keinen Fall! Wird eine Lungenembolie nicht sofort ärztlich behandelt, endet sie in 30 Prozent der Fälle tödlich!

Diese Symptome sind typisch:

Eine Lungenembolie wird häufig von Brustschmerzen und Husten begleitet. Bei Letzterem kann es auch zu blutigem Auswurf kommen. Auch Beinschwellungen, -schmerzen und -verfärbungen können auftreten.

So wird behandelt:

Haben Sie den Notarzt gerufen und sind ins Krankenhaus gebracht worden, wird per Ultraschall oder durch ein CT das Gerinnsel gesucht.

Eventuell wird eine sogenannte Lungenventilation durchgeführt – bei dieser wird die Blutversorgung der Lunge überprüft.

Es kann sein, dass es nötig ist, Heparin zu spritzen und einen oralen Blutverdünner zu geben.

So soll verhindert werden, dass sich das Gerinnsel vergrößert bzw. soll es sich so auflösen.

Eventuell müssen Sie auch nach dem Eingriff noch weiter Blutverdünner einnehmen, um eine Neubildung von Gerinnseln in Zukunft zu verhindern.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

Regelmäßig Informationen über Innere Medizin erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Dr. med. Michael Spitzbart. Über 344.000 Leser können nicht irren.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!